Der Kern

Für diejenigen, die bislang nur über den Namen „F-Droid“ gestolpert sind – sich aber noch nicht um Details gekümmert haben, hier die Kern-Frage: Was ist eigentlich F-Droid, und was macht es so besonders? Warum sollte man so einer kleine Nische mit gerade einmal 2.000 Apps überhaupt Beachtung schenken – wo es doch genügend andere, größere App-Märkte gibt?

  1. Alle Apps hier sind Open Source. Das heißt, der Programm-Code kann von jedem eingesehen und, das nötige Wissen vorausgesetzt, auch analysiert und auf Probleme hin untersucht werden: Gibt es etwa Hintertüren? Wird fleißig „nach Hause telefoniert“? Sind irgendwelche dubiosen Dritt-Services eingebunden?
  2. F-Droid untersucht den Quellcode. Das ist die praktische Umsetzung des ersten Punktes. F-Droid geht sogar noch einen Schritt weiter: Damit sichergestellt ist, dass auch wirklich der untersuchte Code in der App steckt, wird selbige auch direkt von F-Droid kompiliert. Das hat allerdings den Nebeneffekt, dass Ihr eine aus dem Play Store installierte App nicht bei F-Droid aktualisieren könnt (auch nicht umgekehrt): F-Droid signiert die APK-Datei nämlich mit seinem eigenen Schlüssel – den der Entwickler hat man natürlich nicht.
  3. Anti-Features werden explizit ausgewiesen. Das heißt, Ihr seht schon in der App-Beschreibung, ob die App etwa Werbung oder „unfreie/proprietäre Abhängigkeiten“ beinhaltet. Und zwar unabhängig davon, ob der Entwickler das in der Beschreibung verankert hat – dieser Block wird von F-Droid explizit eingefügt.
  4. Alle Apps sind gratis. Es gibt in den APK-Dateien also keine versteckte „Lizenz-Prüfung“, welche eine Internet-Verbindung voraussetzen würde.
  5. Die Benutzung geschieht ohne Anmeldung. Ihr benötigt also kein extra Konto, keinen Login – F-Droid kann völlig anonym verwendet werden.

Mit den Apps aus dem F-Droid Repository seid Ihr also in mehrfacher Hinsicht gut dran: Nicht nur wurde der Quellcode geprüft – sondern man erhält auch mehr Details darüber, was in der App steckt. Dafür fehlen leider überwiegend die Screenshots, damit man sich auch grafisch etwas darunter vorstellen kann. Auch auf ein Bewertungs-System muss man verzichten: Da die Benutzung anonym stattfindet, könnte ja sonst jeder mehrfach „abstimmen“.

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App Liste und Details in der F-Droid App / © Izzy Bildquelle: NextPit

Das Mehr

Anders als im Google Play Store findet Ihr bei F-Droid nicht nur die jeweils aktuellste Version einer App. Auf Wunsch könnt Ihr auch die Vorgänger-Version herunterladen. Oder eine noch frühere. Das kann aus mehreren Gründen interessant sein:

  • Auf Eurem Androiden läuft noch Android Kitkat, ein Update ist nicht in Sicht – aber die aktuellste Version der App, die Ihr gern installieren möchtet, setzt mindestens Lollipop voraus. Statt des lapidaren Hinweises, „diese App ist nicht mit Deinem Gerät kompatibel“, kann man in vielen Fällen einfach auf eine ältere Version zurückgreifen, die noch mit Kitkat läuft.
  • Mit dem letzten Update erhielt eine App zahlreiche neue Features, die Ihr gar nicht benötigt – welche aber die App wesentlich umfangreicher gemacht haben. Und auf Eurem Androiden ist der Platz knapp…
  • Das letzte Update entfernt eine Funktion, die Ihr jedoch unbedingt benötigt.
  • Das letzte Update hat „etwas kaputt gemacht“.

Sicher fallen Euch noch weitere Gründe ein.

Das „Noch mehr“

Was weniger Leute wissen: Es gibt nicht nur ein Repository. Im Client bereits vorkonfiguriert ist beispielsweise das „F-Droid Archiv“, in dem sich noch ältere Versionen von Apps befinden. Außerdem können Entwickler ihre Apps auch in eigenen Repositories bereitstellen, auf die man mit der F-Droid App Zugriff hat (so man diese Repositories dort konfiguriert). Dafür kann es ebenfalls mehrere gute Gründe geben:

  • Repositories für Beta-Versionen oder „nightly builds“ – für Tester und „early adopters“. Damit lässt sich sicherstellen, dass die später veröffentlichte „finale Version“ auch möglichst fehlerfrei ist.
  • Repositories für „geschlossenen Benutzergruppen“. Man denke beispielsweise an „firmen-interne Apps“, die für andere nicht zugänglich sein sollten.
  • Eine App erfüllt nicht alle Ansprüche, die eine Aufnahme in das „offizielle Repository“ stellt – soll aber dennoch außerhalb des Play Store verfügbar sein. Eventuell auch, weil sie selbst dort nicht aufgenommen würde, da sie ggf. gegen Play Store Richtlinien verstößt. Das muss nicht unbedingt etwas „Böses“ sein, wie das microG Projekt belegt: Es steht „in Konkurrenz“ zu Google-Produkten (daher darf es nicht in den Play-Store) – benutzt aber Google-Dienste (weshalb es nicht in das „offizielle F-Droid Repo“ darf).
  • Eine App wurde (noch) nicht in das „offizielle Repository“ aufgenommen. Der Prozess dafür kann sich manchmal über Monate hinziehen – die Prüfung ist halt gründlich. Der Entwickler möchte seine App jedoch trotzdem bereits für Anwender verfügbar machen.
  • Der Entwickler scheut einfach den Aufwand des Aufnahme-Prozesses.
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Einrichten zusätzlicher Paketquellen in der F-Droid App / © Izzy Bildquelle: NextPit

Eine Liste verfügbarer Repositories findet Ihr auf meiner Website. Viele dieser Repositories enthalten lediglich eine Hand voll Apps, oder gar nur eine einzige. Einige ausgewählte Kandidaten möchte ich Euch hier kurz vorstellen:

  • The Guardian Project: Hier findet Ihr Apps mit Bezug zu Sicherheits-Themen, wie etwa Orfox oder ChatSecure
  • microG: Apps des bereits genannten microG Frameworks (Open-Source-Ersatz für die GApps)
  • IzzyOnDroid: Mein eigenes kleines Repo mit derzeit ca. 200 Apps, die sich entweder (noch) nicht bei F-Droid finden, oder dort nicht mehr aktualisiert werden.

Bei diesen „Drittanbieter-Repositories“ findet allerdings i. d. R. keine unabhängige Prüfung statt – daher solltet Ihr Euch bei jeder von dort installierten App gut informieren. Im Falle meines Repos empfehle ich beispielsweise, dass Ihr auch mit dem Web-Browser die zugehörige Seite aufruft. Dort könnt Ihr detailliert sehen, welche Bibliotheken die jeweilige APK-Datei beinhaltet, und findet auch das Ergebnis der „Schädlings-Prüfung“.

Das „Special“

Zum Abschluss noch etwas, das die wenigsten wissen: Mit der F-Droid App könnt Ihr Euren Androiden in einen eigenen kleinen App-Store umwandeln – um so anderen F-Droid Nutzern die Apps zur Verfügung zu stellen, die Ihr selbst nutzt. So könnt Ihr jemandem zunächst die F-Droid App selbst, dann bei Euch bereits konfigurierte Repos, und schließlich auch auf Eurem Androiden installierte Apps direkt zukommen lassen – entweder via Bluetooth, via NFC + WLAN, oder per Barcode-Scan + WLAN (für den Austausch über WLAN müssen sich beide Geräte im gleichen WLAN-Netz befinden). Detailliert beschrieben ist das Vorgehen in den folgenden beiden Artikeln:

Interessiert Euch das Thema F-Droid näher? Wünscht Ihr Euch einen „Einsteiger-freundlichen Artikel“ zu Installation und Konfiguration, zum Einrichten von Repositories, oder zum „Special“ des Austausches Eurer eigenen Apps? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!