Das Razr HD hat das geschafft, was weder dem Samsung Galaxy S3 noch dem HTC One X gelang: Dass es mir mal wieder ordentlich in den Fingern gekribbelt hat und ich mir privat ein neues Smartphone zugelegt habe. Die Gründe hierfür waren unter anderem der große Akku des Smartphones, die LTE-Konnektivität, aber auch die Tatsache, dass mir Design und Materialien von Motorolas Android-Geräten bisher durch die Bank weg sehr gut gefielen.

Hardware, Design und Verarbeitung

Vom „Look & Feel“ her ist das Razr HD das beste Android-Smartphone, das ich bisher in den Fingern hatte. Über Design und Aussehen kann man zwar streiten, ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass sich jemand über die Materialien beschwert, aus denen das Razr HD gefertigt wird. Das Smartphone wirkt extrem hochwertig – Gorilla Glass, Metall und Kevlar sind gelungen kombiniert und perfekt verarbeitet. Dass beim Razr HD nichts knarrzt oder keine Tasten klappern, muss man eigentlich gar nicht erwähnen. Es liegt trotz des Gewichtes von 146 Gramm super in der Hand, wozu die Rückseite mit ihren leichten Rundungen und der Kevlarbeschichtung einen großen Teil zu beiträgt. Das Razr HD lässt sich übrigens auch einhändig noch einigermaßen komfortabel bedienen.

Auf der linken Seite findet man unten den micro-USB-Anschluss (zum Laden und Datenaustausch) und den micro-HDMI-Ausgang. Direkt darüber hat Motorola den kombinierten micro-SIM- und micro-SD-Karten-Slot platziert. Er ist unter einer Abdeck-Platte verborgen, die sich mit einem beigefügten Werkzeug entfernen lässt. Den Kopfhörer-Ausgang findet man am oberen Ende des Smartphones, auf der rechten Seite liegen Power-Button und Lautstärkewippe. Sie sind alaus Metall, wirken sehr robust und sind sehr griffig (Power-Button mit Rillen versehen, Lautstärke-Wippe mit zwei Erhebungen links und rechts).

Das Gorilla Glas erstreckt sich über die ganze Front des Razr HD, wo sich am oberen Rand unter dem Motorola Logo eine Benachrichtigungs-LED und der Lautsprecher zum Telefonieren befinden. Rechts daneben liegt die 1,3-Megapixel-Frontkamera, auf der linken Seite ein Sensor, der die automatische Display-Helligkeit regelt und ein Sensor, der dafür zuständig ist, das Display während eines Telefonates abzudunkeln. Auf der Rückseite des Razr HD finden sich neben der 8-Megapixel-Kamera links der LED-Blitz und rechts ein Lautsprecher.

Der Lautsprecher liefert eine passable Klangqualität, wenn auch recht wenig Bässe. Obwohl er mit 86 Dezibel (gemessen mit der App Lärmmessung und Deep Purple auf dem Nexus 7) sehr laut ist, verzerrt dieser auch bei hoher Lautstärke nicht. Zum Vergleich: Das Galaxy Nexus kommt auf 72 Dezibel.

Technische Daten des Razr HD:

  • 1,5 Gigahertz DualCore-Prozessor von Qualcomm
  • 1 Gigabyte RAM
  • 16 Gigabyte interner Speicher
  • 4,7-Zoll-Display (Super AMOLED mit einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel)
  • 8-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz
  • 1,3-Megapixel Front-Kamera
  • microSD-Slot
  • micro-HDMI-Ausgang
  • NFC
  • LTE
  • 2530 mAh-Akku

Performance

Der 1,5 Gigahertz schnelle Dual-Core-Prozessor von Qualcomm (Snapdragon S4) legt in Verbindung mit 1 Gigabyte RAM und Android 4.0.4 eine sehr gute Performance an den Tag. Gelegentlich kommt es zu kleineren „Denkpausen“, die man dem Speicher-Managment von Ice Cream Sandwich zuschreiben kann. Diese kurzen „Hänger“ empfinde ich als halb so wild, da die Performance des Razr HD ansonsten sehr gut ist. Wünschenswert wäre allerdings, dass Motorola möglichst bald auch ein Jelly Bean Update für das Razr HD zur Verfügung stellt. Jelly Bean dürfte die Performance des Razr HD noch ein gutes Stück nach oben bringen und auch die kurzen Denkpausen sollten dann der Vergangenheit angehören.  

Software

Motoblur ist Schnee von gestern. Android 4.0.4 auf dem Razr besitzt nur noch wenige, aber zum Teil sehr praktische Änderungen und Anpassungen an der Software. Diese beziehen sich vor allem auf den Launcher, den Lockscreen, ein paar angepasste Apps und ansonsten nur ein paar optische Details.

Über den Lockscreen lässt sich nicht nur das Telefon entsperren und die Kamera aufrufen, auch direkter Zugriff auf die SMS- und die Dialer-App ist dort möglich. Davon abgesehen lässt sich das Razr HD über den Lockscreen auch direkt in den Lautlosmodus versetzen.

Nach dem ersten Start zeigt der Razr Launcher nur einen einzigen Home-Screen. Links von diesem befindet sich eine Seite mit Schnelleinstellungen, scrollt man nach rechts, lassen sich weitere Screens hinzufügen. Diese kann man auch nachträglich seinen Wünschen gemäß anordnen und sortieren. Im App-Drawer findet man neben Apps und Widgets noch einen zusätzlichen Reiter, wo man seine Lieblings-Apps als Favoriten ablegen kann.

Auf jeden Fall erwähnenswert ist noch das Doppelkreis-Widget von Motorola, das Uhr, Wetter und Akkuanzeige vereint, Benachrichtigungen anzeigen kann und auch optisch einiges hermacht.

Auch wenn mir Android pur von Google am liebsten ist, kann ich dem, was das Motorola dem Razr HD an Anpassungen und Änderungen mit gegeben hat durchaus etwas abgewinnen. Es gefällt mir vor allem um einiges besser als HTCs Sense- oder Samsungs Touch-Wiz-UI.

Display

Das Super-AMOLED-Display mit einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln ist ein echter Hingucker. Motorola hat die automatische Helligkeit so eingestellt, dass das Display sehr gut zur Geltung kommt: Es leuchtet eher zu hell als zu dunkel, wie es bei manchen Geräten der Fall ist, um Energie zu sparen. Die Farbdarstellung empfinde ich nicht als „zu poppig“, wie es bei manchen AMOLED-Displays der Fall ist.

Auch was die Touch-Responsiveness angeht, gibt es von meiner Seite nichts zu mäkeln: Fingereingaben werden sehr gut erkannt und sofort umgesetzt.

Kamera

Die Kamera des Razr HD kann als zweischneidiges Schwert bezeichnet werden. Im Automatik-Modus aufgenommene Bilder sind nichts Besonderes, aber keineswegs unansehnlich. Sie wirken tendenziell eher blass und nicht gestochen scharf. Was Detailaufnahmen angeht, macht die Kamera des Razr HD einen sehr guten Job, eine gute Beleuchtung vorausgesetzt:

Im HDR-Modus aufgenommene Fotos machen dann schon mehr her, vor allem bei Landschaftsaufnahmen. Bei Objekten, die sich direkt vor der Linse befinden, kann es im HDR-Modus allerdings auch vorkommen, dass diese ungewollt verfälscht aussehen (links jeweils ohne, rechts mit HDR-Modus):

Motorola hat es zwar geschafft, dass mit Blitz geschossene Bilder nicht zu hell und „überblitzt“ wirken, manchmal geraten diese dann aber auch fast etwas zu dunkel:


Auch die Qualität der mit der Kamera aufgenommenen HD-Videos (1920 x 1080 Pixel) ist nicht überwältigend, ich würde sie aber zumindest als passabel bezeichnen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt
Dieser externe Inhalt von YouTube wurde von der nextpit Redaktion ausgewählt und ergänzt den Artikel. Du hast die Wahl, ob du diesen Inhalt laden möchtest.
Externen Inhalt erlauben
Ich bin damit einverstanden, dass externer Inhalt geladen wird. Personenbezogene Daten werden womöglich an Drittplattformen übermittelt. Nähere Informationen enthält die Datenschutzerklärung.


Video-Sample der HD-Kamera

Drei dicke „Thumbs Down“ gibt es bezüglich folgender Punkte, was Kamera und Bilder auf dem Motorola Razr angeht:

  • Der Kamera-Klick-Sound lässt sich nicht deaktivieren (auch wenn das Smartphone auf Lautlos gestellt ist, ertönt dieser)
  • Es gibt nur zwei Optionen für die Qualität der Bilder (8 oder 6 Megapixel), es lassen sich also keine Fotos mit geringer Auflösung aufnehmen
  • Die Standard Bilder-Galerie wird nicht mit Picasa/Google+ synchronisiert

LTE

LTE ist nicht nur im Kommen, der neue schnelle Mobilfunk-Standard steht quasi schon vor der Tür. Er ist bei verschiedenen Providern und in mehreren Regionen in Deutschland schon verfügbar. Es war für mich also keine Frage, dass mein neues Smartphone auch über LTE-Konnektivität verfügen muss. Testen konnte ich dies auf dem Razr HD noch nicht, in meiner Gegend wurde die LTE-Tür von o2 noch nicht aufgestoßen. Allerdings kam ich auf dem Razr an manch einem Ort schon in den Genuss von HSPA+, was auf dem Galaxy Nexus – das Gerät unterstützt ebenfalls diesen Mobilfunk-Standard – bisher noch nicht vorkam. Eventuell ist im Razr HD ein besseres Empfangsteil verbaut.

Akkulaufzeit

Einer der Gründe dafür, dass ich mir das Razr HD zugelegt habe, war der mit 2530 mAh sehr ordentlich bestückte Akku. Der sollte doch eigentlich dafür sorgen, dass man damit ohne Probleme über den Tag kommt? Nicht umsonst preist Motorola das Razr HD ja auch als “All day Phone” an. Und in der Tat kommt man selbst als Power-User recht gut über den Tag. Wenn man es darauf anlegt, bekommt man aber auch das Razr HD klein. Mir ist das bisher jedoch nur einmal gelungen: Am ersten Tag, als der Akku sich noch nicht vollständig “akklimatisiert” hatte.

Dass ich abends das Smartphone manchmal mit 30 Prozent oder sogar 40 Prozent Akkuladung zur Seite lege und mein Haupt gen Kopfkissen neige, ist mir bei noch keinem Modell passiert – da musste erst ein Razr HD kommen.

Es gab aber auch Tage, an denen es gegen Abend mit der Akkuladung etwas eng wurde, ich nur gerade so über den Tag kam. Dies führe ich auf die Tatsache zurück, dass ich an diesen Tagen sehr viele Fotos und Videos geschossen habe. Diese werden bei mir unter einer bestehenden Wifi-Verbindung automatisch auf Google+, gleichzeitig aber auch in meine Dropbox hochgeladen. Bei Dateigrößen von bis zu drei Megabyte bei Fotos (bei Videos entsprechend mehr) hatte das Razr HD also an diesen Tagen einiges zu tun.

Erwähnenswert in Bezug auf die Akkulaufzeit des Razr HD ist noch die Tatsache, dass die automatische Displayhelligkeit, die ich bisher fast ausschließlich genutzt habe, für ein tendenziell zu helles, statt zu dunkles Display (wie beispielsweise beim Galaxy Nexus) sorgt. Hier besteht also noch Einsparungspotenzial, allerdings will man von einem Super AMOLED Display ja auch was haben.

Fazit:

Zwar hatte ich weder das Galaxy S3 noch das HTC One X bisher im längeren Test, beide Smartphones aber schon mehrmals in den Fingern. Ich denke, dass sich das Razr HD nicht hinter den beiden Geräten verstecken muss, im Gegenteil. Eine super Akkulaufzeit, LTE, ein klasse Display und die tolle Hardware sind die Highlights des Razr HD. Die Kamera ist nicht übel und die Software geht so weit in Ordnung, auch wenn ein Jelly-Bean-Update dem Razr HD noch gut zu Gesicht stehen würde. Die Tatsache, dass Motorola ein so tolles Gesamtpaket bietet, hat mein Samsung Galaxy Nexus jednfalls in den Vorruhestand geschickt.