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Was macht die Vespa Elettrica aus?

Die Vespa Elettrica ist der erste reine E-Roller der Kultmarke von Piaggio. Technisch basiert der 130 Kilogramm schwere Roller auf der Vespa Primavera, einzig der Antrieb und das Cockpit wurden ausgetauscht. Der Elektromotor überträgt seine Kraft von bis zu 4 kW über ein ölgelagertes Getriebe an das Hinterrad. Das Drehmoment im Normalbetrieb liegt bei 6 nm. Der 25 Kilo schwere Akku hat eine Kapazität 86,4 kW und wird nur zum Antrieb genutzt. Im Schiebebetrieb wird er per Rekuperation geladen.

Eine zweite, normale Batterie mit 12V/4A ist für die Stromversorgung im Stand vorhanden. Das kleine Staufach vorne im Roller hat einen USB-Anschluss zum Handyladen, im großen Fach unter der Sitzbank hat ein Jethelm Platz. Aufgeschlossen wird der Roller wie gewohnt mit einem Schlüssel, die Funkfernbedienung hat nur einen Bike-Finder eingebaut. Die Vespa-Mia-App kann zwar mit dem Roller gekoppelt werden, um Daten auszulesen, hat aber keine weiteren Funktionen.

Bis zu 100 Kilometer Reichweite

Die Reichweite mit einer Akkuladung hängt vom Modus ab, in dem man fährt. Beschränkt man sich auf eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, gibt Vespa eine maximale Reichweite von 100 Kilometer an, bei maximal 45 km/h sind es 80 Kilometer. Dieser Wert hängt aber immer von vielen Faktoren ab, etwa vom Gewicht des Fahrers, Steigungen und der Außentemperatur. Im Stop-and-Go-Verkehr führen 180 Stops laut Hersteller zu zehn Prozent weniger Reichweite. Ist der Akku einmal leer, dauert das Aufladen von 0 auf 80 Prozent drei Stunden, ganz voll ist er nach vier Stunden. Entnehmen kann man den Akku nicht, das Ladekabel befindet sich unter der Sitzbank und ist fest mit dem Roller verbunden.

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Klassischer Vespa-Look mit neuer Technik. / © Volker Rost Bildquelle: Volker Rost

Das Ganze hat natürlich seinen Preis. Die Vespa Elettrica kostet stolze 6.390 Euro und damit deutlich mehr als viele E-Roller von neuen Unternehmen wie Unu oder Niu. Für das Geld könnte man auch sehr, sehr viele Kilometer auf einem Leih-Roller von Coup oder Emmy zurücklegen, ohne sich Gedanken um die Wartung, das Aufladen und andere Dinge machen zu müssen.

Wie fährt sich die Vespa Elettrica?

Schon nach ein paar Metern merkt man, dass es Vespa-Roller schon sehr lange gibt und der Hersteller weiß, was er tut. Die Primavera-Basis ist bewährt und ausgereift, das Fahrwerk stabil, die Bremsen griffig und sicher. Die Verarbeitung ist hervorragend, die Bedienelemente wirken durchdacht.

Mit einem Knopf könnt Ihr durch die drei Fahrmodi schalten: Eco bis 30 km/h, den normalen Modus bis 45 km/h und den Rückwärtsgang in Schrittgeschwindigkeit, der von einem lauten Piepen begleitet wird. Im jederzeit gut ablesbaren Display sind alle Infos stets im Blick. Der Balken links informiert dabei darüber, wie stromsparend man gerade unterwegs ist.

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So sieht das Cockpit der Vespa Elettrica aus. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Der Motor arbeitet sehr gleichmäßig, wenn auch eher gemächlich. Es gibt E-Roller, die flotter beschleunigen als die Vespa Elettrica, da beißt die Maus keinen Faden an. Die Leistung setzt mit kurzer Verzögerung ein, wenn man den Gasgriff dreht. Das ist in den ersten Minuten ein bisschen ungewohnt, dann gewöhnt man sich aber schnell daran. Nach einigen Minuten erscheint die Vespa Elettrica auch gar nicht mehr so träge, die Fahrleistungen passen zu dem soliden Fahrgefühl, und mal ehrlich: Eine Vespa mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h ist nun einmal auch keine Rennmaschine.

Die Lenkung ist sehr präzise und der Roller wendiger als gedacht. Kurvenfahren macht mit der Vespa Elettrica richtig Spaß, auch bei größerer Schräglage reagiert der E-Scooter stets berechenbar und zuverlässig.

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Die Vespa Elettrica hat ein tolles Fahrwerk. / © Volker Rost Bildquelle: Volker Rost

Was ist gut an der Vespa Elettrica?

Neben der Verarbeitung gefällt vor allem das Fahrwerk der Vespa Elettrica. Der Roller hat eine souveräne Straßenlage und macht jede Kurve und jeden Untergrund im Stadtverkehr problemlos mit. Die eher ruhige Gangart muss man mögen, die gleichmäßige Performance des Motors und die Laufruhe sind sehr gut.

Die Reichweite von 100 Kilometer, so sie sich denn im echten Test der Vespa Elettrica bestätigt, ist mehr als ausreichend für den Stadtverkehr und kurze Auflüge ins Umland, und genau dafür ist die Elektro-Vespa ja auch gedacht. Die Ladezeit von vier Stunden, die sich ebenfalls noch im Alltag beweisen muss, geht absolut in Ordnung.

Was ist schlecht an der Vespa Elettrica?

Die Vespa Elettrica ist im Test weder besonders schnell noch dynamisch bei den Fahrleistungen. Zwar passt die gemütliche Gangart zu dem Gefährt recht gut, aber ein klein wenig mehr Dampf und ein paar km/h mehr wären wünschenswert. 45 km/h reicht im Prinzip im Stadtverkehr zwar aus, sorgt aber dafür, dass man auf Strecken mit vielen Ampeln garantiert keine grüne Welle reiten kann – die sind nämlich für 50 km/h geschaltet.

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Die Farbakzente gibt es in Blau, Gelb und Schwarz. / © Volker Rost Bildquelle: Volker Rost

Viel mehr noch als die Beschleunigung und die Geschwindigkeit stört mich aber die Tatsache, dass die Akkus nicht zum Laden entnommen werden können. Die Vespa Elettrica ist explizit für die Stadt gedacht, doch wer weder zuhause noch an der Arbeit eine Garage mit Stromanschluss hat, muss sich immer umschauen, wo das gute Stück denn nun ein paar Stunden stehen und laden kann. Zudem ist das Ladekabel recht kurz.

Fazit zur Vespa Elettrica

Die Probefahrt durch Berlin mit der Vespa Elettrica hat Spaß gemacht. Man merkt, dass an diesem Roller in Sachen Fahrgefühl und Bedienung alles Hand und Fuß hat. Man darf es eben nur nicht allzu eilig haben. Der Preis von 6.390 Euro erscheint aber trotzdem ein wenig zu hoch gegriffen.

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Die Vespa Elettrica ist für einen E-Scooter ziemlich teuer. / © Volker Rost Bildquelle: Volker Rost

Wäre so eine Vespa mit Elektromotor etwas für Euch?