Casa Casi 20: Es ist eine Last mit dem Lastenrad

Casa Casi 20: Es ist eine Last mit dem Lastenrad

Was halten wir denn jetzt eigentlich vom Lastenrad und der Idee der Grünen, den Kauf dieser Cargo-Bikes zu subventionieren? Darüber diskutieren wir im NextPit-Podcast – und empören uns über Empörte!

Verdammte Axt! Ich bin direkt wieder sauer, wenn ich darüber nachdenke, wie wir diese Folge aufgenommen haben. Ich habe mir einen echten Aufreger herausgepickt diese Woche und Fabi mit dem Thema "Lastenrad" überrascht. Ihr wisst schon – die Grünen haben den Vorschlag gemacht, künftig Lastenräder mit insgesamt einer Milliarde Euro zu fördern. Pro Anschaffung soll dabei ein Tausender für Käufer:innen herausspringen.

Ich hab mir das so schön ausgemalt, wie Fabi und ich streiten, aber mein Plan ging ungefähr so gut auf wie die Idee unseres Verkehrsministers, eine Ausländermaut einzuführen. Also gar nicht! Fabi und ich waren bei dem Thema tatsächlich komplett auf identischem Kurs und so waren wir im Grunde sehr, sehr flott durch mit der Lastenrad-Geschichte – und wir nutzten die restliche Zeit, um uns amtlich über empörte Bürger zu empören. Okay, vermutlich war hauptsächlich ich empört.

Förderung für Lastenräder – eigentlich ein alter Hut

Aber lasst uns das nochmal in Ruhe aufrollen. Tatsächlich gab es den Vorschlag der Grünen, Lastenräder mit einer Milliarde Euro zu fördern und was passiert? Jeder, der sich bedroht fühlt von Themen wie Umweltschutz oder Nachhaltigkeit und jeder, der sich schon getriggert fühlt, wenn er nur "Grün" oder "Baerbock" hört, ist an die Decke gegangen. Wie können es diese "Ökofaschisten" nur wagen, so einen Irrsinn zu fordern? Selbst die politische Konkurrenz tat empört, sprach von "Klientelpolitik" und von "Symbolpolitik", die allenfalls gutverdienenden Grünen-Wähler:innen nutzt. 

Klar, ein Lastenrad kann sich natürlich nur die Hipster-Familie in Kreuzberg leisten. Ihr wisst schon: Die Familie, die bei den Grünen das Kreuz macht und sich vegan ernährt, dafür aber freitags mit dem SUV die Kinder zur Demo fährt und drei mal im Jahr im Flieger nach Sonstwohin sitzt. Klingt komisch, aber genau das Bild wird da gezeichnet von den Grünen und ihrem vermeintlichen Wählerkreis. 

Genau das ist auch der Grund für meine Wut, muss ich zugeben. Weil es so unglaublich viele Vorurteile gibt und so wenig Willen, wirklich was zu verändern. Es geht doch nicht um Grün oder Schwarz oder welche Farbe auch immer. Es  geht darum, dass wir Dinge ändern müssen und zwar so schnell wie möglich. 

Aber statt zu diskutieren, wie wir möglichst schnell und möglichst konstruktiv einen Wechsel herbeiführen, wird lieber so getan, als wäre jeder gemachte Vorschlag eine Unverschämtheit. Das Lastenrad ist dabei echt ein Paradebeispiel. Es ist nicht die Lösung, die zur Verkehrswende führt, aber eben ein Teil davon. Ein Baustein zur besagten Verkehrswende, der ein paar Menschen neue Möglichkeiten an die Hand gibt, ohne jemand anders was zu verbieten oder wegzunehmen. Nur, weil Lastenräder gefördert werden, muss ja irgendein Alman-Achim nicht aufhören, seinen Benziner zu fahren. 

Der Witz ist ja auch, dass Lastenräder längst in Deutschland gefördert werden. Der Bund tut es und jedes Bundesland tut es auch, teils sogar mit deutlich höheren Beträgen, als die oben erwähnten 1000 Euro pro Rad. Die Grünen möchten nun nur dafür sorgen, dass diese Anschaffung auch für Privatpersonen subventioniert wird. Bislang richtet sich das ausschließlich an Gewerbetreibende.

... aber das viele Geld!

Als Tech-Portal müssten wir vielleicht verschiedene E-Lastenräder testen, vergleichen und erklären. Möchte ich aber gerade nicht! Ich möchte über diesen Reflex reden, der so viele über "so viel Geld" schimpfen lässt, welches aus dem Fenster geworfen wird. Eigentlich ist das ein bisschen witzig, wenn man diese Milliarde Euro den acht Milliarden Euro gegenüberstellt, mit denen allein in 2019 Diesel-Kraftstoffe subventioniert wurden. Oder wenn man an die E-Autos denkt, die mit bis zu 9.000 Euro gefördert werden. 

diesel subventionen lastenraeder 1536x
Manche Zahlen muss man auch erst einmal richtig einordnen  / © Katapult

Fast noch lustiger: Die Abwrackprämie, die eigentlich unter dem Namen "Umweltprämie" 2009 eingeführt wurde. Dafür haben wir fünf Milliarden rausgehauen! Wisst Ihr noch, was das war? Es war eine Prämie in Höhe von 2.500 Euro, die an Privatpersonen gezahlt wurde, wenn sie sich einen Neuwagen zulegten, der mindestens der "Euro 4"-Norm entsprach – und die alte Karre dann verschrotten ließen. Lasst Euch das auf der Zunge zergehen: Es wurden fünf Milliarden Euro dafür ausgegeben, dass Leute ihre alten Autos verschrotten ließen und sich neue anschafften. Mit welcher Berechtigung möchte man da noch über Lastenrad-Zuschüsse reden? 

Ich werde nicht müde zu betonen, dass die Verkehrswende kein One-Trick-Pony ist. Es gibt nicht die eine Idee, das eine Verkehrsmittel, den einen Service, der aus einer kollabierenden Stadt eine menschenfreundliche City-Utopie macht. Es ist immer das Zusammenspiel von mehreren Dingen, die ineinandergreifen müssen wie Zahnräder in einer Präzisionsuhr.

Leute in den Städten haben andere Bedürfnisse als Menschen auf dem Land, logo. Aber Lastenräder zu fördern, wäre doch keine Pro-Stadt- und Contra-Land-Entscheidung. Wer vom Land aus 50 Kilometer zur Arbeit fährt, erledigt das nicht mit dem Lastenrad. Aber Briefe und Pakete ausliefern, den Wocheneinkauf erledigen und die Kinder von A nach B bringen – das funktioniert auch auf dem Land per Lastenrad.

Wenn es nichts für Euch ist und nicht in Euren Lebensentwurf passt: Glück gehabt – Ihr müsst nämlich keins kaufen, wenn Ihr nicht wollt. Aber dann lasst doch auch diejenigen in Ruhe, für die es ein sinnvolles Gefährt ist. Könnt Ihr Euch tatsächlich nicht vorstellen, dass es Familien gibt, die das zweite Auto abschaffen zugunsten eines Cargo-Bikes? Es wird auch in Zukunft Familien geben, die auf zwei Autos angewiesen sind. Es wird aber auch die geben, die kein Auto benötigen und denen vielleicht ein Lastenrad reicht – oder von mir aus sogar ein E-Klapprad

Die 10 beliebtesten E-Bikes laut Geizhals.de

 

Es ist angerichtet: Casa Casi, Folge 20

Vordergründig geht es bei uns zumeist um Technikthemen. Aber eigentlich steckt jedes Mal mehr dahinter als ein Produkt oder eine Technologie. Fast immer geht es auch um Politik, um Gesellschaft und um den Wandel, in dem wir uns befinden. In unserer aktuellen Folge geht es uns eigentlich weniger darum, Euch elektrisch angetriebene Lastenräder schmackhaft zu machen. 

Vielmehr geht es – wieder einmal – darum, dass wir eine Veränderung an vielen Fronten herbeiführen müssen und es cool wäre, wenn wir endlich miteinander reden würden statt über- oder gegeneinander. Ich freue mich über jeden, der diesen Schritt wagt und nicht immer sofort den erstbesten Vorschlag abwatscht, der einem unter die Augen kommt. 

Stellt Euch nur mal vor, jemand schlägt sowas vor wie die Grünen mit den Lastenrädern – und die andere Seite reagiert nicht mit Häme, Hass und "Haha"-Emojis, sondern denkt über diesen Vorschlag nach und kommuniziert vielleicht einen anderen. Schwieriges Thema, ich weiß. Ich will Euch auch gar nicht noch länger mit meinen Ansichten zutexten. Obwohl: Eigentlich könnte man Euch durchaus etwas mehr Text zumuten heute, denn dafür fällt die Podcast-Folge etwas kürzer aus mit einer knappen halben Stunde. 

Eigentlich wollte ich mir eine wilde Räuberpistole ausdenken, wieso die Folge diesmal so kurz ist. Tatsächlich jedoch hatten wir eine sehr stressige Woche und somit Mühe, den Podcast überhaupt noch irgendwo unterzubringen. Nächste Woche sprechen Fabi und ich dann wieder ein bisschen länger, versprochen! Aber jetzt wirklich genug gequatscht. Lasst uns in den Kommentaren gerne wissen, was Ihr von Cargo-Bikes bzw. Lastenrädern haltet – und teilt uns auch gerne Eure Ideen mit, wie Eurer Meinung nach der Verkehr umgebaut werden müsste. 

Wie jede Woche ende ich mit dem Appell: Wenn Ihr unseren Podcast mögt, dann teilt ihn bitte, bewertet ihn und erzählt Euren Leuten von uns – das hilft uns sehr. Und jetzt viel Spaß mit der neuen Folge!

Hat Dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!
Jetzt mitdiskutieren

Top-Kommentare der Community

  • Tenten vor 3 Wochen

    Du sprichst mir aus der Seele, Carsten. In den letzten Monaten hab ich mich viel mit den Grünen, Frau Baerbock, aber auch Fridays for Future, Luisa Neubauer und Carla Reemtsma beschäftigt (die mich btw beide absolut beeindruckt und meinen höchsten Respekt haben), hab mir zig Artikel durchgelesen, Stunden an Interviews und Podcasts gehört und gesehen und bin ihnen in den sozialen Medien gefolgt. Und was mich da am meisten entsetzt hat (und wenn ich ehrlich bin, zum Teil auch wirklich angewidert hat), war das Feedback, das es auf beinahe jeden Beitrag, jede Idee und jeden Vorschlag gab. Das war so gut wie nie sachlich, sondern zielte immer nur darauf ab, sie zu diffamieren, zu beleidigen, ja sogar zu bedrohen. Da erklärt jemand, was der IPCC Report bedeutet und der Mob reagiert mit Spott, Häme, Hass und Todeslisten. Es ist praktisch schon egal, was die Grünen oder andere Umweltaktivist:innen sagen, die Reaktion der Masse ist immer die gleiche. Argumente zählen nicht oder werden mit Scheinargumenten ins Lächerliche gezogen. Ich kann ein Stück weit verstehen, dass die bevorstehenden umausweichlichen Veränderungen manchem Sorge bereiten und sogar Angst machen, aber das kann keine Rechtfertigung dafür sein, wieder zu Fackeln und Mistgabeln zu greifen.

55 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  • rolli.k vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Von mir aus, gerne darf ein Fahrrad subventioniert werden.
    Heutzutage wird doch gefühlt alles irgendwie "unterstützt".
    Steuerfreier Sprit für Sportflugzeuge und Bauern, Stilllegungsprämien für Höfe damit da bloß nichts angebaut wird (gibt's das noch?).
    H-Kennzeichen für Golf 1, Ford Capri, Kadett C und die ganzen anderen lächerlichen Autos die dadurch auch noch bevorteilt werden. Flutopfer, die alle so gern am Wasser wohnen wegen der schönen Aussicht, sich aber eine vernünftige Versicherung ersparen, brauchen auch neue Möbel und Autos. Da kenne ich einige, ich wohne selbst in der Nähe.

    Aber die Parteien werfen gerne mit dem Geld 💰 um sich welches ihnen nicht gehört um sich Stimmen zu kaufen.
    So funktioniert die Welt😑


  • dieCrisa vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Mit 1 Milliarde Euro könnte man Windkraftanlagen bauen von ca. 1,3 Gigawatt Leistung. Nach Fertigstellung kämen sämtliche Einnahmen (denn die sind ja schon voll bezahlt - klar, abzüglich Wartungs-/Reparaturkosten) für den klimaneutralen (!) erzeugten Strom hinzu - jedes Jahr. Mit diesen Einnahmen könnte man wieder neue Windkraftanlagen bauen - die wiederum Einnahmen generieren. Ein Zinseszins-Effekt... Ein Selbstläufer!

    Sorry, aber mit 1 Milliarde könnte man der Umwelt mehr Gutes tun als Lastenräder bezuschussen.

    Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man über solche Vorschläge nur lachen.


    • Michael K. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Auch wenn Deine Zahlen realistisch sind, das Problem beim Ausbau der Windkraft besteht nicht in fehlendem Geld. Energieversorger und Investoren würden ja gerne in die lukrative Energiequelle investieren, nur fehlt es an ausgewiesenen Baugrundstücken, Landschafts- und Naturschutz sind ebenso wie klagende Bürger, die sich von Schlagschatten und Lärm bedroht fühlen, ein Hemmnis.
      Subventionen in diesem Bereich würden gerne mitgenommen, ohne den Ausbau dadurch aber zu beschleunigen. Dem Staat selber sind rechtliche Grenzen gesetzt, in Wettbewerb mit schon vorhandenen Marktteilnehmern zu treten.
      Die Subvention von Fahrrädern aller Art könnte auf der Kurzstrecke zum Ersatz von Autofahrten führen, das ist jedenfalls die Absicht dahinter, und so unmittelbar zur Senkung der CO2-Emissionen führen. Hemmnis hierbei könnte höchstens sein, dass durch die Coronakrise auch der Markt für Fahrräder aller Art "überhitzt" ist, die ausgelastenten, und ebenfalls von Komponentenmangel gebeutelten Hersteller gar nicht in der Lage sein könnten, den Markt mit einer Millionen zusätzlicher Fahrräder kurzfristig zu bedienen.
      Auch wenn ich Vorschläge nicht danach beurteile, von wem sie stammen, halte ich den für die Grünen für ungewöhnlich, weil er ein "positiver Verstärker" ist, der umweltfreundliches Verhalten belohnt, statt umweltfeindliches zu bestrafen. Dadurch ist er auch sozial ausgewogen. Wer wenig Geld hat, und deshalb mit einer zwanzig Jahre alten Dreckschleuder fährt, wird durch die Co2-Abgabe noch dafür bestraft, dass er arm ist. Wem der Kauf eines E-Bikes zu teuer ist, den wird diese Entscheidung mit einer Subvention erleichtert. Wer immer noch zu wenig Geld hat, wird zumindest nicht zusätzlich belastet. Dass es auch Käufer gibt, die diese Entscheidung auch ohne Subvention getroffen hätten, lässt sich wohl kaum vermeiden.


      • dieCrisa vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Es wird sich nicht vermeiden lassen, die rechtlichen Grenzen pro Windkraft zu ändern. Auch dafür stehen die Grünen - angeblich.

        Durch E-Mobilität wird der Stromverbrauch steigen, das Angebot aber wird sinken. Es macht keinen Sinn, "dreckigen" Strom aus dem Ausland zu importieren. Durch Windkraft (oder Solar, was auch immer für grün erzeugte Energie) steigen die Preise für Strom nicht so arg. JEDER hätte davon einen Vorteil. Die Umwelt sowieso.

        Letzte Woche war ich in Paderborn. Dort stehen ganze Wälder von Windrädern. Dieser Anblick ist mir viel lieber als der von Atom- oder Kohlekraftwerken. Leider will niemand ein Kraftwerk vor der Tür. Egal, ob Atom-, Kohle oder Wind. Das wird sich gehörig ändern müssen, wenn wir tatsächlich etwas für die Umwelt tun wollen.

        So viel können Lastenradfahrer gar nicht strampeln, wie Windräder für eine Milliarde (und mehr durch "Zinseszins Effekt") für die Umwelt erzielen.

        Städter können auf öffentlichen Nahverkehr umsteigen oder auch Rad fahren. Die Landbevölkerung ist oft aufs Auto angewiesen. Die gucken in die Röhre, wenn Lastfahrräder gefördert werden. Sorry, das ist unsozial und benachteiligt ein weiteres Mal die Landbevölkerung!

        Es spricht so vieles gegen eine solche Subvention...


  • HEB vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Ihr schreibt Pakete mit dem Lastenrad ausliefern, ja aus ökologischer Sicht, nein aus Sicht der Lieferfahrer die es Tag täglich machen und Pakete schleppen müssen die 5 - 20 kg wiegen. Genauso würde ich die Getränkelieferdienste einstellen, warum sollen andere Eure schweren Getränke schleppen für einen Hungerlohn? Ihr könnt die doch auch sehr gut mit dem Lastenrad transportieren. Wenn ihr das mit dem Lastenrad machen möchtet dann wird einfach mal das Gewicht der Pakete auf max. 2kg begrenzt und die schweren großen Dinger könnt Ihr Euch mit Eurem Lastenrad selbst abholen. Viele Dinge werden immer nur aus einem Blickwinkel betrachtet. Man sollte ein gutes miteinander auf den Straßen schaffen. Wenn ich mich nehme mit meinem Weg zur Arbeit, dann spare ich mit dem Auto pro Strecke pro Tag 40min gegenüber den ÖPNV, wer würde mir die verlorene Zeit meines Lebens bezahlen? Und auch wenn ich ÖPNV gefahren bin, es war weder bequem noch lustig, einfach nur anstrengend teilweise sogar belastender (voll kein Sitzplatz Belästigung durch Bettler oder Zeitungsverkäufer, im Feierabendverkehr kommen noch die Menschen dazu, die denken im ÖPNV müssen die Chinapfanne oder Döner essen oder unbedingt Bier trinken) als wenn ich wirklich mal 5min an einer Ampel warten müsste. Ja klar kann man Lastenräder fördern, aber wie ich sage man sollte ein gutes miteinander schaffen und nicht immer das gegeneinander.


    • Fabien Roehlinger
      • Admin
      • Staff
      vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Es muss ja nicht jeder oder jede das Lastenrad nehmen. Wie überall gibt es gute Gründe auch für andere Lösungen, wie in Deinem Fall, das Auto weiterzuverwenden.

      Aus meiner Sicht sollte man nicht alles nur schwarz und weiss betrachten. Darin liegt oft die Ursache für die hitzig geführten Debatten.

      Im Podcast erzähle ich übrigens von IKEA hier in Berlin, die kostenlos Lastenfahrräder zur Verfügung stellen, damit man Möbel (!) vom Laden zu sich nach Hause bringen kann. Die wiegen relativ viel. Und hier in Berlin sieht man öfters Lastenräder mit zwei oder drei Kindern vorne drin. Die Dinger können ohne Probleme 50, 60 Kilo transportieren, ohne dass es für einen selbst dann zu anstrengend wird.

      Von daher haben Lastenräder in vielen deutschen Großstädten durchaus ihre Berechtigung und können sehr wahrscheinlich für eine große Entlastung auf den Straßen sorgen.


      • HEB vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Klar können Lastenräder die Stadt entlasten. Was mich aber echt nervt, ist das man versucht alles auf andere abzuschieben. Ich sehe es nicht ein, das man nur weil man zu faul ist alles bestellt und die Lieferfahrer sich die Knochen kaputt machen müssen. Man kann doch auch seine Getränke mit dem Lastenrad selber holen oder seine schweren Pakete von der Post. Warum sollen es denn andere für ein mit dem Lastenrad machen? Leider wird unsere Gesellschaft immer fauler und bequemer. Wie gesagt ich bin weder pro Auto noch pro Rad. Aber ÖPNV sehe ich sehr kritisch bevor meine Kritiken nicht angegangen werden, Bettler, essen und Alkohol in den ÖPNV werde ich diese nicht mehr nutzen. Lieber fahre ich mit Rad (selbst in Berlin bin ich damit schneller als mit den ÖPNV) oder halt mit dem Auto abhängig von der Witterung.


    • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Ich möchte noch was zu deinem Beispiel mit dem ÖPNV sagen. Ich verstehe gut, dass man nicht länger als unbedingt nötig pendeln möchte (ich pendle selbst täglich insgesamt über zwei Stunden), aber das zeigt ja nicht, dass das eigene Auto besser ist, sondern dass der ÖPNV besser ausgebaut werden muss. Ich selbst pendle mit der Bahn und die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen mit dem ÖPNV, denn niemand von uns möchte das Auto benutzen, weil es (in München) noch länger dauern würde als mit dem ÖPNV und zudem auch noch wesentlich stressiger wäre. Das ist das Gegenteil von dem, was du erlebst. Mir zeigt das jetzt aber nicht, dass der ÖPNV in München so viel besser ausgebaut wäre (was er wirklich nicht ist), sondern dass die Städte inzwischen durch den Individualverkehr gerade in Stoßzeiten kollabieren. Und man sieht auch, dass es keine einfache einheitliche Lösung gibt, man muss in jeder Stadt, in jeder Gemeinde an einer anderen Stellschraube drehen und das macht es nicht einfach.


      • Fabien Roehlinger
        • Admin
        • Staff
        vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Da bin ich bei Dir, Tenten. Der ÖPNV muss tatsächlich überall noch besser werden. Autos sind in den Innenstädten ein echtes Problem. Man sieht an den Beispielen von London, Amsterdam oder jetzt Paris, dass es auch nicht nur in Deutschland so ist und die anderen Städte uns da schon einiges voraus haben. Das Selbe passiert übrigens gerade auch nach und nach in den amerikanischen Metropolen: Die Autos sollen zurückgedrängt werden. Vielerorts kollabiert dort ja auch alles und es geht gar nichts mehr.


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Finde ich ehrlich gesagt ein wenig erstaunlich, wie Du nach Deiner Einleitung ein "gutes Miteinander" einfordern kannst. Zu einem guten Miteinander gehört doch, dass jeder sich das Transportmittel auswählt, welches für ihn Sinn ergibt. Wieso also nicht auch das Lastenrad? Und die Pakete, die die Fahrer ausliefern müssen und die 5-20 Kilo wiegen, werden übrigens nicht leichter, wenn man sie mit einem LKW ausfährt. Die Treppe rauf zu mir schleppen sie die Brocken ja unabhängig vom Verkehrsmittel. Zum Ausliefern ist das Lastenrad definitiv eine gute Option und wird hier (Dortmund) auch schon von mehreren Unternehmen genutzt.
      Die Getränkelieferdienste kann man sicher auch diskutieren, ist hier aber schlicht nicht das Thema. Was die Verkehrswende angeht, kann ich Dich in einem Punkt absolut verstehen: Wenn man mit den Öffentlichen deutlich länger braucht als mit dem PKW, gibt es nicht viele Argumente, auf den Bus oder die Bahn zu wechseln. Deswegen sagen wir ja auch immer wieder, dass eine solche Wende aus vielen Komponenten besteht. Die Leute werden nicht ihre Autos stehen lassen, wenn die Städte und Gemeinden das Verkehrsangebot nicht signifikant verbessern.


      • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Ich finde eigentlich das Thema mit den Getränkelieferdiensten und Paketzustellerinnen schon passend, weil es zeigt, dass es nicht mit zwei, drei Veränderungen getan ist. Alles hängt inzwischen vernetzt zusammen und die Probleme des einen Sektors lassen sich nicht immer eigenständig lösen, ohne auch in anderen Bereichen anzusetzen. Getränkeliefern ist ein Business wie jedes andere auch und hat auch durchaus seine Berechtigung, zum Beispiel für ältere oder gebrechliche Menschen oder auch gerade für Firmen und Büros. Das Problem ist nicht das Schleppen, sonst könnte man auch beispielsweise Umzugsunternehmen oder den gesamten Onlinehandel abschaffen, das Problem ist die miserable Bezahlung. Hier braucht es einen vernünftigen Mindestlohn, von dem man leben kann. Ob sich dann so ein Business noch trägt, wird man sehen müssen, das hängt davon ab, wieviel der Kunde bereits ist, für Service zu zahlen. Ansonsten bringt der Paketbote oder die Paketbotin die Kiste halt nicht mehr in den fünften Stock, sondern der Käufer oder die Käuferin muss es aus der Paketstation holen und sehen, wie man es selbst nach Hause bringt. Wir beuten in unserer Luxusgier ja nicht nur die dritte Welt aus, sondern sogar die Menschen im eigenen Land und tun dabei noch so, als hätten wir Anspruch darauf. Dieses ganze Problemfeld hängt halt auch dran am Thema Lastenrad und sollte dabei berücksichtigt werden.

        HEB


      • HEB vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Ja das mit den Lieferdiensten ist so eine Sache, ich bin z.Z. von Kaiser´s dort im Lieferdienst gefahren. Meine Erfahrungen sind aber folgende. Es gibt in Berlin Gegenden in denen dann auch in Haushalts üblichen Mengen bestellt wird, als Beispiel Oma Traude jede Woche wo man maximal 2 mal hochlaufen muss zahlte dafür die Liefergebühr und war glücklich.
        Anders dann im Prenzlauer Berg / Friedrichshain, Hinterhaus 5 Etagen keine Oma sondern irgendwelche grünen Hipster um die 30 und nur Getränke bestellt (weil ist ja schwer) einmal im Monat kein Danke und die Liefergebühr war denen noch zu viel. Die Fahrer waren immer dort älter als die Kunden und konnten dort dann 10 - 15 mal die 5 Etagen rauflaufen. Ist so das Leben welche sich alle vorstellen? Und dann wir auch noch über die Höhe des Mindestlohns diskutiert?


      • Fabien Roehlinger
        • Admin
        • Staff
        vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Solche Leute kenne ich auch. Und da bin ich auch völlig bei Dir.


      • HEB vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Ja und dann wird noch diskutiert darüber ob diese Lieferanten noch ein Lastenrad nehmen sollen um das zu diesen Leuten zu bringen? Ich sage dazu definitiv nein. Wenn dann sollen Sie Ihren Sch... selbst mit dem Lastenrad holen, aber dazu sind Sie denn doch zu fein.
        Und genau das sind Gründe warum man dann gegen diese Menschen ist.


      • Tenten vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        @HEB Wo ich bei dir bin ist die schlechte Bezahlung. Arbeit sollte immer so bezahlt werden können, dass man vernünftig davon leben kann. Und klar gibt's immer wieder Leute, die sich benehmen wie eine offene Hose, aber das ist nun mal das Schicksal im Dienstleistungsbusiness. Wenn ich mich für einen Dienstleistungsjob entscheide, dann muss ich auch Dienstleistung anbieten, egal ob mir die Nase gefällt oder nicht. Ich hab einen sehr gut bezahlten Job, aber letzten Endes bin auch ich nur Dienstleister und das bedeutet, ich kann mir meine Kunden nicht aussuchen und muss auch zu Leuten höflich und zuvorkommend sein, die ich nicht ausstehen kann. Das bedeutet nun mal Dienstleistung. Ich weiß, damit haben wir hier in Deutschland ein großes Problem, das zu akzeptieren, aber wer das nicht kann muss sich ganz ehrlich einen anderen Job suchen. Oder sich selbstständig machen, dann kann man sich seine Kundschaft aussuchen (natürlich nur theoretisch, in der Praxis eigentlich auch nicht). Aber das führt jetzt alles zu weit vom Thema weg.


    • Pure★Aqua ツ vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Warum sollten die das für einen Hungerlohn machen ? Einfach bei einen vernünftigen Arbeitgeber anfangen ,dann schleppt man auch nicht für 9,60 € Getränke. Davon mal abgesehen ,in erster Linie werden sie dafür bezahlt.
      Warum muss ich Pinguin sein und Leuten ihr Getränk servieren ? Weil es mein Job ist ,den ich liebe und mir ausgesucht habe. Wenn man anfängt alles zu hinterfragen , könnte man die Hälfte der Jobs sein lassen ,aber wir hätten dann wieder ein anderes Problem. Einfach mal froh sein das Leute den Job machen und manche sogar mit Freude und wenn mir einer besonders gute Dienste leistet und man auch merkt das es einem Spass macht ,zeig ich meine Dankbarkeit gerne mit nen Extrascheinchen. ✌️


    • Michael K. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Deine Kritik an den ÖPNV kann ich nachvollziehen, und sogar ergänzen. Da gibt es Gruppen von Jugendlichen, die plärrend laut Musik abspielen, bzw. das was sie dafür halten. Dazu kommen, gerne zu Nachtzeiten, Betrunkene oder aus anderen Gründen laut agressiv auftretende Personen, meist Männer, gelegentlich aber auch Frauen. Mehr Präsenz der Bahnpolizei wäre da schon wünschenswert. Auch häufige Verspätungen und schlecht abgestimmte Fahrpläne "vernichten" unnötig Zeit, wie von Dir beschrieben. Ist die nächste Stadt aber schlecht an die Autobahn angebunden, können auch Fahrten auf überfüllten Landstrassen, quälend langsam hinter LKWs, die man nicht überholen kann, zeitraubend sein, von der Parkplatzsuche in der Stadt dann ganz abgesehen. Deshalb nutze ich weiter den öffentlichen Nahverkehr, und wenn möglich auch das Fahrrad, auch mit Anhänger für größere Lasten.

      Anders sehe ich aber die Situation von Paketzustellern und Getränkelieferanten und Zeitungszustellern.
      Es gibt nun mal Menschen mit geringer beruflicher Qualifikation, die letztlich keine Wahl haben, als solche Berufe zu ergreifen. Die meisten davon dürften dennoch froh sein, diesen Beruf zu haben, statt von Hartz IV leben zu müssen. Seine Pakete selber zu holen, seine Getränke selber zu schleppen und die Zeitung immer am Kiosk zu holen, würde aber genau das bedeuten.
      Also ist es überhaupt nicht verwerflich, sich Pakete und Getränke liefern zu lassen. Ein respektvoller und höflicher Umgang mit den Leuten, die das machen, sollte aber selbstverständlich sein. Sich für ihre Arbeit zu bedanken ist kein Schaden, so wenig wie ein gelegentliches Trinkgeld.
      Während für die Paket- und Getränkezustellung schon aus Kapazitätsgründen nur Transporter oder LKW in Frage kommen, sieht es bei der Zeitungszustellung ganz anders aus. Ein Auto alle paar Meter zu halten und wieder zu starten verbraucht nicht nur viel Sprit, es verschleisst auch das Auto übermäßig. Hier ist das Fahrrad genau das richtige Transportmittel.


  • Olaf Gutrun vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Die Dinger findet man in fast jeder Holländischen Firma, für mal eben schnell und die werden auch benutzt.

    Oftmals besser als den Gabelstapler zu nehmen.

    Viel wichtiger wäre es aber erstmal ein deutschlandweites Fahrrad Autobahnnetz zu schaffen.

    Alte unbenutzte Bahnstrecken z.b...

    Die Niederlande beweisen wie Effektiv das funktionieren kann immerhin werden da schon ein viertel aller Fahrten mit dem Fahrrad gemacht.

    Da ist es schon lange gang und Gebe das ein Fahrrad, fährt man denn damit zur Arbeit gefördert wird.

    Das entlastet vorallem im Berufsverkehr die Straßen ganz enorm.


    Ich lebe an der Grenze zu Holland und wir haben hier auch tolle wege, seid Corona ist hier ein echter E bike boom gekommen.


    Meine Freundin und ich haben uns E scooter geholt und wieder richtig Spaß daran gefunden, seid dem wir die Dinger haben stehen unsere Autos mehr als alles andere.

    Der Verkehr ist hier so extrem geworden, das man auch bei weiteren Strecken mit dem E scooter oftmals schneller am Ziel ist.


    Sowas ist allerdings nur mit einem guten Fahrrad Wege Netzt machbar und genau da muss viel passieren in deutschland.

    Wir hatten hier schon immer mit die besten Radwege in deutschland und diese wurden nochmals extrem verbessert in den letzten Jahren. Mittlerweile kann ich von meiner Stadt aus alle umliegenden Städte über die Fahrrad Autobahnen ( auf den Fußgänger nichts zu suchen haben )
    Erreichen. Ja und das mit einem Luxus wi Automatische Fahrrad Ampeln die den Autoverkehr stoppen und das Fahrrad frei durch fahren lasssen.

    Auto Lärm, gestank und die überlastung der Straßen hat hier einen höhepunkt erreicht, jeder der einen Weg mit dem Fahrrad macht entlastet.

    Hat man solch ein Wegenetz zur Verfügung nutzt man es auch gerne.

    Man muss es sich mal geben, fur 28km benötige ich mit dem E scooter 10 Minuten länger als mit dem Auto. Kosten mit dem E scooter für die Strecke ( ca 7 cent.) Mit dem Auto kostet der erste km schon deutlich mehr.

    Es ist stressfrei, weil man ohne Stop durch fahren kann, wo man hingegen mit dem Auto mehr steht als alles andere und die Umwelt verschmutzt.


    Auch die Autos müssten wieder kleiner werden.

    Tja die Holländer machen ernst, 100 maximal auf der Autobahn, große Autos sind fast unbezahlbar. Dicke maschinen steuerlich extrem teuer...

    Deutschland muss gas geben und Radwege bauen damit neue Fortbewegungsmittel nutzbar werden.

    Hier ein Beispiel dazu:

    https://youtu.be/4rUsNwhQ26k


    • Fabien Roehlinger
      • Admin
      • Staff
      vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Unsere Landesregierung hier in Berlin (Rot-Rot-Grün) hat sehr vieles aus meiner Sicht nicht gut gemacht. Was sie aber wirklich gut machen, sind die Pop-Up-Radwege. Bevor Straßen zu Radwegen umfunktioniert oder neue Radwege gebaut werden, werden für einige Monate neue Markierungen gezogen und man testet die Auswirkungen. Das klappt erstaunlich gut und es kamen einige Radwege hinzu, ohne den Autoverkehr (zu sehr) zu belasten.

      Ich habe leider keine Zahlen. Aber gefühlt steigen hier in Berlin immer mehr Menschen auf das Fahrrad um. Man ist im Zweifel nicht so viel langsamer, spart sich aber immer die Parkplatzsuche, die hier zu einem echten Glücksspiel verkommen ist. Und außerdem schont man die Umwelt und ganz nebenbei auch den Geldbeutel.


      • Andreas V.
        • Admin
        vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Ich denke mal der Umstieg auf das Rad ist weniger den Popup Radwegen - die meiner Meinung nach ein mehr als zweischneidiges Schwert sind - als der Pandemie geschuldet. Ich würde mich auch nicht in einen überfüllten Bus/Bahn quetschen, während in Supermärkten und in meinem Büro mindestens 10 qm Platz pro Person sein müssen ...

        Radwege sind wichtig, ja, aber die sollten nicht einfach auf eh schon überlasteten Verkehrsachsen, sondern eher auf Nebenstrecken eingerichtet werden. Oder reine Fahrradschnellwege wie in Kiel zu Beispiel. Da laufen aus allen Richtungen nur für Fahrräder gewidmete Wege zum Zentrum und zur Uni.

Zeige alle Kommentare
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!