Nokia-Handys… das waren doch die, die man ins Bier fallen lassen kann, oder die nach vier Nächten im Schnee noch funktioniert haben. Oder die nahezu unendlich oft herunterfallen können, ohne kaputt zu gehen. „Lassen sie die Geräte im Test ruhig mal herunterfallen“, erklärt uns Sebastian Ulrich ohne ein Zwinkern, als er auf die neuen Smartphone-Modelle Nokia 3, 5 und 6 zeigt.

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Im Gespräch wollen wir aber zunächst einmal verstehen, wie das jetzt genau mit HMD und Nokia funktioniert: Sind das zwei Firmen oder eine? Was ist „Nokia“, die Firma, und was ist Nokia, die Marke? (Im Folgenden bezeichnet ein kursives Nokia stets die Marke und ein nicht-kursives Nokia stets die Firma.)

„Nokia“ # Nokia

Nokia an sich ist in finnisches Traditionsunternehmen, das sich im Laufe der über 150 Jahre zu einem Mischkonzern hochgewirtschaftet hat. Als solcher kamen auch die Entwicklung von Telekommunikations-Ausstattung für Provider und von Geräten für Endkunden zu seinem Portfolio hinzu.

Nachdem die Zahl der verkauften Endgeräte rückläufig wurde, kaufte Microsoft die Mobilfunk-Sparte und verkaufte Windows-Phones mit dem vertrauten Nokia-Logo. Doch dieses Geschäft endete bald darauf und für kurze Zeit war unklar, wie es mit Nokia-Handys weitergeht. Jetzt bekommen diese in Form von Nokia-Lizenzgeräten ein zweites Leben.

Die Firma Nokia übertrug dem ebenfalls im finnischen Espoo sitzenden Start-up HMD Global die exklusiven Rechte am Namen Nokia für Smartphones, Handys und Tablets. Etliche ehemalige Nokia-Manager arbeiten jetzt für HMD Global, Sebastian Ulrich eingeschlossen. Zusammen mit dem iPhone-Auftragsfertiger Foxconn starten sie jetzt Geschäft mit Nokia-Smartphones neu und dieser Auftakt macht einen vielversprechenden Eindruck.

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Sebastian Ulrich ist der Managing Director für Deutschland und die Schweiz bei HMD Global. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Neue Nokia-Geräte mit alten Nokia-Tugenden

Ulrich ist zuversichtlich, dass die neuen Nokia-Smartphones ein Erfolg werden können. Jedoch sieht er, dass Kunden in vielen Ländern eine hohe Erwartung an die Marke stellen. Diese Erwartungen sollen mit den ersten Smartphones erfüllt werden. Diese betreffen vor allem die solide Verarbeitung und die Zuverlässigkeit der Software. Auf dem Nokia-Stand zum Mobile World Congress hat ein Reporter das Display eines der Nokia-Geräte zum Nüsseknacken verwendet. Als darauf hin kein Schaden am Smartphone zu erkennen war, urteilte er, dass es sich in der Tat um ein Nokia-Handy handeln muss.

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Provider in Deutschland vertrauen auch auf den Verkaufserfolg der Nokia-Smarpthones und nehmen sie zahlreich ins Portfolio auf. O2/Telefónica übernimmt das Nokia 5 und 6, die Telekom startet einen Prepaid-Deal mit dem Nokia 3. Und all dies, obwohl HMD Gobal eine recht kompromisslose Software-Politik fährt. Ähnlich wie Apple lässt HMD nicht zu, dass Provider die Firmware verändern.

  • HMD Global im Interview: „Die Welt braucht Nokia im Smartphone-Markt“

Es gibt zwar ein automatisches Setup, nachdem Ihr die SIM-Karte Eures Providers einlegt, jedoch wird es keine Nokia-Smartphones mit Telekom-Branding oder dergleichen geben. Jedes Nokia-Smartphone von HMD Global wird die pure Android-Erfahrung bieten. Dies macht sich in reichlich freiem, internen Speicher und vor allem in frühen Sicherheitsupdates bemerkbar. Im Falle des Patches Juli 2017 waren HMD Global mit dem Nokia 6 schneller als Google mit dem Pixel.

Es ist eigentlich eine traurige Entwicklung, dass Smartphone-Hersteller durch Weglassen von Featuers die Gunst der Kunden gewinnen können. Sei es der Bixby-Button der Samsung-Geräte, seien es die Bokeh-Effekte der diversen Dual-Kameras, oder sei es die hundertste Implementierung einer Galerie-App: Viele Hersteller sorgen mit ihren Eigenentwicklungen für unnötigen Ballast. Dieser wird entweder nur von einem Bruchteil der Kunden verwendet wird, oder er ist technisch noch nicht ausgereift und wird so zu einem Un-Feature. Dieser Ballast sorgt aber bei allen Kunden für verzögerte Updates. HMD Global geht hier den Google-Weg und agiert damit voraussichtlich im Interesse der meisten Kunden: Kein Ballast, kein Problem.

Nächster Schritt: Fotos mit Zeiss Optik

Besonders die Top-Riege der Lumia-Geräte war beliebt für ihre fantastischen Smartphone-Fotos. Mit etwas Glück kommen diese auch uter HMD Global wieder. Immerhin konnte der neue Herausgeber der Nokia-Smartphones die alte Seilschaft mit Carl Zeiss aufwärmen und somit Hoffnung wecken. Der deutsche Hersteller ist bekannt für seine präzisen Optiken und beleifert etliche Industrien mit seinen optischen und optoelektronischen Bauelementen. Sogar im VR-Sektor hat sich der Zulieferer versucht.

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Zeiss macht nicht nur Optiken für Kameras. / © ZEISS Bildquelle: ZEISS

Ein 9 sei schon in der Mache; zumindest ist sich die Gerüchteküche dazu schon ganz sicher. Ulrich schweigt sich dazu genüsslich aus. Er beobachtet jetzt zunächst das Feedback zu den neuen Smartphones. Es ist für HMD das Debütkonzert der neuen Nokia-Produkte. Es muss sich jetzt zeigen, ob die Hoffnungen erfüllt werden. Die Qualität der Geräte können wir im Test überprüfen, aber dies alleine wird keine Vorhersage erlauben über den tatsächlichen Verkaufserfolg dieser Geräte.

Sind robuste Verarbeitung, frühe Updates dank purem Android und eine aggressive Preisgestaltung tatsächlich das Geheimrezept für den Erfolg am Markt, oder gehört vielleicht doch mehr dazu? Und kann Nokia als Marke nach so vielen schwachen Jahren wieder aufblühen, oder war schon zu lange kein Wind mehr in jenen Segeln? Wir können nur gespannt beobachten.