Erstmals kann eine Künstliche Intelligenz die Hirnströme von Menschen nicht nur analysieren, sondern auch danach wieder hörbar machen. Forscher haben Probanden Wörter und Zahlen vorgelesen und mit einem Hirnimplantat im Hörzentrum die Aktivität gemessen. Diese Daten gehen an eine KI, die sie mit den ursprünglich gesprochenen Worten vergleicht. Sie lernt so, die Hirnströme auszuwerten und die Worte daraus selbst zu rekonstruieren – sie kann also tatsächlich Gedanken lesen.

Park war zunächst skeptisch: „In der Vergangenheit gab es oft Systeme, die Gehirnströme analysieren und nach dem Prinzip funktionieren: Denk mal daran den linken Arm zu heben, und die so gewonnenen Hirnströme dann z.B. einen Rollstuhl fernsteuern können. Und das wird dann als Gedankenlesen verkauft. Aber das, was jetzt hier tatsächlich passiert ist, geht noch einen Schritt weiter. Man kann tatsächlich gesprochene Sprache aus den Hirnströmen rekonstruieren.“

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KI dringt immer weiter in unseren Alltag vor. / © Sarah Holmlund/Shutterstock Bildquelle: Sarah Holmlund/Shutterstock

Tatsächlich ist das menschliche Hirn jedoch unbeschreiblich komplex, und eine solche Anwendung lässt sich noch nicht universell auf alle möglichen Gespräche und Gedanken übertragen. Noch sei das kein echtes Gedankenlesen, so Park: „Man muss sich dabei aber klar machen, dass sind noch nicht irgendwelche Gedanken. Man kann nicht auslesen, wenn Menschen gerade an diese Zahlen denken, nur dass sie sie gerade hören.“

„Das ist Science Fiction“

In Filmen und Büchern ist die Technologie natürlich schon weiter. Immer wieder werden dort dystopische Szenarien mit KI-gestützter Überwachung gezeichnet, die durch Gedankenlesen sehr mächtig sein könnten. Für Park ist das jedoch reine Science Fiction und wäre mit aufwendiger Hirnchirurgie verbunden.

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So beängstigend das klingen mag, sieht Park greifbare Vorteile für viele Menschen: „In erster Linie denke ich da an behinderte Menschen, z.B. mit Locked-In-Syndrom, die komplett wach sind aber keinen Muskel mehr bewegen können. Oder auch Leute, wie der verstorbene Physiker Stephen Hawking. Die ganz mühsam mit dem Mund ein System benutzen mussten, in dem sie einzelne Buchstaben auswählen konnten, um sich darüber verständlich zu machen. Solche Systeme ließen sich in Zukunft viel eleganter bauen. Und es ist denkbar, dass gelähmte und stumme Patienten sich direkt wieder über einen Computer mitteilen könnten – quasi in Echtzeit.“

Wenn das am Ende möglich ist, wäre die Künstliche Intelligenz schon eine echte Hilfe.

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