Wer oft Lebensmittel in der Mikrowelle zubereitet oder auftaut, wird das Problem kennen. Nicht immer ist klar, welche Wattzahl und welche Garzeit die richtige ist. Verbrannte, nur teilweise aufgetaute oder schlimmstenfalls halb gare und halb gefrorene Putenbrüste oder komplett verbranntes Popcorn sind das Resultat.

Voreinstellungen, so genannte Presets sollen derlei Ärger ersparen. Doch gibt es deutlich mehr Rezepte als in einem Preset-Katalog einer Mikrowelle hinein passen; zumal eine Mikrowelle immer komplizierter wird, je mehr Tasten und Funktionen man ihr spendiert. Die komplette Zeitersparnis ist also schnell dahin, wenn man zuerst in einer 300-seitigen Anleitung nach der richtigen Voreinstellung suchen und hinterher mit dem Taschenrechner die passende Garzeit für die 350 Gramm gefrorene Putenbrust ausrechnen muss.

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Popcorn kann Alexa am besten. / © Amazon Bildquelle: Amazon

Manche Amazon-Ingenieure scheinen von diesem Leid genug zu haben und so entwickelten sie kurzerhand eine smarte Mikrowelle. Das heißt, richtig smart ist sie nicht von alleine. Aber sie hat WLAN, Bluetooth und sie lässt sich so mit einem Amazon Echo Dot koppeln. Darüber könnt Ihr die Mikrowelle dann mit dem Sprachassistenten Alexa steuern. Das gilt zumindest, wenn Ihr in den USA wohnt, denn woanders kann man die 60-Dollar-Mikrowelle der Marke AmazonBasics noch nicht kaufen.

The-Verge-Redakteurin Shannon Liao hat die Mikrowelle nun ausgiebig getestet und dabei einen gemischten Eindruck gewonnen. Vor allem die Popcorn-Aufwärm-Funktion gab dabei reichlich Aufschluss darüber, was Amazon mit smarten Küchengeräten eigentlich vor hat.

Unendlich viele Presets – irgendwann

Die Grundidee ist nicht verkehrt: Um das Dilemma mit den vielen Presets und der guten Bedienbarkeit zu beenden, soll der KI-gestützte Sprachassistent die Lebensmittel auf Zuruf perfekt zubereiten; sei es eine Kartoffel, eine Tüte Mikrowellen-Popcorn, eine Tasse Tee oder 350 Gramm gefrorene Putenbrust.

Beim Test wollten einige Sachen noch nicht so recht klappen und andere waren reichlich rätselhaft implementiert. Ein gelungenes Beispiel war die Zubereitung von Popcorn. Hier fragt Alexa, wie viel Gramm sich in der Tüte befinden. Anschließend wird das Popcorn auf den Punkt zubereitet. Alexa fragt außerdem, wie viele Tüten Mikrowellenpopcorn Ihr noch zuhause habt. Neigt sich die Zahl dem Ende, bestellt der Assistent – Überraschung! – bei Amazon Nachschub. Wer diese Automatik abschalten will, muss im ersten Schritt das Abo beenden und im zweiten die laufende Bestellung stornieren.

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Die Uhr synchronisiert sich über das Internet. / © Amazon Bildquelle: Amazon

Weniger gelungen war die Zubereitung einer einfachen Kartoffel. Hier hat der Sprachassistent auch vergessen zu fragen, wie viel die Knolle wiegt. Natürlich wurde die Kartoffel so nicht fertig und war im Resultat nicht genießbar. Und wenn die Kartoffeln aufgebraucht sind: Wird Alexa sie dann einfach auf unserem Einkaufszettel hinzufügen, den wir mit der Familie teilen; oder können wir neues Gemüse gleich bei Rewe bestellen?

Es gibt noch viel zu lernen

Der Ansatz, Presets über den Sprachassistenten auszulagern, ist klug. Jedoch ist die Zeit noch nicht reif dafür. Immerhin teilt Amazon den Lernprozess seiner AmazonBasics-Mikrowelle über die Plattform Alexa Connect Kit mit Drittanbietern. LG-Mikrowellen mit Alexa sind also denkbar. 

Amazon zeigt aber gleich mit dem Nachbestell-Feature, worauf es eigentlich abzielt. Der Nutzen für den Verbraucher ist ein Nebenprodukt des eigentlichen Ziels. Und das ist, größere Teile unseres Lebensmittelkonsums über Amazon zu leiten.

Da Mikrowellenpopcorn auch im deutschen Amazon verfügbar ist, müsste die Mikrowelle eigentlich nicht lang auf sich warten lassen. Eine entsprechende Anfrage haben wir bereits an Amazon herausgeschickt, jedoch warten wir noch auf die Antwort. Würdet Ihr Euch die smarte Mikrowelle in die Küche stellen? Und wenn nein, warum nicht?