150 Tage NextPit: Meine wichtigsten Erkenntnisse nach einer Insolvenz – Folge 5

150 Tage NextPit: Meine wichtigsten Erkenntnisse nach einer Insolvenz – Folge 5

Rund 150 Tage nach dem Neubeginn von AndroidPIT unter der NextPit GmbH und kurz vor Ende des Jahres will ich Bilanz ziehen und meine wichtigsten Erkenntnisse mit Euch teilen. Der Artikel ist dabei so lang geworden, dass wir ihn in sechs Teilen bringen – an jedem Tag dieser Woche gibt es einen Teil. Heute Teil 3 "Du hast nichts mehr zu verlieren – und kannst nur noch gewinnen".

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Zu den ersten beiden Artikeln gelangt Ihr über die nachfolgenden Links:

5. Du hast nichts mehr zu verlieren – und kannst nur noch gewinnen.

Ich habe in meinen Punkten vorher sehr viel über Mut gesprochen. Etwas Neues zu beginnen und nicht zu wissen, was passiert, erfordert immer eine Menge Mut. Persönlich glaube ich aber, dass es deutlich einfacher ist, etwas auf einer grünen Wiese zu beginnen, als etwas Gestandenes zu nehmen und dieses umzuformen.

In meinem Fall ging mir anfangs immer wieder durch den Kopf, was denn passieren würde, würden all die Visionen, Pläne, Hoffnungen und Wünsche nicht aufgehen und würde ich nach kürzester Zeit noch einmal mit NextPit auf die Nase fallen. Was genau würde es über mich aussagen? Immerhin sagt man ja auch, dass ein Ende mit Schrecken besser sei, als ein Schrecken ohne Ende.

Es hatte auf mich etwas sehr Befreiendes, als ich mich einmal und endgültig für das Weiterführen der AndroidPIT-Seiten entschieden hatte. Nun galt es und ich war gedanklich für mich selbst zum Erfolg verdammt.

Mit unseren kreativen Ideen in der Hinterhand, einer gewissen Intuition, den exzellent aufbereiteten Zahlen von Christian und dem Enthusiasmus des gesamten verbliebenen Teams ging es ans Werk. Wenn ich mein Gefühl aus den ersten Augusttagen beschreiben müsste, dann wären es Begriffe, wie Unsicherheit, eine gewisse Trotzigkeit, Vorfreude, aber auch Angst die zutreffend erscheinen.

Das Interessante ist, dass man ohne Erwartungen fast immer nur positiv überrascht wird. Sei es durch ein Google Update, das uns mal nicht nach unten, sondern nach oben gespült hat. Oder durch unerwartete Aufträge. Einen Artikel, der so gut lief, dass wir alle ganz selig vor unseren Bildschirmen saßen um die Statistiken anzusehen.

Die durch den Verlust aufgezwungene Genügsamkeit führt zu etwas ganz Erstaunlichem. Jeder Lichtblick, jeder noch so kleine Erfolg ist wie ein hart errungener Sieg, der auch gleichzeitig das eigene Selbstbewusstsein und den Glauben an einen selbst stärkt.

Eigentlich ist das etwas, was ich mir auch viel mehr in mein eigenes privates Leben mitnehmen möchte. Es ist ein wirklich schönes Gefühl, wenn man schneller glücklich ist, ohne auf die ganz großen Chancen zu warten.

Wenn man mal so verloren hat, dann hat man die Chance fast jeden Tag ein Gewinner sein zu können. Für diese Erkenntnis bin ich sehr dankbar.


Morgen geht es weiter mit Teil 6, dem letzten Teil dieser Serie. Den ersten, den zweiten, dritten und vierten Teil gibt es hinter den Links.

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3 Kommentare

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  •   38
    Gelöschter Account 30.12.2019 Link zum Kommentar

    Kann ich nur unterstreichen - habe es ja bereits durch meine eigenen Erahrungen zuvor beschrieben. Man lernt auch, das Erreichte mehr zu schätzen, weil es nicht mehr so selbstverständlich ist.

    Millionen Menschen erging es so, als sie vom Arbeitslosengeld nicht in die Arbeitslosenhilfe, sondern ins ALG II fielen. Der soziale Abstieg war gravierend, da das Erarbeitete (Eigenheim, Auto, Technik, wertvolles Mobiliar, Sparguthaben, Lebensversicherungen) zum großen Teil verkauft werden musste, die Wohnung, wenn sie zu groß war, gegen eine kleinere getauscht werden musste und jeder Pfennig vom Amt umgedreht wurde, um zu sehen, ob man nicht noch irgendwo etwas wegnehmen kann. Dann die hohen Anforderungen der Jobcenter und auch der Zeitarbeitsfirmen, die aus dem Boden wie Pilze schossen... ein Auto musste wieder her, weil sehr oft die Firmen ohne dieses nicht zu den Arbeitszeiten erreichbar waren und sind, die Spirale von der zeitweisen Anstellung zurück ins ALG II und in den nächsten Kurzzeitjob, der Zwang, weit unter dem erlernten Berufsniveau arbeiten zu müssen. Das hat viele Familien und Existenzen komplett zerstört.

    Nach solchen Erfahrungen schätzt man das, was man sich wieder anschaffen kann, deutlich mehr. Was bleibt ist die Unsicherheit, alles trotz Anstrengung schnell wieder zu verlieren.

    Gelöschter Account


  • Ein bisschen mehr Genügsamkeit und Bescheidenheit würde vielen gut stehen.
    Nicht nur denen, die richtig auf die Nase gefallen sind.
    Dazu stehen was man ist und nicht was man darstellt.

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