Springt direkt zum Abschnitt:

Was bedeutet Root?

Der Begriff Root kommt aus der Linux-Welt. Durch den Root-Vorgang bei Android kann der Nutzer Super-User-Rechte erhalten und vollen Zugriff auf das Dateisystem seines Geräts bekommen. Das ermöglicht tiefgreifende Anpassungen und Änderungen an der Software. Aber es stellt für unerfahrene Nutzer auch eine große Gefahr dar, weil wichtige Systemdateien gelöscht werden können. Das ist auch einer der Gründe, warum Android Euch standardmäßig keine Root-Rechte gibt und warum Ihr damit nicht leichtfertig umgehen solltet.

  • Android: Sollte ich mein Smartphone rooten?

Der Root-Zugriff erfolgt oft durch ein Script, das man im Download-Modus von Android installiert und das sich dann automatisch ausführt. Dieses Script nutzt oft eine Sicherheitslücke im Betriebssystem-Kern aus und führt eine sogenannte Privilege Escalation aus. Dieser Rechteaufstieg macht Euch vom User zum Super-User, der die oben erklärten Root-Privilegien genießen darf. Die dabei installierte App SuperSU kümmert sich darum, dass Ihr die Kontrolle darüber behaltet, zu welchem Zeitpunkt eine App diese Root-Rechte nutzt.

AndroidPIT root flash recovery mode fastboot 1007 gears
Android rooten: Eine Operation am offenen Herzen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Verliere ich meine Garantie oder Gewährleistung durchs Rooten?

Viele Nutzer sorgen sich, dass sie ihre Garantie oder Gewährleistung verlieren, wenn sie ihr Smartphone rooten. Deswegen haben wir die unterschiedlichen Smartphone-Hersteller dazu ganz konkret befragt, um dieser Sorge und den Mythen, die sich um das Rooten ranken, ein für alle Mal Fakten gegenüber zustellen. HTC schreibt dazu konkret:

„Zu diesem Thema existieren grundsätzlich rechtliche Bestimmungen auf Grundlage der EU Richtlinie 1999/44/EG. HTC achtet und hält sich im Allgemeinen an geltendes EU-Recht. Das betrifft auch den Bereich der modifizierten Software von HTC-Produkten.

Verfügt das HTC-Gerät eines Nutzers über einen Root, so ist das nicht gleichbedeutend mit dem Verfall seines noch bestehenden Gewährleistungsanspruchs. Dieser Anspruch entfällt allerdings, sollte das Gerät über einen Defekt verfügen, der nachweislich auf die veränderte Software-Umgebung respektive den Root zurückzuführen ist.“

LG fasst sich kurz und sagt, dass die Garantie beim Rooten erlischt. Bei Sony ist man weniger hart, denn da heißt es:

„Wenn in der Werkstatt eine solche Modifikation erkannt wird, so schauen wir uns diese Fälle individuell an. Sofern der Defekt nicht mit dem Root in Verbindung steht und eine Reparatur möglich ist, entscheiden wir kulant für den Kunden.“

Also kann man bei Sony wenigstens auf Rettung hoffen.

Samsung ist ebenfalls hart und schreibt:

„Da durch Rooting in der Regel nichtgenehmigte Modifikationen am Produkt vorgenommen werden, greift die von Samsung gewährte Garantie in diesem Fall nicht. […] Für die Gewährleistungsrechte des Käufers gegenüber dem Verkäufer gelten unabhängig davon die gesetzlichen Bestimmungen.“

Die Free Software Foundation Europe (FSFE) hat sich mit der Root-Thematik beschäftigt und kam nach einer ausführlichen Prüfung zu dem Ergebnis, dass gemäß EU-Richtlinie 1999/44/CE auch nach dem Rooten und der Installation von Custom-ROMs weiterhin Gewährleistungsansprüche bis zu zwei Jahre nach Kauf geltend gemacht werden können. Sollte Euer Smartphone oder Tablet einen Defekt haben, darf der Verkäufer, bei dem Ihr das Gerät gekauft hat, die Gewährleistung nicht verweigern. Der Verkäufer befindet sich sogar in der Beweispflicht: Er muss nachweisen, dass die Schäden durch die Veränderung der Software aufgetreten sind. Die Beweispflicht hat er allerdings nur in den ersten 6 Monaten nach dem Kauf. Danach hat man als Käufer sowieso schlechte Karten.

Beispiel 1: Ihr rootet Eurer Smartphone und installiert den beliebten Custom-ROM LineageOS. Plötzlich löst sich aufgrund eines Materialfehlers der Knopf zum Ein- und Ausschalten Eures Smartphones. Hier greift ganz klar die Gewährleistung. Aber auch hier gilt: Nach den ersten sechs Monaten seid Ihr in der Beweispflicht, dass der Materialfehler am Knopf schon von Anfang an vorlag.

Beispiel 2: Ihr rootet Euer Smartphone, installiert LineageOS und zusätzlich einen neuen Kernel, der Eure CPU übertaktet und für mehr Leistung sorgen soll. Dem Smartphone-Prozessor gefällt das aber überhaupt nicht, er erhitzt sich zu stark und raucht im wahrsten Sinne des Wortes ab. Hier greift die Gewährleistung nicht, weil die Schäden eindeutig durch das Rooten verursacht wurden.

Die Vorbereitung: Wie kann ich mein Android-Handy rooten?

Je nach Smartphone-Hersteller ist es mehr oder weniger aufwendig und risikobehaftet, Android zu rooten. Glücklicherweise haben die findigen Entwickler der verschiedenen Android-Root-Methoden inzwischen die Tools recht anwenderfreundlich gestaltet. Trotzdem solltet Ihr Euch stets in den Spezial-Foren zu Eurem Smartphone informieren, welche Root-Methode für Euer Gerät infrage kommt und welche speziellen Vorkehrungen ihr möglicherweise treffen müsst.

Android zu rooten ist kein Hexenwerk, ist aber natürlich mit einem Risiko verbunden. Außerdem arbeitet Google mit jeder neuen Android-Version daran, den Root-Vorgang zu erschweren. In fast allen Fällen benötigt Ihr eine Custom Recovery, um die nötigen Befehle für den Root-Zugriff ausführen zu können. TWRP ist die Custom Recovery der Wahl, daher installieren wir die zuerst. Danach ist der eigentliche Root-Vorgang dran.

Wie installiere ich die Custom-Recovery TWRP?

TWRP ist eine Custom-Recovery mit langer Tradition und unterstützt eine lange Liste an Smartphones und Tablets. Weil sich der Installationsvorgang bei jedem Smartphone ein wenig unterscheidet, solltet Ihr Euch auf der offiziellen Webseite umsehen. Dort gibt es für viele verbreitete Smartphones die vollständige Anleitung. Für die Erst-Installation benötigt Ihr immer die ADB-Tools auf Eurem PC.

Ihr könnt Euer Smartphone in dieser Liste nicht finden? Kein Problem. Meistens gibt es inoffizielle Versionen von TWRP, die Ihr aber nur in Entwicklerforen findet. Schaut einmal bei uns im Forum nach Eurem Gerät, denn dort findet Ihr bestimmt Hilfe, die richtige TWRP-Version für Euer Smartphone zu entdecken. Im Forum der XDA Developers werdet Ihr ebenfalls fündig. Auch die inoffiziellen TWRP-Versionen sind stets gut dokumentiert und mit Installationshinweisen versehen.

Root mit Magisk: Die beste Root-Methode erklärt

Der einfachste und schnellste Weg, Root-Rechte auf modernen Smartphones zu ergattern, geht über das Tool Magisk.

Was macht Magisk so besonders? Magisk ist viel mehr als eine Methode, Android-Smartphones zu rooten. Magisk besteht aus mehreren Tools, die zusammengenommen erst die vielfältigen Möglichkeiten ergeben. Das wichtigste Tool installiert sich in die Boot-Partition und verändert daher das Android-System nicht. Außerdem installiert Ihr die App Magisk Manager.

AndroidPIT magisk
Magisk: Die beste Root-Methode / © NextPit Bildquelle: NextPit

Der Magisk Manager ist das eigentliche Zaubertool, denn es erlaubt Euch, verschiedene Module und Features zu installieren. Mit dem Magisk Manager haltet Ihr außerdem die gesamte Magisk-Toolkette auf dem aktuellen Stand.

Eine vollständige Übersicht über Magisk und seine Fähigkeiten haben wir in unserer Magisk-Anleitung zusammengestellt.

Magisk: Die Installation

Vor der Installation solltet Ihr Euch informieren, ob Magisk mit Eurem Smartphone kompatibel ist. Fragt dafür einmal in den einschlägigen Foren bei AndroidPIT oder den XDA Developers nach. Die Installation von Magisk ist simpel, erfordert aber ein installiertes TWRP. Ladet zunächst die aktuellen Versionen von Magisk und Magisk Manger herunter, am besten auf der Projektseite von Github und speichert die Dateien auf Eurem Smartphone im internen Speicher.

  • Bootet in TWRP
  • Flasht Magisk (die Zip-Datei)
  • Rebootet Euer Smartphone

Jetzt installiert Ihr den Magisk Manager als ganz normale App und öffnet sie. Jetzt könnt Ihr überprüfen, ob Magisk korrekt installiert ist. Im Magisk Manager könnt Ihr die Einstellungen für Root verändern. Magisk ermöglicht auch, den Safetynet-Check zu bestehen.

Geräte von Samsung, LG oder Sony rooten

Die genaue Vorgehensweise für das Rooten unterscheidet sich von Smartphone zu Smartphone. Auf XDA gibt es eine Liste mit aktuellen Vorgehensweisen und mit informativen Beschreibungen für eine große Menge an Smartphones.

Um ein Samsung-Smartphone zu rooten, solltet Ihr genau aufpassen, dass Ihr die Anleitung für die richtige Geräteversion heranzieht. In manchen Fällen müsst Ihr den Bootloader entsperren. Die Vorgehensweise dafür ist in den gerätespezifischen Anweisungen hinterlegt.

Gerade für ältere Smartphones sind viele herkömmliche Root-Methoden verfügbar. Diese sind aus verschiedenen Gründen bei modernen Smartphones nicht mehr anwendbar. Meist, weil sie Sicherheitslücken ausnutzen, die inzwischen Android-seitig geschlossen wurden. Schaut am besten in die Liste der XDA Developers, ob Euer älteres Smartphone mit Hilfe von SuperSU, CF-Autoroot oder anderen freizuschalten ist.

Ist mein Gerät jetzt gerootet? Gibt es einen Root-Check?

Es gibt viele Apps im Play Store, die Euch genau diese Frage beantworten. Ein Root-Check eignet sich, um den Erfolg des Rootens festzuhalten oder auch, um herauszufinden, ob Eure Custom-ROM schon Root integriert hat oder nicht.

Die erste App stammt von JRummy Apps. Der Root Check findet kostenlos heraus, ob Euer Smartphone gerootet ist. Falls Ihr Super-User-Privilegien habt, dient der Root-Check zugleich als Schaufenster für Apps, die diese Rechte nutzbar machen.

jrummy root check
Der Root Check ist werbefrei, bietet aber wenig Mehrwert. / © JRummy Bildquelle: JRummy

INSTALLIEREN (com.jrummyapps.rootchecker)

Die zweite App stammt von dem Entwickler mit dem Pseudonym Joeykrim. Sein Root-Checker setzt neben App-Empfehlungen und Freemium-Modell auf Bannerwerbung. Im Gegenzug erhaltet Ihr ein Glossar, das Euch die wichtigsten Infos rund um Root in Android liefert. Joeykrim ist auch bekannt für sein Root-Quiz.

joeykrim root checker
Warum Root? Joeykrim missioniert in seinem Root Checker. / © joeykrim Bildquelle: joeykrim

INSTALLIEREN (com.joeykrim.rootcheck)

Ist Root überhaupt noch zeitgemäß?

Root ist Google ein Dorn im Auge. Daher gibt es für moderne Smartphones nicht mehr viele Root-Methoden. Eine ganz besondere Falle stellt Safetynet dar. Safetynet prüft die Integrität der Software Eures Smartphones und die kann bei Root-Zugang kompromittiert sein. Magisk versteckt sich ganz gut, das gute alte SuperSU hingegen nicht.

Fordert eine App einen Safetynet-Check an und schlägt dieser fehl, so weigern sich Apps zu starten. Bekannte Übeltäter sind zum Beispiel Google Pay, aber auch Pokémon Go.

Der Mehrwert von Root ist inzwischen außerdem zweifelhaft. Smartphones tunen ist angesichts immer leistungsfähigerer Prozessoren und mehr Arbeitsspeicher kaum mehr nötig. Root erlaubt aber ein vollständiges Backup (via Titanium) und den Zugriff auf detaillierte Statistiken.

Wie steht Ihr zum Thema Root: Unbedingt nötig oder eher unerheblich geworden?