Realme Band im Test: günstiger Fitness-Tracker mit eklatanten Schwächen

Realme Band im Test: günstiger Fitness-Tracker mit eklatanten Schwächen

Wie von Realme gewohnt kommt auch der erste Fitness-Tracker des chinesischen Herstellers zum echten Kampfpreis auf den deutschen Markt. Aber ist das Realme Band wirklich eine Alternative zu Xiaomi Mi Band 4 und Honor Band 5?

Bewertung

Pro

  • gute Akkulaufzeit

Contra

  • unpräzise Pulsmessung
  • nervige Bedienung
  • schlechte App

Realme Band: Für wen ist der Fitness-Tracker gedacht?

Das Realme Band ist in Deutschland seit kurzem bei Amazon erhältlich und kostet nicht einmal 30 Euro. Für das Geld gibt's einen 24/7-Pulssensor, automatische Workout-Erfassung, Schlaf-Tracking und diverse Erinnerungen daran, mal wieder etwas zu trinken oder sich zu bewegen.

Damit präsentiert sich das Realme Band als günstiger Einstieg in die Welt der Fitness-Tracker.  Mit dem niedrigen Preis ist das Band insbesondere für diejenigen interessant, die sich über den Sinn oder Unsinn eines Trackers noch nicht ganz im Klaren sind.

AndroidPIT Realme Band wrist
Funktional: So lässt sich das Design des Realme Band am besten zusammenfassen. / © NextPit

Und die Konkurrenz?

Einen ähnlichen Funktionsumfang schreiben sich auch das Xiaomi Mi Band 4 und das Honor Band 5 auf die Fahne. Die beiden Realme-Konkurrenten sind bei diversen Versandhändlern zu ähnlichen Preisen erhältlich – und konnten uns beide im Test überzeugen.

Ich mag das Realme Band wegen...

... der Akkulaufzeit

Wie erwartet ist die Akkulaufzeit des Realme Band ausgezeichnet. Je nach Regelmäßigkeit der sportlichen Betätigung und Einstellungen schafft der leichte Fitness-Tracker gut und gerne eine Woche. Mit etwa 30 bis 60 Minuten Sport am Tag komme ich eine knappe Woche aus. Nachdem der Ladestecker klug im Armband integriert ist und man kein separates Kabel zum Aufladen braucht, lässt sich das Band auch jederzeit an einem beliebigen USB-A-Port aufladen.

Allerdings gibt es hier auch Grund zur Kritik: Sobald der Akku unter 20 Prozent fällt, ist es nicht mehr möglich, ein Workout zu starten. Auch das Synchronisieren mit der App ist dann nicht mehr möglich. Klar mag man sagen: Dafür funktioniert das Band dann eben noch ein paar Tage lang als Uhr.

... des günstigen Preises, ...

... der sich in Anbetracht der Konkurrenz aber schon wieder relativiert. Immerhin: Eine Fehlinvestition in Höhe von 30 Euro ist weniger schmerzhaft als manch anderer Fehlkauf.

Das Realme Band überzeugt nicht, weil ...

... die Pulsmessung ungenau ist

Natürlich erwartet niemand eine sportmedizinische Präzision von einem 30-Euro-Fitnesstracker. Aber ein paar ganz grundsätzliche Anforderungen darf man schon erwarten. Ein Beispiel wäre da die Ermittlung des Ruhepulses just an diesem Tag. Das Realme Band erfasst während des Schlafs einen Minimal-Puls von 41 Schlägen pro Minute ohne größere Abweichungen – spuckt mir für heute dann aber einen Ruhepuls von 63 Schlägen pro Minute aus. Da kann etwas nicht stimmen.

Weiterlesen: Das vermessene Selbst: Was bedeuten Ruhepuls, SpO2, REM-Schlaf & Co.?

Ähnlich durchwachsen ist auch das Fazit beim Sport: Bei einer Krafteinheit für die Beine spuckt das Realme Band eine maximale Herzfrequenz von 121 und einen Durchschnittspuls von 93 Schlägen pro Minute aus. Ein Garmin-System mit Brustgurt misst hier einen Maximalpuls von 154 Schlägen pro Minute und kommt auf einen Durchschnitt von 129. 

AndroidPIT training hr garmin venu vs realme band
Selbst beim Beine-Workout, wo die Arme bestenfalls mal Gewichte halten, liegt das Realme Band (rechts) meilenweit neben den Messwerten eines Brustgurts (links). / © NextPit

Auch beim an sich anspruchslosen Laufen gibt es eine merkliche Abweichung, wenngleich sie weniger drastisch ausfällt. Mit einem Brustgurt-System von Sigma messe ich beim Joggen eine durchschnittliche Herzfrequenz von 155 Schlägen pro Minute und einen Maximalpuls von 170. Das Realme Band liegt nun mit einem Durchschnittspuls von 162 Schlägen pro Minute und einem Maximalpuls von 174 Schläge ein ganzes Stück darüber.

Weiterlesen: Pulsfrust am Handgelenk: Warum optische Herzschlagsensoren nichts taugen

Die Erfassung des Schlafs funktioniert immerhin so einigermaßen, wenngleich das Band ein morgendliches Herumgammeln und Newslesen im Bett gerne auch mal auf den Schlaf draufschlägt. Ob die dargestellten Phasen aus tiefem und leichtem Schlaf wirklich einen Sinn ergeben? Ich vermag es mangels greifbarem Schlaflabor nicht zu sagen. Allerdings korrelieren sie überhaupt nicht mit den Daten einer nächtelang gleichzeitig getragenen Garmin Venu.

AndroidPIT Realme Band back sensor
Blinkt fleißig, misst aber eher Mist: der Pulssensor im Realme Band. / © NextPit

... die Bedienung nervt

Das Realme Band hat einen Touch-Button unter dem Display – Wischgesten oder dergleichen gibt es mangels Touchscreen nicht. Um durchs Menü zu navigieren müsst Ihr also x-mal aufs Display tippen. Ein langer Druck startet dann beispielsweise das gewählte Training.

Nachdem hier kein kapazitiver Sensor, sondern ein einfacher Drucksensor verbaut ist, starte ich leider regelmäßig auch tagsüber irgendwelche Workouts, wenn beispielsweise der Ärmel meiner Jacke auf das Band drückt oder ich mich irgendwie ungünstig auf meinen Arm aufstütze. 

AndroidPIT Realme Band
Ich hab in den vergangenen Wochen regelmäßig Yoga gemacht – davon ist zumindest das Realme Band überzeugt. / © NextPit

... das Realme Band beim Sport unpraktisch ist

Leider ist offenbar niemand aus der Realme-Entwicklungsabteilung tatsächlich mit dem Band Laufen gegangen und hat dabei versucht, seine Herzfrequenz vom Display abzulesen. Um während eines aktiven Workouts den Puls abzulesen, muss man nämlich durch viermaliges Tippen auf die entsprechende Anzeigeoption zu wechseln – und zwar jedes Mal, nachdem sich das Display nach wenigen Sekunden abschaltet. Der Puls wird dann in Dunkelrot auf schwarz angezeigt und ist bei Tageslicht während des Laufens bestenfalls zu erahnen.

Leider wird es bei der App nicht besser. Startet man eine Laufeinheit in der App auf dem Smartphone, ist das GPS-Tracking in der App aktiviert und sie zeichnet beim Laufen die Strecke auf. Dafür erfasst die App trotz verbundenem Band nicht den Puls beim Laufen. Startet man dagegen die Laufeinheit bequem am Handgelenk und hat das Smartphone in der Hosentasche, wird die Strecke nicht erfasst. Das muss einfach besser gehen – und tut's auch bei der Konkurrenz im gleichen Preisbereich.

AndroidPIT realme band workout
Am Tag 455 "Warmup" und 10 Minuten "Threshold" trotz 15 Minuten "Threshold" bei der morgendlichen Laufrunde? Tagesmaximalpuls von 168 bpm trotz maximaler Trainingsherzfrequenz von 174? Setzen, sechs. / © NextPit

Auch sonst ist die App sehr spartanisch aufgebaut. Detaillierte Analysemöglichkeiten? Fehlanzeige. Für die Darstellung der Herzfrequenz über einen Tag verwendet Realme den gleichen Dialog wie für Workouts. Ich habe also heute schon 455 Minuten mit "Aufwärmen" verbracht. Abgesehen davon gibt es, wie auf dem Screenshot oben ersichtlich, Probleme mit selbst einfacher Arithmetik.

Fazit: Ist das Realme Band eine gute Wahl?

Ums kurz zu machen: Nein. Auch wenn es schwer zu glauben ist, aber die Konkurrenz bietet fürs gleiche Geld einfach viel mehr. Das gilt sowohl für das Huawei Band 5 als auch für das Xiaomi Mi Band 4 sowie höchstwahrscheinlich auch dessen Nachfolger Xiaomi Mi Band 5.

Insbesondere die exzellente Huawei-Health-App gefällt mir wirklich gut mit ihren ausgefeilten Trainingsplänen für Läufer. Außerdem arbeitet die Anwendung auch mit weiterem Third-Party-Zubehör zusammen – etwa mit Brustgurten von Polar und Suunto – und ist übersichtlich gestaltet. Und: Sie funktioniert auch auf Nicht-Huawei-Smartphones. Ihr könnt Euch nicht entscheiden? Dann lest hier weiter:

Bei den Fitness-Trackern ist das teilweise interessante Preisleistungsverhältnis von Realme leider in dieser Generation noch nicht angelangt.

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6 Kommentare

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  • Wow, ein Test bei dem auch wirklich getestet und verglichen wird. Gefällt mir.
    Der Pulssensor ist ungenau (im Vergleich zur Referenz) => Punktabzug.
    Leider wurde das bei beiden "Tests" der verlinkten Alternativbänder (Honor / Xiaomi) von Jessica Murgia nicht gemacht. Da steht (sinngemäß) nur: "Der Pulssensor zeigt irgendwas an, aber verlasst euch nicht drauf, das ist nur ein Richtwert."

    Bitte führt einheitliche Testkriterien ein. Sonst kann man eure Tests nicht vergleichen. Hier gibt es zB auch keinen Punktabzug für "kein integriertes GPS", bei den anderen beiden (selbe Preisklasse) schon...


    • Hallo Markus, herzlichen Dank für die konstruktive Kritik. Wir sind gerade dabei, unsere Testkriterien für Wearables zu überarbeiten und werden uns Mühe geben, hier systematischer und mit Vergleichen zu testen.

      Wie im verlinkten Artikel zu optischen Pulssensoren geschrieben sind die am Handgelenk erfassten Ergebnisse leider meist nur eingeschränkt zu gebrauchen, zumindest in dieser Preisklasse und bei Sportarten, die die Handgelenke involvieren.

      GPS gibt's m. W. in dieser Preisklasse nicht, daher würde ich das in diesem Fall auch nicht bemängeln. Bei einem 150-Euro-Gerät sieht's anders aus.

      Gelöschter Account


      •   23
        Gelöschter Account vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Hab seit einem halben Jahr das Honor Bd. 5 und bin mehr als zufrieden.Danke für den aussagekräftigen Bericht


      • Ich hab das Honor Band 5 auch eine ganze Weile genutzt. Anfangs hab ich das gar nicht so richtig ernst genommen, weil 30 Euro und so. Aber ich war wirklich positiv überrascht, wie gut das ist, ich find auch die Huawei-Health-App super, gerade mit den Trainingsplänen. Auch wenn ich meinen Halbmarathon-Trainingsplan nicht bis zum Ende durchgehalten habe ;)


      • Die Xiaomi Amazfit Bip (nicht die neuere Lite-Version) hat GPS integriert- und alles funktioniert wunderbar. Kostet 50-60 EUR je nach Angebot. Für mich perfekt, nehme zum Laufen mein Smartphone nicht mit. Ist allerdings eher Smartwatch als Band. Aber sehr leicht zu tragen.


  • Hört sich nach ziemlichem Schrott an - danke für die Warnung!

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