Zwei Jahre lang habe ich ausschließlich redaktionelle Testgeräte eingesetzt. Das Samsung Galaxy S8 ist seitdem das erste Gerät, das ich von meinem eigenen Geld gekauft habe. Nach meinen Eindrücke im Test war ich zuversichtlich, dass es mich auch 24 Monate lang nicht enttäuschen würde. Welche der Hoffnungen tatsächlich wahr wurden, erfahrt Ihr nun im Langzeitbericht zum Galaxy S8.

Das Galaxy S8 hält Stürze aus.

Vor dem Galaxy S8 besaß ich ein Sony Xperia Z2. Das war technisch nach meinem Gusto, jedoch ließ dessen Verarbeitung im Nachhinein betrachtet zu wünschen übrig. Zum Schluss gab es, genau wie vermutlich viele seiner Geschwister, wegen Glasbruchs den Geist auf.

Dementsprechend blieb mir das Herz kurz stehen, als ich mein Galaxy S8 einmal aus anderthalb Meter Höhe fallen ließ. Beim Hantieren mit den Einkaufstüten vor dem Supermarkt ist es mir irgendwie entglitten, stürzte, sprang noch dreimal hin und her, um dann noch mit dem Display nach unten den Boden entlang zu rutschen. Worst Case also.

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Macken, ja. Aber ein Display-Schaden oder gar -Bruch? Nope. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Das Gorilla Glass 5 ist offenbar so robust wie es beworben wird. Zumindest dieser erste Sturz ging glimpflich aus. Lediglich der weiche Metallrahmen trug Blessuren davon. Während der eine Sturz gut ausging, will ich daraus nicht schließen, dass das beliebig oft passieren darf.

Das 18:9,5-Format sieht cool aus, taugt aber wenig.

Das Infinity getaufte Vollbild-Format des 18,5:9-Displays soll für super-immersives Spiel- und Multimedia-Erlebnis sorgen. Leider sind Inhalte üblicherweise gar nicht darauf optimiert, sondern setzen weiter auf 16:9 oder 2,35:1. Und das war noch nicht einmal, was mir am unangenehmsten auffiel.

Es sind eher die Edge-Kanten, die mich störten. Gab es bis zur Generation Galaxy S7 noch die Option, ein Galaxy ohne sie zu kaufen, sind sie nun in allen Samsung-Top-Modellen obligatorisch geworden. In Spielen erschweren sie oft den Zugang zu Menüs oder Items am Bildrand.

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Während das Vollbild-Erlebnis betört, stören die krummen Ränder bei der Bedienung. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Für die Software gibt es konsequent Updates.

In den ersten 100 Tagen der Nutzung erhielt ich für mein deutsches, Branding-freies Modell des Galaxy S8 insgesamt fünf Android-Updates, zwei davon sogar über 600 MByte groß. Sie adressierten Probleme unter anderem mit Bluetooth 5.0, stopften Sicherheitslücken und verbesserten die Stabilität weiterer Funktionen.

Samsung hat in der Software-Oberfläche Experience UI bereits an vielen Stellen den Rotstift angesetzt und selten verwendete Funktionen entfernt. Dennoch ist die Fülle an Optionen im Vergleich zu anderen Android-Oberflächen überwältigend. Die einzigen Features, die ich wirklich zu schätzen gelernt habe, verwenden den gekrümmten Rand des Edge-Displays (er ist Fluch und Segen). Spezielle Edge-Apps lassen sich nachträglich installieren. Diese zeigen Benachrichtigungen und Schnellinfos besonders bequem an, da Ihr das Display dazu nicht erst komplett einschalten müsst. Falls Ihr das Immer-an-Display so wie ich ebenfalls abschalten würdet, wäre das also mein Tipp für Euch.

Den frontalen Fingerabdrucksensor vermisse ich nicht.

Am ersten Tag der Einrichtung des Galaxy S8 wählte ich den Iris-Scanner als bevorzugte Biometrie-Option. Diese hat sich als die richtige herausgestellt, denn das Entsperren geht flott und bequem. Nur bei Dunkelheit oder wenn ich eine Sonnenbrille trage, versagt der Iris-Scanner.

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Zum Entsperren schaut Ihr eher in den Iris-Scanner des S8 als dass Ihr es mit dem Finger entsperrt. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite lässt sich freilich weiter verwenden. Durch seine Positionierung neben der Hauptkamera kann es aber sein, dass man ihre Linse verschmutzt. Dann werden Fotos unscharf oder milchig. Ein unglücklicher Nebeneffekt des Umzugs nach hinten.

Warten auf Bixby

Der als Hardware-Bloat verschriene Bixby-Button wartet noch immer auf eine echte Aufgabe. Bis jetzt öffnet er lediglich eine Feed-Übersicht, die man in ähnlicher Form auch schon von den Google-Now-Karten kennt. Später soll ein Sprachassistent in diversen Sprachen ausgerollt werden, dessen Konkurrenten schon jetzt kaum noch an einer Hand abzuzählen sind. Und dann kommt da noch Bixby Vision.

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Lass mich mal kurz deinen Einkaufswagen fotografieren, dann kaufe ich das auch allles. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Bixby Vision erkennt Produkte und sucht Euch Infos dazu aus. Ähnliche Konzepte kennen wir von Amazon Firefly (zurzeit tot) oder Google Lense (zurzeit nur auf dem Papier existent). Leider ist Bixby derzeit zu wenig zu gebrauchen. Daher begrüße ich Projekte wie die Bixby Remapper, mit denen Ihr den dedizierten Button neu belegen könnt. Samsungs Software-Updates unterbinden leider immer wieder die Funktionalität jener Apps.

Schwacher Akku mit starkem Zubehör

Es ist gut aber auch nötig, dass Samsung dem Galaxy S8 inzwischen fast überall die Qi-Ladeschale kostenlos beilegt. Diese war auch bei mir im Dauereinsatz. Am Bett oder am Schreibtisch dient sie sowohl als Ständer als auch als superschnelle Nachtankstation. So habt Ihr in Windeseile und ohne Kabel-Einstecken mehrere Stunden Akkulaufzeit nachgefüllt.

Besonders belastbar ist das Galaxy S8 aber nicht wirklich. Auf Messen oder anderen Veranstaltungen nahm ich immer noch eine Powerbank mit, da mir im Dauereinsatz die Prozente trotz aller Optimierungsmöglichkeiten (Display-Auflösung oder Chipsatz-Leistung drosseln) zu schnell purzelten.

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Die Ladestation zum flotten Nachtanken sollte man auf jeden Fall gleich mitbestellen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Würde ich das Galaxy S8 noch einmal kaufen?

Abgesehen von der mittelmäßigen Akkulaufzeit und dem hirnrissigen Bixby-Bloat-Button ist das Galaxy S8 genau das Smartphone, das ich haben will. Die Kamera gefällt mir noch immer so gut wie im originalen Testbericht, Samsung kümmert sich im Eiltempo um Verbesserung der Software und hat schon ab Werk ein grundsolides Produkt geschaffen. Ich vertraue darauf, dass sich die Investition gelohnt haben wird und würde erneut zugreifen. Inzwischen sind die Angebote sogar preiswerter geworden.