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Xiaomi 12S Ultra im Test: Mit Leica an die Spitze

NextPit Xiaomi 12S Ultra Review
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Das Xiaomi 12S Ultra ist das erste Smartphone, in dem sich die junge Zusammenarbeit mit dem Kameraexperten Leica manifestiert – auch wenn das kleine Logo ist auf dem riesigen Kamera-Array auf der Rückseite leicht zu übersehen ist. Xiaomi spendiert dem Kamera-Flaggschiff für diesen besonderen Anlass, erstmalig in der eigenen Geschichte, den 1 Zoll großen Bildsensor Sony IMX989. Im NextPit-Test schauen wir uns das 12S Ultra genauer an.

Bewertung

Pro

  • Sehr gutes LTPO-AMOLED-Display (WQHD/120 Hz)
  • Hauptkamera kann in allen Situationen überzeugen
  • Lange Akku-Laufzeit
  • IP67-zertifiziert
  • Gute Haptik trotz hohem Gewicht
  • "Harman Kardon"-Sound

Contra

  • CPU-Throttling
  • Kein Band 20, 28 und 32
  • Kein EU-ROM
  • Kein 2nd Screen
  • 67-Watt-Netzteil
  • hoher Preis

Xiaomi 12S Ultra: Preis und Verfügbarkeit

Das Xiaomi 12S Ultra wurde im Juli 2022 in China offiziell vorgestellt. Doch anders als der Vorgänger hat das Modell niemals europäische Ladenregale erreicht. Und wie Xiaomi-Gründer und CEO Lei Jun auch jüngst bekannt gegeben hat, wird das auch nie der Fall sein. Wir müssen also auf das Xiaomi 13 Ultra im Frühjahr 2023 warten. Doch da wo wir unsere Teststellung herhaben, gibt es noch mehr: TradingShenzhen hat sich in den vergangenen Jahren als zuverlässiger Importhändler etabliert. Der Online-Shop vertreibt das Smartphone in Verdant Green und Classic Black mit Leder-Imitat in drei unterschiedlichen Speicher-Konfigurationen:

  • Xiaomi 12S Ultra mit 8/256 GB für aktuell 977 Euro
  • Xiaomi 12S Ultra mit 12/256 GB für aktuell 1.017 Euro
  • Xiaomi 12S Ultra mit 12/512 GB für aktuell 1.097 Euro

Das Xiaomi 12S Ultra ist mit seinem 1-Zoll-Sony-Sensor und dem recht aufdringlichen Triple-Kamera-Array schon eine echte Ansage: Unter nahezu allen Bedingungen liefert das Flaggschiff hervorragende Fotos ab. Und auch wenn die restlichen Komponenten – etwa das WQHD-Display, der Snapdragon 8+ Gen 1, ein fast 5.000 mAh starker Akku und Speicher satt – durchaus zu überzeugen wissen, gibt es von uns keine uneingeschränkte Empfehlung. Denn aufgrund der "China only"-Politik fehlen die auf dem Land dringend benötigten LTE-Bänder und natürlich die entsprechende Systemsprache. Das noch beim Vorgänger vorhandene zweite Display ist ebenfalls der protzigen Außenwirkung zum Opfer gefallen. Unterm Strich empfehlen wir entweder den Vorgänger Xiaomi Mi 11 Ultra – oder Ihr wartet auf das Xiaomi 13 Ultra.

Xiaomi 12S Ultra: Design und Verarbeitung

Wir sehen die riesengroße Kamera des Xiaomi 12S Ultra
Das Xiaomi 12S Ultra suggeriert den Look eine analogen Leica-Kamera. / © NextPit

Das Xiaomi 12S Ultra lässt in Sachen Design keine zwei Meinungen zu: Xiaomi wollte auf der Rückseite eine alte Kompaktkamera suggerieren  – und das ist ihnen auch gelungen. Die dominante kreisrunde Kameraeinheit nimmt ein Drittel der gesamten Rückseite ein und lässt sich auch nur schwer verbergen. Vermutlich soll das eine kleine Hommage an den neuen Kooperationspartner aus Wetzlar sein, dessen Leica-Logo nun dezent auf der Rückseite verewigt ist.

Gefällt:

  • Macht optisch was her
  • Lederimitat gewährt eine gute Haptik
  • Solide verarbeitet
  • IP68-Zertifizierung

Gefällt nicht:

  • Goldener Rahmen ist Geschmackssache
  • "Harman Kardon"-Sound könnte mehr Tiefen vertragen
  • Im Querformat gehalten wird ein Lautsprecher immer verdeckt
  • Kein zweites Display mehr
  • 225 Gramm unangenehm schwer in der Hosentasche
Wir sehen die riesengroße Kamera des Xiaomi 12S Ultra
Das Xiaomi 12S Ultra wackelt dank riesigem Kamera-Array nicht auf dem Schreibtisch liegend. / © NextPit

Wer das Xiaomi 12S Ultra das erste Mal in der Hand halten darf, wird vermutlich ein breites Grinsen nicht vermeiden können. Denn das in Liebschaft mit Leica Erstgeborene bringt bei einer Größe von 163,2 x 75 x 9,3 Millimeter ein Gewicht von satten 225 Gramm auf die Waage. Das ist vermutlich ebenfalls Rekord, so wie das massive und kreisrunde Kamera-Array auf der Rückseite. Das schaut zusätzlich zu seiner ein Millimeter dicken "Bodenplatte" noch weitere 4 Millimeter aus der Rückseite heraus. Zumindest kippelt es auf der Rückseite liegend nicht auf dem Schreibtisch. Denn es nimmt die gesamte Breite und in der Höhe in etwa ein Drittel der Rückseite ein. Ein schöner Rücken kann eben auch entzücken.

Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra
Einer von zwei Lautsprechern wird im Quermodus zugehalten. / © NextPit

Dennoch liegt das Schwergewicht verdammt sicher in der Hand, vermutlich wegen dem in Grün oder Schwarz erhältlichen Lederimitat. Sehr gute Verarbeitung, ein Aluminiumrahmen und eine gute Position der auf der rechten Seite positionierten Tasten kennzeichnen das Ultra-Flaggschiff. Auf der Front gibt es wie so oft in der Flaggschiffklasse ein seitlich abgerundetes Display. Nicht alle mögen es, ich kann aber beruhigen: Fehleingaben sind mir bei meiner täglichen Nutzung nicht aufgefallen. Nur einmal beim fotografieren hatte ich meinen Finger zu weit im Display, sodass das der Auslöser nicht funktionieren wollte. Das lässt sich aber in den Einstellungen justieren.

Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra.
Alle Tasten lassen sich gut erreichen.. / © NextPit

Die Stereo-Lautsprecher von Harman Kardon oben und unten machen ihren Namen alle Ehre, könnten für meinen Geschmack noch etwas mehr Tiefen bekommen, sofern das bei einem Smartphone überhaupt realisierbar ist. Beim Zocken wird aber einer der beiden Speaker im Quermodus verdeckt, was ich ebenfalls als unvorteilhaft erachte. Die Ober- und Unterseite sind plan, sodass das Xiaomi 12S Ultra rein theoretisch auf diesen auch stehen könnte, falls Ihr mal in windstillen Umgebungen kein Stativ zur Hand habt.

Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra
Stereo-Lautsprecher von Harman/Kardon und ein IR-Blaster  / © NextPit

Xiaomi 12S Ultra: Display

Das Xiaomi 12S Ultra ist mit einem 6,73 Zoll großem Curved-AMOLED-Display ausgestattet. Die maximale Auflösung beträgt sagenhafte 3.200 x 1.440 Pixel (WQHD+) bei einer möglichen Darstellung von 120 Bildern pro Sekunde – natürlich hier mit der LTPO-Technologie der zweiten Generation. User haben die manuelle Wahl zwischen 60, 90 und 120 Hertz. Oder Ihr ergebt Euch der künstlichen Intelligenz und bekommt eine optimierte Frequenz von 1 bis 120 Hertz je nach Situation vorgesetzt.

Gefällt:

  • Curved Display
  • Knackige Farben, sattes Schwarz
  • AOD mit großer Theme-Auswahl
  • Endlich unter Sonnenlicht ablesbar

Gefällt nicht:

  • Nothing
Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra
Das 6,73 Zoll große AMOLED Display überzeugt auf ganzer Linie. / © NextPit

Was gibt es zum von Samsung sehr hochwertig gefertigten Display noch zu sagen? Natürlich bietet das Panel eine hohe Blickwinkelstabilität, der Kontrast ist satt, und auch die Farben wissen zu gefallen. Ansonsten bietet Xiaomi aber auch zahlreiche Einstellungen. Erfreut war ich von dem auch unter direkten Sonnenlicht sehr gut ablesbaren Bildschirm. Die offiziellen Angaben behaupten eine maximale Helligkeit von 1.000 Nits im manuellen Modus (HBM) – in der automatischen Einstellung unter direktem Sonnenlicht sind 1.500 Nits (Peak) möglich. Unsere Messungen ergaben 614 Nits (HBM) und 954 Nits im Peak, jedoch unter simulierten Sonnenlicht.

Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra
Xiaomi bietet gewohnt eine breite Palette an AOD-Themes. / © NextPit

Natürlich gibt es auch auf dem Xiaomi 12S Ultra das von MIUI 13 bekannte Always-On-Display (AOD) mit seinen mannigfaltigen Themes und Einstellungen. So lassen sich vom Nutzer unterschiedliche Möglichkeiten der Aktivierung des AOD individuell einstellen. Neu ist die sogenannte "Detect gaze"-Funktion, was im Grunde nichts anderes ist, als dass der Bildschirm so lang aktiviert bleibt, wie Ihr draufschaut.

Wir sehen Screenshoots der Display-Einstellungen des Xiaomi 12S Ultra
Das Display des Xiaomi 12S Ultra bietet eine Menge Einstellungsmöglichkeiten. / © NextPit

 

Xiaomi 12S Ultra: Software

Das Xiaomi 12S Ultra erreichte die NextPit-Redaktion mit vorinstalliertem Android 12  und der hauseigenen Benutzeroberfläche in der Version 13.0.5. Der Google-Sicherheitspatch ist vom 1. Juli 2022. Da das Xiaomi 12S Ultra nicht in Deutschland direkt gekauft werden kann sondern nur über einen Importhändler, sind die Aussagen bezüglich der "garantierten" Updates ein wenig schwammig. Wollen wir uns an die offiziellen Xiaomi-Security-Bulletins halten, bekommen wir drei "Major Updates" und vier Jahre Sicherheitsupdates. Das bedeutet natürlich so kurz vor Android 13, dass ein System-Update direkt schon weg ist.

Gefällt:

  • drei System-Updates
  • vier Jahre Sicherheitsupdates
  • MIUI und seine vielen Funktionen

Gefällt nicht:

  • Bloatware ohne Ende
  • Nur in chinesischer oder englischer Sprache

Auch wenn in China Google eigentlich verboten ist, kommt das Android-Betriebssystem auch in China mit den Google Mobile Services (GMS) zum Kunden. Den Google Play Store und uns so bekannte Anwendungen wie Google Mail, den Google Kalender oder den Chrome-Browser wird man dort vergebens suchen. In unserem Fall war TradingShenzhen als Importhändler so freundlich, den Play Store und einige andere nützliche Anwendungen vor Auslieferung zu installieren. Allerdings belässt der Onlinehändler einiges an chinesischen Anwendungen auf dem Smartphone. Gebt Euch ein paar Tage, bis Ihr aufgeräumt und alle chinesischen Benachrichtigungen aus der Notification-Bar verbannt habt.

Der Test für den SafetyNet Status wurde bestanden, sodass auch das Bezahlen mit Google Pay kein Problem sein sollte. Auch der Widevine gibt sich auf dem Level 1 zu erkennen, sodass auch hier keine Einschränkungen bezüglich der Auflösung bei Amazon Prime Video und Netflix zu erwarten sind. Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal explizit darauf hinweisen, dass die Systemsprache ausschließlich in Englisch und Chinesisch verfügbar ist. Lösung wäre das flashen eines EU-ROMs, was ich dem Durchschnittsuser nicht empfehlen möchte.

Wir sehen Screenshoots von Tests und den System des Xiaomi 12S Ultra
Das Xiaomi 12S Ultra hat alle Tests bestanden – ist aber leider nur in chinesischer oder englischer Sprache zu benutzen. / © NextPit

Update (09/10/22): Soeben kam noch ein Update auf die MIUI 13.0.10 mit dem Google-Security-Patch von 1. August 2022.

Xiaomi 12S Ultra: Performance

Im Xiaomi 12S Ultra schlagen die acht Herzen des Snapdragon 8+ Gen 1. Dieser gilt als aktuelle Speerspitze, was die kalifornische Chipschmiede Qualcomm zu bieten hat. Zumindest so lang, bis der Snapdragon 8 Gen 2 offiziell vorgestellt wurde. Speichertechnisch ist man in China von jeher gut aufgestellt. So darf es für das Xiaomi 12S Ultra wahlweise 8 oder 12 GB LPDDR5 Arbeitsspeicher sein. In Sachen interner Programmspeicher bekommt der interessierte Kunde die Wahl zwischen 256 und 512 GB UFS-3.1-internen Programmspeicher. Bei soviel verfügbarem Speicher fragt auch keiner mehr nach einer Option für langsamen microSD-Kartenspeicher, so wohl die Hoffnung bei Xiaomi. 

Gefällt:

  • Sehr hohes Leistungsniveau
  • Kaum spürbare Hitzeentwicklung

Gefällt nicht:

  • Reduziert sehr früh die maximale Leistung
  • Keine Möglichkeit zur Speichererweiterung
Das Xiaomi 12S Ultra entwickelt Hitze beim Stresstest.
Die dicke Kamera-Bodenplatte und das Leder-Imitat isolieren das Xiaomi 12S Ultra immens . / © NextPit

Bei unserem Standard-Benchmark, dem WildLife von 3D Mark, war die Software der puren Kraft des Snapdragon 8+ Gen 1 nicht gewachsen. Mit der schlichten Bemerkung "Maxed Out!" (Ausgereizt) wurde unser Test ohne Angaben von Werten beendet. Der CPU-Stresstest zeigte aber, dass bereits nach knapp drei Minuten das SoC (System on a Chip) stark gedrosselt wird. Das dürfte auch der Grund sein, dass die Rückseite zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Art und Weise unangenehm warm wurde – weder die dicke rechteckige Metallplatte unter dem Kamera-Array noch das Leder-Imitat. 

Im täglichen Gebrauch – und das schließt selbstredend das Zocken von Performance-hungrigen Spielen wie Real Racing 3 oder Call of Duty: Mobile mit ein – gab es keinerlei Probleme mit dem Leistungsniveau. Es geht zügig durch alle Menüs, und wie viele Anwendungen gleichzeitig geöffnet sind, interessiert den Besitzer des Xiaomi 12S Ultra nicht die Bohne.

Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra
Real Racing 3 ist kein Problem für den Snapdragon 8+ Gen 1 (hier mit eingeblendeten Game-Menü). / © NextPit
  Xiaomi 12S Ultra Motorola Edge 30 Ultra Samsung Galaxy S22 Ultra Samsung Galaxy Z Fold 3 Huawei Mate XS 2
3D Mark Wild Life Maxed Out! 8108 5682 5683 5793
3D Mark Wild Life Stress Test

Bester Loop: 8.896

Schlechtester Loop: 3.958

Bester Loop: 10.250

Schlechtester Loop: 6.101

Bester Loop: 5741
Schlechtester Loop: 3351
Bester Loop: 5579
Schlechtester Loop: 3435
Bester Loop: 5782
Schlechtester Loop: 3267
Geekbench 5 Einfach: 1322
Mehrere: 4303
Einfach: 1325
Mehrere: 4310
Einfach: 1155
Mehrere: 3356
Einfach: 1095
Mehrere: 3239
Einfach: 840
Mehrere: 2759

Xiaomi 12S Ultra: Kamera

Zumindest optisch befinden wir uns hier in dem wichtigsten Abschnitt unseres ausführlichen Tests des Xiaomi 12S Ultra. Damit meine ich nicht nur das optisch dominante Kamera-Array, sondern auch das erste Xiaomi-Smartphone, welches von der neuen Kooperation mit Leica partizipiert. Und soviel kann ich schon direkt sagen: Außer dem kleinen Schriftzug auf dem Array spüre ich nicht viel von den Kamera-Experten aus Wetzlar. Bei Carl Zeiss gibt es ja wenigstens noch spezielle T*-Linsen. Aber keine Sorge, die Foto-Ergebnisse können trotzdem überzeugen.

Gefällt:

  • Der 1 Zoll große IMX989, der keiner ist
  • Fotos gelingen in allen Disziplinen

Gefällt nicht:

  • Zu wenig Leica für das Logo
  • kein zweites Display mehr für Selfies
Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra.
Stolze 1/3 der gesamten Rückseite nimmt das Kamera-Array des Xiaomi 12S Ultra ein. / © NextPit

Ich will gar nicht lange um den heißen Brei rum reden: Im Xiaomi 12S Ultra ist ein 1 Zoll großer Sony IMX989 Bildsensor verbaut, der im besten Fall (oder auch nicht) mit 50 Megapixeln auflöst. Standardmäßig tut er das im 4:1-Pixel-Binning, was die Aufnahme auf 12,5 Megapixel schrumpfen, dafür aber die "virtuelle" Pixelgröße von 1,6 auf 3,2 Mikrometer anwachsen lässt. Dass der Image-Sensor nicht wirklich 1 Zoll groß ist, wurde von uns bereits hinlänglich berichtet – und das brauche ich Euch mit Sicherheit nicht noch einmal erklären. Weiterhin gibt es gleich zwei Sony-IMX585-Bildsensoren für eine 48-Megapixel-Ultraweitwinkel- und eine 48-Megapixel-Telekamera. Jene beiden Kandidaten waren auch schon im Vorgänger verbaut. Das Ruder muss also der 1-Zoll-Sensor rumreißen.

Es war fast nicht anders zu erwarten: Das Xiaomi 12S Ultra liefert ab, etwa gnadenlos tolle Tagesaufnahmen. Selbst der Tiefeneffekt (Portraitaufnahmen) weiß dank Time-of-Flight-Sensor gut unsere drei Damen vom Hintergrund zu trennen. Auch bei Weitwinkel-Aufnahmen gibt es keine bösen Überraschungen, was die identischen Farben anbelangt. Vergrößert werden kann von 2- bis 5-fach verlustfrei und mit optischer Bildstabilisierung. Das Ergebnis sieht auch je nach Motiv entsprechend akzeptabel aus. Danach bietet die Telezoom-Kamera noch eine 10- bis 120-fache Vergrößerung. Ich nenne das gern Spion-Zoom, denn zu mehr taugt das Ergebnis auch nicht.

Zu was die 50-Megapixel-Kamera ohne Binning in der Lage ist, durftet ihr ja bereits schon im Blindtest begutachten. Zwei der Fotos habe ich noch einmal in die unten eingebundene Bildergalerie eingepflegt. Auch wenn es kaum einen interessiert: Es gibt auch Makroaufnahmen, die ebenfalls zu gefallen wussten. Große Königsdisziplin sind und bleiben Nachtaufnahmen. Die funktionieren beim Xiaomi 12S Ultra mit allen drei Kameras. Und während der große Sony-Sensor in dieser Disziplin doch recht gut überzeugen kann, geht die Detailtreue bei Weitwinkel- oder Zoomaufnahmen doch flöten.

Wir hatten es eingangs schon erwähnt: Das Xiaomi 12S Ultra ist der erste Smartphone-Beweis für die Kooperation zwischen Xiaomi und Leica. Was hat der User davon? Es gibt einen sogenannten "Leica Vibrant"- und einen "Leica Authentic"-Mode, gern auch im Foto durch einen markanten Balken dokumentiert. Der Mode-Name ist Programm – es gibt wie bei Zeiss ein Foto ohne große Farbkorrektur. Kann man machen, aber von einer Kooperation erwarte ich schon ein wenig mehr. Vielleicht müssen wir da doch noch warten, was das Xiaomi 13 Ultra liefert, welches ja laut CEO Lei Jung auch zu uns kommen soll.

Zu guter Letzt noch zwei Sätze zur 32-Megapixel-Frontkamera. Findet man den richtigen Abstand, dann wissen die Selfies zu gefallen – selbst bei Nacht. Allerdings müssen wir an dieser Stelle erneut den Vorgänger Xiaomi Mi 11 Ultra heranziehen. Das hatte ja auf der Rückseite ein zweites Display verbaut, welches einem auch ermöglicht hat, die "großen" Kameras für ein Selbstportrait zu verwenden. Da kann der OmniVision-Sensor natürlich direkt wieder einpacken.

Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra
Auf der Front fotografiert das Xiaomi 12S Ultra mit einer Auflösung von 32 Megapixeln. / © NextPit

 

Xiaomi 12S Ultra: Akku

Das Xiaomi 12S Ultra hat einen 4.860 mAh großem Akku verbaut. Das ist keine rekordverdächtige Kapazität, aber das Flaggschiff-Smartphone ist ohnehin schon schwer genug. Im tagtäglichen Gebrauch kommt man mit den knapp 5.000 mAh gut zurecht. Vorausgesetzt, man überlässt die typischen Display-Einstellungen der künstlichen Intelligenz. Das bedeutet in meinem Fall: mit ordentlich viel Slack-Traffic komme ich auf eineinhalb Tage. Seid ihr im Bezug auf Social-Media-Austausch etwas sparsamer, sollten auch durchaus zwei Tage drin sein.

Gefällt:

  • 4.860 mAh starker Akku
  • Der obligatorische Tag ist sicher
  • Kabelloses Laden mit 50 Watt

Gefällt nicht:

  • Kein 120-Watt-Netzteil
Das Xiaomi 12S beim Schnellladen.
Leider lässt sich das Xiaomi 12S Ultra "nur" mit 67 Watt laden. / © NextPit

Eine echte Enttäuschung ist für mich hingegen das mitgelieferte 67-Watt-Netzteil. Zugegeben, im Verglich zu Samsung ist das ein Luxusproblem. Aber selbst das jüngst präsentierte Xiaomi 12T (Test) hatte ein 120-Watt-HyperCharge-Netzteil im Lieferumfang. Somit dauert auch ein kompletter Ladezyklus knapp 58 Minuten. Nach 5 Minuten stehen 15 Prozent auf dem Tacho. Nach 20 Minuten 47 und 30 Minuten Ladezeit mit 67-Watt-HyperCharge 65 Prozent.

Im Akku-Stresstest des PCMark Work 3.0 lief das 12S Ultra mit einer Helligkeit von 200 Nits, voller WQHD-Auflösung und fixen 120 Hertz Bildwiederholrate 9 Stunden und 57 Minuten. Bei automatischer Bildwiederholrate und einer FHD-Auflösung waren es dann 12 Stunden und 7 Minuten. Insgesamt fast eine Stunde weniger als im Motorola Edge 30 Ultra, das einen 4.610 mAh starken Akku verbaut hat. Das gibt keine Abzüge – Pluspunkte aber auch nicht.

Das Xiaomi 12S Ultra kann auch kabellos mit 50 Watt geladen werden. Im Vorgänger waren es noch 80 Watt. Reverse Charging ist mit 10 Watt ebenfalls möglich. Die Rückentwicklung ist nicht zwingend für jeden nachvollziehbar.

Xiaomi 12S Ultra: Technische Daten

  Technische Daten
Name des Geräts
Bild Das Xiaomi 12S Ultra mit riesigem, rundem Kameramodul
Bildschirm 6,73-Zoll-AMOLED, Auflösung 3.200 x 1.440 Pixel (WQHD), 120 Hertz Bildwiederholfrequenz (LTPO)
Maße 163,17 x 74,92 x 9,06 mm (H x B x T)
Gewicht 225 g (inkl. Akku)
SoC Qualcomm Snapdragon 8+ Gen1
Speicher
(variiert je nach Region)
8/12 GB LPDDR5 RAM
256/512 GB UFS 3.1 ROM
Software Android 12 | MIUI 13.0.5.0
Erweiterbarer Speicher Keiner
Hauptkamera 50 MP | f1.9 Blende | Sony IMX989 | 1 Zoll | 23 mm Brennweite | 4:1 Pixel-Binning für 3.2 µm Pixel Size | OIS | Dual Pixel PDAF
Ultra-Weitwinkel-Kamera 48 MP | f/2.2 Blende | Sony IMX586 | 13 mm Brennweite | 1/2.0 Zoll | 128° Blickwinkel | PDAF
Telekamera 48 MP | f/4.1 Blende | Sony IMX586 | 120 mm Brennweite | 1/2.0 Zoll | 5x optischer Telezoom | OIS
Selfie 32 MP | f/2.4 | OV32c | 
Video 4K at 60/30 fps | 1080p at 60/30 fps
Audio Harman Kardon Stereo-Speaker | Dolby Atmos
Akku 4.860 mAh
Aufladen per Kabel Max. 67 W
Kabelloses Laden (Qi) Max. 50 W Wireless Charging | 10 W Reverse Charging
IP-Zertifikation IP68

Abschließendes Urteil

Wer das Xiaomi 12S Ultra das erste Mal sieht oder sogar selbst in der Hand hält, wird vermutlich zwei erste Eindrücke erleben: Zum einen, dass das Smartphone mit 225 Gramm besonders schwer ist und zum anderen, dass es eine wuchtige Leica-Kamera auf der Rückseite besitzt. Dennoch liegt das Xiaomi 12S Ultra durch das "vegane Leder" besonders gut in der Hand. Das die Rückseite zu einem Drittel einnehmende kreisrunde Kamera-Array hingegen sieht nicht nur groß aus, sondern liefert unter allen Gegebenheiten überzeugende Fotoergebnisse. Auch sonst ist das Android-Smartphone top ausgestattet, wenngleich ein 120-Watt-Netzteil dem 4.860 mAh großem Akku deutlich besser zu Gesicht gestanden hätte als das enthaltene 67-Watt-Gerät.

Wir sehen das Xiaomi 12S Ultra.
Stolze 1/3 der gesamten Rückseite nimmt das Kamera-Array des Xiaomi 12S Ultra ein. / © NextPit

An Bord der aktuell schnellste Qualcomm-Prozessor mit einem Snapdragon 8+ Gen 1 und Speicher zum abwinken. Auch das 6,73 Zoll große AMOLED-Display mit einer Auflösung von 3.200 x 1.440 Pixel und verbauter LTPO-Technologie begeistert. Dennoch kann das Kamera-Monster hier in Europa nicht komplett überzeugen. Und das liegt nicht nur an fehlenden LTE-Bändern und Systemsprachen, sondern vielmehr daran, dass es sich kaum zu seinem Vorgänger verbessert hat, aber dennoch auf den nützlichen zweiten Bildschirm verzichtet. Dann empfehlen wir doch, das Xiaomi Mi 11 Ultra zu kaufen und auf deutlich weniger verzichten zu müssen. Oder Ihr wartet auf das Xiaomi 13 Ultra, was uns ja von Lei Jun offiziell versprochen wurde. Aber nicht, bevor die NextPit-Redaktion es getestet hat.

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11 Kommentare

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  • Rennschnecke vor 4 Wochen Link zum Kommentar

    Schönheit liegt selbstverständlich immer im Auge des Betrachters, aber ich komme nicht umhin hier nun doch zu erwähnen, dass ich noch selten ein derart hässliches Telefon gesehen habe. Mich erinnert das Teil an eine alte Block-Batterien-Taschenlampe aus den 70ern, die unter einen LKW geraten war. Andererseits wurde das (Un)ding ja für den asiatischen Markt konzipiert, so wie auch das Xiaomi 12S, welches weit interessanter wäre als die bei uns erhältlichen 12 und 12X.

    Wenigstens sind die Bilder toll. Der Rest ist Schweigen.


  • Sumas vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Wie sieht es aus mit manuellen Einstellungen beim Fotografieren und RAW-Aufnahmen?


  • Conjo Man vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Der Design Formfaktor des Kamerabullauges kann mich persönlich einfach nicht überzeugen...war mir seinerzeit schon beim 11 Ultra zu klobig geraten.


  • BuddyHoli vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Ein Smartphone, dass sich hierzulande kaum nutzen lässt... danke für den Artikel, aber als ich gelesen habe, dass es kein EU Rom in deutscher Sprache gibt und LTE Bänder nicht unterstützt werden, war ich fertig mit dem Artikel.

    Allerdings habe ich dennoch einen Fehler gefunden:

    "Der Online-Shop vertreibt das Smartphone in Verdant Green und Classic Black mit Leder-Imitat in drei unterschiedlichen Konstellationen erworben:"

    Glaub, ohne "erworben" klingt es einfach richtiger :)


    • Matthias "MaTT" Zellmer
      • Staff
      vor 1 Monat Link zum Kommentar

      Vielen Dank, dürfte sich um einen "copy & paste" Fehler handeln und wurde korrigiert.

      Btw: Es gibt inzwischen ein EU-ROM. Doch zum einen ist das nicht ganz ungefährlich zu flashen und zum anderen handelt es sich um ein Fastboot, welches nicht automatisch Updates zieht, sondern diese immer wieder aufs Neue manuell über den PC installiert werden müssen. Dafür muss man auch immer die 1,4 GB große Datei vom langsamen Server laden, um nur die Update-Datei zu extrahieren und zu flashen. Also alles andere als benutzerfreundlich.


  • Sabrina vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Könntet Ihr mal noch was zu der Telekamera sagen? ist das eine Kamera mit optischem Zoom-Objektiv von 2x bis 5x (das wäre verlustfrei) oder ist das eine 120 mm Festbrennweite?
    Da werde ich aus dem Artikel nicht draus schlau.


    • Matthias "MaTT" Zellmer
      • Staff
      vor 1 Monat Link zum Kommentar

      Hallo Sabrina, vielen Dank für Deine Frage.
      UWW: 13 mm, Hauptkamera: 23 mm und Telezoomkamera: 120 mm. Die Periskop-Kamera wird mit einem 5x verlustfreien/optischen Zoom beworben.


  • Sabrina vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Die Fotos, die hier gebracht wurden, sind teilweise wirklich fantastisch und ohne Ausreißer. Gefallen hat mir, dass auch das Foto mit der UWW-Kamera ganz sauber und scharf aufgelöst war. Die Kontraste und Farben sind natürlich, Die Nachtbilder sehr sehr gut.
    Mal sehen, ob sich das im Weiteren bestätigt.

    Vielleicht sollten sich manche andere Smartphone-Kamerahersteller ebenfalls mit Optikfirmen zusammen tun.


  • Tim vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Ich finde nach wie vor lächerlich, dass man so sehr einen Auf "Kamera" machen will und dann kriegt es Xiaomi nicht mal hin, einen verdammten Shutterbutton an der Seite zu verbauen... Auch keine variable Blende bei so einem Sensor halte ich für fragwürdig (mehr noch, als bei so ziemlich allen anderen Herstellern, wo es auch hilfreich wäre).


    • Sabrina vor 1 Monat Link zum Kommentar

      Sie schreiben Shutterbutton. Wohl der deutschen Sprache nicht mächtig? Hier das Fehlen einer Variablen Blende anzumeckern ist wirklich von Gestern. Dafür gibt es heute Schärfentiefe-Sensoren. Man muss das Bild nicht von vornherein mit großer Blende verhunzen.

      Übrigens wird bei Objektiven mit großer Blendenöffnung von lichtstarken Objektiven gesprochen. Es ging also darum, möglichst viel Licht einzufangen und nicht darum, möglichst viel im Unscharfen verschwinden zu lassen.
      Das mit der angeblichen Kreativität mit der großen Blende ist nur dummes Gelaber aus der Ecke Marketing, auch wenn es manchmal notwendig ist, ein wenig Schärfeabfall in der Tiefe zu haben, damit der Vordergrund nicht mit dem Hintergrund auf einer Ebene erscheint.


      • BuddyHoli vor 1 Monat Link zum Kommentar

        Bin ich der einzige, der glaubt, dass der Kommentar aus Google Translate stammt?

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