NextPit

Handy-Kannibalismus: Xiaomis Handy-Lineup macht mich wahnsinnig!

Xiaomis Smartphone Lineup Confusing
© Anastasiya 99 / Shutterstock.com

Bei NextPit beschäftigen wir uns tagtäglich mit den neuesten Smartphones – und trotzdem fällt es mir schwer, beim Hersteller Xiaomi samt Untermarken Redmi und Poco durchzusteigen. Das Problem liegt nicht nur an der Benennung der Modelle, sondern an ihrer Konkurrenz untereinander. Viel schlimmer sind meiner Meinung nach aber die Folgen dieses Handy-Kannibalismus für den Endverbraucher.

NextPit Logo white on transparent Background
NEXTPITTV

Vor wenigen Tagen stellte Xiaomis Untermarke Poco das Poco F4 GT vor. Ein Smartphone, das ich als ehesten als Flaggschiff-Killer im Jahr 2022 bezeichnen würde. Denn es macht im Grunde genau das: Es greift die Rechtfertigung an, sich das Xiaomi 12 Pro zu kaufen. Denn wie Ihr in Camilas Vergleich vom Mittwoch lesen könnt, kostet es 550 Euro weniger und bietet eine ähnliche Performance im Alltag.

Wäre das der einzige Fall dieses Smartphone-Kannibalismus (® Benjamin Lucks, hab ich mir dadurch gesichert), fänd' ich das noch in Ordnung. Aber Modelle, die technisch fast identisch sind, aber unterschiedliche Preise haben, gibt es überall im aktuellen Xiaomi-Lineup. Und das finde ich für Kunden wirklich unfair. Denn es trübt die Zufriedenheit, die wir nach dem Kauf eines neuen Produktes verspüren.

Über den Ärger, nach dem Kauf ein besseres Angebot zu finden

Die Suche nach neuen Produkten ist in unserer hochkomplexen, kapitalistischen Gesellschaft dermaßen komplex, dass es Magazine wie NextPit gibt. Wir arbeiten täglich an Kaufberatern, Deal-Tipps und Testberichten, nur um Euch eine Einschätzung darüber zu geben, wie Ihr Euer hart verdientes Geld am sinnvollsten wieder ausgebt. Für viele Käufer im Netz folgen auf die Idee "Ich brauche ein neues Handy" dennoch etliche Stunden der Recherche, des Vergleichens und des Abwägens der eigenen Bedürfnisse beziehungsweise der eigenen Kaufkraft.

Nach dem Kauf ein besseres Angebot zu finden, ist daher ziemlich nervig. Gleichzeitig löst es eine Kette unangenehmer Handlungsvariablen aus. Soll ich mein gekauftes Produkt zurückgeben und das bessere Angebot nutzen? Ist das alternative Modell eventuell besser für mich? Und wie erkläre ich das meiner Ehefrau, meinem Ehemann, meinem Pastor und meinem Finanzberater?

Xiaomi 12 in Hand
Das Xiaomi 12 ähnelt dem Xiaomi 12X auf den Millimeter. / © NextPit

Xiaomis Geschäftsmodell fundiert darauf, "Fast-Phones" auf den Markt zu bringen. Also möglichst viele Handys in möglichst kurzer Zeit zu produzieren, die auch möglichst schnell wieder irrelevant sind, da ja möglichst viele neue folgen müssen! Langsam aber sicher frisst sich das Handy-Sortiment von Xiaomi aber selbst auf. Und das wird im Jahr 2022, wo sich Xiaomi als Alternative zu Samsung und Apple positionieren will, immer problematischer.

Kannibalismus in den eigenen Reihen

Erstmals wirklich aufgefallen ist mir das bei den Modellen Xiaomi 12 und Xiaomi 12X. Beide Handys wurden zeitgleich vorgestellt, sehen absolut identisch aus und unterscheiden sich nur durch drei Merkmale:

  1. Das Xiaomi 12X nutzt einen schwächeren Prozessor
  2. Das Xiaomi 12X kommt ohne Wireless-Charging
  3. Das Xiaomi 12X kostet 150 Euro weniger

Interessant ist hier vor allem, was Xiaomi seinen eigenen Kunden damit vermittelt: Hier ist unser neuestes Top-Modell – das Aushängeschild unserer technischen Innovation. Ach, und hier ist dasselbe Handy mit minimal veränderten Specs, das wir für 150 Euro weniger anbieten – und das schlechtere Eigenschaften bietet als das Xiaomi 11T Pro aus dem Vorjahr. Im Alltag wird sich das Xiaomi 12X für die meisten Menschen sehr ähnlich anfühlen wie das Xiaomi 12 oder das 11T Pro, da der genutzte Snapdragon 870 selbst bei den meisten Top-Mobile-Games noch gut dasteht. Der Kauf wird aber durch ein Gefühl getrübt, das bei jedem Griff zum Handy aufkeimt:

Ich habe 700 Euro investiert und nutze eine abgespeckte Version des neuesten Xiaomi-Handys. Bei Rucklern stellt sich die Frage, ob es diese beim Xiaomi 12 vielleicht nicht gäbe und im Endeffekt führt das zu einer geringeren Zufriedenheit mit meiner Kaufentscheidung. Verstärkt wird die Unzufriedenheit beim Kunden zudem durch die Frequenz, in der Xiaomi Handys auf den Markt wirft.

Das neueste Modell ... von gestern

Kauft Ihr Euch das Samsung Galaxy S22, hattet Ihr zum Release die Gewissheit, ein Jahr lang das neueste Samsung-Handy zu nutzen. Und abseits der Schwestermodelle, die jeweils auf sinnvolle Art bestimmte Ansprüche bedienen und den Foldables, gibt es auch keine leistungsstärkeren Samsung-Handys. Während diese Gewissheit bei Samsung ein Jahr lang hält, gibt es sie bei Xiaomi nur für sehr kurze Zeit.

Wunderbar zu sehen am Redmi Note 11 Pro 5G. Das Handy wurde zum Launch als Flaggschiff der Mittelklasse positioniert und bietet ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Beim Kauf hielt die Freude darüber aber nur kurz an, denn dann folgte schon das Redmi Note 11 Pro+ 5G – mit besseren Eigenschaften und einem noch besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Juckreiz, gerne etwas Neues zu besitzen, hättet Ihr beim Kauf des Redmi Note 11 Pro 5G nur für wenige Wochen befriedigend gekratzt. Ein weiterer Nachteil des Fast-Phone-Prinzip, aber kommen wir zum Fazit.

Fazit 

Mit unseren Kaufberatern können wir den in vielerlei Hinsicht unsinnigen Katalog an Xiaomi-Handys noch ganz gut entschlüsseln. Das hilft allerdings nur bei der Suche nach einem neuen Handy zum Zeitpunkt X. Die Fast-Phone-Strategie setzt meiner Meinung nach stark darauf, Handykäufer nach der Abbuchung vom Konto schnell wieder unzufrieden werden zu lassen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das natürlich clever.

Ein Pressefoto des Redmi Note 11 Pro 5G
Das Redmi Note 11 Pro 5G ähnelt dem Redmi Note 11 Pro+ 5G stark. / © Xiaomi

Wäre Xiaomi aber wirklich an der Zufriedenheit seiner Kunden interessiert und wolle der Hersteller auch etwas für die Nachhaltigkeit tun, dann stünde dieses Konzept aber in einem starken Widerspruch zu diesen Werten. Das wäre kein Problem, würde Xiaomi nicht in Europa mit längeren Updates und mit einem sechsmonatigen Reparaturservice für kaputte Displays werben.

Xiaomis Problem ist nicht, dass die eigenen Handys qualitativ nicht lange durchhalten. In meinem Test des Xiaomi 12 war ich überrascht, wie hochwertig das Handy war. Viel eher ist es problematisch, dass der Hersteller den eigenen Kunden ständig selbst bessere Alternativen vorschlägt. Das zeugt zumindest aus einer europäischen Perspektive nicht davon, dass man an die Langlebigkeit der eigenen Produkte glaube.

Oder wie seht Ihr das? Findet Ihr Xiaomis Release-Frequenz sinnvoll und seid Ihr immun gegen die Unzufriedenheit, nach dem Kauf eines Handys ein besseres Angebot oder Modell zu finden?

Hat Dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!
Jetzt mitdiskutieren

Neueste Artikel

Empfohlene Artikel

9 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  • Conjo Man vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    WHO CARES?!


  • Olaf vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Das ist dann ja das Gute am Wettbewerb: Niemand ist gezwungen, sich ein Xiaomi-Smartphone zu kaufen. Die Frage ist natürlich, ob der eher unbedarfte Nutzer überhaupt etwas von diesem "Kannibalismus" mitbekommt? Er kann ja durchaus zufrieden sein mit seinem Xiaomi-Redmi-Poco 12 GT Lite New Edition 5G, und in wenigen Jahren geht das Spiel wieder von vorne los. Wem hingegen diese Modellpolitik chinesisch vorkommt, der greift eben zu einem Wettbewerber mit nachvollziehbarerem Line Up, im Idealfalle dann auch mit längerer Lebensdauer durch konstantere Software-Updates. Das ewige Thema "Nachhaltigkeit" eben. Sicher ist: Wer sich nicht ständig mit Smartphones beschäftigt, der verliert gerade bei Xiaomi sehr schnell den Überblick.


  • Andreas vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Ganz zu schweigen von der Tatsache daß in China schon die neuen Redmi (Note) 12 Modelle kurz vor der Veröffentlichung stehen...


  • Patrick vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Ich muss sagen das ich mir Mitte 2020 das Oneplus 8 gekauft habe und ich mir von diesem Zeitpunkt an gesagt habe mir erst ein neues Modell vom gleichen Hersteller zu kaufen wenn dieses keine Sicherheitupdates mehr bekommt, dies sollte irgendwann 2024 der Fall sein. Der Snapdragon 865 macht einen guten Job und die Leistungsschübe einer neueren Version sowie die Weiterentwicklung neuer Smartphone Kameras sind meiner Meinung nach sehr marginal. Die Designes der Smartphones ändern sich aktuell auch nicht sehr stark und weisen in den meisten fällen das selbe Format, sowie Body to Screen Verhältnis auf. Xiaomi bringt leider sehr viele Modelle in sehr kurzer Zeit heraus das stimmt da verliert man auch schnell den Überblick. Oneplus ist in dieser Hinsicht auch nicht mehr das was es mal war und hat in den letzten jahren immer mehr Modelle in kürzerer Zeit herausgebracht. Xiaomi ist in dieser Kategorie Spitzenreiter aber anscheinend lässt der Markt diesen Trend zu sonst würden die Hersteller nicht so eine Fast-Smartphone Strategie Vermarkten.


  • Martin vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Ich kaufe mir ein Smartphone, wenn ich ein neues benoetige und nicht, wenn Xiaomi, Samsung oder wer auch immer ein neues Modell auf den Markt bringt,
    Ich habe mir vor laaaanger Zeit (in diesem Produktsegment passt das wohl) ein Xiaomi Mi8 gekauft und das sieht aus wie neu, laeuft wie neu und tut alles, was ich von ihm verlange. Insofern hat mich Xiaomi mit diesem Geraet voellig zufrieden gestellt.


  • Ignaz Naegele vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Ich hab mein Note 9 gekauft als es knapp 1Jahr auf dem Markt war und do lande es funktioniert brauch ich kein "Featuritis Maximus" nur um mein Geld lis zu werden


  • Tim vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Aus unter anderem solchen Gründen werde ich niemandem jemals irgendein Xiaomi-Gerät empfehlen. Egal wie gut die Geräte teilweise auch sein mögen.

    Das Thema Nachhaltigkeit fällt bei dieser kompletten Geräteflut auch immer über. Für irgendein Xiaomi Mi3 Pro Lite Super 2022 Edition 5G wird man niemals irgendwo bspw. einen Ersatzakku oder -Display kriegen - geschweige es denn in einem Shop reparieren lassen können.
    Und dann ist der Akku irgendwann hin (dank dem super tollen 80-120W Laden, was viele Unwissende wahrscheinlich einfach über Nacht nutzen werden) und man darf sich nach spätestens 2-3 Jahren ein neues Gerät kaufen, obwohl nur der Akku Schrott ist. Und zahlt dann im Laufe von 10 Jahren sogar mehr, als für irgendein Oberklasse-Gerät von bspw. Samsung, wo man den Akku zumindest wechseln lassen kann, weil es wirklich Ersatzteile gibt.

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!