Honor 9A im Test: Rettet der Riesen-Akku durchs Embargo?

Honor 9A im Test: Rettet der Riesen-Akku durchs Embargo?

Wenn ein neues Testgerät seinen Weg auf meinen Schreibtisch findet, folgt ihm häufig die Ernüchterung. Schon wieder ein günstiges Smartphone ohne große Besonderheiten? Erstmal die üblichen Testkriterien ansetzen und schon macht das Handy einen schlechten Eindruck. Aber nicht jeder ist ein verwöhnter, 27-jähriger Tech-Journalist, der bei jedem Knarzen die Nase rümpft. Und gibt man dem Honor 9A eine Chance, stellt sich tatsächlich eine Art Faszination für Smartphones der unteren Preisklasse ein. Kann mich das günstige Handy ohne Google-Dienste auch auf Dauer überzeugen?

Bewertung

Pro

  • Ausdauernder Akku mit 5.000 mAh
  • Solide Verarbeitung
  • Kamera bei Licht

Contra

  • Veraltete Technik
  • Langsame Performance
  • Low-Light-Performance
  • Keine Google-Dienste

Honor 9A: Preis und Verfügbarkeit

Google schlägt bei einer Suche zum Honor 9A direkt eine zweite Suche nach dem Preis vor und tatsächlich ist dieser das offensichtlichste Kaufargument für das Fon. Lag die unverbindliche Preisempfehlung erst bei rund 150 Euro, ist der Preis inzwischen auf knapp 130 Euro gefallen. Wer also nicht viel für ein Handy ausgeben will, der bekommt zum Spottpreis einen großen Akku, eine solide Verarbeitung und einige Probleme aufgrund fehlender Google-Dienste. Doch dazu später mehr.

Zu Kaufen gibt es das Honor 9A im Netz in zwei Farbvarianten, von denen Ihr die strahlend blaue auf den Bildern in diesem Testbericht seht. Alternativ könnt Ihr Euch für eine schwarze Ausführung entscheiden.

Hier überzeugt das Honor 9A

Sorgenfreiheit

Ich erinnere mich daran, wie vor knapp zwei Jahren mein Google Pixel 3 XL per Post im Hamburger WG-Zimmer angekommen war. Ich traute mich kaum, das Smartphone ohne Schutzhülle oder Displayschutzfolie anzuschalten. Wäre dem teuren Handy etwas zugestoßen, hätte das einen Verlust von knapp 800 Euro bedeutet. Jahre später habe ich den Kauf einige Male bereut – immer dann, wenn der zu teure Handyvertrag am Ende des Monats abgebucht worden ist. Die Sorgfalt, die teure und empfindliche Technik von seinem Besitzer voraussetzt, bereitet seinen Nutzern Sorgen und das kann recht anstrengend sein.

Diese Sorgen gibt es beim Honor 9A kaum. Natürlich sind 130 bis 150 Euro immer noch viel Geld, das Handy wird aber schon nach einigen Tagen zum simplen Gebrauchsgegenstand. Ein Werkzeug, das die Vielzahl der Funktionen teurerer Alternativen beherrscht und einem nicht viel Sorgen bereitet. Hier liegt die große Stärke des Honor 9A, wobei dieser Vorteil auch auf viele andere Smartphones unter 150 Euro zutrifft. Als weitere Auffälligkeit wirkt das Honor 9A äußerst robust.

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Das Honor 9A gibt's in drei unterschiedlichen Farbvarianten - hierzulande nur in zwei. / © NextPit

Robustheit und Verarbeitung

Honor setzt bei der Konstruktion des 9A auf ein Kunststoffgehäuse, in dem ein kratzfestes 6,3 Zoll-Display eingelassen ist. Eine Zertifizierung als Gorilla Glas konnte ich für das Honor 9A nicht finden. Dafür aber auch keine großen Spaltmaße oder unschöne Geräusche, wenn das Handy mit ein bisschen Gewalt verbogen wird. Zusammen mit einem recht dicken Gehäuse, das 9A misst 159.1 x 74.1 x 9 Millimeter (LxBxH), und einem soliden Gewicht von 185 Gramm ergibt sich ein überraschend hochwertiger Gesamteindruck. 

Die spiegelnde Rückseite gaukelt einem zusammen mit dem hohen Gewicht sogar fast vor, ein Handy mit gläserner Rückseite zu nutzen. Kann man sich ein wenig mit diesem Irrglauben anfreunden, fühlt sich das Handy nicht wirklich an wie ein preisgünstiges Smartphone. Das helle 6,3-Zoll-Display mit schmalen Displayrändern und Wassertropfen-Notch bestätigt den positiven (Erst)eindruck.

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Die Rückseite sieht verdächtig nach Glas aus: eine Täuschung. / © NextPit

Akkulaufzeit

Wo andere Handys durch Glaselemente an Gewicht gewinnen, drückt beim Honor 9A ein großer Akku auf die Waage. Satte 5.000 Milliamperestunden bietet die Batterie des Smartphones und ist somit selbst mit Blick auf die Smartphone-Oberklasse üppig. Zusammen mit der vergleichsweise geringen Auflösung des Bildschirms sind die Akkulaufzeiten erstklassig. Und das, obwohl der genutzte Prozessor nicht als sonderlich stromsparend gilt.

Ich vermute, den meisten Nutzern wird der Akku des Honor 9A auch mal gerne durch einen zweiten Tag ohne Aufladen helfen. Dabei gehe ich von einer Nutzung von gelegentlichen Telefonaten, WhatsApp-Nachrichten, zeitweiligem Surfen und vielleicht noch einer einstündigen YouTube-Session am Abend aus. Mit der Akku-Power sparsam umzugehen, ist leider dennoch ratsam. Denn wenn das Honor 9A einmal leer ist, dauert das Aufladen wahnsinnig lange. Bei einem 10-Watt-Netzteil über Micro-USB ist das aber auch kein Wunder. Erste Kritik an der Technik macht sich breit.

Hauptkamera bei guten Lichtverhältnissen

Doch bevor es um die negativen Eigenschaften des Honor 9A geht, noch ein paar Worte zur Kamera. Bei guten Lichtverhältnissen können sich die Ergebnisse der Triple-Kamera auf der Rückseite nämlich echt sehen lassen. Dabei war ich überrascht, wie gut das Handy mit herausfordernden Lichtverhältnissen bei Sonnenschein umgehen kann. Dabei ist die Auflösung mit 13 Megapixeln für die bloße Betrachtung völlig ausreichend, die Offenblende von f/1.8 hingegen großartig. Google nutzt in seinen sehr guten Kamera-Smartphones der Pixel-Serie ein vergleichbares Setup. Im Testbericht des Google Pixel 4a findet Ihr zahlreiche Testfotos. Der Porträtmodus des Honor 9A arbeitet dank zusätzlicher Kamera zur Tiefenerkennung zuverlässig und liefert gute Ergebnisse.

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Dank der Ultraweitwinkel-Optik auf der Rückseite ist der Brennweitenbereich des Honor 9A ordentlich. Die Qualität beim Zoomen nimmt jedoch stark ab. / © NextPit

Eine variable Brennweite realisiert Honor mit einer zusätzlichen Ultraweitwinkelkamera, die jedoch nur eine Auflösung von 5 Megapixeln bietet. Im direkten Vergleich sind die Farben zudem deutlich schwächer als bei der Hauptkamera. Diese stattet Honor zusätzlich mit einem Digitalzoom aus, der bei zweifacher Vergrößerung gute Ergebnisse liefert. Bei höheren Zoomstufen nimmt die Qualität stark ab.

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Vor allem die Farben der Hauptkamera überzeugen / © NextPit

Die Kamera-App zeichnet sich zusätzlich durch ihre Einfachheit aus. Neben einem professionellen Modus mit vielen Einstellungsmöglichkeiten kann ich mir gut vorstellen, dass auch unerfahrene Smartphone-Fotografen dem Honor 9A solide Schnappschüsse entlocken können. Der gute Eindruck schwindet allerdings, wenn Ihr zur Frontkamera wechselt oder wenn rund um das Honor 9A die Dunkelheit einkehrt.

Hier überzeugt das Honor 9A nicht

Lahme Performance und alte Technik

An dieser Stelle muss ich auch im Testbericht dunkle Töne anschlagen, denn über allen positiven Eigenschaften hängt eine tiefschwarze Wolke: Der viel zu langsame Mediatek MT6762R Helio P22-Prozessor. Dieser sorgt in der Nutzung ständig für saftige Ruckler. Mal stockt das System, mal bleibt das Kamerabild stecken und in Mobile Games wie Asphalt 9 müsst Ihr trotz geringer Grafikeinstellungen mit herben Rucklern und langen Ladezeiten rechnen.

Allgemein fährt Honor bei der Technik des Honor 9A einen ziemlichen Sparkurs. Das Smartphone wird über einen Micro-USB-Anschluss geladen, verfügt nur über 64 Gigabyte internen Speicher, ist nicht gegen Wasser und Staub geschützt und hängt auch mit WiFi 802.11 b/g/n und Bluetooth 5.0 hinterher. Der rückseitig platzierte Fingerabdrucksensor ist praktisch, aber recht beschwerlich. Auf kabelloses Laden und eine Schnellladefunktion müsst Ihr ebenfalls verzichten. Letztere hätte dem Handy aufgrund des großen Akkus gutgetan, denn beim Aufladen kriecht die Prozentanzeige des Akkus langsam nach oben. Dass im Datenblatt des Honor 9A dann plötzlich NFC steht, überrascht im Test recht positiv. Da das Smartphone aber nicht zu Google Pay kompatibel ist, fehlt ein wichtiger Einsatzzweck.

NextPit Honor 9A logo
Das Honor 9A kommt mit NFC – Ihr könnt die Rückseite also zum kontaktlosen Bezahlen nutzen. / © NextPit

Kameraqualität bei schlechtem Licht und bei Selfies

Liefert gerade die Hauptkamera bei gutem Licht brauchbare Ergebnisse, nimmt die Qualität in dunkleren Umgebungen sehr stark ab. Die Bilder weisen ein starkes Rauschen auf und sind insgesamt sehr blass. Zusätzlich zum Rauschen ist die Gefahr von Verwackeln hoch. Darüber hinaus zeigt sich der Autofokus in der Dunkelheit zunehmend unzuverlässig. Beim Fokussieren zeigt das Handy dann einen roten Kasten an und man weiß nicht ganz, auf welcher Einstellung der Fokus nun stecken geblieben ist.

Gleiches gibt es über die Frontkamera des Honor 9A zu schreiben. Bei einer Auflösung von 8 Megapixeln und einer Offenblende von f/2.0 zwar keine Überraschung, doch fehlt beispielsweise ein Porträtmodus beim Wechsel auf die Selfie-Kamera komplett. Als kleines Trostpflaster ist die Rückseite des Honor 9A aber spiegelnd genug, dass sich ganz gute Selfies mit der rückseitigen Kamera aufnehmen lassen. Ist dabei genug Licht vorhanden, lassen sich dem Handy doch noch gute Selbstporträts entlocken.

Software ohne Google

Das leidige Thema unter jedem Testbericht aktueller Huawei-Smartphones: die fehlende Unterstützung der Google-Dienste. Ähnlich wie bei hochpreisigen Geräten wie dem Huawei P40 Pro oder dem Honor 30 Pro+ nimmt das US-Embargo gegenüber Huawei der Hardware viel Wind aus den digitalen Segeln. Wenn diese wie beim Honor 9A dann noch viele Mängel wie langsame Prozessoren aufweisen, schwinden die Argumente für den Griff zum Kompromiss gänzlich. Denn während sich P40 Pro+ und Honor 30 Pro+ zumindest durch sehr gute Kameras und schnieke Sonderfunktionen auszeichnen, bietet das Honor 9A keine wirklichen Kaufargumente.

NextPit Honor 9A front camera
Die Selfie-Kamera hat im Test nicht überzeugt.  / © NextPit

Die Huawei AppGallery, die Petal Search und der Huawei-Browser samt Möglichkeit zur erleichterten APK-Installation finden sich auch auf dem Honor 9A. Doch auch diese Anwendungen leiden unter der langsamen Systemperformance und die mit dem Embargo verbundenen Umwege sind besonders nervig. Wo also schon die Hardware Wünsche offen lässt, ist auch die Software defizitär.

Abschließendes Urteil

Ein günstiger Preis kann kein alleiniger Kaufgrund für ein Smartphone sein - zumindest nicht, wenn es in der gleichen Preisklasse bessere Modelle gibt. Genau das ist das Problem des Honor 9A, das mit nur 130 Euro zwar günstig ist, potenzielle Käufer aber trotz des geringen Preises nicht wirklich zufriedenstellt. Hierfür ist der Prozessor zu träge und die Nachteile aktueller HMS-Smartphones ohne Google-Dienste zu weitreichend. Kurz und knapp empfehlen wir hier eine Alternative.

Alternativen zum Honor 9A

Als Akku-Alternative gibt es für einen kleinen Aufpreis das Motorola Moto G8 Power, das ebenfalls mit 5.000 Milliamperestunden glänzt. Da das Smartphone einen leistungsstärkeren Qualcomm Snapdragon 665-Prozessor besitzt, ist die Performance dem Honor 9A deutlich überlegen. Zudem ist der Akku über ein Netzteil mit 18 Watt deutlich schneller wieder voll. Wem eine lange Akkulaufzeit nicht unbedingt wichtig ist, der findet mit dem Alcatel 3L eine preiswerte Alternative mit mehr Leistung und vor allem mit Google-Diensten. Das Smartphone schlägt laut Preisvergleich mit rund 130 Euro zu Buche. Weitere Alternativen zum Honor 9A gibt es in unserer Bestenliste für Smartphones unter 200 Euro.

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5 Kommentare

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  • Absolut keine Option. In keinem Belang.


  • Ja es ist ein leidiges Thema mit den fehlenden google Diensten bei den neueren Huawei Smartphones. Aber das P30 pro entschädigt eben mit erstklasssigen Kameraqualitäten und Sonderfunktionen. Jeder user muss eben wissen, was ihm wichtig ist. Wer sich übrigens über alle möglichen Huawei Smartphones, Vergleiche und Tests informieren will, findet auf huawei-handy.bernaunet.eu/ eine ganz gut gemachte Seite.


  • Dann doch lieber das Samsung M51


  • Alcatel 3L ist wirklich eine Empfehlung wert. Danke für den Bericht👍


  • Also für mich eindeutig keine Option, vor allem wenn man sich mal nur die Pro-/Kontra-Tabelle anschaut. Außer der Akku und die (in bestimmten Szenarien für den Preisbereich halbwegs) gute Kamera ist da nichts. Und die fehlenden Google-Dienste brechen Huawei im Moment einfach das Genick, weil die AppGallery einfach nicht so umfangreich ist und viele andere Apps ohne die Dienste auch nicht funktionieren.

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