Pros des Honor 30 Pro+

  • Starke Kamera auf der Rückseite
  • Viel Leistung
  • Hoher Funktionsumfang

Contras des Honor 30 Pro+

  • Aktuell nur per Import
  • Keine Google-Play-Dienste
  • Große Notch auf der Front

Für wen lohnt sich der Import des Honor 30 Pro+?

Genau um letztere sollte es Euch gehen, wenn Ihr Interesse am Honor 30 Pro+ habt. Denn das Honor-Smartphone überzeugt gerade im Hinblick auf das üppige Kameramodul auf der Rückseite. Denn bei dieser hat Honor viel Inspiration am Huawei P40 Pro gefunden und lässt eine Triple-Kamera mit 50 Megapixeln, 5-fach-Periskop-Zoom und 4K-Aufnahmen in 60 Bildern pro Sekunde in die gläserne Rückseite des Handys ein. Deutlich günstiger als das Huawei-Modell ist das Honor-Smartphone aber nicht. Im Fazit gehe ich auf diesen Umstand noch ein bisschen genauer ein.

Hier überzeugt das Honor 30 Pro+

Performance und Ausstattung

Mit seinem Kirin 990-Prozessor, 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte internem Speicher ist das Honor 30 Pro+ leistungstechnisch in der Oberklasse angesetzt. Mit an Bord sind durch Huaweis Top-Prozessor aus dem Jahr 2019 auch der neue Mobilfunkstandard 5G und massig Kraftreserven. Im Alltag muss man mit dem Honor 30 Pro+ kaum mit Ladezeiten rechnen. Standard-Apps wie der vorinstallierte Browser oder Huaweis AI Life-App ploppen mit einer flüssigen Animation auf, ohne dass sich das Smartphone anstrengen muss.

AndroidPIT Honor 30 Plus logo
Schickes Design und gute Innerei’n: Das Honor 30 Pro+. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Geringfügig länger dauerte im Test das Öffnen des Mobile Games Asphalt 9. Das Spiel braucht rund 5 Sekunden, um das Hauptmenü zu laden und läuft anschließend auf den höchsten Grafikeinstellungen flüssig. Auch bei Multitasking scheint man das Handy nicht wirklich an die Leistungsreserven zu bringen. Parallel lassen sich YouTube-Videos in 4K über den Browser schauen und gleichzeitig Bilder in der Foto-App bearbeiten. Abseits von Benchmarks fiel mir keine Anwendung ein, mit der ich das Honor 30 Pro+ wirklich an seine Leistungsgrenzen bringen könnte. Das liegt aber nur zum Teil an den Kraftreserven des Handys, doch dazu später mehr.

Ähnlich verschwenderisch geht Honor auch mit der sonstigen Ausstattung des Handys um. Der ins Display integrierte Fingerabdrucksensor reagiert innerhalb rund einer halben Sekunde. Wenn dieser nicht funktioniert, hilft die Gesichtserkennung beim Entsperren des Handys. Dann zeigt sich das Smartphone mit der Meldung an “Gesicht vor dem Fingerabdruck” sogar ein bisschen angeberisch. Zudem bietet das Handy laute und überraschend klare Stereo-Lautsprecher und sogar einen Infrarot-Blaster, mit dem das Honor 30 Pro+ Fernseher oder digitale Spiegelreflexkameras steuern kann.

Hinzu kommt Honors Schnellladetechnologie, die über das mitgelieferte (bei unserem Testgerät chinesische!) Netzteil mit 30 Watt arbeitet. Hiermit ist das 30 Pro+ innerhalb von 30 Minuten wieder zu 70 Prozent aufgeladen. Und auch an Reverse Wireless Charging hat Honor gedacht. Hierbei könnt Ihr Smartphones, Smartwatches oder True-Wireless-Kopfhörer wie die Huawei FreeBuds 3 auf die Rückseite des Handys legen und so mit neuem Strom versorgen. Mit einer Leistung von 5 Watt ist die Technologie aber vergleichsweise langsam und beim Auflegen musste ich beim Test recht lange nach der richtigen Stelle suchen. Dafür lädt das Honor 30 Pro+ selbst mit schnellen 27 Watt kabellos, ein kompatibles Ladepad vorausgesetzt.

Display mit 90 Hertz

Ähnlich eindrucksvoll wie das Datenblatt des 30 Pro+ ist das 6,67 Zoll große OLED-Display des Handys. Dieses bedeckt die Vorderseite des Handys dank Punch-Hole-Notch zu fast 90 Prozent und wickelt sich links und rechts ein bisschen um das Gehäuse. Fairerweise muss man jedoch erwähnen, dass die Aussparung aufgrund der zwei Frontkameras ziemlich groß ausfällt. Dennoch ist das 30 Pro+ mit 160 x 73 x 8.4 Millimetern mit Hinblick auf seine Displaygröße kompakt.

AndroidPIT Honor 30 Plus side
Das Display des Honor 30 Pro+ ist beeindruckend – und erinnert stark an Huawei. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Die Show stiehlt der Bildschirm aber nicht aufgrund seiner kleinen Displayränder, sondern dank seiner Bildwiederholrate von 90 Hertz. In Zusammenarbeit mit dem schnellen Prozessor flutscht das installierte Android 10-Betriebssystem unter dem Daumen der rechten Hand umher. Gleichzeitig ist der Bildschirm strahlend hell und besitzt OLED-typisch extrem hohe Kontraste. So erscheinen 4K-Inhalte, die ich mühsam aus dem Internet herunterladen musste (auch dazu später mehr) in angemessener Qualität.

Überraschend gut gefiel im Test auch die Tatsache, dass Honor das Display an den Seiten ein wenig um das Gehäuse wickelt. Anders als bei ähnlich konstruierten Samsung-Smartphones reagiert das Honor hier nämlich nicht auf alle Eingaben des Fingers. Das Herunterziehen der Benachrichtungsleiste oder das Anwählen von Menüpunkten klappt hier nicht. Hierdurch sinkt die Gefahr von Fehleingaben beim Festhalten des Honor 30 Pro+. 

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Wer Edge-Displays nicht mag, wird mit dem Honor 30 Pro+ unglücklich sein. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Kamera mit 50 Megapixeln

Haltet Ihr das Handy dann beim Fotografieren in der Hand, verschwimmt das große Display förmlich unter Anzeige des Kamerabildes mit der Umwelt. Hier bietet das Honor 30 Pro+ so ziemlich alle Möglichkeiten, die es in modernen Kamera-Smartphones gibt:

Honor P30 Pro+

  Hauptkamera Telekamera Weitwinkelkamera Tiefenkamera Frontkamera
Megapixel 50 8 16 2 32
Brennweite 23 Millimeter 125 Millimeter 18 Millimeter 26 Millimeter
Sensorgröße 1/1.28″ 1/2,8″
Pixelgröße 2,44µm 0,8µm
Bildstabilisator Optisch Optisch Digital Digital
Auflösung Video Maximal 4K
Bilder pro Sekunde 60 fps   30
Zeitlupe 1920 Bilder pro Sekunde

Das Kamerasystem auf der Rückseite arbeitet gut mit Huaweis Kamera-Software zusammen. Wie bei HMS-Smartphones (so nennen Huawei und Honor ihre Smartphones) üblich, unterstützt Euch hier eine künstliche Intelligenz, die Szenen erkennt und die Kameraeinstellungen dynamisch anpasst. Hinzu kommen acht verschiedene Filter, die Fotografen mit ein wenig Erfahrungen bei der Bildbearbeitung aber getrost ignorieren können.

Die Kamera des Honor 30 Pro liefert schone Farben und einen hohen Dynamikumfang
Die Kamera des Honor 30 Pro+ liefert schöne Farben und einen hohen Dynamikumfang. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Sehr sinnvoll hingegen ist der Modus “Hohe Auflösung”, der Euch Zugriff auf die vollen 50 Megapixel des Sensors gewährt. In allen übrigen Modi werden diese nämlich für eine bessere Nachbearbeitung zusammengerechnet und für allerlei Berechnungen verwendet. Beispielsweise rechnet das Handy die gesamte Pixel-Power zusammen, um einen maximalen 50-fachen Digitalzoom zu ermöglichen. Zwar ist das spätestens sei Samsungs 100-fach-Space-Zoom keine Besonderheit mehr, eindrucksvoll ist es in der Nutzung dennoch. Auch hier aber eher eine Spielerei, der Zoom bis zur 10-fachen Vergrößerung ist dafür durchaus zu gebrauchen.

GIF Von Ultraweitwinkel bis 50 fach Zoom deckt das Handy einen enormen Brennweitenbereich ab
Von Ultraweitwinkel bis 50-fach-Zoom deckt das Handy einen enormen Brennweitenbereich ab. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Ähnlich positiv überrascht der Videomodus des Smartphones. Mit 4K-Aufnahmen in 60 Bildern pro Sekunde liegt das Smartphone gleichauf mit aktuellen Digitalkameras. Hinzu kommen Zeitlupenaufnahmen in 1080p bei 1920 Bildern pro Sekunde, die dank einer Bewegungserkennung zum Beginn der Aufnahme erstaunlich einfach funktionieren.

Die Kamera des Honor 30 Pro+ ist ohnehin eine sehr gute Schnappschusskamera. Das liegt unter anderem am zuverlässigen Autofokussystem. Bei diesem kombiniert Honor seine omnidirektionelle Aufotokus-Technologie per Phasenerkennung, kurz PDAF, mit einem Laser-Autofokus. Das Ergebnis ist schnelles und vor allem zuverlässiges Scharfstellen von Motiven. Sehr gut veranschaulichen lässt sich das, wenn Ihr die Lautstärkewippen mit der Funktion “Ultra-Schnappschuss” konfiguriert. Beim Herausziehen aus der Tische tippt Ihr diese zweimal schnell an und innerhalb von 0,2 bis 0,5 Sekunden nimmt das Handy ein Foto auf.

Selten machten Makroaufnahmen mit einem Handy so viel Spass wie mit dem Honor 30 Pro
Selten machten Makroaufnahmen mit einem Handy so viel Spaß, wie mit dem Honor 30 Pro+. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Hier überzeugt das Honor 30 Pro+ nicht

Einrichtung nach dem Import

Trifft das Honor 30 Pro+ nach dem Import aus Übersee bei Euch ein, solltet Ihr zur Einrichtung ein wenig Zeit mitbringen. Denn ganz so einfach, wie bei einem bereits lokalisierten Smartphone, ist das nicht. Nach dem ersten Anschalten richtet Ihr das Handy in der deutschen Sprachvariante ein und müsst anschließend ein deutsches Tastaturlayout, deutsche Regionen einiger Apps und Google als Suchmaschine im Honor-Browser einstellen. Zudem gibt es eine Vielzahl vorinstallierter Apps, die ebenfalls in chinesischer Sprachausführung installiert sind.

AndroidPIT Honor 30 Plus camera
So sieht die Kamera des Honor 30 Pro+ aus. / © nextpit Bildquelle: NextPit

So ganz bekommt Ihr die Herkunft zudem auch nach gründlicher Arbeit nicht aus dem Honor 30 Pro+. Beispielsweise zeigt das Handy nach wie vor chinesische Schriftzeichen auf dem Startbildschirm. Auch der Huawei Assistant, den Ihr Android-typisch über einen Wisch nach links auf dem Startbildschirm erreicht, lässt sich nicht auf eine deutsche oder englische Spracheinstellung umschalten. Diese kleinen störenden Details fallen angesichts der starken Hardware aber nicht allzu sehr ins Gewicht. Allerdings kommt das Honor-Smartphone mit allen Nachteilen, die aktuelle HMS-Smartphones durch das Handelsembargo mit den USA betroffen. Dazu jetzt endlich mehr!

Nachteile eines HMS-Smartphones

Huawei hat inmitten der Google-Sperre die Flucht nach vorne ergriffen und an einem eigenen Betriebssystem und an eigenen App-Quellen gearbeitet. Während Harmony OS noch in der Entwicklung ist, sind die AppGallery, Huaweis Petal Search und weitere unabhängige Dienste auf Geräten wie dem Honor 9X Pro, dem Honor 9A oder eben dem Honor 30 Pro+ vorinstalliert. Somit steht nur ein Bruchteil der App-Vielfalt des Google Play Stores zur Nutzung bereit. Darüber hinaus müssen installierte APK-Dateien regelmäßig selbst auf Updates geprüft und aktualisiert werden. Installiert ihr einige Apps nach, erhaltet ihr beim Start zudem eine Meldung über fehlende Google-Dienste.

AndroidPIT Honor 30 Plus back
So schön und leistungsstark es auch ist: Ohne Google-Dienste werden sich viele Käufer ärgern. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Gerade bei Apps wie YouTube, mit denen sich die Multimedia-Stärken des Honor 30 Pro+ richtig auskosten lassen, vermisst man die Unterstützung der Google-Dienste. Auch die Auswahl an Mobile Games ist stark eingeschränkt und beliebte Titel wie Call of Duty: Mobile oder PUBG Mobile fehlen. Dabei wird man das Gefühl nicht los, das Potenzial seines leistungsstarken Smartphones nie ganz auszunutzen. Hat man kurz vorher einen nicht ganz risikofreien Import aus Übersee gewagt und will das schöne Smartphone endlich in vollen Zügen genießen, ist die Enttäuschung womöglich groß.

Abschließendes Urteil

Das Honor 30 Pro+ ist ein interessantes Modell der Smartphone-Oberklasse. Die performante Hardware lassen das Handy zusammen mit dem 90-Hertz-Display quasi ohne Ladezeiten auskommen. Dabei füllt Honor das Handy bis zum Rand mit Funktionen. Bis auf exotische Features mancher Mobilgeräte wie die Gestensteuerung des Google Pixel 4 oder der LIDAR-Scanner im Apple iPad Pro 2020 gibt es nicht viel, was das Honor 30 Pro+ nicht kann.

Allerdings sind mit dem Import und Huaweis gezwungenem Software-Alleingang viele Nachteile mit dem Kauf des Smartphones verbunden. Obwohl das Smartphone im Test überzeugt, empfiehlt sich daher eher der Kauf des Huawei P40 Pro, das aktuell nur knapp 50 Euro teurer ist. Das P40 Pro verfügt auch über einen Kirin 990-Prozessor und bietet sogar ein etwas leistungsstärkeres Kamera-System auf der Rückseite. Hinzu kommen ein etwas größerer Akku und schnelleres Reverse Charging, das beim Huawei-Smartphone bereits mit 27 Watt funktioniert.

Alternativen

Neben dem Huawei P40 Pro empfiehlt sich ein Blick auf das Oppo Find X2 Neo, das preislich mit beiden Geräten in etwa gleichauf liegt. Eine etwas leistungsschwächere Kamera und fehlendes Wireless-Charging werden hier durch sehr gutes Schnellladen dank Oppos SuperVooC abgelöst. Auch in Samsungs Galaxy S20-Serie gibt es denkbare Alternativen, wobei beim Kauf des Samsung Galaxy S20+ ein geringer Aufpreis fällig wird. Dafür lässt sich hier das ganze Potenzial des Smartphones dank funktionierender Google-Dienste nutzen.