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Huawei P50 Pro im Test: Zu viel verlangt!

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© NextPit

Das Huawei P50 Pro ist das neueste Flaggschiff-Smartphone des chinesischen Herstellers. Da Huawei in den USA immer noch verboten ist, können daher weltweit immer noch keine Google Mobile Services (GMS) genutzt werden. Im ausführlichen Test des Huawei P50 Pro lest Ihr, ob dieses Kamera-Smartphone seine 1200 Euro wert ist – ohne 5G und mit der EMUI-12-Oberfläche, die auf Android 11 basiert. Uff.

Bewertung

Pro

  • Ausgezeichnetes AMOLED-Display
  • Detailreiche Fotos mit Weitwinkel- und Teleobjektiv
  • Leistungsstarker Nachtmodus
  • Snapdragon 888 hat viel Power
  • Gute Akkulaufzeit und 50-Watt-Wireless-Charging
  • Sehr edles Design
  • IP68

Contra

  • Keine Google Mobile Services (GMS)
  • Werbung in EMUI 12 und viel Bloatware.
  • NM-Anschluss zur Erweiterung des Speichers
  • Kein 5G
  • Zu teuer

Meine Meinung zum Huawei P50 Pro in Kürze

Das Huawei P50 Pro ist seit dem 26. Januar 2022 in Deutschland erhältlich. Es gibt nur eine einzige Konfiguration mit 8/256 GB, und die kostet stolze 1199 Euro. Unterm Strich hält das Huawei P50 Pro den Status quo aufrecht, der vor zwei Jahren durch das P40, P40 Pro und das Mate 40 Pro gesetzt wurde. Bedeutet: Tolle Hardware und eine Top-Kamera, aber weder Google-Dienste noch 5G. 

Das Datenblatt des Huawei P50 Pro ist eines Android-Smartphones der Oberklasse würdig: AMOLED-Display mit 120 Hz, Snapdragon 888 (ohne 5G), Leica-Quad-Kamera mit 50, 64, 13 und 40 Megapixeln inklusive Periskop-Teleobjektiv und ein 4360-mAh-Akku, der per Kabel mit 66 Watt und kabellose mit 50 Watt lädt.

Aber das reicht 2022 einfach nicht. Klar, EMUI 12 auf Basis von Android 11 ist mit ein paar Verrenkungen nutzbar. Aber warum sollte man sich das antun? Mit fallen hauptsächlicht leidenschaftliche Bastler und/oder Google-Verachter ein.

Die tagesaktuellen Bestpreise vom Huawei P50 Pro seht Ihr im folgenden Preisvergleich:

 

Design: Luxus, als wäre nichts gewesen

Das Huawei P50 Pro kommt im eleganten Glasdesign. Auffällig ist das Fotomodul mit seinen zwei runden goldenen Inseln. Das Smartphone ist in zwei Farben erhältlich: Cocoa Gold und Golden Black. Wie Ihr nachfolgend seht, haben wir die schwarze Version getestet.

Gefällt mir:

  • edle Glasrückseite und der gebogener Bildschirm
  • die goldene Doppelinsel für das Fotomodul
  • IP68-zertifiziert

Gefällt mir nicht:

  • kein 3,5-mm-Klinkenanschluss
  • proprietärer NM-Port zur Speichererweiterung

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Das Huawei P50 Pro ist mit einem Gewicht von 195 Gramm für ein Flaggschiff recht leicht / © NextPit

Ihr habt gewählt: Glas ist besser als Plastik, und flache Displays besser als gebogene. Aber auch wenn Huawei mit dem P50 Pro nicht genau den Geschmack der NextPit-Community getroffen hat: Das Smartphone ist wirklich schick, das Design einfach "premium", insbesondere im Farbton "Golden Black".

Besonders gut gefallen mir die beiden runden Inseln, in denen sich die vier Leica-Fotoobjektive verteilen. Sie sind eingefasst von zwei goldenen Ringen und heben sich durch eine tiefschwarze Beschichtung vom Rest des Smartphones ab. Auch die Gehäuseform ist gelungen. Das P50 Pro liegt gut in der Hand – selbst der gebogene Bildschirm ist beim Greifen nicht im Weg, und das trotz meiner dicken Finger.

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Ich mag diesen Dual-Look für das Fotomodul sehr. / © NextPit.

Wo gibt's was zu meckern? Für meinen Geschmack ist die Lautstärkewippe zu ausladend. Und mich stört, dass die Speichererweiterung nur mittels proprietärer NM-Karten möglich ist. Aber gut, bei den meisten Android-Flaggschiffen gibt es gar keine Erweiterungsmöglichkeit.

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Das Smartphone ist nach IP68 gegen Staub und einstündiges Untertauchen bis zu einem Meter Wassertiefe zertifiziert. / © NextPit

Bildschirm: schickes AMOLED in Full HD+ mit 120 Hz

Das Huawei P50 Pro hat einen 6,6-Zoll-AMOLED-Bildschirm mit Full-HD+Auflösung (1228 x 2700 Pixel). Das ergibt eine Pixeldichte von 450 ppi. Für ein smoothes Erlebnis sorgen eine Bildwiederholrate von 120 Hz und eine Touch-Sampling-Rate von 300 Hz.


Gefällt mir:

  • heller und gut kalibrierter Bildschirm
  • Bildwiederholrate von 120 Hz
  • Berührungsabtastrate von 300 Hz
  • abgerundeter Bildschirm (Geschmackssache)

Gefällt mir nicht:

  • abgerundeter Bildschirm (Geschmackssache)
  • kein QHD+ zu diesem Preis

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Die mittige Punchhole-Notch beherbergt die 13-MP-Selfie-Kamera. / © NextPit

Ich werde nicht auf die Curved/Flach-Debatte beim Display eingehen – das ist Geschmackssache. So oder so, das Display des Huawei P50 Pro ist hervorragend. Das 6,6-Zoll-Panel hätte für so viel Geld allerdings ruhig QHD+Auflösung bieten können. Aber hier bin ich vielleicht etwas zu sehr auf die Specs fixiert.

Denn mit bloßem Auge bietet das OLED-Panel eine satte und sehr genaue Farbwiedergabe. Mein Kollege Stefan hat das Huawei P50 Pro mit dem Spyder 5 und der HCFR-Software unter die Lupe genommen, um die Farbwiedergabe des Bildschirms zu untersuchen. Das nachfolgende CIE-Diagramm visualisiert das sogenannte DeltaE, also die Abweichung zwischen Ist und Soll, dargestellt als weißes und farbiges Dreieck. Je näher die Eckpunkte der beiden Dreiecke aufeinander liegen, desto besser die Farbwiedergabe.

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Das Huawei P50 Pro ist bei warmen Farbtönen (Rot, Gelb, Magenta) sehr gut. Kalte Farbtöne (Grün und Blau) weichen etwas stärker ab. / © NextPit

Beim Huawei P50 Pro liegt das durchschnittliche DeltaE bei 2,05 – das ist besser als etwa beim jüngst getesteten Samsung Galaxy S21 FE (DeltaE von 2,4). Auffällig ist auch, dass der Bildschirm des Huawei P50 Pro viel heller als der des Galaxy S21 FE ist. Das macht sich optisch bemerkbar, aber auch bei den Messwerten mit 643,8 cd/m2 gegenüber 399,6 cd/m2.

Die Bildwiederholrate von 120 Hz ist natürlich angenehm, auch wenn diese Funktion (bei Android) längst in allen Preisklassen angekommen ist. Und die 300 Hz Touch-Sampling-Rate trägt zur Qualität des Gaming-Erlebnisses bei, indem sie den Bildschirm und die Touch-Bedienelemente reaktionsschnell macht.

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Das Huawei P50 Pro gefällt mit seinem gut kalibrierten Bildschirm. / © NextPit

Interface: EMUI 12 (Android 11) ohne GMS

Das Huawei P50 Pro läuft mit EMUI 12 auf Basis von Android 11. Anstelle der Google Mobile Services (GMS) kommen die HMS zum Einsatz – die Huawei Mobile Services.


Gefällt mir:

  • übersichtlicher Homescreen mit smarten Ordnern
  • viele Optionen zur Personalisierung
  • intelligente Multitasking-Funktionen

Gefällt mir nicht:

  • viele vorinstallierte Bloatware-Apps
  • Werbeanzeigen in der Benutzeroberfläche
  • keine Google Mobile Services
  • keine Synchronisierung für als APK installierte GMS-Apps

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Huaweis EMUI 12 basiert auf Android 11. / © NextPit.

Hier ist er, der große Krähenfuß am Huawei P50 Pro: die Software. Optisch finde ich die Oberfläche ziemlich sauber. Mir gefallen die Ordner, die sich direkt auf dem Startbildschirm erweitern lassen. So muss man nicht mehr darauf tippen, um die darin enthaltenen Apps zu öffnen. Das macht die Bedienung flüssiger und intuitiver.

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Diese Maxi-Ordner sind vielleicht meine Lieblingsfunktion von EMUI 12. / © NextPit.

Auch der "Assistant Today" gefällt mir, eine Art "OnePlus Shelf" (das ist das einzige Beispiel, das mir einfällt). Dabei handelt es sich um eine All-in-One-Seite, die Widgets mit Verknüpfungen zu Euren Lieblingsapps mit einem Newsfeed, Wettervorhersage usw. kombiniert. Das erste Öffnen ist leider ziemlich verwirrend, da die Seite vor Werbung nur so wimmelt. Mit etwas Liebe verwandelt sich die Seite jedoch in ein ziemlich cooles Kontrollzentrum.

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Es gibt ziemlich viele Werbeanzeigen in MIU... äh EMUI 12. / © NextPit.

Fügt noch den Fenster- und Split-Screen-Modus für die Produktivität hinzu, und wir sind schon am Ende der Pluspunkte von EMUI 12 angekommen. Okay, es gibt auch noch die Device+-Funktion zum Übertragen des Klangs von Huawei-TVs auf Freebuds – ohne Bluetooth/WLAN-Pairing oder zusätzliche Einstellungen.

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Schade: Es gibt allerdings keine Möglichkeit, Splitscreen-Shortcuts mit App-Paaren zu erstellen. / © NextPit.

Ansonsten bedauere ich natürlich in erster Linie die Basteleien, mit denen Huawei das Fehlen der Google-Dienste kompensiert. Aber über Huawei ohne Google habe ich ja die Tage schon ausführlich geschrieben. Wie dort auch schon gesagt: Etwa sieben bis acht von zehn Anwendungen funktionieren mit dem Huawei P50 Pro völlig normal im Alltag.

Das größte Handicap ist für mich die völlige (und meines Wissens unumgängliche) Inkompatibilität mit Google Pay. Aber ja: Die meisten Anwendungen, die nicht in der AppGallery verfügbar sind, könnt Ihr in Form von PWAs "installieren". PWAs, dann sind "Progressive Web Apps", also meist einfache Verknüpfungen zur Webversion des jeweiligen Dienstes. Für den Rest kann man über das Suchwerkzeug Petal Search gehen und die APK-Dateien herunterladen.

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In der Regel leitet Euch Huawei zu sicheren APK-Stores weiter. / © NextPit.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, über die Drittanbieteranwendung GSpace zu gehen. Damit erstellt Ihr eine Art virtuelle Maschine auf dem Smartphone und bekommt Zugriff auf den Play Store. Und ja, dann klappt auch das Herunterladen von Google-Apps wie Gmail – oder von Apps von Drittanbietern.

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Ihr kennt Tricks zum Installieren von (Google-)Apps auf Huawei-Smartphones? Lasst es uns in den Kommentaren wissen. / © NextPit.

Und schließlich gibt es dann da noch gelegentliche Werbeanzeigen in der Benutzeroberfläche – und jedes Mal beim Öffnen der AppGallery. Das nervt und ist irgendwie das versalzene Sahnehäubchen auf dem angebrannten Kuchen.

Leistungen: viel Power, wenig Funk

Das Huawei P50 Pro ist mit dem Snapdragon 888 ausgestattet und nicht mit dem hauseigenen Chip Kirin 9000 – dieser kommt nur in der chinesischen Version zum Einsatz. Das High-End-SoC von Qualcomm kommt jedoch ohne 5G-Modem.


Gefällt mir:

  • Leistung, die eines Flaggschiffs würdig ist
  • keine Framedrops beim Spielen
  • keine Überhitzung

Gefällt mir nicht:

  • kein 5G

Ich glaube nicht, dass man Huawei heute vorwerfen muss, kein 5G zu haben. Mit 4G lebt sich's zumindest in Deutschland noch ganz hervorragend. Trotzdem hinterlässt ein derart hoher Preis ohne dem zukunftsfähigen Funk irgendwie einen faden Beigeschmack.

Wie dem auch sei: Die Leistung des Huawei P50 Pro ist für seine Preisklasse absolut angemessen. Das Smartphone schneidet in den Grafik-Benchmarks gut ab – zwar nicht überragend, aber angemessen.

Huawei P50 Pro im Benchmark

 
Benchmark / Modell Huawei P50 Pro Samsung Galaxy S21 FE Google Pixel 6 Xiaomi Mi 11
Geekbench 5 (single/multi) 903/3187 1096/3002 1031/2803 722/2259
3DMark Wild Life 5866 5712 6721 5390
3DMark Wild Life Stress Test 5832 5603 6707 5407
3DMark Wild Life Extreme Stress Test 1547 1484 2017 1226

Erfreulich: Das Smartphone geht ausgezeichnet mit der Temperaturkontrolle um. Probleme mit Thermal Throttling wie kürzlich beim Galaxy S21 FE gesehen, gibt es hier nicht. Sobald die Leistungsdrosselung einsetzt, um die Überhitzung zu begrenzen, bleibt die Framerate auf einem konstanten Niveau.

Die Temperatur stieg nie über 30 °C, weder bei einer 1- noch bei einer 20-minütigen Benchmark-Sitzung. Das ist für ein Nicht-Gaming-Flaggschiff ziemlich selten. Wenn man in den Einstellungen den Leistungsmodus aktiviert, lässt sich das thermische Throttling begrenzen. Das P50 Pro erwärmt sich dann auf knapp über 40°C – im Dauerbetrieb sorgt das aber für schwitzige Hände und kostet Akkulebenszeit.

Und in der Praxis? Ich konnte Call of Duty Mobile (APK) mit maximalen Grafikeinstellungen und FPS-Raten spielen, ohne dass es zu Verzögerungen kam. Auch mein Lieblingsspiel Lost Light lief wunderbar. Mit Genshin Impact zum Beispiel hatte ich jedoch keinen Erfolg.

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Oben die 1-minütige Simulation einer intensiven Gaming-Nutzung mit aktiviertem Leistungsmodus. Unten eine 20-minütige Simulation mit aktiviertem Leistungsmodus. Bei der kurzen Sitzung ist keine Überhitzung zu verzeichnen. / © NextPit

Audio: Guter Stereosound

Das Huawei hat zwei Stereolautsprecher, die symmetrisch an der oberen und unteren Kante des Smartphones angebracht sind. Wie fast bei allen modernen Flaggschiffen fehlt der 3,5-mm-Klinkenanschluss.


Gefällt mir:

  • umfangreiches Klangvolumen
  • gute Bässe (für ein Smartphone)
  • insgesamt satter Klang

Gefällt mir nicht:

  • kein 3,5-mm-Klinkenanschluss
  • Ungünstige Platzierung der Lautsprecher – sie sind beim Spielen verdeckt

Huawei braucht anscheinend keine Dolby-Atmos-Zertifizierung, um mit seinem Stereo-Lautsprecherduo einen guten Klang zu liefern. Der Sound ist insgesamt recht satt mit gut präsenten Bässen, was bei einem Smartphone selten ist. Auch der Raumklang ist gelungen und macht etwa beim Zocken Spaß.

Ich bin nicht der Typ, der seine Musik in voller Lautstärke und ohne Kopfhörer in den Verkehrsmitteln hört. Aber wenn man gerade einen Film oder eine Serie streamt, kann man problemlos mal ein paar Meter gehen, ohne die Dialoge zu verpassen. Der Klinkenport fehlt – aber vielleicht sollte ich einfach langsam Abschied nehmen.

Foto/Video: das kann Huawei

Das Huawei P50 Pro hat eine Quad-Kamera auf der Rückseite. Die Sensoren verteilen sich auf zwei kreisförmige Inseln. Hier finden sich ein 50-MP-Weitwinkel, ein 13-MP-Ultraweitwinkel, ein 64-MP-Periskop-Zoom und eine 40-MP-Monochromkamera. Die Selfie-Kamera stützt sich auf einen 13-MP-Sensor mit Autofokus.


Gefällt mir:

  • die Detailgenauigkeit im Weitwinkelbereich
  • ziemlich genaue Farbgebung
  • guter 3,5-facher optischer Zoom und 10-facher Hybrid-Zoom
  • Nachtmodus holt viel heraus

Gefällt mir nicht:

  • Ultraweitwinkel etwas enttäuschend, auch bei Tag
  • Porträtmodus störanfällig beim Fokussieren – und mit Artefakten
  • Detailniveau bei Selfies nicht konstant genug

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Die Selfie-Kamera bietet drei Crop-Stufen für Selbstporträts – allein oder in der Gruppe / © NextPit

Fotos des Huawei P50 Pro im Weitwinkel- und Ultraweitwinkelbereich

Huawei nennt die Kamera des P50 Pro eine True-Form Dual-Matrix-Kamera – "Dual-Matrix", weil zwei kreisförmige Inseln. Die erste Insel (oben) besteht aus zwei Hauptkameras mit 50 und 40 Megapixeln. Erstere nimmt Farben auf, zweitere nur Helligkeitsstufen und Details.

Ebenfalls auf dieser Insel sitzt das 13-MP-Ultraweitwinkelobjektiv mit einer Blende von f/2.2 und einem FOV von 100°. Dieses Objektiv ist auch in der Lage, Makroaufnahmen bis zu 2,5 cm vom Motiv entfernt aufzunehmen.

Ich fand die Detailgenauigkeit der Weitwinkelfotos hervorragend. Es gibt quasi kein Rauschen, die Bilder haben eine bemerkenswerte Schärfe. Die Farbgebung ist recht natürlich, auch wenn sie manchmal etwas flau ist, aber vielleicht liegt das an meiner ausgeprägten (und beschämenden, ich weiß) Vorliebe für leicht gesättigte Farben.

Was das Ultraweitwinkelobjektiv angeht, so sind die Aufnahmen in Ordnung, aber es fehlt an Details im Vergleich zum Weitwinkelobjektiv. Auch den Makromodus dieses Objektivs fand ich nicht besonders interessant, da die Fotos oft unter Artefakten an den Bildrändern oder im Bokeh leiden.

Die Fotos des Huawei P50 Pro im Zoom

Die zweite Insel des Fotomoduls gehört dem Zoom. Hier findet sich ein dediziertes 64-MP-Teleobjektiv mit einer Blende von f/3.5 und optischer Stabilisierung (OIS). Huawei erklärt, dass sein Fotomodul bis zu x200 (digital) zoomen kann.

Auf jeden Fall sind die beiden Standardvergrößerungen x3,5 und x10, die von der Kamera-App des P50 Pro angeboten werden, sehr effektiv. Man erkennt Texturen und Details, die im Weitwinkelbereich meilenweit nicht sichtbar waren – und der Qualitätsverlust zwischen 3,5x und 10x ist gering. Ein Vergleich mit dem Samsung Galaxy S21 Ultra (oder mit dem S22) bezüglich der Telefähigkeiten wäre interessant – was denkt Ihr?

Die Fotos des Huawei P50 im Porträtmodus

Der Porträtmodus von Huawei hat mich nicht immer vom Hocker gerissen. Der Fokus ist ziemlich launisch. Vielleicht hätte ich Menschen und nicht Objekte fotografieren sollen. Aber als sozialer Einsiedler habe ich während der Corona-Zeit einfach selten echte Menschen zur Hand.

Aller Mühe zum Trotz, nicht zu zittern und das Motiv gut zu positionieren, konnte ich Artefakte und Bereiche mit Pixelmatsch feststellen.

Die Selfie-Fotos des Huawei P50 Pro

Die Selfie-Aufnahmen sind ganz klassisch, wie man sie von den meisten Konkurrenten kennt. Die Detailgenauigkeit ist nicht berauschend, und das Fehlen einer Stabilisierung macht das Fokussieren manchmal etwas kompliziert. Aber die Tatsache, dass es zwei Vergrößerungen gibt – Weitwinkel und Ultraweitwinkel – ist ziemlich cool, weil ich Gruppenselfies mit all meinen imaginären Freunden machen kann. Das ist wirklich cool.

Die Nachtaufnahmen des Huawei P50 Pro

Bei Nacht war ich erstaunt. Manchmal gefielen mir die Fotos ohne Nachtmodus tatsächlich besser, insbesondere in puncto Farbwiedergabe. Die Nachtaufnahmen waren mir oft etwas zu gelblich. Aber ob mit oder ohne Nachtmodus: Die Weitwinkelaufnahmen sahen für mich immer gut aus, mit viel Schärfe, wenig Rauschen und einer natürlichen Lichtstimmung. Letztere erhält auch der Nachtmodus gut – er lässt die Szene nicht zu künstlich wirken und liefert saubere Aufnahmen. Das Ultraweitwinkelobjektiv ist bei schwachem Licht nicht empfehlenswert, das Teleobjektiv schlägt sich bei x3,5 dafür recht gut.

Die Videos des Huawei P50 Pro

Das Huawei P50 Pro nimmt mit dem Hauptobjektiv sowie der Selfie-Kamera bis zu 4K bei 60 fps auf. Mit dem Teleobjektiv und dem Ultraweitwinkel-Modul sind maximal 4K bei 30 fps drin. Hauptobjektiv und Teleobjektiv bieten eine optische Stabilisierung, der Rest wird elektronisch stabilisiert.

  • Hauptkamera in 4K bei 60 fps
  • Hauptkamera in 1080p bei 60 fps
  • Selfie-Kamera in 4K bei 60 fps

Autonomie: Ein kleiner Akku, der einigermaßen ausreicht.

Das Huawei P50 Pro hat einen auf dem Papier recht kleinen 4360-mAh-Akku. Schnellladen klappt per Kabel mit 66 Watt, kabellos sind 50 Watt drin.


Gefällt mir:

  • ordentliche Akkulaufzeit
  • flottes Quick-Charging
  • Ladegerät in der Verpackung enthalten

Gefällt mir nicht:

  • Der Akku wird beim Spielen zu schnell leer.

Was die Akkulaufzeit angeht, ist das Huawei P50 Pro nicht wirklich innovativ. Der Akku ist mit 4360 mAh kaum größer als der des P40 Pro von 2020 herauskam (4200 mAh). Und im Jahr 2022 kann man angesichts einer 66-Watt-Schnellladung nicht mehr wirklich ins Schwärmen geraten, es sei denn, man ist ein Samsung- oder Apple-Nutzer (SCNR).

Dennoch hält sich das Huawei P50 Pro auf einem akzeptablen Niveau. Mit dem PCMark-Benchmark, der eine unrealistisch intensive Nutzung simuliert, dauert es beim Huawei P50 Pro ganze 12:36 Stunden, um von 100 auf 20 % Akkulaufzeit zu kommen. Das ist ein mehr als achtbares Ergebnis. In der Praxis ging's gefühlt aber auch mal schneller. Beim Spielen etwa war der Verlust an Akkuladung schneller als gewohnt.

Was das Aufladen betrifft, so bin ich zufrieden:

  • 5 Minuten: von 0 auf 25 %
  • 30 Minuten: auf 73 %
  • 49 Minuten (näher an 50): auf 100%

Das drahtlose Aufladen mit 50 Watt konnte ich leider mangels kompatiblem Ladegerät nicht testen.

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Das Huawei P50 Pro hält problemlos einen ganzen Tag lang durch / © NextPit

Technische Daten auf einen Blick

  Technische Daten
Produkt
Design Huawei P50 Pro
Gewicht & Abmessungen 72,8 x 158,8 x 8,5 mm / 195 g
Bildschirm AMOLED / 6,6 Zoll / 1228 x 2700 Pixel / 450 dpi / 120 Hz Bildwiederholrate / 300 Hz Touch-Abtastrate
Speicher 8/256 GB / Erweiterbar über NM-Karten (nicht microSD)
SoC + GPU Snapdragon 888 (4G) / Adreno 660
OS EMUI 12 / Android 11 (ohne GMS)
Kamera
  • Weitwinkel: 50 MP / Blende f/1.8 / PDAF / Laser-Autofokus / OIS
  • Periskop-Tele: 64 MP / Blende f/3.5 / PDAF / OIS / 3,5-facher optischer Zoom
  • Ultraweitwinkel: 13 MP / Blende f/2.2 / FOV 100°
  • Monochrom: 40 MP / Blende f/1.6
  • Selfie: 13 MP / Blende f/2.4 / Autofokus
Video
  • Hauptkamera: 4K bei 30/60 FPS / 1080p bei 30/60 FPS / 1080p bei 960 FPS / Gyro-EIS
  • Selfie: 4K bei 30 FPS / 1080p 30/60/240 FPS
Audio 2 Stereolautsprecher / Kein 3,5-mm-Klinkenanschluss
Akku 4360 mAh / kabelgebundenes Aufladen 66 Watt / kabelloses Aufladen 50 Watt
Preis (UVP) 1199 €

Schlussfolgerung

Würde ich das Huawei P50 Pro einem normalen Verbraucher empfehlen? Nein.

Würde ich Huawei und seine Smartphones boykottieren? Auch nicht.

Ich verstehe die Huawei-Fans da draußen durchaus. Ja, da gibt's die Anti-GAFAM-Anhänger, die von Google und Apple und ihren jeweiligen Ökosystemen die Nase voll haben. Oder Fotografen, die das P50 Pro als Kamera mit Telefonfunktionen verwenden. Oder Bastler, die ohnehin seit Jahren auf Custom ROMs laufen und sich wahrscheinlich über mein Gejammer bezüglich der GMS in EMUI 12 kaputtlachen.

Aber die Ausnahme macht nicht die Regel. Wenn mich morgen ein (imaginärer oder nicht imaginärer) Freund, meine Schwester oder einer meiner Mitbewohner fragt, ob er oder sie das Huawei P50 Pro für 1200 Euro anstelle eines Samsung Galaxy S21 Ultra oder eines Oppo Find X3 Pro kaufen sollte, lautet die Antwort: "Nein".

Huawei ist wie der fast perfekte Schüler, der bei einer Prüfung alle richtigen Kästchen ankreuzt, dann aber seinen Namen nicht aufs Papier schreibt.

Samsung Galaxy S21 Ultra

Oppo Find X3 Pro

Ihr wollt über das Huawei P50 Pro diskutieren, mir Unrecht geben, meinen zu engen Horizont erweitern oder mich sogar dazu bringen, meine Meinung zu ändern? Dann schreibt mir Eure Meinung in die Kommentare!

Quelle note donneriez-vous au Huawei P50 Pro?
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Die tagesaktuellen Bestpreise für das Huawei P50 Pro seht Ihr im Preisvergleich:

 
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15 Kommentare

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  • herrlich vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    weiß jemand wie es mit den WhatsApp chatverlauf aussieht ? wenn ich von Android auf harmony OS Wechsel? gibt es eine Möglichkeit die mitzunehmen?


  • herrlich vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    wieso einen minus Punkt für den Speicherslot ? weil einen nano sd Karte benötigt wird? ist immer noch besser als gar kein Slot ,wie Samsung , Xiaomi oneplus usw.


  • Thorsten Klein vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Ich kann nicht verstehen warum fehlendes Google Pay immer als negativ aufgezählt wird! Das ist ein Smartphone.
    Fehlende Google Play Dienste ist kein Negativ, bei dem Preis allerdings kein 5G ist ein no Go.


  • Olaf Gutrun vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Vergleiche ich ein p30pro gegen ein S10 war das Huawei auf gar keinen Fall seine über 1000€ Wert.

    Das s10 wurde um welten besser und konsequenter supportet.

    Besonders die Cam von s10 hat sich bis zum heutigen Tage stetig verbessert und von den neusten Algorithmen profitiert.

    Das p30 blieb stehen wo es war, läuft mit einem veraltet u d vernachlässigt bor sich hin.

    Mein ex s10 in den Händen meiner Freundin, läuft wunderbar mit Android 12, bekommt jeden Monat seine Patches und die Cam hat sich über die Jahre stetig stark verbessert. Und das obwohl es deutlich preiswerter war.

    In mein augen verfehlt Huawei dabei seine ganzen leeren versprechungen total.


    • Maximilian HE vor 7 Monaten Link zum Kommentar

      Eigenartiger Kommentar.
      Kenne genug Leute die bis heute mit purer Begeisterung den Vorgänger Mate 20 Pro nutzen und einem S10 sowohl beim Akku, als auch Kamera und Geschwindigkeit meilenweit die Show stehlen.
      Auch die P30er Reihe war super. Leider ist es dann beim Mate 30 mit den GMS zu Ende gegangen.
      Ansonsten sind auch die Geräte danach (einschließlich Mate 40 Pro +5G) grandiose Geräte.


      • Torsten Hoffmann vor 7 Monaten Link zum Kommentar

        Ich nutze mein Mate20pro weiterhin mit absoluter Freude und sehe auch keinerlei Grund dieses auszutauschen. Es gibt kein Gerät am Markt was dieses Gerät eklatant in Belangen Kamera, Display und auch Akku ersetzen könnte. Es erhält weiterhin Sicherheitsupdates, EMUI 12 ist in der Pipeline und auf Android 11/12 kann ich gut verzichten da Huawei mit seiner eigenen Software dies gut kaschiert. Die Verbindung mit der Watch GT3 und der Huawei Waage ist perfekt.

        @Olaf: Deine Abneigung zu Huawei sei Dir ja gegönnt und ist ganz Deine Meinung aber ein wenig zu offensichtlich :-)


    • herrlich vor 7 Monaten Link zum Kommentar

      du bist ja auch ein Samsung Liebhaber .

      ich fand Huawei Klasse ,meine Samsung Handys gingen alle in die Knie ,bei meiner Nutzung...spackten alle ab mit reboots , einfrieren , einfach Mal ein Neustart ,warum auch immer ....mieser Akku Lebensdauer Nachhaltigkeit schlecht...bei Huawei hatte ich sowas nie gehabt.


  • rolli.k vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Contra: zu hoher Preis

    Ach guck mal, welche Preise rufen denn die Konkurrenten auf?
    Ich selbst besaß mal ein Nova Plus, ein sehr guter Kauf war das.👍


    • Tim vor 7 Monaten Link zum Kommentar

      gehe mal stark davon aus, dass es hier um den Preis in Verbindung mit dem Gebotenem und dem Aufwand geht. Klar verlangen andere Hersteller ähnliche Preise, aber dort hat man dann eben keinerlei Kompromisse wie kein 5G (so sinnlos es aktuell auch ist) oder eben die Tatsache, dass man sich viele Apps aus verschiedenen Quellen holen muss, nicht alle zentral in einem Store updaten kann usw.


      • Olaf Gutrun vor 7 Monaten Link zum Kommentar

        Stimmt Tim, schon damals das p30 pro war extrem überteuert. High end preis aber kein High End Display, überbewerte Cam mit Gelbstich ohne gescheite weiterentwicklung / updates...

        So ein p30pro kostete mal schnell 400€ mehr als ein s10 und machte da eigentlich nichts besser als das s10.

        Würde niemals 1000€ für ein Huawei geben.


        Die 1200 meines s21 sehe ich irgendwo auch gerechtfertigt.

        Nach wie vor so ziemlich das beste Display auf dem Markt mit qhd+120hz und einem ungeschlagenden Kontrastwert bei Farben.

        Victus Glas, und vorallem der gute Software support.

        Würde mir in den Arsch beissen so ein Huawei zu holen wo die Kamera sich über die Jahre nicht verbessert und das Gerät ziemlich schnell vernachlässigt wird.

        Da ist man bei Apple und Samsung besser aufgehoben und hat länger etwas von seinem Gerät.

        Typisch Huawei, erst sich mit preisdumping und vorallem viel nach armerreien anderer Hersteller auf den Markt drängen um dann sau teuer zu werden.

        Es gab zeit wo ein normales mittelklasse p30 so viel kostete wie ein high End s10.

        Richtige augenwischerrei.


      • mofly4 vor 6 Monaten Link zum Kommentar

        Ist das ein Satire-Beitrag?

        Ich habe noch kein Samsung Galaxy in der Nacht gesehen, dass an die Topmodelle von Huawei nur annähernd herankommt...
        youtu.be/aZtCkd58utY?t=130


  • Beton Scheitel vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Ich finde die Nachtfotos enttäuschend bis erschreckend. Bild 8 hat doch nicht mehr viel mit einem Foto zu tun sondern sieht eher nach einem Aquarell aus?


    • Olaf Gutrun vor 7 Monaten Link zum Kommentar

      Stimmt sehen echt schlimm aus die Nachtfotos.


  • Tim vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Ich finde ehrlich gesagt gut, dass Huawei hier auf so eine ungewöhnliche Auflösung und den Fokus auf die Schärfe legt, statt stupide auf dei reine Auflösung, wodurch die Schärfe oft einfach nur overkill ist. 1440p ist völlig unnötig - egal in welcher Preisklasse bei Smartphones.

    100° beim ultraweitwinkel empfinde ich persönlich aber nicht unbedingt als "ultra-weit", zumal sich damit auch recht leicht die bessere Schärfe erklären lässt. Ein weiterer Weitwinkel ist natürlich weniger scharf als einer, der weniger Bild aufnimmt - wenn die Auflösung gleich ist.


  • Maximilian HE vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Kurze Anmerkung.
    Das Mate 40 hatte sehr wohl 5G.

    Ansonsten leider Gottes viel richtiges im Beitrag. So schade um Huawei, war immer ein riesiger Fan.

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