Vom Kühlschrank bis zum Hörgerät landen Geräte etlicher Größen und Preisklassen früher oder später auf dem Müll. Enthaltene Wertstoffe, insbesondere Metalle lassen sich jedoch in aufwendigen Verfahren zurückgewinnen und teils beliebig oft, aber zumindest einige Male, wiederverwenden. Leider hat die Sache einen gewaltigen Haken.

Deutschland verfehlt die angepeilte Sammelquote von 65 Prozent für Elektrogeräte. 2017 haben wir nur 45,08 Prozent der kaputten Elektrogeräte eingesammelt; damals wurde nur eine Quote von 45 Prozent gefordert und diese somit haarscharf eingehalten. Heise vergleicht: „Die Quote in Schweden und Norwegen ist im Vergleich dazu fast doppelt so hoch, und auch die Schweiz sammelt mit rund zwei Dritteln erheblich mehr Elektroschrott zur fachgerechten Wiederverwertung ein als Deutschland.“

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Smartphone-Recycling in Deutschland? Da geht doch noch mehr. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Im entsprechenden, Ende Juli 2017 veröffentlichten Bericht, formulierte es das Umweltbundesamt noch hoffnungsvoll so: „Um dieses Ziel zuverlässig zu schaffen und ab 2019 die Sammelquote von 65 Prozent einzuhalten, sind jedoch noch deutliche Anstrengungen notwendig.“

Warum ist die Recycling-Quote von Elektroschrott so schlecht?

Eigentlich sollte es ganz einfach sein. Wir Verbraucher gehen zum Wertstoffhof in unserer Nähe (hier ist eine Suchmaschine dafür) und geben unsere alten Elektrogeräte kostenlos ab. Geräte mit unter 25 Zentimetern Kantenlänge können wir sogar in Elektrogeschäften mit über 400 Quadratmetern Fläche abgeben. Und dort kümmert sich irgendjemand hoffentlich darum, dass aus dem alten Schrott neuer wird.

Leider ist die Liste der damit verbundenen Probleme lang:

  • Viele Verbraucher entsorgen Elektrogeräte falsch.
  • Elektro-Altgeräte werden als „gebrauchte Geräte“ exportiert und im Zielland ineffizient verwertet. (Lese-/Hörtipp: BR-Bericht)
  • Elektroschrott wird vom Hof des Recyclers gestohlen.
  • Selbst die besten Recycling-Anlagen können insbesondere Seltenerdmetalle nicht zurückgewinnen.

Deutschlandfunk hat Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller im Januar nach Ghana begleitet, wo geschätzt 80.000 Menschen (auch Frauen und Kinder) mehrere hunderttausend Tonnen unserer alten Elektrogeräte per Hand recyceln und sich dabei vergiften. Da die Verursacher dieser Misere nicht länger zusehen wollen und der Ursache nicht Herr werden können, errichten sie dort mit deutschen Fördergeldern und Krediten eine ordentliche Recycling-Anlange.

Wir müssen Schrott vermeiden

Doch eigentlich hätte es gar nie so weit kommen dürfen. Leider suggeriert uns die Konsumwirtschaft, dass ihre Produkte makellos und gut für uns sind. Doch Bilder wie die aus Ghana beweisen uns das Gegenteil. Trotzdem suggeriert uns die Werbung weiter, dass unser zwei Jahre altes Smartphone nicht mehr gut genug ist.

Und da Hersteller das Monopol auf Software-Updates und Ersatzteile haben, entspricht dieses Urteil leider oft auch den Tatsachen. Uns Verbrauchern ist es in einigen Fällen gar nicht möglich, ein Produkt über seine vom Hersteller festgelegte Nutzungszeit hinweg sinnvoll zu verwenden. Etliche funktionskritische Komponenten entziehen sich völlig unserer Kontrolle.

Handlungsempfehlungen wären also:

Das Umweltbundesamt schließt seinen Bericht mit dem folgenden Ratschlag:

„Mit der Vermeidung unnötiger Konsumgüter kann jede und jeder einzelne etwas tun. So kann eine nachhaltige Ressourcenschonung erreicht und gleichzeitig die Lebensqualität gesteigert werden. Denn wenn wir nicht kritisch hinterfragen, was wir zum Leben brauchen, führt dies letztlich auch zu einer Minderung der Lebensqualität.“