Anmerkung: Inzwischen sind die beiden offiziell vorgestellt worden. Unser Test mit der Developer Preview deckt jedoch sämtliche relevanten Features der neuen Software ab.

Seit 2014 mit Android Wear und 2015 mit der Apple Watch bieten die wichtigsten Smartphone-Hersteller sowie Apple auch Smartwatches an. Leider gelten diese als Ladenhüter. Der Grund? Sie haben zu wenig Akkulaufzeit, sind ohne gekoppeltes Smartphone machtlos und haben im Falle von Android Wear eine ineffiziente Bedienung.

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Android Wear 2 nimmt sich der wichtigen Kritikpunkte an. Während bei der Akkulaufzeit freilich keine Wunder vollbracht werden können, wurde die Oberfläche massiv optimiert. Außerdem kann eine Android-Wear-2.0-Smartwatch die meisten Aufgaben auch ohne Handy erledigen.

Was macht Android Wear 2.0 besonders?

Google möchte Uhren mit Android Wear 2.0 weniger abhängig vom verbundenen Smartphone machen. Das ist vor allem für iPhone-Nutzer sinnvoll, da diese bis dato wenig Mehrwert von Android-Wear-betriebenen Uhren hatten. Warum? Die dafür wichtige Benachrichtigungs-Schnittstelle ist bei iOS nicht richtig kompatibel und damit konnten Huawei Watch und Co. nur wenige Vorteile im Alltag bieten, wenn man sie mit Apples Geräten koppelte. Samsung konterte kurzerhand mit einem eigenen Betriebssystem auf der Gear S3.

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Samsung hat sich nach Update schon bei iPhone-Usern beliebt machen können. Jetzt folgen die Android-Wear-Uhren. / © nextpit Bildquelle: NextPit

Android Wear 2.0 hingegen verwandelt die Uhren per Update in eigenständige Geräte. Einige schon ältere Android-Wear-Uhren haben dank WLAN, GPS, Mikrofon und Lautsprecher wichtige Komponenten, um eigenständig zu agieren. Doch die bisherige Software war für diese Geräte ein Klotz am Bein.

Mögliche Funktionen wurden mit den Updates der alten Android-Wear-Version gar nicht oder nur im Schneckentempo umgesetzt. Und auch die Usability war mäßig. Für die Installation neuer Apps auf der Uhr musste man immer wieder zum Smartphone greifen und die Apps darüber installieren. Damit ist jetzt Schluss.

Der Play Store kommt ans Handgelenk

Erstmals könnt Ihr unabhängig vom Smartphone Apps auf der Smartwatch installieren. Ziffernblätter, Chat-Apps oder kleine Spiele lassen sich ohne Smartphone herunterladen. Die Apps ruft Ihr über den neuen, richtig schön gelungenen App-Drawer auf. Er zeigt zuerst die kürzlich geöffneten, dann Eure Favoriten-Apps und dann alle anderen Smartwatch-Apps in alphabetischer Ordnung.

AndroidPIT android wear 2 play store
Das Android Wear Update bringt den Play Store auf die Smartwatch. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Im Test von Android Wear 2 hat sich der Play Store auf der Smartwatch ähnlich verhalten wie auf dem Smartphone. Ihr werdet über verfügbare Updates informiert. Wenn Ihr eine App auf dem Smartphone installiert, die es auch für Android Wear gibt, wird Euch die Uhr separat fragen, ob Ihr die App dort auch installieren wollt.

Bei der Einrichtung bedeutet das auch mehr Aufwand. War vorher Google Maps sofort auf der Uhr installiert, weil es schon auf dem Smartphone war, ist das jetzt nicht mehr der Fall. Die Karten-App müsst Ihr erst extra für die Uhr herunterladen. Immerhin: Anschließend ist sie komplett Stand-Alone lauffähig. Eine Smatwatch mit GPS und Offline-Karten könnte jetzt theoretisch überall selbstständig navigieren; ganz ohne gekoppeltes Handy.

OK Google geht, Assistant kommt

Ihr müsst nicht mehr „OK Google“ rufen: Ein langes Drücken des physischen Butons reicht aus, um den Google Assistant zu starten. Bislang war er Pixel-Besitzern vorbehalten. Der Assistant verhält sich zurzeit noch recht dämlich und missversteht viele Eingaben, soll aber dank Machine Learning im Laufe der Zeit noch besser und letztendlich vielleicht hilfreich werden.

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Haltet den Button gedrückt, um dem Assistant zu befehlen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Interaktive Ziffernblätter dank Complications

Ein neues Feature, von dem ich nicht genug bekomme, sind die neuartigen Ziffernblätter. Im Menü werdet Ihr zwei Elements-Ziffernblätter vorfinden. Diese haben je vier Kreise, in denen Ihr Infos anzeigen lasst. Das klingt zunächst gar nicht spannend, ist aber genial.

Welche Daten in diesen Kreisen angezeigt werden, überlässt Google den App-Entwicklern. Eine neue Programmierschnittstelle namens Complications ähnelt den Widgets auf dem Startbildschirm des Smartphones: Tippt Ihr auf ein Datenfeld, erscheint erst eine Liste von Apps und darin jeweils eine Liste verfügbarer Daten jener Apps:

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Fügt dem Ziffernblatt ein neues Daten-Element aus einer kompatiblen App hinzu. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Aus Nutzersicht könnte ich mir vorstellen, dass ich mir für unterschiedliche Gelegenheiten jeweils ein Ziffernblatt maßschneidere. Auf Arbeit lass ich mir Termine, Kontakte, Benachrichtigungen und ein Kürzel zu Inbox anzeigen. Beim Sport lass ich dan Puls und Schritte zählen, und lege je ein Kürzel für den Timer und die Stoppuhr an. Der Wechsel zwischen den favorisierten Ziffernblättern wird in Android Wear 2.0 natürlicher Bestandteil der Bedienung.

Android Wear 2.0 hat auch die Schnelleinstellungen optimiert. „Mehr Info auf einen Blick“ ist das Motto: Statt einem Button pro Bildschirm finden jetzt fünf Icons auf einem Screen Platz.

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Auch die Schnelleinstellungen bieten mehr Funktion auf einem Bildschirm. / © NextPit Bildquelle: NextPit
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Benachrichtigungen werden komplexer. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Auch die Benachrichtigungen zeigen mehr Info auf einmal und haben vielfältigere Interaktionsmöglichkeiten. Es gibt sogar eine Tastatur, um eintreffende Sofortnachrichten schon auf der Uhr zu beantworten. Im Video (oben) seht Ihr das genauer.

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Die Tastatur beherrscht jede Sprache. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Da Uhren dank Android Wear 2.0 wirklich selbstständig werden wollen, bekommen sie auch eine Tastatur. Diese ergänzt die bisher einzigen Eingabemethoden der Sprache und der Emojis um ein Keyboard. Das Keyboard arbeitet entweder mit Tippen oder Swipen. Beide Methoden arbeiten ziemlich akurat und deutlich weniger problematisch als man bei der geringen Größe erwarten würde.

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Der App-Drawer ist sinnvoll gestaltet und liebevoll animiert. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Akkulaufzeit

Leser hatten mich gefragt, inwieweit sich das Update auf die Akkulaufzeit auswirkt. Die einzige qualifizierte Antwort darauf kann nur lauten „kommt drauf an“. Weder im Stand-by mit Always-on-Display noch beim aktiven Einsatz habe ich Verbesserungen oder Verschlechterungen bemerkt.

Im gemischten Betrieb komme ich auf eine 36-Stündige Laufzeit, beginnend um 11:12 Uhr am einen und endend um ca. 23 Uhr des Folgetages. Ich lasse dabei die Uhr ans WLAN, wenn sie es möchte. Meistens bleibt sie im Bluetooth-Betrieb. Ich habe in der Companion-App eingestellt, dass die Uhr sich beim Neigen des Handgelenks nicht aktivieren soll.

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Die Huawei Watch hält mit Android Wear 2.0 36 Stunden lang durch. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Fazit

Android Wear 2.0 ist ein hervorragendes Update, wenn nicht sogar Upgrade für alte Smartwatches und haucht ihnen neues Leben ein. In vielen Details erkennt man, dass das Interface mit mehr Liebe entwickelt wurde. Es ist nicht mehr nur gut genug sondern wirklich gut und durchdacht.

Jetzt dürfen wir uns auf eine neue Generation Smartwatches freuen, die sich mehr zutraut. Durch die deutliche Optimierung in Richtung Stand-Alone-Einsatz erwarte ich Uhren, die mehr machen, als beim Anruf stupide zu vibrieren und meine Schritte zu zählen. Anstelle einer Android-Wear-1-Uhr hätte ich mir ein SmartBand und eine Casio F-91W holen können. Die AW2-Uhren hingegen bekommen echte Kaufargumente.