Mit der U-Serie startet HTC in die Ära nach den One-Smartphones. Während das U Play und das U Ultra noch eher gebremste Begeisterung hervorriefen, hat das Top-Modell HTC U11 schnell gute Kritiken erhalten und auch bei uns im Test überzeugt. Doch wie sieht das nach 100 Tagen in aktiver Benutzung aus? Nutzt sich die Faszination des Neuen schnell ab oder bestätigt sich der gute Eindruck? Mir sind beim HTC U11 einige positive und negative Aspekte aufgefallen.

Pro: Performance

Das HTC U11 ist mit seinem Snapdragon 835 und 4 GByte RAM sehr ordentlich ausgestattet und bringt dazu noch eine sehr schlanke Software mit. Das sorgt dafür, dass das U11 läuft wie eine Rakete. Seit dem Google Pixel und dem OnePlus 5 hatte ich kein Smartphone mehr in der Hand, das so schnell und zackig durch Menüs, Apps und Webseiten flitzt wie das HTC U11. Wer tatsächlich glaubt, dass 4 GByte RAM für ein Flaggschiff im Jahr 2017 nicht ausreichen, der sollte dringend einmal ein paar Minuten mit dem HTC U11 verbringen – das wird diesen Standpunkt deutlich relativieren.

Contra: Edge Sense

Edge Sense ist für HTC eines der Highlights am U11 – für mich nicht. Anfangs fand ich die Idee mit dem Rahmen-Drücken auch spannend, aber nach zwei Wochen habe ich Edge Sense abgeschaltet. Es gibt einfach kaum einen Mehrwert im Alltag, im Gegenteil. Fotos, die mit der Quetsch-Geste geschossen werden, verwackeln viel leichter, weil man das Smartphone so nicht komplett ruhig halten kann. In meiner Autohalterung fühlt sich das HTC U11 von den seitlichen Haltern dauer-gequetscht. Edge Sense springt immer wieder unabsichtlich an, wenn man das Smartphone etwas zu hart anfasst. Den Aufwand hätte sich HTC meiner Meinung nach sparen können.

Pro: Sound

Beim Thema Sound hat HTC schon lange viel zu bieten, man denke nur an die Boomsound-Lautsprecher. Beim HTC U11 überzeugt mich vor allem der Klang über das mitgelieferte Headset auf ganzer Linie. Spätestens nach der Anpassung an den eigenen Gehörgang über USonic, die in wenigen Minuten erledigt ist, zaubert der Kopfhörer einen wunderbar warmen und ausgewogenen Klang auf die Ohren. Und das Beste daran: Dank aktiver Geräuschunterdrückung bleibt der störende Lärm rundherum fast komplett draußen. Bequem und federleicht ist das Headset auch noch. Da verzichte ich gerne auf die alte Klinkenbuchse.

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Der Sound des HTC U11 ist überragend. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Contra: Display wacht ständig auf

Am Anfang hat mich das HTC U11 schlicht wahnsinnig gemacht. Das Smartphone ist ständig ungewollt aus dem Standby aufgewacht und hat Aktionen ausgeführt, die ich nicht wollte, etwa Musikstücke übersprungen. Der Touchscreen ist unheimlich sensibel, ebenso der Homebutton, der in der Standardeinstellung bei jedem Kontakt das Display aufweckt. Zum Glück lässt sich dieser Punkt mit zwei Optionen in den Systemeinstellungen einigermaßen beheben. Tap-to-Wake sollte ebenso ausgeschaltet sein wie das Option „Bildschirm aufwecken“ beim Fingerabdrucksensor. Dann bleibt das HTC U11 in aller Regel auch aus, wenn es ausbleiben soll.

Pro: Design Rückseite

Als ich die ersten Bilder des HTC U11 sah, dachte ich noch: „Du liebe Zeit, wie sieht das denn aus?!“. Aber der Eindruck verschwindet schnell, wenn man das U11 in Natura sieht und in die Hand nimmt. Die blaue Version sieht schon richtig schick aus und ist ein echter Hingucker, noch schicker ist das rote HTC U11, das von Rot nach Gold schimmert und einfach toll aussieht. In Zeiten des Smartphone-Einheitsbreis sticht so ein Design aus der Masse heraus und macht Spaß. Allerdings: Ohne Putztuch wird das HTC U11 immer schmierig und irgendwie schmaddelig aussehen.

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Putzen, putzen putzen – und dann wieder putzen. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Contra: Design Vorderseite

Die Vorderseite des HTC U11 finde ich schlicht und einfach langweilig. Schwarzes Glas von oben bis unten, kein Logo, kein Always-on-Display, nur der Homebutton ist leicht abgesetzt. Gut, es gibt Android-Schaltflächen rechts und links des Buttons mit dem Fingerabdrucksensor, aber die sind noch nicht mal mittig in dem breiten Kinn des Smartphones untergebracht, sondern liegen etwas zu tief. Die breiten Rahmen um das Display lassen das HTC U11 von vorne ziemlich altbacken aussehen und passen nicht zu der schicken Rückseite.

Pro: Akku

Der Akku des HTC U11 hat eine Kapazität von 3.000 mAh. Das ist auf dem Papier jetzt nicht übermäßig viel für ein Highend-Smartphone mit 5,5-Zoll-Display und Hochleistungs-Chip. Im Alltag hat mich das HTC U11 aber bei der Ausdauer kein einziges Mal enttäuscht. Es ist ziemlich egal, was man mit dem Smartphone veranstaltet, es gibt einfach nicht auf, bevor abends das Licht ausgeht. Das schafft bei mir nicht jedes Smartphone. Dank Ladegerät mit Quick Charge 3.0 ist der Akku dann auch flott wieder voll.

Contra: Robustheit

Mit Testgeräten geht man mindestens so pfleglich um wie mit den eigenen Sachen, schließlich muss man sie ja wieder zurück geben. Doch ein Smartphone ist natürlich ein Gebrauchsgegenstand, den man nicht immer in Watte packen kann. Da kann auch mal Gebrauchsspuren hängen bleiben, klar. Ein einziges Mal ist mir das HTC U11 im Test aus der Hand gerutscht, und das nur aus Kniehöhe – und trotzdem war direkt das Displayglas gesprungen. Entweder hatte ich hier extremes Pech oder das HTC U11 ist einfach nicht besonders stabil. Immerhin: Kratzer hat das Gehäuse nach wie vor fast keine, weder vorne noch hinten.

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Warum nur ging das Display so schnell in die Brüche? / © NextPit Bildquelle: NextPit

Unentschieden: Kamera

Bei der Kamera kann ich mich einfach nicht zwischen „Pro“ und „Contra“ unterscheiden, und das liegt an meinen persönlichen Vorlieben. Seit dem Aufkommen der Dual-Kameras mag ich es, mit verschiedenen Brennweiten und unterschiedlichen Looks herumzuspielen. Vor allem wenn ich Menschen fotografiere – und das mache ich als Vater zweier kleiner Kinder nun einmal häufig – gefällt mir ein hübscher Bokeh-Effekt, der den Fotos einen natürlicheren Touch verleiht. Auch Tele- oder Weitwinkel-Linsen haben einen großen Charme für mich. All das kann mir das HTC U11 nicht bieten, was ich sehr schade finde.

Andererseits ist die 12-Megapixel-Kamera im HTC U11 in Sachen Geschwindigkeit und Bildqualität für sich genommen wirklich gut. Den Vergleich mit anderen Highend-Smartphones wie dem Galaxy S8 muss das U11 an der Stelle nicht scheuen, HTC kann hier locker mithalten – mindestens. Die Kamera ist also beileibe nicht schlecht, aber mir fehlt eben die kleine Extra-Portion, die Dual-Kameras mitbringen und die mir beim Fotografieren einfach Spaß macht.

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Die Kamera des HTC U11 ist gut, aber mir fehlt eine zweite Linse. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Fazit

Unter dem Strich macht mir das HTC U11 nach wie vor großen Spaß. Die Performance und das schlanke System haben es mir angetan, und der Klang beim Musikhören ist einfach großartig. Die Stärken überwiegen für mich ganz klar die Schwachpunkte des Smartphones. Wenn ich es doch nur nicht fallen gelassen hätte …