Kommen wir gleich zur Sache: Bin ich mit dem Huawei Mate 10 Pro auch nach 100 Tagen noch zufrieden? Ja, meine Erfahrungen sind eher positiver Natur, perfekt ist das Smartphone aber natürlich nicht. Im Folgenden werde ich erläutern, was mir gefallen, was mich genervt und was mich einfach überrascht hat.

Eine exzellente Multimedia-Performance bis ins Detail

Es gibt Smartphones für alle Einsätze und den meisten gelingt es auch, recht vielseitig zu sein. Es steht aber außer Frage, dass sich das Mate 10 Pro vor allem an Multimedia-Fans richtet. Sein großer 6-Zoll-Bildschirm im 18:9-Format macht Videowiedergabe und Spieleinsatz besonders angenehm, und obwohl er nicht die höchste Auflösung auf dem Markt bietet, ist das Erlebnis einfach toll. Die eingesetzten Komponenten sind erstklassig, die Performance reicht auch für die herausforderndsten Spiele. In meinem Test kam es in keinem Spiel zu Lags, auch wurde das Mate 10 Pro nicht auffällig warm, trotz vieler Herausforderungen, denen ich es ausgesetzt habe.

Das Highlight bei Videos oder Spielen sind die Stereolautsprecher: Wenn Ihr das Gerät im horizontalen Modus verwendet, wird der zweite Lautsprecher hinzugeschaltet, um einen besseren Sound zu ermöglichen. Das haben leider nicht viele Smartphones auf dem Markt zu bieten, oftmals finden wir nur einen kleinen Lautsprecher am unteren Rand. Ein weiteres Element, das viele Nutzer zufriedenstellen wird: die große Speicherkapazität. Hinzu kommt sogar noch die sogenannte Easy Projection, die das Mate 10 Pro zum PC-Ersatz verwandelt. Alles nicht unbedingt neu, aber so gut wie nie zuvor.

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Mit der Easy Projection macht Ihr das Smartphone zum PC. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Aber – es muss ja ein “Aber” geben – das Fehlen des Klinkenanschlusses nervt mich mehr, als ich vorher gedacht hätte. Wenn Ihr einen Bluetooth-Kopfhörer Euer Eigen nennt, ist das nicht weiter ein Problem. Bleibt der aber mal zu Hause liegen, wird das Hören von Musik über das Smartphone zum Problem. Vorbei sind die Zeiten, in denen Ihr einfach im Büro irgendwelche Kopfhörer geschnappt habt und sie angeschlossen habt. Es ist ein bisschen wie USB-Typ-C, die Technik entwickelt sich weiter, hat man gerade nicht die passende Hardware griffbereit, nervt es aber. Natürlich ist das auch ein bisschen eine Frage der Gewohnheit.

Kann die künstliche Intelligenz überzeugen?

Huawei legt viel Wert auf die künstliche Intelligenz des Mate 10 Pro. Ein dedizierter Chip, die Neural Processing Unit, wurde entwickelt, um die CPU des Geräts (bis zu 25-mal schneller) und die GPU (bis zu 4-mal schneller) zu unterstützen und gleichzeitig Strom zu sparen. Mit anderen Worten: Euer Smartphone arbeitet schneller. Die NPU soll auch für bessere Ergebnisse bei Fotos und bei der Übersetzungs-App sorgen.

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Aber wie sieht das in der Praxis aus? Der NPU-Chip zeigt im Alltag noch relativ wenig Wirkung, die Fotos sind aber sehr gut (auch wenn mich hier das Pixel 2 mehr überzeugt hat). Und ich muss zugeben, ich bin vom Portrait-Modus wirklich begeistert. Die Kamera ist sicherlich nicht die Schwäche des Mate 10 Pro. Wie groß der Einfluss der NPU im Endeffekt wirklich ist, ist ehrlich gesagt schwer zu sagen.

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Die NPU wirkt sich vor allem auf die Kamera aus. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Ansonsten scheint sich die Situation auf ein einziges Wort zu beschränken: Marketing. Ich habe keinen Zweifel daran, dass dieser Chip da ist, oder dass er alles tut, was Huawei behauptet, aber ich glaube nicht, dass er jeden Tag einen Unterschied macht. Ich habe die Gelegenheit gehabt, viele High-End-Geräte zu verwenden, und ich finde nicht, dass das Mate 10 Pro schneller ist, dass Anwendungen zügiger starten oder von meiner Verwendung lernen. Das mag der Fall sein, aber dann ist der Unterschied so gering, dass er nicht einmal wahrnehmbar ist.

Was die Übersetzungsanwendung betrifft, so ist sie bis auf das Design nicht besser als Google Translation. Natürlich wird sie noch weiter verbessert werden, aber nach dem derzeitigen Stand der Dinge ist sie eher enttäuschend. Die Sprachübersetzung lässt noch mehr zu wünschen übrig.

Ja, ich will es, wohl oder übel

Nicht alles ist perfekt. Das Mate 10 Pro hat auch mal für ein oder andere eher witzige Situation gesorgt. In einem Moment spreche ich noch eine WhatsApp-Nachricht ein, im nächsten wird auf einmal der Bildschirm schwarz und zeigt kurz darauf wieder den Sperrbildschirm an. Ein weiteres Problem: Die Suche nach Einstellungen in EMUI funktioniert nicht immer gut. Ich tippe die gesuchte Einstellung ein, das Mate 10 Pro findet sie aber nicht, obwohl sie ganz klar existiert. Das kann durchaus nerven, und man verliert sich in den Einstellungen. Vor allem bei Features, die Huawei nicht komplett übernommen hat, wie z.B. Smart Lock, kann das für einige Verwirrung sorgen.

Aber genug Kritik, das Mate 10 Pro macht ansonsten einen wirklich guten Job. Die Akkulaufzeit ist nach wie vor vorbildlich, die Kamera schießt gute Bilder, und vieles mehr. Die Vorteile dieses Smartphones überwiegen ganz klar seine Nachteile, Käufer werden die Entscheidung nicht bereuen. Aber wie eigentlich immer gilt: Auch dieses Smartphone ist nicht perfekt.