Der Walkman ist wie Tempo, Tesa und Uhu eines der Produkte, deren Markennamen sich als allgemeine Begriffe etabliert haben. Das am 1. Juli 1979 unter dem Namen TPS-L2 eingeführte Gerät wurde entwickelt, um es Menschen zu ermöglichen, sich beim Hören von Musik von Audiokassetten zu bewegen – eine echte Revolution für die damalige Zeit! Andreas Pavel, der die Idee 1977, zwei Jahre vor der Markteinführung des ersten Walkman, patentierte, war der Vater dieses Gerätes.

Der batteriebetriebene Walkman kann überall hin mitgenommen werden, mit seinen Kopfhörern könnt Ihr Musik hören, während Ihr Sport treibt oder andere Dinge erledigt, für die Ihr Euch bewegen müsst. Verglichen mit dem heutigen Komfort, mit Streaming-Diensten quasi die komplette Musik der ganzen Welt in den Finger zu haben, war eine Kassette natürlich ein Witz: Eine Stunde Musik, verteilt auf zwei Seiten, und um ein Lied zu überspringen, musste man spulen und an der richtigen Stelle wieder Play drücken. Immer wieder verhedderte sich das dünne Magnetband. Was wir früher mit einer Kassette und einem Bleistift machen mussten, werden die jungen Leute von heute gar nicht mehr verstehen.

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Trotz Bedenken ein Erfolg bei der Markteinführung

Die Menschen gingen mit Kopfhörern auf die Straße, und der Walkman war auf einmal sogar gefährlich: Ärzte waren besorgt, der Walkman könnte durch die Dauerbeschallung eine Generation von gehörlosen Menschen hervor bringen. Auch wenn Euch das heute zum Lächeln bringt, ist es wahr, dass das Konzept des persönlichen Musik-Players für unterwegs in seinen Anfängen nicht immer sehr gut angenommen wurde.

Die Jugendlichen liebten das Konzept, denn „alles, was neu ist, ist gut“ stimmte schon damals, und die Möglichkeit, überall Musik hören zu können, ohne das alle mithören, war bis dahin ein ferner Traum. Eltern und einige Angehörige der Gesundheitsberufe, die über den Wandel und seine möglichen Folgen viel verblüffter waren, fanden es schwieriger, die Situation zu akzeptieren. Es dauerte nicht lange, bis sie überzeugt waren, dass der Walkman gefährlich war.

walkman sony
Nach den heutigen Standards wirkt das Design wie aus der Zeit gefallen. / © Sony Bildquelle: Sony

Das Argument an der Spitze der Debatte: Der Walkman kann taub machen. Unerfahrene Jugendliche sehen die Gefahr nicht, so die Argumentation, doch sie könnten taub werden, wenn die Musik zu laut ist, und Unfälle wegen mangelnder Konzentration riskieren. Diese Themen sind auch heute noch relevant, aber der Unterschied besteht darin, dass es inzwischen erwiesen ist, dass dauerhaft zu lautes Musikhören die Qualität des Gehörs beeinträchtigt und zu Gehörlosigkeit (vorübergehend oder dauerhaft) führen kann. Wenn Euch das Thema interessiert, finden Sie hier weitere Informationen.

Auch die Musiker und vor allem die großen Label hatten allerdings Bedenken, denn mit dem Walkman steigerte sich die Verbreitung von Raubkopien auf Kassetten ins Unermessliche. Unter dem Slogan Home Taping Is Killing Music machte sich Protest breit, der den Siegeszug des Walkman aber nicht aufhalten konnte.

Eine fatale technologische Entwicklung im Walkman

Hätten wir solche Musik-Player wie den Walkman also verbieten sollen? Das wäre ein direkter Gegensatz zu unserer konsumorientierten Welt gewesen, in der es am wichtigsten ist, zu verkaufen. Die Verkäufe des Walkman waren extrem gut und er gab den Konkurrenten Ideen: Der Markt entwickelte sich. Die CD- und MP3-Player landeten und veränderten alles. Apple brachte seinen iPod 2001 auf den Markt, und der war ein noch größerer Schlag gegen die Konkurrenz und auch die Musikindustrie. Heute haben unsere Smartphones alles übernommen, was es vorher gab.

Der Walkman, ein mutiger Pionier, ist allmählich verschwunden (2010 gab Sony bekannt, dass die letzte verbliebene Fabrik zur Herstellung von Magnetbandkassetten geschlossen wurde), aber die Marke wird immer noch für die MP3-Player von Sony verwendet. Nach Angaben von Sony wurden weltweit 220 Millionen Walkmans verkauft.

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Parallel zu diesem Verschwinden ist es auch notwendig, die Entwicklung des Musikhörens zu beobachten. Die Walkman-Ära ist vorbei, weil die Ära der Audiodateien auf Geräten vorbei ist. Ja, es gibt immer noch einige Menschen, die lieber Musik herunterladen (normalerweise auf Smartphones), aber meist wird Musik auf Spotify, Deezer, Apple Music oder anderen Plattform gestreamt. Einzelne Lieder herunterladen? Warum?

Der Walkman ist nicht vergessen, im Gegenteil. Er spielt zwar technologisch keine Rolle mehr, aber sein Erbe hält bis heute an. Mit dem Walkman wurde Musik mobil, und das genießen wir noch heute und auch noch lange, lange Zeit. Bis dann, alter Freund.

spotify streaming
Smartphone und Spotify haben den Walkman verdrängt. / © NextPit Bildquelle: NextPit

Habt Ihr noch einen Walkman besessen? Und was hat man mit einem Bleistift und dem Band denn nun angestellt?