Messenger wie WhatsApp, Viber oder Wire können es schon lange: Die Rede ist natürlich von Telefonaten. Mit dem jüngsten Threema-Update startet die Anruffunktion auf Android und iOS – auf Windows Phone sind Threema Anrufe derzeit nicht möglich. 

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Threema Anrufe ausprobiert

Zu finden ist die Anruffunktion im Chatfenster eines Kontakts. Eine eigene Anrufliste gibt es nicht. Der Verbindungsaufbau erfolgt sehr schnell, es vergeht kaum eine Sekunde zwischen Rufaufbau und dem Klingeln beim Angerufenen.

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Threema Anrufe / © Screenshots: nextpit Bildquelle: Screenshots: NextPit

Threema betont vor allem die hohe Sprachqualität in Verbindung mit Sicherheit. Eine Lösung für schwache Netzversorgung ist nicht implementiert – die Audioübertragung erfolgt fest mit 96 kBit/s; also mehr als nach einer Drosselung üblich. WhatsApp beispielsweise will auch bei schlechter Netzversorgung eine gute Anrufqualität liefern. Der eingesetzte Opus-Codec, wie er auch in Skype verwendet wird, sorgt für eine sehr gute Sprachübertragung. In unserem Test war die Qualität beachtlich. Offenbar wird ein breites Frequenzspektrum übertragen, sodass Stimmen viel natürlicher wirken als bei klassischen Telefonaten.

Beim Wechsel von LTE ins WLAN wird die Verbindung neu aufgebaut – eine direkte Übergabe fand zumindest in unserem Test nicht statt; in WhatsApp Calls ist das möglich. Zwingen wir eines der Smartphones ins 2G-Netz, so erfolgt die Steuerung der Anrufe unzuverlässig und ein Gespräch ist nicht möglich – Latenzen von rund 10 Sekunden traten auf.

Wer Threema Anrufe nicht nutzen möchte, kann sie in den Einstellungen (Privatsphäre > Threema Anrufe) deaktivieren. Hier lässt sich auch festlegen, ob die Anrufe über einen Threema-Server laufen sollen oder ob eine direkte Verbindung hergestellt wird. Letzteres soll für geringere Latenzen sorgen, ersteres versteckt die eigene IP-Adresse vor dem Gesprächspartner.

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Threema Anrufe: Neue Optionen / © Screenshots: nextpit Bildquelle: Screenshots: NextPit

Hintergrund: So funktionieren Threema Anrufe

Threema verwendet für die Anruffunktion den Webstandard WebRTC, der zum Echtzeitaustausch von Daten dient. Singalisierungsnachrichten verschickt Threema über das eigene Nachrichtenetzwerk, das Ende-zu-Ende verschlüsselt. Als Verschlüsselung der Anrufe kommt SRTP mit AES zum Einsatz.

Um die Audiodaten zu komprimieren, hat sich Threema für den Opus-Codec entschieden. Opus ist für Echtzeitanwendungen wie Sprachübertragung optimiert. Im Falle von Threema wird er mit einer festen Bitrate eingesetzt, damit anhand des Datenstroms keine Rückschlüsse auf Gesprächsinhalte möglich sind. Threema nennt einen Datenverbrauch von 750 bis 800 Kilobyte pro Minute – der Codec ist also auf ungefähr 48 kBit/s in jede Richtung eingestellt. Weil Threema eine Sampling-Frequenz von 48 kHz verwendet, ist die Audioübertragung qualitativ sehr gut.

Fazit: Threema Anrufe überzeugen

Threema hat sich bei der Konzeption der Threema-Anrufe nicht mit der Frage aufgehalten, wie diese wohl bei Edge-Empfang funktionieren. Vielmehr ist die Idee, sichere Anrufe zu tätigen. Sicher heißt in diesem Fall nicht nur Verschlüsselte Anrufe, sondern auch anonyme: Für Threema Anrufe ist keine Registrierung mit einer Rufnummer notwendig. Qualitativ sind Threema Anrufe sehr gut und es bedarf keiner weiteren Plug-ins, um diese freizuschalten.

Habt Ihr Threema aktiv im Einsatz? Was sind Eure Eindrücke der neuen Anruffunktion? Lasst es uns und andere Leser im Kommentarbereich wissen.


Dieser Artikel entstand als Zusammenarbeit zwischen Eric und Hans-Georg.