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Oppo Find X2 Pro im Kamera-Test: Meister aller Schnappschüsse

Oppo Find X2 Pro im Kamera-Test: Meister aller Schnappschüsse

Bitte wer? Obwohl sich der Mutterkonzern BBK anschickt, weltgrößter Smartphone-Hersteller zu werden, ist Oppo hierzulande noch wenig bekannt. Das Find X2 Pro konnte Shu bereits im Praxistest begeistern, nun folgt unser ausführlicher Kamera-Test.

Mega-Telezoom, Mega-Weitwinkel, Mega-Megapixel: Das Wetteifern um die besten Specs bei Kameras wird immer verrückter. Gleichzeitig sind immer komplexere Algorithmen erforderlich, um den teilweise chaotischen Kamerasetups Herr zu werden. Im Vergleich zu manch einem Konkurrent setzt OPPO beim Find X2 Pro auf eine noch relativ schlichte Dreifach-Kamera, die aber auch ihre Tücken mit sich bringt. 

Die gute Nachricht zuerst: Die Kamera im OPPO Find X2 Pro ist hervorragend und lässt in vielen Bereichen auch die bildgebenden Systeme teurerer Konkurrenten hinter sich. Neben natürlich der Bewertung der Bildqualität stellen wir uns in diesem Testbericht die Aufgabe, Euch die Besonderheiten der Kamera zu erklären und das Marketing-Gewäsch des Herstellers zu entwirren. 

Spoiler: Die Native-Dual-ISO mag Euer Wissen über Kameras in den Grundfesten erschüttern.

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Das OPPO Find X2 Pro bietet einen 60-fachen Digitalzoom. Mehr als eine fünf- bis zehnfache Vergrößerung solltet ihr dem kleinen Telesensor aber nicht zumuten. / © NextPit

Das Kamera-System im Überblick

Drei rückseitige Kameras für Ultra-Weitwinkel, Weitwinkel und 5x-Tele, eine Selfie-Knipse: Das OPPO Find X2 Pro verzichtet auf unnötigen Chichi wie Tiefensensoren oder 2-Megapixel-Makrokameras, die bestenfalls dem Datenblatt und eifrigen Geizmarkt-Verkäufern helfen. 

Kameras im OPPO Find X2 Pro

Ultra-Weitwinkel-Kamera 48 Megapixel 1/2 Zoll F2.2 Sony IMX586
Hauptkamera 48 Megapixel 1/1,43 Zoll F1.7 Sony IMX689
5x-Telezoom-Kamera 13 Megapixel 1/3,44 Zoll F3.0
Selfie-Kamera 32 Megapixel 1/2,8 Zoll F2.4 Sony IMX616

Die Stärken des Find X2 Pro sind ganz klar bei niedrigen Brennweiten zu erwarten: Hier finden sich zwei große Sensoren, die eine gute Bildqualität versprechen. Die Telekamera hingegen fällt mit dem winzigen Sensor jedoch deutlich ab – und gehört vermutlich eher in die Gimmick-Schublade. 

Hauptkamera

Die Hauptkamera im OPPO Find X2 Pro wird vom Exmor IMX689 befeuert. Neben der durchs 1/1,43-Zoll-Format gegebenen üppigen Fläche hat der Sony-Sensor ein paar spannende Eigenschaften. Je nach Aufgabe nutzt der Sensor die vollen 48 Megapixel oder viertelt branchenüblich auf 12 Megapixel.

Das Umschalten zwischen 48 und 12 Megapixel geschieht manuell in der Kamera-App. Standardmäßig sind 12 Megapixel ausgewählt, und dabei könnt ihr es auch getrost belassen. Der spürbarste Unterschied betrifft die in Richtung 48 Megapixel rund verdreifachte Dateigröße. Unterm Strich werte ich das eher für die 12-Megapixel-Aufnahmen als gegen die 48-Megapixel-Bilder. Die Detailwiedergabe ist bei guten Lichtverhältnissen ebenso ausgezeichnet wie die Farbwiedergabe. Die Fotos gelingen farbenfroh und lebendig, ohne die Farben jedoch so sehr zu überdrehen wie manch ein Marktbegleiter. Probleme mit Farbstichen oder fehlerhaftem Weißabgleich konnte ich im Testzeitraum nicht beobachten.

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„Punchy“, aber nicht überdreht: Das Oppo Find X2 Pro liefert sehr schöne Fotos mit lebendigen, aber nicht überdrehten Farben. / © NextPit

Die HDR-Automatik arbeitet zuverlässig. Probleme mit Artefakten konnte ich nicht beobachten. In diesem Punkt ist OPPO der 108-Megapixel-Konkurrenz deutlich voraus – die Algorithmen scheinen einfach besser zu funktionieren. Bei nicht einmal der halben Pixelzahl sind die Ansprüche auch deutlich geringer.

Ein Wort noch zum Sensor: Die mit dem großen Format verbundene höhe Realbrennweite des Objektivs sorgt für eine geringe Schärfentiefe. Auf der Sonnenseite steht dann ein sanftes optisches Bokeh bei Nahaufnahmen, das den gerenderten Hintergrundunschärfen immer noch voraus ist. Allerdings: Kontrastreiche Übergänge nah an der Schärfebene fransen gerne halo-artig aus. 

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Kontrastreiche Details gerade außerhalb der Schärfeebene wirken seltsam ausgefranst, schön zu erkennen beim Sesam links oben auf dem Brötchen. Im linken Teilbild ist übrigens der AI-Farbbooster deaktiviert, rechts ist er eingeschaltet. / © NextPit

Bei schwächeren Lichtverhältnissen schließlich verlieren die im Standardbetrieb geschossenen Fotos des Oppo Find X2 Pro vergleichsweise schnell an Details, Kontrast und Schärfe. Der einigermaßen flotte Nachtmodus verbessert die matschigen Ergebnisse enorm, will aber immer händisch aktiviert werden. Probleme mit Bewegungsartefakten sind beim Nachtmodus selten, kommen bei schnell bewegten Motiven aber durchaus mal vor. 

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Mehr Kontrast, bessere Details. Der aktivierte Nachtmodus (rechts) verbessert die Bilder enorm. / © NextPit

100-Prozent-Pixelfokus

Die zuvor erwähnte Viertelung der Auflösung geschieht mittels Sonys Mikrolinsen-Technologie namens 2x2 OCL. Das bedeutet, dass über jedem einzelnen der 48 Millionen Bildpunkte auf dem Sensor eine eigene Mikrolinse sitzt – obwohl der Bayer-Filter selbst nur 12 Megapixel auflöst. Der Kunstgriff mit den zahlreichen Mikrolinsen ermöglicht es, bei jedem Pixelquartett einen horizontalen wie vertikalen Phasenvergleich durchzuführen. Der Sensor verfügt somit über einen flächendeckenden Phasenvergleichsautofokus mit mehreren Millionen Kreuzsensoren.

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Der Autofokus im Oppo Find X2 Pro ist – pardon my French – sackschnell! / © NextPit

Das Ergebnis beeindruckt: Im Foto- wie im Videomodus stellt die Kamera schärfer scharf als man gucken kann. Im Testzeitraum trat – zumindest bei der Weitwinkel-Kamera – keine einzige Fehlfokussierung auf. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen arbeitet der Autofokus herausragend gut. 

Bei Portrait-Fotos leistet das OPPO Find X2 Pro gute Dienste. Candid-Fotos profitieren von dem enorm schnellen Autofokus. Als Vergrößerungen bietet OPPO hier „1x“ und „2x“ an – beide Portrait-Brennweiten nutzen die Hauptkamera. Dank der üppigen Sensorfläche und den Auflösungsreserven ist dieser digitale Zweifachzoom kein Problem. Die Wiedergabe von Hauttönen ist akkurat.

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Auch bei zweifachem Digitalzoom ist die Detailwiedergabe noch gut – ausreichend Auflösung und Sensorfläche sei Dank. Die Bokeh-Freistellung ist branchenüblich gut, kommt hier allerdings bei der Gesichtsmaske ins Schwimmen. / © NextPit

Statt den Nutzer die Intensität des obligatorischen Bokeh-Effekts per willkürlicher Blendenzahl anpassen zu lassen, zeigt OPPO eine Prozentskala an. Die Werkseinstellung liegt bei 60 Prozent und liefert dezente, aber schöne Ergebnisse wie im Bild über diesem Absatz zu erkennen ist. Schade finde ich allerdings, dass die Intensität des Bokeh-Effekts nachträglich nicht mehr anpassbar ist.

12-Bit-Aufnahme

OPPO bewirbt das Find X2 Pro schließlich noch stolz damit, dass es als erstes Smartphone eine 12-Bit-Aufnahme unterstützt. Diese Farbtiefe beschreibt, wie viele Helligkeitsnuancen jeder einzelne Farbkanal unterscheiden kann. Bei den für JPEGs festgeschriebenen 8 Bit sind das 2⁸, also 256 Nuancen. 10 Bit entsprechen dann 1.024, und 12 Bit 4.096 Helligkeitsstufen. 

Gehen bei der wahlweise menschlichen oder algorithmusgetriebenen Bildverarbeitung die Helligkeitsstufen aus, sind bei feinen Farbverläufen sogenannte Banding-Effekte zu sehen, also klare Abgrenzungen zwischen einzelnen Farben. In der Praxis tritt dieses Problem vor allem bei extrem feinen Farbverläufen auf, etwa bei blauem Himmel. Wenn man bei heutigen Smartphones Banding-Effekten begegnet, ist das aber eher ein Algorithmus- denn ein Sensor-Farbtiefe-Problem – das Xiaomi Mi Note 10 beispielsweise hat im Kamera-Test gerne mal unschöne Ränder gezogen. 

Für diesen Test habe ich Vergleichsfotos in RAW mit dem Xiaomi Mi Note 10 (Samsung Isocell Bright GW1) und dem OPPO Find X2 Pro (Sony Exmor IMX689) geschossen. Mit gleicher Belichtung, identischer RAW-Verarbeitung und gleichen, extrem destruktiven Kontrasteinstellungen ist kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Smartphones festzustellen. 

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Mit ausreichend Kontrast bekommt man den sanften Farbverlauf im Himmel (Mitte) auch bei RAW-Fotos schön kaputt. Allerdings hat das Find X2 Pro hier nicht mehr Reserven als der 108-Megapixel-Sensor im Xiaomi Mi Note 10. / © NextPit

Dual Native ISO

Zu guter Letzt hätte noch die „doppelte native ISO-Empfindlichkeit“ gute Chancen darauf, die nächste Feature-Sau zu werden, die von Marketing-Abteilungen durchs Dorf und rund um den Globus getrieben wird – wäre es nur nicht so kompliziert, sie ähnlich plakativ zu erklären wie eine gigantische Megapixel-Zahl. Dabei hat das Feature an sich seine Berechtigung und ist nicht zu unrecht schon länger bei High-End-Kameras zu finden.

Vereinfacht gesagt gibt eine Duale Native ISO-Empfindlichkeit dem Nutzer beziehungsweise der Kamera die Möglichkeit an die Hand, extrem helle und dunkle Bildbereiche flexibler und mit besserer Detailausbeute aufzunehmen. Allerdings müssen Mensch respektive Algorithmus die Möglichkeiten auch zu nutzen wissen. 

Grundsätzlich nimmt bei Kameras mit steigender ISO-Einstellung bis zu einem gewissen Grad die Detailwiedergabe in hellen Bildbereichen zu. Der Grund dafür ist, dass die zunehmend stärkere Signalverstärkung in der Bildverarbeitung die Position des Graupunkts im Dynamikumfang nach unten verschiebt. Schaltet eine Dual-ISO-Kamera nun von der niedrigeren auf die höhere native ISO-Empfindlichkeit um, sollte ein abrupter Detail-Abfall in den hellen Bildbereichen auftreten, da der Graupunkt im Dynamikumfang nach oben springt. 

BlackMagic dual iso dynamic range characteristics
Dieses Bild zeigt den Dynamikumfang der Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K über die verschiedenen ISO-Werte hinweg. Beim Umschalten auf den höheren nativen ISO-Wert ist im Dynamikumfang auf einmal weniger Platz für helle Bildinformationen. / © NextPit

Es war mir im Test leider nicht möglich, dieses Phänomen zu provozieren. Womöglich ist aber im manuellen Modus auch kein Zugriff auf beide ISO-Empfindlichkeiten möglich. Wir bleiben der doppelten Empfindlichkeit aber auf der Spur – vermutlich wird uns das Thema in den nächsten Monaten häufiger über den weg laufen. Wie eingangs angedroht: Am Ende dieses Kamera-Tests findet Ihr noch einen etwas ausführlicheren Exkurs zum Thema ISO und Dual Native ISO.

Ultra-Weitwinkel-Kamera mit großem Sensor

Vergesst die kleinsensorigen Panorama-Kameras, mit denen LG den Ultra-Weitwinkel-Trend bei Smartphones vor wenigen Jahren startete. Im Find X2 Pro steckt mit dem Sony IMX586 ein 48-Megapixel-Sensor im 1/2-Zoll-Format. Nur zur Erinnerung: Der Chip stellte im hierzulande 2019 vorgestellten Honor-Flaggschiff View 20 noch die Hauptkamera.

Den vom Hersteller beworbenen Bildwinkel von 120 Grad erreicht das OPPO Find X2 Pro allerdings nicht. Mit einem Crop Factor von 5.41 beim IMX586 und einer Brennweite von 3,05 Millimetern laut EXIF landen wir rechnerisch bei 16,5 Millimetern Äquivalent-Brennweite – oder 105,3 Grad. Und auch im direkten Vergleich mit den Ultra-Weitwinkel-Fotos aus dem Galaxy S20 Ultra zeigt sich: Samsung ist breiter.

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Gleiches Motiv, unterschiedlicher Zeitpunkt: Das Samsung Galaxy S20 Ultra knipst mit echten 120 Grad Bildwinkel breiter als das Oppo Find X2 Pro. / © NextPit

Unterm Strich sorgt die weite Perspektive in Kombination mit den technischen Voraussetzungen dennoch für Spaß. Wie bei der Hauptkamera ist die Farbwiedergabe bei Tageslichtfotos sehr gelungen. Der Dynamikumfang fällt einen Hauch geringer aus, sodass es eher mal zu ausgefressenen Highlights kommt. Zudem wirken die Farben etwas gesättigter. Die Bilder der beiden Module sind sich ähnlich genug, um die Ergebnisse des OPPO Find X2 Pro wie aus einem Guss wirken zu lassen.

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Der große Bildwinkel der Ultra-Weitwinkel-Kamera macht Spaß. Allerdings neigen die Bilder zu ausgefressenen Details. / © NextPit

Der vergleichsweise große Sensor schlägt sich auch bei schlechten Lichtverhältnissen überdurchschnittlich gut. Zwar bauen dunkle Bildbereiche langsam an Rauschen auf. Doch die Farben bleiben weitgehend stabil und die Detailwiedergabe ist immer noch gut. Im direkten Vergleich mit der Hauptkamera ist nur bei feinen Texturen ein Vermatschen sichtbar. 

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Hier ist jeweils eine Ausschnittsvergrößerung von der Weitwinkel- (links) und der Ultra-Weitwinkel-Kamera (rechts) zu sehen. In den Bäumen vermatschen die Details bei der Ultra-Weitwinkel-Kamera schneller. / © NextPit

Zu guter Letzt fungiert das Ultra-Weitwinkel-Modul noch als Makrokamera. Die praktische Umsetzung des Makro-Modus ist jedoch etwas wirr. Nähert man sich dem Motiv immer weiter, schaltet die App ab etwa zehn Zentimetern Entfernung automatisch auf das Ultra-Weitwinkel-Modul um, was bei der geringen Entfernung den Blickwinkel deutlich verändert. Zudem bin ich persönlich kein großer Fan von Ultra-Weitwinkel-Makros, da der Hintergrund wenig komprimiert und vergleichsweise scharf abgebildet ist. Immerhin: Im manuellen Modus spart sich OPPO das Hin- und Hergespringe.

Telezoom-Kamera: viel Zoom, wenig Sensor

Während Ultra-Weitwinkel- und Weitwinkel-Kamera große Sensoren aufweisen, sitzt hinter dem Periskop der Telezoom-Kamera ein winziger Sensor. Der 1/3,44 Zoll kleine Chip bietet im Vergleich mit dem Sony IMX586 im Ultra-Weitwinkel-Modul weniger als die halbe Fläche für einfallendes Licht. Nur zur Erinnerung: Samsung setzt bei seiner Telekamera des S20 Ultra auf ebendiesen IMX586.

Während OPPO die Brennweite nicht verrät und nur von einem 10x-Hybrid-Zoom spricht, lässt sich die Brennweite grob errechnen: Der Crop-Factor des 1/3,44 Zoll kleinen Sensors liegt bei ungefähr 8,25. Multipliziert mit der Realbrennweite von 15 Millimetern aus den EXIF-Daten ergibt dies eine Kleinbild-Äquivalent-Brennweite für die Periskop-Kamera von 123,75 Millimetern. Das entspricht gegenüber der Hauptkamera mit rund 25 Millimetern Brennweite einem fünffachen optischen Zoom, der Rest ist digitaler Zoom.

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Diese beiden 5x-Zoom-Fotos aus dem Find X2 Pro und dem Galaxy S20 Ultra entstanden zwar zu unterschiedlichen Tageszeiten. Dennoch ist bei den Detailvergrößerungen ein deutlicher Unterschied hinsichtlich der Bildqualität zu erkennen. / © NextPit

Bei guten Lichtverhältnissen liefert der Telezoom akzeptable Bilder, die mit dem für Smartphones bis vor kurzem undenkbaren Bildwinkel begeistern. Ja, ich höre Euch Fans von Galaxy S4 Zoom & Co. da draußen, aber mal ehrlich: Smartphone-Telezooms sind erst seit rund einem Jahr im Massenmarkt angekommen. Auf jeden Fall sehen die Schönwetter-Tele-Fotos aus dem Find X2 Pro bei kleinerer Betrachtung brauchbar aus und dürften selbst in Form kleinformatiger Abzüge noch schön aussehen.

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Die Lichtverhältnisse bei Sonnenuntergang haben noch für ISO 200 gereicht. Bei ausreichend Licht lassen sich mit der Telekamera im Find X2 Pro schöne Fotos zaubern, hier mit Blick auf den Berliner Fernsehturm. / © NextPit

Bei schlechten Lichtverhältnissen bricht die Qualität der Telekamera erwartungsgemäß ein. Die Fotos werden dann derart schnell matschiger, dass sich das Find X2 Pro unterhalb einer bestimmten Helligkeit zu einem außergewöhnlichen Schritt entscheidet. Statt mit der Telekamera fotografiert das Smartphone irgendwann wieder mit dem Hauptsensor und zoomt digital ins Bild hinein. Die Ergebnisse sind erwartungsgemäß sehr dürftig. In jedem Fall profitiert die Bildqualität enorm vom Nachtmodus, der jedoch auch hier manuell aktiviert werden möchte. Tut es!

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Warum? Mit wenigen Sekunden Abstand hat sich das Find X2 Pro bei diesem Motiv einmal für die Telekamera und einmal für den Hauptsensor als Datenquelle entschieden. Die Telekamera hat ihren Job bei fünffacher Zoom-Einstellung deutlich besser gemacht. / © NextPit

Teilweise geschieht das Umschalten zwischen Haupt- und Telekamera auch beim gleichen Motiv. Das Foto der Telekamera mag hier nicht besonders gut sein, doch das Umschalten auf den 48-Megapixel-Chip verschlimmbessert das Ergebnis. Die EXIF-Daten verraten, mit welchem Sensor das Find X2 Pro schießt.

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Egal ob mit 5x-Linse oder digital vergrößertem Bild vom Hauptsensor: Der Nachtmodus hilft bei Teleaufnahmen mit dem Find X2 Pro deutlich! / © NextPit

Selfie-Kamera

Die Frontkamera quetscht viele Pixel auf wenig Platz: 32 Megapixel sind es, die sich den 1/2,8 Zoll großen Sensor teilen. Obwohl es sich beim Sony IMX616 ebenfalls um einen Sensor mit Quad-Bayer-Pattern handelt, gibt Oppo die vollen 32 Megapixel aus – statt auf 8 Megapixel zu Vierteln. 

Bei guten Lichtverhältnissen gelingen die Selfies grundsätzlich schön und farbenfroh, rauschen bei vergrößerter Betrachtung aber selbst bei Tageslicht. Entsprechend ist auch der Detailgrad der Aufnahmen bei Weitem nicht so gut wie es die Auflösung versprechen mag.

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Vorher-Nachher-Selfie zum ersten eigenen Haarschnitt zu Hause. Wie das restliche Kamerasystem bildet auch die Selfie-Knipse im Find X2 Pro Hauttöne und Farben schön ab. An den roten Augen trägt OPPO keine Schuld – das ist der Heuschnupfen. / © NextPit

Bei schlechteren Lichtverhältnissen nimmt das Bildrauschen dann schnell zu. Für die üblichen Selfie-Destinationen Instagram, Facebook & Co. ist die Qualität aber allemal zufriedenstellend. Habt ihr mit den Fotos größeres vor, solltet Ihr aber lieber eine der rückseitigen Kameras verwenden.

Fazit

Das OPPO Find X2 Pro hat eine seiner Preisklasse angemessen gute Kamera, die über weite Strecken nicht zuletzt dank des exzellenten Autofokus-Systems wirklich Laune macht. Die Fotos der beiden Weitwinkel-Kameras gelingen ausgezeichnet und wirken wie aus einem Guss. Mir persönlich gefällt die im Vergleich zu vielen Konkurrenten (Samsung, hust) die akkurate Farbwiedergabe.

Allerdings sind auch zwei Spaßbremsen unterwegs: Erstens stört das etwas hakelige Verhalten beim Überschreiten der Naheinstellgrenzen von Tele- und Weitwinkel-Kamera. Und zweitens ist die Telekamera so schwachbrüstig, dass sie teilweise einfach durch den Hauptsensor ersetzt wird. Das Verhalten der Kamera ist hier leider nicht immer ganz schlüssig.

Wer aber hauptsächlich mit den beiden Weitwinkel-Modulen fotografiert und vom Zoom nicht zu viel erwartet, findet dafür im Oppo Find X2 Pro eines der derzeit besten Kamerasysteme am Markt. 

Mit welcher Kamera abseits der Hauptkamera fotografiert Ihr am meisten?
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Exkurs: ISO-Empfindlichkeit und Dual-Native-ISO

Fangen wir bei ISO an – beziehungsweise der Empfindlichkeit: Die einzelnen Silizium-Kristall-Pixel auf jedem Bildsensor liefern bei Belichtung zunächst ein analoges Signal, dessen Spannung von der eingefallenen Lichtmenge abhängt. Dieses Signal läuft nun als allererstes durch einen analogen Verstärker. Von den Pixeln und dem Gain dieses Hardware-Verstärkers hängt nun maßgeblich die native Empfindlichkeit des Sensors ab. 

Anschließend läuft das Signal durch einen Analog-Digital-Wandler und wird in den digitalen Bildverarbeitungsprozessen der Computational Photography nach Belieben verhackstückt. Anpassungen der Empfindlichkeit jenseits der Analog-Digital-Wandlung verschieben nun lediglich den sogenannten Gain, ändern aber nicht die Empfindlichkeit des Sensors selbst. Die Folge sind selbst für Kamera-Profis wenig intuitive Entwicklungen, was die Bildqualität bei verschiedenen ISO-Werten angeht.

BlackMagic dual iso dynamic range characteristics
Zur Illustration auch hier noch einmal die Grafik von oben. / © NextPit

Die Blackmagic Pocket Cinema 4K beispielsweise hat zwei verschiedene native Empfindlichkeiten. Über ISO 1000 schaltet die Kamera um von niedrig auf hoch. Das vom Hersteller ausgegebene Diagramm zeigt deutlich, dass ein Anpassen der ISO-Werte nicht den Dynamikbereich, sondern lediglich den Graupunkt (Übergang zwischen Blass- und Dunkelgelb) verschiebt – und damit eine Umverteilung der Bildinformationen bei konstantem Dynamikbereich bewirkt. 

Wie sich aus dem obigen Diagramms erschließt, erweitert eine zusätzliche, zweite Empfindlichkeit – erreicht durch eine zusätzliche analoge Gain-Schleife im Sensor vor dem Analog-Digital-Wandler – den Einsatzbereich von Kameras. Wie bei Dual-ISO-Profikameras gilt jedoch auch bei der Bildverarbeitung im Smartphone: Die technischen Möglichkeiten muss man auch zu nutzen wissen.

Beispiel: ISO 1000 eignet sich bei der Blackmagic Pocket Cinema 4K besser, um Motive mit vielen hellen Details abzubilden – im helleren Spektrum oberhalb des 18-Prozent-Neutral-Graupunkts sind einfach viel mehr Informationen vorhanden. Folglich ist die Detailwiedergabe für helle Details bei ISO 1000 mit 5,3 gegenüber 2,0 Lichtwerten Umfang deutlich besser als bei ISO 100. Andersherum eignet sich ISO 100 deutlich besser für das Einfangen von Nachtszenen beziehungsweise Low-Key-Material, was aber eher für ein szenisches Arbeiten am Filmset relevant ist.

Was wir gemeinhin als ISO-Empfindlichkeit verstehen rührt von einem etwas weiter hergeholten Vergleich zur analogen Fotografie her, der aber mehr und mehr an Sustanz verliert – und absehbar im Zeitalter der Computational Photography ohnehin so obsolet wäre wie ein Choke im Tesla Model 3. 

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