Honor 9X Pro: Sprung ins kalte Wasser

Update: Jetzt verfügbar
Honor 9X Pro: Sprung ins kalte Wasser

Das Honor 9X Pro ähnelt äußerlich einigen seiner Vorgänger und Geschwistern der Marken Honor sowie Huawei. Modernisierte Ausstattung und der 7-nm-Chipsatz versprechen hohes Arbeits- und Spieltempo. Die Triple-Kamera weckt Hoffnung auf gute Fotos. Leider befindet sich die Software noch nicht in einem konkurrenzfähigen Zustand.

Bewertung

Pro

  • Tolles, randloses Display
  • Lange Akkulaufzeit
  • Hohe Rechenleistung
  • Gute Kameras

Contra

  • Google-Dienste unvollständig ersetzt
  • Benachrichtigungs-System defekt
  • Grafikfehler
  • Beta-Feeling

Honor 9X Pro: Preis und Verfügbarkeit

Der Honor 9X Pro ist seit 16. April 2020 im Online-Shop bei Honor zur UVP von 249,90 € erhältlich. Für diesen Preis erhaltet Ihr die Version mit 6 GByte RAM und 256 GByte internem Speicher. Jene Ausstattung ist in dieser Preisklasse unüblich gut.

Dem Pressemuster lag kein Headset für den vorhandenen Klinkenanschluss bei. Das mitgelieferte Typ-C-Ladegerät liefert lediglich zehn Watt.

Bekanntes Design

Das Design des Honor 9X Pro ähnelt dem des Honor 9X (Test) zum Verwechseln. Einzig der Fingerabdrucksensor verrät die Geräte: Das Honor 9X Pro trägt ihn seitlich im Power-Button; beim normalen 9X befindet er sich auf der Rückseite. Das spiegelglatte Glas auf Vorder- und Rückseite nennt Honor "3D Dual Curved Glas". In unserem violetten Pressemuster erzeugt es neben einem Farb-Gradienten auch eine kreuzförmige Reflexion – ein wahrer Hingucker.

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Durch gekonnten Schliff entsteht eine blendende Reflexion am Rücken des 9X Pro. / © NextPit

Mit 6,6 Zoll ist das 9X Pro zweifelsohne ein ziemlich großes Smartphone. Das Gewicht von 206 Gramm trägt sein Übriges zu diesem Eindruck bei. Hinzu kommt, dass es durch die glatte Oberfläche ständig aus der Hand zu gleiten droht. Eine Schutzhülle oder wenigstens ein gummierter, transparenter Bumper wäre schön gewesen, lag aber zumindest dem Muster nicht bei.

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Der Fingerabdrucksensor befindet sich im Honor 9X Pro auf der rechten Seite im Power-Button. / © NextPit

Während eine IP-Zertifizierung (Schutz gegen Wasser und Staub) fehlt, gibt Honor auf der Produktseite Details zu seinen Qualitätstests bekannt. Daraus geht leider nicht hervor, inwieweit das Gerät gegen Stöße oder Kratzer geschützt ist. Im Falle eines Problems gibt es erfahrungsgemäß schnellen und günstigen Support entweder vor Ort in einem der Service-Center (Berlin und Düsseldorf) oder per Post.

Display gleichbleibend super

Als Display verbaut Honor ein 6,59-Zoll-IPS-LCD, das dank einer Screen-to-Body-Ratio von 92 Prozent als FullView-Display bezeichnet wird.  Die Auflösung liegt bei 2.340 x 1.080 (391ppi). Dies ist im Wesentlichen genau die gleiche Anzeige, die wir beim Vorjahresmodell gesehen haben. Im Test des Honor 9X sagte unser Redakteur Julius, dass starke Farben, Helligkeit und ein guter Blickwinkel überzeugen, und all das gilt auch heute noch. Es gibt also nicht viel Neues zu sehen, was die Anzeige betrifft. Ich bin immer noch ein Fan von Pop-Up-Kameras, allerdings nur deshalb, weil sie dem Display die mittlerweile veraltete Notch ersparen.

Wo ist der Play Store?

Auch zum Testzeitpunkt April 2020 läuft auf dem Honor 9X Pro noch EMUI 9.1 auf Basis von Android 9. Auf der Vorstellungs-Event im Februar hieß es noch, man werde das Gerät später mit Android 10 ausliefern. Das EMUI-10-Update ist jedoch bis zum Erscheinen dieses Artikels noch nicht auf unserem Pressemuster ausgeliefert worden. Doch dies hätte das größte Manko der Software nicht behoben.

AndroidPIT honor 9x pro app gallery
AppGallery und App-Suche (bislang exklusiv für das Huawei P40) sollen den Play Store (eines Tages vielleicht) ersetzen. / © NextPit

Auf diesem wie auf allen anderen wirklich-neuen Honor-Geräten (und auch Huawei-Geräten) finden wir keine Google-Dienste mehr vor. Honor will das Problem mit Huaweis AppGallery lösen. 

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Honor warnt Euch vor dem Kauf, dass Google-Dienste und viele Apps fehlen werden. / © NextPit

In der Praxis werden die meisten von Euch ihre Apps mit dem Tool Phone Clone vom alten Handy aufs Honor 9X umziehen. So könnt Ihr Eure alten Apps mitsamt ihren Einstellungen auf dem neuen Smartphone weiter benutzen. Dass das jedoch nicht immer funktioniert, warum das so fehleranfällig ist und das keine langfristige Lösung ist, erkläre ich in einem separaten Artikel.

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Das ganze gute Potenzial des Honor 9X Pro zerschellt am fehlenden Play Store. / © NextPit

In der Kurzfassung heißt das: Das oftmals auf Googles Firebase basierende Benachrichtigungssystem in Apps funktioniert nicht, sodass die Apps entweder schon beim Start abstürzen oder Euch niemals über neue Nachrichten/E-Mails/Mitteilungen benachrichtigen. Das aggressive Energie-Management (unten) killt dann noch die letzten Hintergrundprozesse, die ein alternatives Benachrichtigungs-System aufrechterhalten wollten. Damit herrscht verdächtige Stille mit einem Honor 9X Pro; weil Ihr einfach alles verpasst: eBay-Auktionen, Slack-Nachrichten, Konto-Aktivitäten, Tweets, Termine aus dem Google-Kalender … alles außer E-Mails!

Mittelfristig müsst Ihr die AppGallery noch mit weiteren Play-Store-Alternativen ergänzen. Langfristig müsst Ihr Euch vom Play Store und Euren dort getätigten (In-App-)-Käufen verabschieden, denn diese werden voraussichtlich nicht mehr auf dem Honor-Smartphone funktionieren – nicht auf offiziellem Wege.

Falls Ihr beruflich oder persönlich stark von Google-Diensten abhängig seid, gibt es etliche Ausweichmöglichkeiten. Dann könnt Ihr trotzdem Gmail, Google Maps, Hangouts, Meet, Google-Kalender und Co. nutzen. Auch dies erklären wir in einem separaten Artikel.

Die Kirin 810 ist ein 7-nm-SoC für knappe Budgets

Leistung ist einer der Hauptbereiche, auf die sich Honor hier konzentriert hat. Der neue Chipsatz ist der hauseigene HiSilicon Kirin 810. Der Herstellungsprozess schrumpft von 12 nm auf 7 nm; schließt also auf zu Top-Ligisten wie Qualcomm Snapdragon 865, Apple A13 Bionic oder HiSilicon Kirin 990.

Huawei gönnt dem Kirin 810 eine deutlich aufgebohrte GPU; konkret eine modifizierte Mali G52. Dank Flüssigkeitskühlsystem sind ausgiebige Gaming-Sitzungen mit dem Honor 9X Pro kein Problem. Im Gaming-Benchmark Basemark knackten wir bei "Medium"-Setting im Vulkan-Benchmark die 3.000er-Marke, hatten jedoch Bildfehler.

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Grafikfehler trüben die Freunde über gute Vulkan-Performance / © Basemark, AndroidPIT

Grafikfehler traten auch damals nach dem Release des Huawei Mate 10 auf, nachdem der Hersteller die Grafik-Performance von einer Chip-Generation auf die nächste verdreifacht hatte. Die damaligen Probleme behob der Hersteller binnen weniger Wochen per Update. Im Falle des Honor 9X Pro rechne ich mit einer ähnlich schnellen Reaktion seitens Honor-Mutter Huawei.

In Anbetracht dessen sehe ich von einer umfangreichen Benchmark-Reihe vorerst ab.

Honor 9X Pro: Audio

Dem Pressemuster des Honor 9X Pro liegt kein Headset bei. Ihr könnt Euer bisheriges weiterverwenden, denn ein Klinkenanschluss ist vorhanden. Der einzige Gehäuselautsprecher befindet sich ebenfalls an der Unterkante. Er ist fürs Freisprechen etwas zu schwach, falls Ihr nebenbei etwa noch Zwiebeln anbratet.

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Klinkenanschluss, Check. Stereo-Sound: kein Check. / © NextPit

Bei Aufnahmen wird trotz offenbar zwei vorhandener Mikrofone nur in Mono aufgezeichnet. Windgeräusche werden nicht herausgefiltert, was beim Telefonieren stört. Die Lautstärke des Ohr-Lautsprechers reicht zum Telefonieren im Freien gerade so aus.

Gleiche Kamerahardware, neue Software

Die Kamera bleibt in Bezug auf die Hardware vom Honor 9X bis zum Honor 9X Pro unverändert. Das bedeutet, dass Ihr folgendes Kamera-Setup erhaltet:

  • 48 MP-Hauptkamera, f/1.8, 1/2-Zoll-CMOS-Sensor, 4-in-1-Lightfusion (effektiv 1,6μm Pixel), AIS, Supernacht-Modus, AI-Videostabilisierung
  • 8 MP Super-Weitwinkel, f/2.4, 120° Ultra-Weitwinkel, unterstützt Verzerrungskorrektur
  • 2 MP-Tiefenkamera, f/2.4, Bokeh-Effekt

Auf der Vorderseite erhaltet Ihr über die Pop-Up-Kamera einen 16-Megapixel-Sensor. Die Blende öffnet mit relativ kleinen f/2.2 und verwendet das, was Honor als 3D-Portrait-Beleuchtung bezeichnet.

Im Test wirken die Bilder durchweg verwaschen bis verrauscht. Nur bei Tageslicht gelingen wirklich scharfe Schnappschüsse. Doch auch da mangelt es an Detail und Leuchtkraft der Farben. Auch diese Schwachpunkte wird Honor voraussichtlich sukzessive in Updates aufgreifen, jedoch nie völlig beheben können.

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Das Kamera-Trio des Honor 9X wurde übernommen. / © NextPit

Während die Hardware mit der vorherigen Generation konsistent bleibt, verwendet der Kirin 810 AI-Chipsatz den internen ISP der vierten Generation zur Verbesserung des Pixeldurchsatzes und den neuesten AWB-Algorithmus. Sie integriert auch ein DE-Modul und eine RAW-Rauschunterdrückung (NR) zur Verbesserung der Bildverarbeitung. Diese neuen KI-Algorithmen sollen unter anderem bei der Beseitigung von beispielsweise Handzittern helfen. Honor sagt, dass es die ISO-Kapazität von 25.600 beim 9X auf 102.400 beim 9X Pro erhöht hat.

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Auch die ausfahrbare Selfie-Cam ist aus dem Honor 9X bekannt. / © NextPit

Auch hier werde ich vor dem Update auf EMUI 10 noch kein abschließendes Urteil fällen. Aber es scheint mir so, dass Xiaomi in dieser Preisklasse mehr zu bieten hat.

4.000 mAh ohne Schnickschnack

Der Akku des Honor 9X Pro fasst 4.000-mAh. Da durch das aggressives Energie-Management und das Fehlen der Google-Dienste fast keine App im Hintergrund ausgeführt wird, hat das Smartphone eine hervorragende Akkulaufzeit. Das geht auf Kosten der Benachrichtigungen, über die entweder viel zu spät oder gar nicht informiert werdet.

Nahezu zwei Tage hält das 9X Pro durch, bevor es wieder mit lahmen zehn Watt am Typ-C-Anschluss aufgeladen werden muss. In dieser Zeit ist der Akku sieben Stunden eingeschaltet. Konkurrenz-Geräte wie das Samsung Galaxy M30s sind da etwas besser.

Honor 9X Pro: Technische Daten

Abmessungen: 163,1 x 77,2 x 8,8 mm
Gewicht: 206 g
Akkukapazität: 4000 mAh
Display-Größe: 6,59 Zoll
Display-Technologie: LCD
Bildschirm: 2340 x 1080 Pixel (391 ppi)
Kamera vorne: 16 Megapixel
Kamera hinten: 48 Megapixel
Android-Version: 9 - Pie
Benutzeroberfläche: Huawei EMUI
RAM: 6 GB
Interner Speicher: 256 GB
Wechselspeicher: microSD
Konnektivität: HSPA, LTE, Bluetooth 4.2

Abschließendes Urteil

Die Frage muss lauten: Kann das Honor 9X Pro genug Argumente liefern, um über die fehlenden Google-Dienste hinwegzutrösten? Denn Honor und Huawei brauchen jetzt schlagende Argumente, um Nutzern dem Umstieg schmackhaft zu machen. Unser Pressemuster für den Test des Honor 9X Pro lässt uns da nichts Gutes ahnen.

In der Preisregion um 250 Euro tummeln sich interessante Konkurrenten, die ihren Kunden keine Umstellung abverlangen und ähnliche Vorzüge bieten. Sofern bezüglich AppGallery oder eventuellem Google-Support kein Wunder geschieht, könnte es ein harter Kampf für die Marke werden.

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Top-Kommentare der Community

  •   31
    Gelöschter Account vor 6 Monaten

    Keine Googledienste, beim Start noch viele Fehler...... bei der gegenwärtigen Marktvielfalt ist das Teil jetzt schon tot, wenn ihr mich fragt.

    Die Geschichte mit dem günstigeren high-end Prozessor klingt zwar interessant, aber Huawei/Honor hat in Bezug auf die Prozessorleistungen immer schon nach oben gelogen. Jedenfalls wäre da Vorsicht angebracht und sollte man da noch einige Praxis-Rezensionen abwarten, denke ich.

15 Kommentare

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  •   77
    Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    "Der Honor 9X Pro hätte seit März 2020 in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Ägypten, Saudi Arabien und Malaysia zu einer UVP von 249 € erhältlich sein sollen. "

    Hätte,hätte...ist es aber bisher nicht.


  • Ohne Google Dienste ist es nur teurer Elektroschrott.


  • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Frage mich bei Huawei / Honor und deren aggressivem RAM-Management echt, wozu man dann bitte 6 oder gar 8+ GB RAM braucht ^^ wird ja eh alles rausgeschmissen, damit es länger hält.


  •   31
    Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Keine Googledienste, beim Start noch viele Fehler...... bei der gegenwärtigen Marktvielfalt ist das Teil jetzt schon tot, wenn ihr mich fragt.

    Die Geschichte mit dem günstigeren high-end Prozessor klingt zwar interessant, aber Huawei/Honor hat in Bezug auf die Prozessorleistungen immer schon nach oben gelogen. Jedenfalls wäre da Vorsicht angebracht und sollte man da noch einige Praxis-Rezensionen abwarten, denke ich.


  • Mir zu RIESIG.


    • Bin ich bei dir. Ich denke, mein S10+ war das letzte Flaggschiff für mich denn alle neuen Top-Geräte sind mir zu groß. Selbst das S10+ passt schon nicht in den Wireless Charger meines Mini, meines Benz' und auch nicht in den Halter meines E-Rollers.


    •   31
      Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      "Mir zu RIESIG."

      .... me, too!


  •   77
    Gelöschter Account vor 8 Monaten Link zum Kommentar

    "Man bekommt immer noch Glas auf der Vorder- und Rückseite. "
    Dieser Satz ist etwas irreführend. Was will man sonst erwarten statt Glas auf der Vorderseite? Ein Plastikdisplay?
    Das momentan kein Google-Dienste vorhanden sind ist erstmal abschreckend aber man kann sich diverse Alternativen runterladen. Auf Gmail kann ich verzichten und statt Google Maps gibt es gute Alternativen.

    Heinz D.Gelöschter Account


    • Ich habe mich einfach zu sehr an Google-Dienste gewöhnt, als das ich darauf verzichten möchte. Dazu gehören auch Google Notizen, Kalender und Maps (ist tatsächlich großartig geworden) etc. Dazu warnt Google inzwischen vor der Installation von Google Apps aus teils dubiosen Drittquellen. Und wie ist es überhaupt mit WhatsApp? Meine Zeitungsapp? Usw. ... Läuft das irgendwie? Ehrlich, ich war jahrelang Honor/Huawei-Fan, aber das geht alles gar nicht mehr.


  • Schade das kein Bluetooth 5.0 und NFC an Bord sind. Aber die neuen CPUs machen das Gerät sehr attraktiv.

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