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Doro 8100 im Test: Alte Technik für alte Menschen und "digital Mutige"

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© NextPit

Senioren-Handys sind eine Kategorie, die wir bei NextPit viel zu lange vernachlässigt haben. Das soll sich nun mit dem ausführlichen Testbericht des Doro 8100 ändern. Der schwedische Hersteller wirbt selbst mit einem Android-Smartphone für "digital Mutige". Schauen wir doch einmal genauer hin, was das Doro 8100 für die Generation Ü60, für die Silver Surfer und Senioren:innen effektiv zu bieten hat.

Bewertung

Pro

  • Sehr gute Haptik
  • Einfach zu bedienen
  • Benachrichtigungs-LED
  • Notruftaste vorhanden
  • Hörgerätekompatibel
  • IP54-zertifiziert

Contra

  • Akku nicht wechselbar
  • Kein Fingerabdrucksensor
  • Zu geringe Akku-Kapazität
  • Langsamer Prozessor
  • Zu wenig Speicher
  • Einsteiger-Kamera

Kurzfazit und Preis

Das 1974 gegründete schwedische Unternehmen Doro hat sich auf Smartphones, Festnetztelefone, Handys, Uhren und Tablets für Senioren spezialisiert. Das aktuellste Android-Smartphone ist dabei das Doro 8100, welches es mit Tischladestation auch als Plus-Variante gibt. Diese war zum Zeitpunkt unseres ausführlichen Testberichtes leider nicht verfügbar.

Beim ersten Einschalten des Doro 8100 fühlt man sich in die Vergangenheit katapultiert. Nicht nur die Display-Auflösung ist sehr niedrig. Auch der Prozessor bietet eine Performance, die eigentlich nicht mehr verkauft werden sollte. Doch es handelt sich hier um ein Senioren-Smartphone, welches auch speziell für diese Zielgruppe optimiert wurde und so beispielsweise eine Notruftaste auf der Rückseite hat.

Senioren-Handy Doro 8100
Die programmierbare-Kamera kann Leben retten! / © NextPit

Trennt man also bei unserem Kurzfazit des Doro 8100 diese zwei Welten, so hat man ein für die Zielgruppe optisch und haptisch optimiertes Android-Smartphone vor sich, welches preislich kein allzu großes Loch in die Haushaltskasse schlägt. Dennoch steht die Frage im Raum, ob ein Mittelklasse-Smartphone wie das Samsung Galaxy A33 5G nicht eine bessere Entscheidung wäre?

Preislich zumindest nicht – zusätzlich bietet das Doro 8100 eine spezielle Benutzeroberfläche, welche den digitalen Einstieg immens erleichtert. Die Frage, ob das die veraltete Technik rechtfertigt, ist in der NextPit-Redaktion noch nicht hinlänglich beantwortet.

Das Doro 8100 wurde erstmalig im März 2022 angekündigt und ist für eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) von 219 Euro erhältlich. Das Doro 8100 Plus (mit Tischladestation) kostet 229 Euro. Beide Angebote sind auch auf Amazon verfügbar und dort minimal günstiger.

 

Design & Display

Wer das 156 x 73 x 9,2 Millimeter große Doro 8100 das erste mal in der Hand hält, wird vermutlich überrascht von dem leichten Smartphone (167 g) und seiner außerordentlich guten Haptik sein. Macht auch irgendwie Sinn – ist es schließlich ein Smartphone, welches einer von uns lang vernachlässigten Zielgruppe zugeordnet ist: jene der Senioren.

Gefällt:

  • Sehr leicht und handlich
  • Benachrichtigungs-LED
  • IP54-zertifiziert
  • 3,5-mm-Klinke und USB-C
  • Kein SIM-Tool notwendig
  • microSD-Card-Support

Gefällt nicht:

  • Kein Fingerabdrucksensor
  • Kein wechselbarer Akku

Die Rückseite ist aus leicht angerautem Kunststoff, mit einer dedizierten Notruftaste oben links versehen, welche sich direkt unter dem quadratischen Triple-Kamera-Array befindet. Die Rückseite ist nicht abnehmbar, sodass der Akku nicht wechselbar ist, wie es einige Mitbewerber im Segment der Senioren-Handys praktizieren. 

Auf der rechten Seite finden sich der Power- und Standby-Button, links sitzen zwei Lautstärketasten, welche alle durch die nahezu mittige Positionierung gut erreichbar sind und einen guten Druckpunkt bieten.

Senioren-Handy Doro 8100
Die SIM- und Speicherkarte lassen sich auch ohne Werkzeug entnehmen. / © NextPit

Positiv aufgefallen sind oben eine analoge Audio-Klinkenbuchse, ein USB-Typ-C-Anschluss sowie der SIM-Slot, der auch ohne SIM-Tool geöffnet werden kann. Das verhindert effektiv, dass beim SIM-Tausch oder beim Einlegen einer microSD-Speicherkarte der "Piekser" nicht in einer der beiden Mikrofon-Öffnungen landet.

Schauen wir auf die Vorderseite, so sehen wir ein 6,1 Zoll großes IPS-Display mit einer standardisierten Bildwiederholrate von 60 Hertz und einer Auflösung von 1.560 x 720 Pixel bei 264 ppi. Ja, Ihr habt richtig gelesen – und damit liegt Doro im Bereich der Senioren-Smartphones schon ziemlich weit vorn. Auch die tropfenförmige Notch für die Frontkamera macht schnell deutlich, dass es sich hier nicht um die modernste Technik handelt.

Doro 8100 Senioren-Smartphone
Doro bietet mit dem 8100 das größte Display unter den Senioren-Handys. / © Doro

Demzufolge gehe ich hier auch nicht weiter auf Werte zur maximalen Helligkeit, kalibrierte Farbgebung, Farbraum, Touch-Abtastrate oder Always-on-Display-Funktion ein. Dies scheinen einfach keine relevanten Faktoren für ein Senioren-Smartphone zu sein, wozu ich mich noch einmal im Fazit ausführlich äußern werde.

Zumindest kann ich bestätigen, dass mein subjektiver Eindruck der Haptik und des Displays im Allgemeinen recht positiv ist. Das Display besitzt eine helle und kontrastreiche Darstellung und lässt sich individuell auf die entsprechenden Sehkräfte des/der Besitzer:innen einstellen. Dazu aber mehr im Bereich Software.

Doro 8100: Besonderheiten

Ja, es gibt sie, die "Besonderheiten"! Das Doro 8100 wird als Senioren-Smartphone beworben und auch verkauft. Und wir hatten bereits im Kurzfazit anklingen lassen, dass – technisch gesehen und als Massen-Smartphone bewertet – das Doro vermutlich keine zwei Sterne bekommen würde, weil es einfach unterirdisch und 2023 eine wahre Zumutung ist. Die zugegeben überzeugende Benutzeroberfläche hängt an allen Ecken und Enden. 

Gefällt:

  • EVA-Benutzeroberfläche
  • Hardware-Notruf-Button
  • Team-Viewer-Support
  • Hörgeräte-Kompatibilität

Gefällt nicht:

  • Helferline ab 30 Minuten kostenpflichtig

Und eben jene als EVA getaufte Benutzeroberfläche und ein rückseitiger Notruf-Button machen den Unterschied zu einem "normalen" Android-Smartphone aus. Dieser Hardware-Button kann in Verbindung mit der "Response by Doro"-Anwendung mit den wichtigsten fünf Notrufkontakten bestückt werden. Diese erhalten nach dem dreifachen (oder einmal lang) Druck der Notruftaste ein Alarmsignal und den aktuellen GPS-Standort.

Senioren-Handy Doro 8100
Das Doro 8100 besitzt auf der Rückseite eine "echte" Notruftaste. / © NextPit

Eine weitere Besonderheit ist die sogenannte "Helferline". Hierbei handelt es sich um einen Service von Doro, der via Team Viewer zuschaltbaren technischen Support via Remote-Funktion bietet. Für Doro-Kunden ist der Service die ersten 30 Minuten kostenfrei. Danach bezahlen Privatpersonen 17 Euro für 15 Minuten Support. Bezahlt werden muss jedoch nur im Erfolgsfall.

Senioren-Handy Doro 8100
Auf Wunsch Support via Team Viewer und fünf individuelle Notrufkontakte. / © NextPit

Zu guter Letzt sei noch die Hörgeräte-Kompatibilität genannt. Im Fall des Doro 8100 ist das Senioren-Handy für den Hörgeräte-Standard M4/T3 geeignet. Wer mehr zu dem Thema wissen will, findet ein Kapitel dazu in unserem Senioren-Handy-Vergleichsbeitrag. Doch ist der wirklich nötig? Die meisten Hörgeräte sind von Hause aus auch Bluetooth-fähig und damit mit jedem Apple- oder Android-Smartphone zu verbinden. Sollen wir uns den Unterschieden zwischen dedizierter Hörgeräte-Verbindung versus Bluetooth mal ausgiebig widmen, könnt Ihr bei Bedarf im Kommentarbereich einen eigenen Beitrag anfordern.

Doro 8100: Software

Es sollte inzwischen klar sein: Beim Doro 8100 handelt es sich um ein für ältere Menschen optimiertes Android-Smartphone. In einer englischen Studie der Lancaster-Universität wurde herausgefunden, dass durch die Nutzung digitaler Medien die kognitive Leistungsfähigkeit älterer Menschen verbessert wird. Der Wechsel von einem alten "Nokia-Knochen" kann also nicht nur soziale Vorteile (siehe WhatsApp) mit sich bringen, sondern auch dazu dienen, die grauen Zellen auf Trab zu halten.

Gefällt:

  • EVA Benutzeroberfläche
  • Zugang zum Google Play Store

Gefällt nicht:

  • Letzter Google Sicherheitspatch vom Juni 2022
  • Unbekannte Update-Politik

Diesen Ansatz verfolgt Doro mit seiner hauseigenen Benutzeroberfläche EVA. Die Basis hierfür bildet Android 11 GO. Dabei handelt es sich um eine abgespeckte Android-Version, welche hauptsächlich den 2 GB Arbeitsspeicher geschuldet sind. Der Google-Sicherheitspatch ist zum Zeitpunkt des ausführlichen Tests (15. Januar 2023) vom 5. Juni 2022. Das halte ich persönlich als sehr bedenklich, da gerade ältere Menschen schnell dazu neigen, den Link einer Phishing-Mail zu drücken. Auch fehlt für Smartphone-Neueinsteiger das Verständnis für die Herkunft von Anwendungen und welche Probleme mit diesen einhergehen können. Eine Antwort vom Hersteller zu seiner Update-Politik steht noch aus.

Senioren-Handy Doro 8100
Die Update-Politik scheint grenzwertig zu sein. / © NextPit

Die optimierte Benutzeroberfläche EVA wirkt auf mich sehr aufgeräumt, durchdacht, übersichtlich und selbsterklärend. Wer nicht mehr weiterkommt, findet Unterstützung in der Remote-Hilfe via Team Viewer. Auf den ersten Blick hat man nur den Eindruck, einen ganz normalen Android-Homescreen mit vielleicht etwas größeren App-Icons vor sich zu sehen – doch weit gefehlt! 

Wer beispielsweise auf das bekannte Telefon-Icon drückt, kommt nicht direkt in die Telefon-App, sondern auf ein weiteres Menü, welches erst einmal hinterfragt, wie Ihr denn genau einen Anruf auslösen wollt. Zur Auswahl stehen in dem Fall: eine Nummer manuell eingeben, aus der Kontaktliste oder aus der Liste vergangener Anrufe auswählen oder einfach nur den Anrufbeantworter abhören.

Senioren-Handy Doro 8100
Die Menüstruktur ist einfach, durchdacht und selbsterklärend. / © NextPit

Das zieht sich im Grunde wie ein roter Faden durch die gesamte Benutzeroberfläche, wie im Beispiel des Icons "Anzeigen", "Hinzufügen" oder "Senden", welche dem Nutzer so eine unglaubliche Erleichterung im Umgang mit dem Smartphone darstellt. So ist auch über Hinzufügen (Add) auch ein direkter Zugang zum Google Play Store möglich, der so auch das Tor zu unendlich vielen Anwendungen wie beispielsweise WhatsApp aufstößt.

Es wäre allgemein eine interessante Information, ob die Benutzeroberfläche sich auch nachträglich auf ein anderes Android-Smartphone installieren lässt. Von dem Mitbewerber Emporia weiß ich, dass dies vor knapp einem Jahr noch möglich war. Aber auch auf diese Frage steht eine Antwort von Doro noch aus.

Senioren-Handy Doro 8100
Die EVA genannte Benutzeroberfläche ist der Dreh- und Angelpunkt des Doro 8100. / © NextPit

Doro 8100: Performance

Das Doro 8100 hat einen Unisoc-SC9863-Octa-Core-Prozessor verbaut. Der für viele unbekannte Halbleiterhersteller agierte vorher unter der Firmierung Spreadtrum Communications und ist im chinesischen Shanghai seit April 2001 tätig. Das SoC (System on a Chip) wird im 28-Nanometer-Prozess gefertigt und bietet acht ARM-Cortex-A55-Kerne, welche in zwei Cluster geteilt sind. 

Gefällt:

  • Prozessor hat keine Hitzeprobleme

Gefällt nicht:

  • Spürbar zu langsam
  • Zu wenig Speicher 

Das SoC wird im 28-Nanometer-Prozess gefertigt und bietet acht ARM-Cortex-A55-Kerne, welche in zwei Cluster geteilt sind: ein Performance-Cluster mit einer maximalen Taktrate von 1,6 GHz und ein energieeffizienter Cluster, dessen vier Kerne maximal auf 1,2 GHz getaktet sind. Für grafische Belange ist eine IMG8322 GPU (Graphics Processing Unit) von PowerVR verantwortlich.

Der verbaute Speicher hinterlässt bei mir ebenfalls keinen nachhaltigen Eindruck: ganze 2 GB an Arbeits- und 32 GB internen Programmspeicher. Zumindest ist eine optionale Speichererweiterung bis zu 128 GB möglich. Aber auch die Verwendung von Speicherkarten finde ich aus eigenen Erfahrungen nicht zwingend für die in der Regel unerfahrene Zielgruppe zuträglich. 

Schnell sind die Daten auf der Speicherkarte bei der Entnahme im laufenden Betrieb, also ohne sie im System zum Auswurf vorbereitet zu haben, unbrauchbar gemacht. Generell bin ich auch von der Performance im Allgemeinen eher enttäuscht. Sicherlich werden Oma und Opa nicht die neuesten Ego-Shooter zocken, aber die unterdurchschnittliche Leistung wird schon beim normalen Gebrauch spür- und noch schlimmer sichtbar.

Senioren-Handy Doro 8100
So schlecht war ein Smartphone vermutlich schon lange nicht mehr. / © NextPit

Der Geekbench 5 hat unterirdische 126 Punkte im Single- und 477 Punkte im Multi-Score abgeliefert. Es gibt von Geekbench nicht einmal ein vergleichbares Gerät in der Datenbank, welches ein ähnlich schlechtes Ergebnis erzielt. Auch der Wild Live Stress Test verweigerte wegen zu wenig Arbeitsspeicher direkt einen Test. Ersatzweise steht von 3DMark noch ein "Sling Shot" und "Sling Shot Extreme" zur Verfügung, der uns im Vergleich mit anderen Smartphones nicht hilft – aber besser als gar nichts.

  Doro 8100
(Unisoc SC9863)
Samsung Galaxy A53
(Exynos 1280)
OnePlus Nord 2
(Dimensity 1200)
Motorola Edge 20
(Snapdragon 778)
Samsung Galaxy A52 5G
(Snapdragon 750G)
Samsung Galaxy A51
(Exynos 9610)
3DMark Wild Life
  • k.A.
  • 2280
  • 4175
  • 2492
  • 1090
  • 853
3DMark Wild Life Stresstest
  •  k.A.
  • Bester Durchgang: 2298
  • Schlechtester Durchgang: 2283
  • Bester Durchgang: 4181
  • Schlechtester Durchgang: 2515
  • Bester Durchgang: 2494
  • Schlechtester Durchgang: 2461
  • Bester Durchgang: 1093
  • Schlechtester Durchgang: 1090
k.A.
Geekbench 5
  • Single: 126
  • Multi: 477
  • Single: 727
  • Multi: 1896
  • Single:811
  • Multi2690
  • Single: 768
  • Multi: 2776
  • Single: 620
  • Multi: 1740
  • Single: 348
  • Multi: 1265

Da hätte man den Senioren auch durch aus etwas mehr Performance gönnen können. Aber es kristallisiert sich am Ende noch ein Vorteil heraus: Der Unisoc-SC9863 entwickelt keine Hitzeprobleme bei exzessiverer Nutzung. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Senioren-Handy Doro 8100
Einen Vorteil hat der schwache Prozessor des Doro 8100 am Ende doch: Er wird nicht zu heiß. / © NextPit

 

Doro 8100: Kamera

Senioren-Handy Doro 8100
Optisch macht die Triple-Kamera was her. / © NextPit

Der schwedische Hersteller Doro verbaut in seinem 8100 eine 8-Megapixel-Frontkamera in einer längst vergessenen tropfenförmigen Notch. Auf der Rückseite macht die Triple-Kamera auf dicke Hose. Lässt es die aber runter, stehen einem die Tränen in den Augen. Denn am Ende handelt es sich lediglich um eine 13-MP-Hauptkamera und zwei weitere 2-MP-Kameras. Die eine schimpft sich Portrait- und die andere Makro-Kamera. Warum man nicht anstelle der Portrait-Optik gleich eine Weitwinkel-Kamera geliefert hat, weiß vermutlich nur Doro selbst. Wobei ich den Ansatz für eine Makro-Kamera verstanden hätte, wenn dann auch eine Lupen-Anwendung vorhanden wäre. Aber auch die war nicht zu finden.

Gefällt:

  • Selfies
  • Tagesaufnahmen
  • Nachtaufnahmen mit künstlichen Lichtquellen

Gefällt nicht:

  • Nachtaufnahmen ohne künstliche Lichtquellen
  • Portraitaufnahmen
  • Fehlende Ultraweitwinkel-Kamera 

Müssen wir uns halt auf unsere Augen verlassen, welche – wie fast immer bei unseren Smartphone-Kamera-Tests – die besten Fotos bei Tagesaufnahmen erhält. Auch die Zoom-Aufnahmen, allesamt digital, können noch halbwegs durch die kontinuierliche Farbgebung überzeugen. Die sonst sehr erfreulich einfach strukturierte Kamera-App fällt jedoch bei der Bedienung der Zoomfunktion unangenehm auf. Es gibt keine typischen Buttons für unterschiedliche Zwischenschritte bis zur maximalen vierfachen Vergrößerung. 

Senioren-Handy Doro 8100
Die Kamera-App des Doro 8100 ist schlicht und übersichtlich. / © NextPit

Die Porträt-Aufnahmen sind zum Wegrennen und können nicht ernst genommen werden. Der (falls es das sein soll) Unschärfe-Effekt sieht aus, als hätte jemand nachträglich wild im Bild ein paar Bereiche verwischt (siehe goldfarbene Statue). Gleiches gilt im Grunde auch für Makroaufnahmen. Sorry, Doro, aber die sind einfach nicht zu gebrauchen. Also die beiden 2-MP-Shooter hättet ihr echt besser in mehr Arbeitsspeicher oder eine 50-MP-Hauptkamera investiert.

Bleiben zu guter Letzt noch Selbstaufnahmen, welche ich tatsächlich gar nicht so schlimm finde – und Nachtaufnahmen. Gibt es irgendwo in eurem Motiv ein wenig Licht, können auch Aufnahmen bei Nacht gelingen. Doch ohne einem konzentrierten Schein, wie im Beispiel der vier Stahlträger, die in den Himmel ragen: Sechs – setzen, Doro!

Senioren-Handy Doro 8100
Die 8-Megapixel-Frontkamera gehört noch zu den besten der insgesamt vier Kameras. Gesehen? Es gibt eine RGB-Benachrichtigungs-LED / © NextPit

Bleibt erneut die Frage, ob unter Umständen die durchaus guten Tagesaufnahmen für ein Senioren-Smartphone reichen. Denn geht es hier am Ende nicht "nur" um Erinnerungen für die komprimierte WhatsApp-Weiterleitung an die Verwandtschaft? Was meint ihr?

Doro 8100: Akku

Und wer jetzt bei dem verbauten Akku große Hoffnung auf einzigartige Kapazitäten hatte, wird jetzt von mir und dem Doro 8100 vermutlich erneut hart enttäuscht. Mit stolzen 3.000 mAh kann man sich nicht einmal mit der Mittel- oder Einsteigerklasse vergleichen. Aber unter Umständen ist das gar nicht mal so schlimm.

Gefällt:

  • Für 3.000 mAh ist die Akku-Laufzeit okay

Gefällt nicht:

  • Akku ist nicht vom Nutzer wechselbar
  • Gesamtkapazität zu gering
  • Kein kabelloses Laden möglich
  • Keine Schnellladung möglich

Denn wie es bislang schwer zu verstecken war, ist das Doro 8100 technisch schlechter ausgestattet als eine herkömmliche Salatgurke. Das hat den Vorteil, da auch nicht wirklich viel Strom für den Tag täglichen Einsatz benötigt wird. Der "PC Mark Work 3.0"-Batterietest hat uns bei einer Display-Helligkeit von 200 Nits gerade mal 6 Stunden und 43 Minuten geboten. Das liegt noch unter dem Motorola Razr 2022, das mit einem 3.500 mAh starken Akku im ausführlichen Test des Motorola Razr 8 Stunden und 37 Minuten geboten hat.

Senioren-Handy Doro 8100
Rekordwerte sehen anders aus. / © NextPit

Na, vielleicht lässt es sich ja deutlich schneller laden? Aber wie soll es? Das mitgelieferte Netzteil bietet 5 Volt und 1.000 mA. Demzufolge waren nach 5 Minuten lediglich 2 Prozent der maximalen Akkukapazität zurück. Bei 30 Minuten waren 17 Prozent auf dem Tacho, und eine vollständige Aufladung benötigt eine Steckdosen-Reservierung von 2 Stunden und 36 Minuten. Und fangt mir jetzt nicht mit kabellosem Laden an! Fällt komplett aus wegen: ist nicht.

Unterm Strich bleibt aber dennoch zu resümieren, dass das Doro 8100 locker über den Tag kommt. Der schlechten technischen Ausstattung sein Dank.

Doro 8100: Technische Daten

  Technische Daten
Name des Geräts
Abbildung
Doro 8100
Bildschirm 6,1 Zoll LCD, 1.560 x 720 Pixel (HD+),
60 Hertz Bildwiederholfrequenz
Maße 156 x 73 x 9,2 mm (H x B x T)
Gewicht 167 g (inkl. Akku)
SoC Unisoc SC9863
Speicher 2 GB RAM
32 GB ROM
Software Android 11 GO
Erweiterbarer Speicher bis zu 128 GB
Hauptkamera 13 Megapixel
Makrokamera 2 Megapixel
Portraitkamera 2 Megapixel
Selfie 8 Megapixel
Video 1080p
Audio Mono Speaker
3,5 mm Klinkenbuchse
Akku 3.000 mAh / Ladegerät 5 Volt - 1.000 mA
Kabelloses Laden (Qi) nein
Sonstiges Hörgeräte-Kompatibilität: M3/T3
Maximale Ruftonlautstärke: 74 db(A)
Notruftaste auf der Rückseite
RGB-Status-LED
NFC, USB-Type-C, Bluetooth 4.2, LTE 4G
IP-Zertifizierung IP54

Abschließendes Urteil

Das Doro 8100 stellt in der NextPit-Redaktion eine Zäsur dar. Denn ein Senioren-Smartphone fair zu beurteilen, ist vermutlich eine schwerere Aufgabe, als ich sie mir zuvor selbst vorgestellt habe. Machen wir uns nichts vor, würde ich allgemeine NextPit-Review-Maßstabe ansetzen, was Akku, Kamera, Prozessor oder Display anbelangen, dann würde das Doro 8100 keine zwei Sterne erhalten.

Aber das Doro 8100 und generell Senioren-Smartphones haben einen komplett anderen Anspruch als das, was wir sonst testen. Im Vergleich mit anderen Seniorenhandys ist es preislich der Favorit, technisch an einigen Stellen wie dem Display besser und in Sachen Akku wieder schlechter als die Konkurrenz. Viele unserer Fragen hat uns Doro noch nicht beantwortet – mit Absicht?

Aus Sicht der Senioren ist das Doro 8100 eine echte Empfehlung wert und bekommt 3,5 Sterne. Es bietet Support via Team Viewer, ist mit knapp 200 Euro sehr preiswert und führt mit der hauseigenen Benutzeroberfläche EVA den "Neueinsteiger" in die Welt der Smartphones sehr durchdacht und behutsam ein. Die Notruftaste hat für ältere und körperlich beeinträchtigte Menschen einen echten Mehrwert und kann Leben retten.

Doro 8100 Senioren-Smartphone
Das Doro 8100 ist ein guter Einstieg für Smartphone-Einsteiger und Senioren. / © Doro

Dennoch seht Ihr mich am Ende dieses besonderen Tests mit Fragen, ob vielleicht auch ein ähnlich teures Samsung-Smartphone im Senioren-Modus nicht die bessere Wahl wäre? Wir freuen uns auf Eure Gedanken und Meinungen zu dem Thema im Kommentarbereich.

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Matthias "MaTT" Zellmer

Matthias "MaTT" Zellmer

Mit dem Palm groß geworden und mit Qtek 1010, sowie HTC Hero die unstillbare Lust an Android OS bis zum heutigen Tage entdeckt. Als Gründer von Android TV (später GO2mobile), 2022 bei NextPit eine neue Heimat gefunden und freut sich nun auf Bestenlisten, News, Tests und Videos. Spezialagent für alles Kreative.

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18 Kommentare

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  • Harald Pailliart vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Ein nicht mal Mittelklasse-Gerät finde ich mit 200 Euro jetzt nicht "sehr preiswert". Grundsätzlich ist es begrüßenswert für ältere oder eingeschränkte Menschen Smartphones zu produzieren, die einfach zu bedienen sind, aber technisch sollten sie schon aktuell sein. Dann wären 200 Euro auch akzeptabel.


  • Manfred W. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Was soll dieser Standard für Hörgerätekompatibilität?
    Wie im Artikel erwähnt gibt es HG mit Bluetooth. Ich hab so eines, ist echt cool, kann damit telefonieren und Musik hören.


    • Matthias "MaTT" Zellmer
      • Staff
      vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Danke für den Kommentar!
      Das ist auf jeden Fall ein Thema, dem ich noch einmal genauer nachgehe.


  • cto vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Hatte das 8100 für meine Mutter gekauft. Aber sie ist damit überhaupt nicht klargekommen. Insbesondere ist unten die Google-Leiste so prominent platziert, dass sie immer wieder dort landete obwohl sie z.B nur telefonieren wollte und dann nicht wusste, was sie mit der Fragerei von Google anfangen sollte. Leider läßt das Doro System es nicht zu, die Google-Leiste zu verschieben oder auszublenden. Außerdem finde ich, dass es eher umständlich ist, wenn man telefonieren will und nicht gleich zu den Kontakten geführt wird sondern erst eine Frage beantworten muss. (s. oben "roter Faden"). Die lahme Performance wurde ja oben auch schon beschrieben. Habe also das Handy wieder zurückgeschickt.


  • Jörg W. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Habe meiner Mutter (80Jahre ) iPhone XS und Apple Watch 5 gekauft . Alles zusammen für 300Euro . Glaube ist die bessere Wahl als so eine Senioren Gurke . Kann man auch Notfallkontakte hinterlegen und die Uhr hat noch Sturzerkennung.


  • omi uhr vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Der Artikel bestätigt meine Wahl, das Samsung Galaxy A52s 5G, wurde hier auf Android Pitt mal empfohlen, war ein schnäpchen bei Saturn, für 252€ undnen knips. Das wesentliche an Senioren Handys ist dieser spezielle Notrufknopf, meiner Meinung nach, wenn das Gerät mit den Maltesern ect. in Verbindung steht, und entsprechender Bedarf besteht, das bieten die Normalen Handys leider nicht. Aber inzwischen gibts ja schon entsprechende Smartwatches, die das auch können. Wer das denn möchte. Bin mittlerweiler fast 70J, und es hat schon gedauert bis ich einigermaßen den Durchblick hatte, wie denn nun einstellen, hatte seit 2015 ein Huawei Ascend Mate 7 mit Android 6 zuletzt. Das war dann schon eine Umstellung auf Android 12/ jetzt 13, ich nutze längst nicht alle Möglichkeiten die es bietet. Da müsste ich dann in die tiefen des "Benutzerhandbuches" eintauchen, aber das werde ich nur machen, wenn ich eine bestimmte Funktion suche, und da hat es noch den Finder, der ist echt genial.


    • rolli.k vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Ich finde es großartig, dass Du in Deinem Alter Dich noch so vehement in solche Sachen "reinknien" kannst, und auch mit Erfolg. Hoffentlich machen das viele andere auch noch.
      Alles Gute für Dich, Du machst es richtig 👍👍😉


  • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Laut "statista" kaufen gerade einmal 8% der über 65 jährigen Smarphonekäufer spezielle "Seniorensmartphones" und berücksichtigt man das, wird manches in dem Artikel begreiflich. Es sind nämlich eigentlich körperlich (und wohl auch geistig) eingeschränkte Menschen, an die sich solche speziellen Geräte richten, nicht speziell ältere, auch wenn Hersteller mit der der Bezeichnung "Seniorenhandy" das gern suggerieren möchten, denn über 90% der älteren Käufer kaufen diese Geräte gar nicht.

    Bedenkt man das, so wird schnell klar, warum die Geräte sind wie sie sind. Es sind spezielle Geräte, die einen engen Markt adressieren, der bei kleinen Stückzahlen gleichzeitig keine hohen Preise erlaubt. Warum sollte jemand, der ohnehin kaum etwas auf dem Display sieht und deshalb besonders große Icons benötigt, Wert beim Display auf hohe Auflösung und Farbtreue legen? Und warum sollte er viel Geld für eine hochwertige Kamera ausgeben, deren Ergebnisse, die Fotos, ihm so gut wie nichts nutzen?
    So gesehen sind die Preise solcher Geräte fair, die Hersteller können auch nur mit Wasser kochen. Auch wenn ich selber, auf die besonderen Merkmale dieser Geräte nicht angewiesen, natürlich ein Galaxy A33 bevorzugen würde. Solche Geräte weisen ausserhalb der speziellen Eigenschaften der "barrierearmen Geräte" viel bessere technische Eigenschaften auf, weil ein in so hohen Stückzahlen produziertes Gerät auch bei viel kleineren Margen pro Gerät noch wirtschaftlich herstellbar ist.
    Deutliche Kritik möchte ich deshalb in erster Linie an diesem Artikel am Schreibstil einbringen, den ich bei anderen Artikeln dieses Autors gar nicht schlecht finde. Nach dem Lesen dieses Artikels blieb bei mir der fade Eintruck, der Artikel verbindet ein bestimmtes Attribut, das Alter, mit einer Reihe anderer, insbesonderere negativer Attribute, in dem Fall mit "wenig Technikaffinität", "Ungeschicklichkeit und Unbeholfenheit", "schlechtes Sehvermögen", bis hin zu "Stupidität und geistiger Trägheit" und das auch noch in Verbindung mit einem konkreten Alter, nämlich 60 Jahren (Ü60-Telefon).
    Solche Eigenschaften mag es bei einem Teil älterer Menschen, wie in jeder anderen Altersgruppe auch, durchaus geben. Aber die automatische Verknüpfung der Eigenschaft "Lebensalter" mit anderen, nur auf einen kleinen Teil zutreffenden Eigenschaften, ist eben das, was den Kern von dem ausmacht, was man "Diskriminierung" nennt. Die ist nicht nur vom Gesetzgeber verboten, sie ist auch als "Wert" fragwürdig und führt zu unnötigen gesellschaftlichen Problemen, wie bei der Arbeitsvermittlung älterer Menschen.
    Ich unterstelle der Redaktion nun keineswegs absichtlich jemanden diskriminieren zu wollen, das häufig kritisierte "Gendern" macht eine solche Unterstellung auch nicht plausibel. Aber etwas mehr Sensibilität in verallgemeinernden Aussagen über bestimmte Gesellschaftsgruppen wie Älteren, würde sicherlich helfen, auch den unbeabsichtigten Eindruck der Diskriminierung dieser Menschen zu vermeiden.

    Quelle:

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/166326/umfrage/verbreitung-von-handys-und-smartphones-bei-senioren-in-deutschland/


    • Matthias "MaTT" Zellmer
      • Staff
      vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, der für mich ein wenig widersprüchlich ist.

      Ich für meine Person kann Dir versprechen, das ich bereits für O2 Seniorenkurse (in Kooperation mit Emporia) am Smartphone geleitet habe. Von daher weiß ich sehr gut wie Senioren denken und handeln und welche Einschränkungen sie zum Teil haben. Logisch kamen dort nur diejenigen, welche auch Probleme mit dem Smartphone hatten oder den Wechsel vom Nokia-Knochen zum Smartphone wagen wollten und die kostenlose Unterstützung gern in Anspruch genommen haben.

      Du unterstellst mir, ich würde Gesetze übertreten, da ich hier Diskriminierung ausübe (obwohl du das im nächsten Satz wieder ausschließt?!?). Das weise ich mit aller Vehemenz von mir!

      Ich gebe Dir Recht, dass es wie in jeder Gruppierung, Ausnahmen gibt. Es ist aber nicht abzustreiten, das es im fortschreitenden Alter gesundheitliche und körperliche Einschränkungen gibt. Bei dem einen früher – bei dem anderen später. Es ist keine Diskriminierung das anzusprechen und zu thematisieren. Im Gegenteil, es wäre ein Verbrechen es zu verschweigen. Und "Ü60" bedeutet "über 60" und kann insofern auch 99 Jahre meinen.

      Lass uns gern über das Smartphone oder Senioren-Smartphones im Allgemeinen diskutieren, aber unterstelle mir nicht zu verallgemeinern. Solltest du dennoch derartige Textpassagen finden, freue ich mich für einen Hinweis und werde ihn entsprechend korrigieren. Danke!


      • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Vielen Dank für die Antwort.

        "Nach dem Lesen dieses Artikels blieb bei mir der fade Eintruck, der Artikel verbindet ein bestimmtes Attribut, das Alter, mit einer Reihe anderer, insbesonderere negativer Attribute, in dem Fall mit "wenig Technikaffinität", "Ungeschicklichkeit und Unbeholfenheit", "schlechtes Sehvermögen", bis hin zu "Stupidität und geistiger Trägheit" und das auch noch in Verbindung mit einem konkreten Alter, nämlich 60 Jahren (Ü60-Telefon)."

        Diese Aussage von mir beschreibt den Eindruck von mir nach lesen des Artikels. Es ist keine Tatsachenbehauptung einer vorliegenden Altersdiskriminierung. Die kann ich als Nicht-Jurist gar nicht treffen. Insofern ist die Aussage, dass ich nicht von einer vorsätzlichen Diskriminierung ausgehe, auch kein Widerspruch, sondern bestätigt, was ich auch an anderer Stelle schreibe, dass ich insbesondere den Schreibstil kritisiere. Ein respektvoller Umgang mit den Befindlichkeiten der Leser sollte aber auch den Eindruck vermeiden, dass man pauschaliert über sie urteilt. Das ist zumindest bei mir nicht gelungen.

        Wenn von der Gruppe Ü60 die Rede ist, dann beschreibt das konkret die Menge aller Personen, die 61 Jahre und älter sind. Natürlich können damit auch Personen gemeint sein, die 99 Jahre sind, denn sie sind Teilmenge der Ü61-jährigen, aber niemand ab 61 Jahren kann bestreiten, dieser Menge anzugehören, und wenn der nicht mit sich selber in Widerspruch geraten will, sich einreden, nicht gemeint zu sein, obwohl er schon 61 Jahre ist. Und das unterscheidet diese Formulierung von welchen wie "Senioren" (im Sportbereich wird dieser Begriff schon ab 30 Jahren verwendet) oder eben schlicht "Ältere", die butterweich definiert sind, und eben keine konkret beschreibbare Gruppe (oder wenn man so will, exakt beschrieben Menge) beschreibt.

        "Ich gebe Dir Recht, dass es wie in jeder Gruppierung, Ausnahmen gibt. Es ist aber nicht abzustreiten, das es im fortschreitenden Alter gesundheitliche und körperliche Einschränkungen gibt. Bei dem einen früher – bei dem anderen später."

        Dem ersten Satz widerspreche ich nicht. Aber dem, dass Im Wesentlichen gesunde Rentner die Aussnahme und Ü60 jährige (Regelbeginn der Rente ist bei 65+) erst recht, sehr wohl. Vielmehr scheint der Umstand, dass diese Geräte selbst bei über 65 jährigen nur einen Marktanteil von 8% haben zu bestätigen, dass Im Gegenteil diejenigen die Ausnahme sind, die solche Geräte tatsächlich benötigen, oder zumindest großen Gewinn daraus ziehen.


        "Sicherlich werden Oma und Opa nicht die neuesten Ego-Shooter zocken, aber die unterdurchschnittliche Leistung wird schon beim normalen Gebrauch spür- und noch schlimmer sichtbar."

        Müssen solche Formulierung sein? Das ist sicher "flapsig" und nicht böse gemeint, und völlig in Ordnung wenn das ein Enkelkind sagt. Aber jemanden der ein paar Jahre älter ist (und vielleicht zur Gruppe der Ü61 jährigen gerechnet werden kann, aber u.U. trotzdem keine Enkelkinder hat) so zu bezeichnen, halte ich für respektlos. Äußern sich Jugendliche so über Ältere, kann man auch fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass das dann auch nicht respektvoll gemeint ist, sondern viel eher eine Art Verachtung, zumindest aber Belustigung daraus zu entnehmen ist.

        "Da hätte man den Senioren auch durch aus etwas mehr Performance gönnen können. "

        Wenn die Performance schlecht ist, warum spielt es eine Rolle, dass die Geräte Senioren adressieren? Weil die in der Regel doch mit wenig Leistung zurechtkomnen, aber so wenig dann doch nicht?

        "Aber auch die Verwendung von Speicherkarten finde ich aus eigenen Erfahrungen nicht zwingend für die in der Regel unerfahrene Zielgruppe zuträglich."

        Woher die Annahme, dass diese Ziegruppe, zumindest aber die der über 60 jährigen, "in der Regel unerfahren ist" Lässt sich das anhand statistischer Daten belegen, oder ist es nicht doch eher eine pauschale Unterstellung?
        Das iPhone gibt es seit 2007, also mindestens 15 Jahren. Da waren heute 61 jährige grade 46.
        Über die heute über 70 jährigen sagt Statista, dass 68 Prozent davon ein Smartphone besitzen. Sind zwei Drittel einer noch nicht mal vollständig erfassten Personengruppe (in der Altersgruppe von 61 bis 70 dürfte ein noch höherer Anteil ein Smartphone besitzen) das "in der Regel unerfahren"?

        "Das verhindert effektiv, dass beim SIM-Tausch oder beim Einlegen einer microSD-Speicherkarte der "Piekser" nicht in einer der beiden Mikrofon-Öffnungen landet."

        Warum soll das ein spezifisches Problem Älterer sei? Weil sie vielleicht doch ein bisschen dusselig sind? Das kann man so zumindest herauslesen, weil es als Vorteil eines Geräts beschrieben wird, das sich an Ältere wendet.. Tatsächlich kann das jedem passieren, und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass auch viele jüngere Menschen aus meinem Umfeld zu mir gekommen sind, die die Simkarte nicht einlegen konnten, eine App nicht installieren konnten, und noch nicht mal die genaue Bezeichnung ihres Gerätes kannten. Mit Technik nichts am Hut zu haben, sie einfach nur nutzen zu wollen, ist keine Schande, aber eben auch kein spezifisches Problem älterer Menschen.

        Um den langen Text kurz zusammen zu fassen: Ich unterstelle nicht, dass Ältere bewusst diskriminiert werden sollten. Sollte das so aufgefasst worden sein, möchte ich mich dafür entschuldigen. Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass der von mir kritisierte Schreibstil zumindest so ausgelegt werden kann, dass eine gewisse Respektlosigkeit Älteren gegenüber darin erkannt werden kann. Das kann und sollte nicht Ziel von Nextpit sein.

        Quelle:

        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/459963/umfrage/anteil-der-smartphone-nutzer-in-deutschland-nach-altersgruppe/


      • Matthias "MaTT" Zellmer
        • Staff
        vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Unterscheide mal bitte zwischen "kann man" und "kann ich". Deine subjektive Meinung kann ich akzeptieren, aber nicht wenn Du der Meining bist für alle zu sprechen. Danke!


      • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Die Formulierung "kann man", nicht "muss man" bringt zum Ausdruck, dass es meine Meinung ist, und ich bin ja auch irgend wer, und dass andere diese Meinung natürlich auch haben können. Ob das der Fall ist, bleibt bei der Formulierung offen, schließt es aber auch nicht aus. "kann ich" wäre auch nicht falsch, was aber nicht heisst, dass "kann man" es deshalb ist. Ich kann also kein "für alle sprechen" (dann hätte ich "muss man" verwendet) darin erkennen. Aber das musst Du selbstverständlich nicht akzeptieren.


      • Tenten vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Auch ich habe den Artikel an manchen Stellen als recht respektlos empfunden. Nicht böse respektlos, sondern diese unachtsame Respektlosigkeit, die jedem mal unterlaufen kann, den Betroffenen aber dennoch schmerzen kann.
        Sollte einem erfahrenen Autor gerade bei diesem Thema eigentlich nicht passieren.
        Viele über 60 haben sich in jüngeren Jahren in DOS, Linux oder Windows eingearbeitet und kommen sicherlich mit einem Smartphone allemal zurecht. Ich führe es nicht weiter aus, dazu hat Michael K. ja schon alles geschrieben, was es zu sagen gibt, aber vielleicht kann man in Zukunft etwas sensibler und weniger flappsig bei manchen Themen sein.


      • Matthias "MaTT" Zellmer
        • Staff
        vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Vielen Dank Euch beiden für Euer Feedback!

        Jetzt hätte ich gern noch an alle ein paar Meinungen zur Frage, ob wir weiterhin ein unterschiedliches Wertungssystem zwischen "Senioren-Smartphones" und den "üblichen Smartphones" walten lassen sollten? Denn unter "normalen" Umständen hätte es hier keine zwei Sterne bekommen. Ich persönlich finde das sehr verwirrend. Sollte man das separat kennzeichnen oder knallhart 1,5 Sterne vergeben?

        Wollt Ihr denn überhaupt noch weitere Senioren-Smartphones getestet haben?


      • Michael K. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Den reinen Testteil fand ich nicht schlecht und ich finde die Beschreibung und Beurteilung solcher Geräte für Nischenmärkte auch durchaus interessant. Die Frage, wie man sie bewerten soll, ist aber nicht leicht zu beantworten. Wie macht ihr das z. B. bei Outdoorgeräten? Die haben zwar meistens eine viel bessere Technik als die hier beschriebene Gerätekategorie, aber eben auch zu viel höheren Preisen. Und unter Berücksichtigung des Preises erscheint die gebotene Technik dann auf den ersten Blick oft teuer, lässt aber dann eben unberücksichtigt, dass solche Geräte keine "Massenmärkte" adressieren, und daher zwangsläufig teuer erscheinen, wenn man ihre Besonderheiten unberücksichtigt lässt.
        Vielleicht sollte man tatsächlich zwei Bewertunngskriterien einführen, die reine Smartphonefunktionalität im Vergleich zu Standardgeräten der Preisklasse, und das Preis-Leistungsverhältnis unter Berücksichtigung der Sonderfunktionalitäten. Dann könnte aus beiden Werten noch den Mittelwert für ein Gesamturteil bilden. So hätte das "Doro" für die Smartphonefunktionalität von mir auch nur 2 Punkte bekommen. Für die Eigenschaften als Nischengerät für einen Sondermarkt, als das es verkauft wird, vier Punkte, und es wären mit einer Sturzerkennung und -alarmierung, die für diesen Markt durchaus auch relevant ist, sogar fünf gewesen, was dann zu einem Gesamturteil von 3 bzw. 3,5 Punkten geführt hätte.

        Eine generelle Anregung für Tests wäre noch (und die Idee ist weder neu noch von mir), Einzelkriterien wie die Qualität der Kamera, des Displays der Akkulaufzeit usw. nicht nur mit + oder - zu beurteilen, sondern auch z. B. mit 0 bis 5 Sternen, und am Ende ein Gesamturteil zu fällen. Kaufinteressenten könnten dann ein Gerät differenzierter nach den Kriterien beurteilen, die ihnen wichtig sind. Das müssen sie jetzt aufgrund des Fließtextes selber machen, aber es bleibt für sie intransparent wieso eine Gesamtbewertung ausgefallen ist, wie sie ausgefallen ist, und die sie selber ganz anders getroffen hätten.


      • omi uhr vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Was mich persönlich an Senioren Smartphones am meisten stört, ist die Bezeichnung, Seniorensmartphone damit Asoziere ich schon leicht Vertrottelt, tschuldigung aber ist so. Die Wahrnehmung und die Geschwindigkeit mit der man Begreift oder auch nicht, ändert sich leider, finde das auch nicht so super.


  • Olaf vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Auch meine Mutter nutzt eines dieser sogenannten Seniorenhandys, allerdings noch mit Tastatur und Klappmechanismus. Große Tasten, die beleuchtet sind, ein kleines Display mit dafür riesigen Symbolen und einfacher Menüführung, dazu ein Notfallbutton und noch mehr oder weniger Extras (hier ein Fingersensor für den Check diverser Gesundheitsparameter) - nach diesem o.ä. Prinzip funktionieren alle Geräte.

    Greift man zu einem Smartphone, so bekommt man i.d.R. Uralt-Technik im oben beschriebenen, seniorengerechten Gewand. Eine geänderte Oberfläche samt einiger besonderer (Hardware-) Eigenschaften inkl. Support lassen sich die entsprechenden Firmen großzügig entlohnen, denn ein Schnäppchen sind die jeweils neuesten Modelle nicht unbedingt.

    Dies zu umgehen, ist nur bedingt möglich. Technisch besser ausgestattet wäre so ziemlich jedes Einsteiger- Smartphone im Preisbereich ab ca. 100 Euro, allerdings lässt sich dort mit geeigneten Apps lediglich die Benutzeroberfläche anpassen (größere Symbole und Schriften, Software-basierter Notruf), physisch ist da natürlich nichts zu holen. Auch den telefonischen Support kann man hierbei eher vergessen.

    Wer einfach nur größere Schriften und Symbole benötigt und eine einfachere Benutzerführung, der fährt finanziell und technisch mit einem modifizierten Einsteiger-Smartphone besser. Alles andere ist nur über höhere Preise für "echte" Seniorenhandys realisierbar. Und wer - wie meine Mutter - Probleme mit Knochen und Gelenken auch in den Fingern hat, der kann ohne zu zögern zu den meist wesentlich günstigeren Seniorenhandys mit physischer Tastatur greifen, denn Wischbewegungen in Echtzeit ohne Fehleingaben bei einem Smartphone sind da nur bedingt realisierbar.

    Dennoch wäre es erfreulich, wenn die Firmen diese eindeutige Strategie - nämlich Senioren für deutlich höhere Preise Technik von vorgestern anzubieten, die noch aus Restbeständen zig Jahre alter Lieferungen zu besteht scheint - endlich mal zu den Akten legen und moderne Hardware inklusive besserer Kameras als diese stets verbauten Kartoffelknipsen bieten würden. Denn so wie es aktuell ist, ist es vor allem eines: frech.

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