Auswertung unserer Umfrage: Ihr findet Tech-Leaks durchaus hilfreich

Update: Auswertung der Umfrage
Auswertung unserer Umfrage: Ihr findet Tech-Leaks durchaus hilfreich

Leaks und Gerüchte sind im Tech-Journalismus Alltag. Und das ist auch gut so! Denn unserer Umfrage der Woche hat auf die Frage, ob Ihr als Leser:innen an Tech-Leaks interessiert seid, abgezielt. Dabei gibt es eine Tendenz hin zu den meist noch nicht ganz belegten Nachrichten.

Letzte Woche haben wir Euch nach Eurer Meinung zu Tech-Leaks gefragt. Denn inspiriert von einem Tweet des YouTubers Marques Brownlee haben wir uns die Frage gestellt, ob Nachrichten zu jedem noch so kleinen Detail eines neuen Smartphones überhaupt gesund sind. Hier sind nun die Antworten aus allen NextPit-Ländern!

Ihr findet Tech-Leaks normal!

Abgesehen von den brasilianischen Leser:innen haben die meisten geäußert, dass sie von Tech-Leaks zumindest nicht geschockt sind. Bei unserem US-amerikanischen und indischen Publikum übersteigt die Akzeptanz die Grenze von 60 Prozent. Die Techies sind in diesen Ländern stärker vertreten als in Europa. Insbesondere in den USA erfreuen sich sogenannte "alternative" Quellen ohnehin großer Beliebtheit.

"Aus medialer Sicht gibt es natürlich nichts besseres, da dies meist die erste Nachricht zu einem neuen Produkt ist und die Resonanz riesig ist", sagt der deutsche Leser Sebastian. "Ein Leak ist wie ein Feuer, das durch die Medien lodert. Es wäre also komisch, wenn Tech-Magazine da nicht drüber sprechen würden."

In Frankreich, Brasilien und Deutschland ist die Akzeptanzrate deutlich stärker von der Art des Leaks und dessen Quelle abhängig. Für diese Antwort haben sich in Deutschland 39 Prozent der Leser:innen und in Frankreich 26 Prozent der Teilnehmenden entschieden. 

In Brasilien erhielt diese Antwort sogar 44 Prozent und schafft es somit auf mehr Stimmen als Option 1.

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So fielen die Antworten der ersten Umfrage aus. / © NextPit

In der zweiten Frage ging es um die Frage der Qualität eines Leaks. So ist es tatsächlich relevant, von wem ein Leak stammt. Die Mehrheit der NextPit-Leser:innen machte diese Angabe, davon fast 60 Prozent für die deutsche Community und die Leserschaft von Nextpit.com.

In Frankreich erhält die Antwort "Mir egal" die meisten Stimmen. Das ist logisch, da man weiß, dass die Mehrheit der Leser:innen Leaks in der Fachpresse bedingungslos akzeptiert.

Wieder einmal genießen Leaker in Brasilien das geringste Vertrauen. Laut dem Leser Jairo Rios "kommen die meisten Pseudo-Leaks von Herstellern, die auf Werbezwecke abzielen."

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Wie wichtig ist die Qualität eines Leaks? / © NextPit

Tech-Leaks interessieren Euch, aber nicht alle

In der letzten Frage ging es darum, ob NextPit weiterhin über Leaks berichten soll. Die meisten Leser waren dem positiv gegenübergestellt, auch wenn sich viele nur mit einer umfangreicheren Analyse anfreunden konnten.

Der Leser kukrapok hat dabei noch einen interessanten Punkt angebracht. "Häufig gibt es zu neuen Geräten so wenig zu berichten, dass Leaks die Lücke "echter Nachrichten" füllen. Man hält die Leser:innen bei der Stange, wie ein Nachrichtensprecher, der bei einer Geiselnahme Zeit überbrücken muss.

Eine interessante Überlegung, die ich ganz treffend finde. In der Umfrage weiter unten habe ich von meiner journalistischen Ausbildung erzählt, in der ich Bereiche kennengerlernt habe, in denen Journalist:innen einen echten Wissensvorteil haben müssen. Das ist bei Technik nicht unbedingt der Fall.

Über Leaks zu sprechen, sie zu analysieren und sie zu prüfen ist also eine journalistische Methode, um Lücken zu füllen. Ein Vakuum, das die Kultur des Unmittelbaren und der ständige Konsum von Nachrichten selbst geschafft hat.

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Das sind die Ergebnisse unserer dritten Umfrage. / © NextPit

So viel zu den Ergebnissen der letzten Umfrage! Ich bedanke mich noch einmal bei allen Teilnehmer:innen und hoffe, dass Ihr auch beim nächsten Mal wieder dabei seid.


In dieser Woche möchte ich Euch zum Mitmachen bei einer etwas umfangreicheren Umfrage motivieren. Dabei soll es nicht unbedingt drum gehen, eine bestimmte Frage endgültig zu klären. Viel mehr soll es Euch zum Nachdenken anregen. Inspiration für diese Umfrage ist ein Tweet des US-amerikanischen Tech-YouTubers Marques Brownlee.

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Apple-Produktleaks sind mit die absurdesten / © Marquees Brownlee via Twitter

Denn damit spricht er ein Phänomen an, das mich zu Beginn meiner Karriere im Technikjournalismus wohl am meisten schockierte. Denn zu meiner Zeit bei der französischen HuffPost wäre es unvorstellbar gewesen, eine Story zu veröffentlichen, die nur auf Gerüchten. Klatsch oder auf Tratsch basiert. Die wäre sicher nicht durchgewunken worden, da die Beweislange zu gering gewesen wäre.

Ich spreche gar nicht mal von investigativen Artikeln oder Berichten, die sich notwendigerweise auf anonyme Quellen verlassen, um ihnen Schutz zu gewährleisten. Nein, ich meine etwas anderes. Während es in der Technikwelt normal ist, ein Jahr vor der Veröffentlichung Spekulationen über die technischen Daten des Galaxy S22 anzubringen, wäre das bei gesellschaftlichen Themen doch wirklich fragwürdig.

Seid Ihr schockiert von Tech-Leaks in der Presse?

Das ist umso bemerkenswerter, wenn man den aktuellen Grad des Misstrauens gegenüber den Medien und das Klima der Feindseligkeit gegenüber der sogenannten "Mainstream"-Presse im Hinterkopf behält.

Wie mein Kollege Stefan meinte, gibt es nur im Sportjournalismus oder im Boulevard eine entsprechende redaktionelle Logik. Vielleicht liegt es daran, dass wir es mit Nischenthemen zu tun haben, bei denen die Leser mindestens so gut informiert sind, wie die Journalisten.

Vielleicht ist es auch eine Frage der Relevanz? Ein Artikel zu einem Smartphone-Gerücht oder zum Transfer des Spielers Mbappé ist weniger wichtig oder zumindest weniger kritisch für das Leben der Leser:innen als ein Nachrichtenartikel oder eine politische Analyse. Vielleicht ist die sachliche  Richtigkeit also nicht so ein wichtiges Kriterium wie anderswo.

In jedem Fall wird Samsung außerhalb der eigenen Werbephase nie etwas über das Galaxy S22 offiziell bestätigen. Ob das gemunkelte 200-MP-Kameramodul wahr oder falsch ist, ist uns am Ende doch egal. Vielleicht ist es die Debatte und Diskussion um diese mögliche Tatsache, die den Artikel interessant macht und damit die Akzeptanz bei der Leserschaft erleichtert.

Findet Ihr Berichte zu Tech-Leaks normal?
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Gibt es gute und schlechte Leaker?

Meiner Meinung nach ist der Grund, warum Leaks so beliebt sind und von Technophilen geschätzt werden, folgender: Die Technikbranche wird immer weniger exklusiv!

Wenn ich "exklusiv" sage, meine ich die Zeiten, in denen ein Technikjournalist wirklich gebraucht wurde. Diese Zeiten, in denen der Reporter privilegierten Zugang zu Informationen hatte, welche die Öffentlichkeit sonst nie bekommen würde.

Solche Anlässe sind in der Tech-Presse weniger häufig und weniger systematisch als in der allgemeinen Presse. Im Tech-Bereich sind die wichtigsten journalistischen Momente die Keynotes der Hersteller, die Embargo-Phase vor einer Produktveröffentlichung und Interviews mit Markenmanagern oder anderen wichtigen Branchenakteuren.

Ihr als Leser habt weniger Chancen, mit Tim Cook zu chatten, als zum Beispiel ich. Es ist auch weniger wahrscheinlich, dass Ihr das Samsung Galaxy Z Fold 3 vor seiner Veröffentlichung testen könnt. Und genau darum geht es bei einem Jon Prosser! Unabhängig davon, ob man ihn mag und für zuverlässig hält oder nicht.

Tatsache ist, dass diese Leute de facto einen Job machen, der dem Journalismus ähnlich ist. Die Tatsache, dass Jon Prosser exklusive Kontakte innerhalb von Apple geknüpft hat, gewährt ihm einen Zugang, den kaum ein Journalist wie ich beanspruchen kann. Das macht seine Leaks und Insider-Infos so wertvoll.

Auf der anderen Seite gibt es Mikro-Influencer Tartempion, der eine Pressemitteilung erhalten hat wie jeder andere und sich einfach entscheidet, das Embargo zu brechen und alles vor allen anderen zu veröffentlichen. In meinen Augen ist das kein echter Leaker. Seine Arbeit ist nur wegen der vorübergehenden Exklusivität wertvoll, die er sich in betrügerischer Weise angemaßt hat.

Dieser Logik – meiner Logik – folgend: Gibt es gute und schlechte Leaker. Was meint Ihr?

Gibt es gute und schlechte Leaker?
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Möchtet Ihr weiterhin Tech-Leaks auf NextPit sehen?

Es wäre unehrlich, diesen Artikel abzuschließen, ohne ein wenig Selbstkritik von NextPit einzufordern. Ja, meine Kolleg:innen und ich berichten regelmäßig über Smartphone-Leaks.

Diese redaktionelle Entscheidung ist offensichtlich zum Teil durch SEO- und Google-Traffic-Gründe motiviert. Wenn niemand an Leaks interessiert wäre, würde ja auch niemand darüber sprechen. Das liegt auf der Hand. Aber, ohne die heilige Nonne zu spielen, wird die Entscheidung, über Leaks zu berichten, auch von einer redaktionellen Logik angetrieben.

Da unsere Leser anscheinend an Leaks interessiert sind und viele Leaks aus unzuverlässigen Quellen stammen, ist es wiederum unsere Aufgabe, die Informationen einzuschätzen. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Leak sich als wahr herausstellt und kann man der Quelle trauen?

Seid Ihr mit meiner Argumentation einverstanden? Denkt Ihr, dass die Analyse von Leaks einen journalistischen Mehrwert bringen kann, den Ihr gerne auf NextPit weiter sehen wollt?

Soll NextPit weiter über Leaks berichten?
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So viel zu dieser etwas spekulativeren und nachdenklichen Umfrage als sonst. Wie immer möchte ich mich im Voraus bei allen bedanken, die sich beteiligen und ihre Gedanken in den Kommentaren teilen. Damit ein schönes Wochenende!

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12 Kommentare

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  • Thomas vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    ich finde die leaks genauso uninteressant wie unboxings


  • Sebastian vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Aus Sicht der Medien gibt es natürlich nichts besseres, da es ja überwiegend die ersten öffentlichen Meldungen zu einem Produkt sind und die Resonanz groß ist.

    Aber die darauf folgenden Diskussionen sind nervig. Aktuell sehr gut bei Windows 11 zu beobachten. Ein Testbuild (ich wiederhole: TESTBUILD!), welches offiziell gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte, wird dann (gefühlt) schnell zum unumstößlichen finalen Release. Nutzer wollen Microsoft den Rücken kehren oder stellen spontan einen mittelfristigen Finanzierungsplan auf die Beine, um sich kompatible Hardware leisten zu können.

    Im Grunde ist ein Leak nur ein Lauffeuer, das durch die Medien geht. Komisch wäre es eigentlich nur dann, wenn die einzelnen Portale nicht ausnahmslos darüber berichten würden.


    • Tim vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Wobei es gerade bei Windows 11 nicht zuletzt Microsofts eigene Schuld ist. Die ganze Diskussion rund um die Kompatibilität seitens Microsoft ist die reinste Katastrophe und alles, was sie dahingehend bisher "beigesteuert" haben, war es, das Kompatibilitätstool wieder vom Netz zu nehmen. Da muss man sich nun echt nicht wundern, wenn das die Leute aufregt. Man sagt offiziell, dass teilweise nicht mal 2 Jahre alte Hardware nicht mehr kompatibel ist und schweigt dann.


  • Roman vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Früher natte mich Leaks schon intressiert.
    Mitlerweile aber nicht mehr wirklich. Sehe nicht mehr ein ein Smartphone über 500€ zu kaufen, und das dann noch jährlich.
    Habe jetzt ca. 3 Jahre das 9T Pro. Solange das nicht den Geist aufgibt, wird es auch behalten.

    Früher hab ich mir spätestens alle 2 Jahre ein Smartphone geholt. Rentiert sich aber nicht mehr...viel tut sich eh nicht mehr.


  • Tenten vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Leaks interessieren mich ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr. Die allermeisten Neuerscheinungen bei mobilen Geräten interessiert mich mittlerweile schon nicht mehr, weil die Veränderungen nur noch minimal sind.
    Früher waren Datenblätter neuer Geräte noch spannend, heute entlockt mir das meistens nur noch ein Gähnen oder Achselzucken. Leaks zu solchen minimalen Verbesserungen interessieren mich also noch weniger, weil man ja noch nicht mal weiß, ob es wirklich so kommen wird. Der neue Prozessor ist noch eine Nanosekunde schneller? Die Kamera hat noch mehr Megapixel?
    Solche Artikel klicke ich inzwischen schon gar nicht mehr an.


    • René H. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Zumal der normale Anwender schon jetzt kaum einen Geschwindigkeitsunterschied merkt wenn er nicht gerade von einem "Uraltgerät" zu einem aktuellen Gerät wechselt.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Aber bei vielen gilt die Devise: "Haben ist besser als brauchen".


    • Olaf Gutrun vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Hmm auch ziemlicher quatsch, eigentlich tut sich nach wie vor sehr viel was nicht heissen soll ältere Geräte müssen schlecht sein, dennoch gerade bei den Akkus, Cams und Bildschirmen, klang tut sich nach wie vor viel.


      • Tim vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Naja eigentlich nicht so wirklich... Was hat sich denn bei Akkus getan? Es braucht vor allem bei Android-Phones heute viel größere Akkus, um die gleiche Laufzeit zu erreichen, wie 2014 bei einem Smartphone mit 3200 mAh. Toll. Kameras werden seit Jahren auch bestenfalls durch Software besser und kaum bis gar nicht mehr durch die Hardware selbst. Mit Hardware wird die Qualität sogar teils massiv schlechter - siehe S20 ultra. Und bei den Displays tut sich abseits der Bildwiederholrate schon ewig nichts mehr. Ein Note 4 von 2014 ist genauso scharf, wie ein S21 ultra, kommt sowohl manuell als auch im Auto-Mode auf ähnliche Helligkeiten und die Farbgenauigkeit ist auch nicht wirklich verbessert worden. Früher lag einfach nur ein Trend eher auf poppigen Farben und nicht so sehr auf Realismus.


      • Olaf Gutrun vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Stimmt so nicht das Display in meinem s21u hat 40% bessere kontraste als der Vorgänger und 2k+ bei 120hz, also wenn das kein neuer sprung ist weiss ich es auch nicht.

        Und nein Laufzeiten die mein Ultra bringt brachten mir vor 5 Jahren die Phones nicht. Ich sag mal ein s6edge mit 2500mah lief 4h dot das ultra locker 8h dot, aber eben mit viel viel mehr Leistung, größerem Display schnellerer touch umsetzung u.s.w
        Ineffizienter wurde da nichts.

        Hätten die Iphones auch eine schnelle touch latenz und 120hz wären die Akku definitiv zu klein

        Und gerade bei den Cams passierte fie letzten 3 Jahre noch viel.

        Kann deine Meinung also absolut nicht teilen.


  • HEB vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Doppelt Nein, damit wird immer die Vorfreude zerstört.


  • René H. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Nein.

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