Casa Casi, Folge 12: Wohin mit den Smartphones – brauchen wir Handy-Pfand?

Casa Casi, Folge 12: Wohin mit den Smartphones – brauchen wir Handy-Pfand?

200 Millionen Smartphones sollen allein in deutschen Schubladen liegen. Wieso das so ist und ob man dieser Ressourcenverschwendung mit einem Handy-Pfand entgegenwirken könnte, klären Fabi und Casi in der neuesten Folge des NextPit-Podcasts "Casa Casi". 

Neue Woche, neue Podcast-Folge und eine neue Fragestellung: Was machen wir mit unseren alten Smartphones? Die Frage stellt sich, weil eine neue repräsentative Umfrage (wieder einmal) ein Handy-Pfand ins Spiel bringt. Ich hab mal überlegt, wie ich persönlich das so gehalten habe mit dem Handy-Recycling in der Vergangenheit. Ich habe tatsächlich aus Nostalgiegründen noch ein uraltes Siemens S40 in einer Schublade herumliegen. Selbst ein Marie-Kondoesker Aufräumanfall im letzten Jahr konnte mich nicht dazu bewegen, mich davon zu trennen. 

In meiner langjährigen Handy-Karriere habe ich selten mal alte Handys verkauft, deutlich öfter habe ich sie an Freunde verschenkt – und ja, einige Modelle liegen auch immer noch in irgendwelchen Ecken. Ein Smartphone – das Samsung Galaxy S9+ – kommt hier zudem noch als Zweit-Gerät zum Einsatz. Vermutlich ist man als Tech-Journalist aber auch einfach ein schlechtes Beispiel, Handy-Pfand hin oder her.

Zahlenspiele

Aber selbst, wenn wir nicht über Menschen reden, die beruflich mit Smartphones zu tun haben, sammelt sich einiges in deutschen Schubladen – und mit "einiges" meine ich richtig, richtig viel! Schaut mal auf folgende Zahlen:

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Über 200 alte Handys liegen in deutschen Schubladen herum / © Bitkom

Vor einem Vierteljahr informierte der Bitkom darüber, dass es sage und schreibe 206 (!) Millionen alte Handys sein sollen, die in deutschen Haushalten irgendwo vergraben liegen. Lediglich vier Prozent der Menschen, die der Verband in einer repräsentativen Umfrage befragte, gaben an, dass man überhaupt kein Alt-Gerät mehr in der Bude rumfliegen hat. 

24 Prozent gaben an, dass es zwei Alt-Handys im eigenen Haushalt wären, satte 57 Prozent sprachen von drei oder mehr. Wir scheinen also ein Volk von Handy-Hamsterern zu sein. Vertragt Ihr noch ein paar Zahlen mehr? Gut, ich hab nämlich noch welche. Dabei geht es darum, wieso dieser Umfrage zufolge all diese Geräte zuhause rumliegen, statt ordnungsgerecht entsorgt zu werden. 

Demnach äußert fast die Hälfte (45 Prozent) der Befragten, dass sie die ausrangierten Smartphones ausnahmslos bei sich zu Hause aufbewahren, weil sie Angst davor haben, dass andernfalls die eigenen Daten gestohlen werden. 42 Prozent machen es, weil sie gerne ein Ersatzgerät im Haus hätten, wenn der Daily Driver mal kaputtgeht. Immerhin noch 35 Prozent geben zu, dass Ihnen der Aufwand, das alte Modell zu verkaufen oder zu entsorgen, schlichtweg zu hoch ist.

27 Prozent empfinden die Datensicherung als zu kompliziert, während 15 Prozent nicht einmal eine Idee haben wollen, wie man alte Handys oder Smartphones richtig entsorgt. Wenn Ihr den Podcast hört, werdet Ihr feststellen, dass wir den Befragten da nicht jede Antwort so wirklich abkaufen. Dabei wäre es so wichtig, dass wir mehr alte Elektronik zurückgeben, weil es einfach eine unfassbar große Menge an Rohstoffen ist, die so unnötig herumliegt. 

Gold – und noch mehr Zahlen

Schlimm, ich weiß – aber ich muss Euch noch mehr Zahlen zumuten. Denn dann erst wird offensichtlich, wieso es so ein hanebüchener Quatsch ist, dass wir den ganzen unnötigen Schrott zuhause rumliegen lassen, statt ihn loszuwerden. 

Schon 41 Handys enthalten bereits mehr Gold, als eine Tonne (!) Gold-Erz. Würden wir die oben erwähnten 200 Millionen Handys komplett recyceln, dann wären das:

  • 1734 Tonnen Kupfer
  • 764 Tonnen Kobalt
  • 52 Tonnen Silber
  • 5 Tonnen Gold

Rohstoffe, die niemand mehr unter möglicherweise widrigsten Bedingungen abbauen muss, sondern die einfach schon da sind und das allein in Deutschland. Wir sitzen auf einem Berg kostbarer Rohstoffe und ich glaube, dafür müssen die Leute einfach noch mehr sensibilisiert werden. 

Wege in die Nachhaltigkeit: Wie der Smartphone-Markt sich bessern kann

Mir hat die Recherche zu dieser Podcastfolge jedenfalls gereicht, ich werde mich in den nächsten Tagen darum bemühen, die ganzen alten Geräte loszuwerden. Und da ich eh schon die Hosen heruntergelassen habe: Der ein oder andere Router, DVD-Player und Receiver liegt vermutlich auch noch in irgendeiner Kiste. 

Ist Handy-Pfand die Lösung?

In der heutigen Folge unseres Podcasts reden wir viel über ein Handy-Pfand. Die Grünen fordern beispielsweise einen Betrag von 25 Euro pro Gerät. Die würden quasi auf das Smartphone aufgeschlagen und Ihr bekämt es wieder, wenn Ihr die Hardware wieder abgebt. In diesem Beitrag wollte ich aber nicht viel über mögliche Pro- und Contra-Punkte reden, sondern mehr auf die Recycling-Situation an sich hinweisen. 

Die Frage, die ich mir stelle bei einem Pfand auf Handys: Macht uns so ein Pfand tatsächlich dann zu Recycling-Weltmeistern, was Smartphones angeht? Werden wir anfangen, unsere alten Modelle sofort abzugeben, wenn wir dafür 25 Euro wiederbekämen? Oder ist uns das egal, wenn wir vielleicht sowieso 900 Euro oder mehr für ein Flaggschiff-Smartphone hingeblättert haben? 

Bevor ich die Frage an Euch weitergebe nerve ich Euch ein letztes Mal mit Zahlen: Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der DBU gaben erstaunliche 87 Prozent der Befragten an, dass sie sich ein solches Handy-Pfand "gut" oder sogar "sehr gut" vorstellen könnten. Zumindest danach scheint es schon mal nicht an der grundsätzlichen Bereitschaft zu scheitern. Frage an Euch: Könnte man Euch mit einem Handy-Pfand von 25 Euro zum Handy-Recycling bewegen? 

Würdet Ihr Euer Smartphone zurückgeben, wenn es 25 Euro Pfand gäbe?
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Wie werde ich den alten Kram los? 

Vermutlich muss die Bevölkerung mehr dafür sensibilisiert werden, wie wichtig das Recycling technischer Geräte ist. 80 Prozent der Materialien in einem Smartphone können mindestens genutzt werden, Tendenz steigend. Und ganz ehrlich: Es ist auch kein Hexenwerk herauszufinden, wie man ein altes Smartphone los wird.

Ihr könnt ein altes Smartphone oder andere Technik natürlich an Wertstoffhöfen loswerden. Ziemlich genau in einem Jahr, nämlich ab dem 1. Juli 2022 wird es noch einfacher für uns, denn ab da müssen auch Discounter unsere Altelektronik zurücknehmen.

Ihr könnt sie aber auch an den Hersteller zurückschicken oder an die Mobile Box der Deutschen Umwelthilfe. Schaut einfach bei handysfuerdieumwelt.de vorbei. Dort findet Ihr die Postanschrift und alles, was Ihr beachten müsst, wenn Ihr ein oder zwei alte Geräte per Post verschickt. Außerdem gibt es dort auch eine interaktive Karte, auf der Ihr die Standorte der Boxen findet, in die Ihr eure alten Gerätschaften auch persönlich einwerfen könnt. 

Sagt uns gerne in den Kommentaren, wie Ihr mit Eurer alten Hardware umgeht. Fabi und ich würden uns jedenfalls riesig freuen, wenn der ein oder andere von Euch sich jetzt auch dazu entscheidet, die Schubladen mal zu entrümpeln und technisches Gerät loszuwerden.

Es ist angerichtet: Casa Casi, Folge 12

So, genug appelliert. Insgeheim denke ich ja eh, dass Ihr vernünftiger seid als ich und Eure alten Smartphones entweder in Zahlung gebt, an Freunde weitergebt oder direkt ordnungsgemäß entsorgt. Ich werde es jedenfalls in Zukunft besser machen und versuchen, auch in meinem Umfeld mehr dafür zu sensibilisieren, wie wichtig es ist, dafür zu sorgen ,dass unsere kostbaren Rohstoffe im Fluss bleiben. 

Wie immer reden wir im Podcast natürlich auch über anderen Kram – über Essen und Fußball zum Beispiel. Aber hauptsächlich ging es dieses Mal tatsächlich um Nachhaltigkeit, Recyling und vor allem eben diese Rohstoffschätze, die in irgendwelchen Schränken vergammeln. Hört Euch unsere neue Folge an, sagt uns Eure Meinung dazu und helft gerne mit, dass wir als Gesellschaft nachhaltiger werden. 

Und wie immer gilt: Empfehlt uns gerne weiter, bewertet uns, abonniert uns auf den verschiedenen Plattformen und – ja, selbstverständlich freuen wir uns auch auf Eure Kommentare und Meinungen, gerne auch mit Themen-Ideen für die nächsten Folgen. Apropos Themen: Wir werden sicher nochmal über Nachhaltigkeit mit Blick auf Smartphones reden. 

Dann aber mit Fokus auf die Hersteller, auf die Wahl und Dokumentation der Rohstoffe, Reparierbarkeit und was die Unternehmen noch ändern können. 

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32 Kommentare

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  • Reginald Barclay vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    "Schon 41 Handys enthalten bereits mehr Gold, als eine Tonne (!) Gold-Erz. ..."

    Das sind nach Euren Zahlen ~1g Gold pro Tonne Erz. Ich glaube eher, da ist der gesamte Abraum gemeint.

    Das aufgedampfte Gold Nanogrammweise aus den Lagen mit anderen Materialien innerhalb integrierter Bauelemente herauszukratzen ist sicher recht aufwendig und teuer. Teurer als die Herstellung.


    • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Die Wirtschaftlichkeitsgrenze von im Tagebau abgebautem Golderz liegt wohl bei 0,5 g Metall pro Tonne Erz. Das heisst, man muss nicht Erz mit so geringem Metall-Anteil abbauen, sondern man macht es, weil es sich rechnet.
      Bergmännisch gewonnenes Erz, also solches aus dem Untertagebau, lohnt sich erst ab 30 g Metall pro Tonne Gestein. Um eine solche Tonne Gestein mit alten Handys aufzuwiegen, bräuchte man schon mehr als 1200 Exemplare.
      Anderseits sollen 1 Tonne Handys 200 bis 250 Gramm Gold enthalten. Das sagt aber noch nichts über die Kosten seiner Gewinnung. Die soll aber wirtschaftlich lohnend sein.


  • Knurrhahn vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Das Thema Pfand (Geld des Nutzers) oder Prämie (Steuergelder, auch derjenigen, die kein Handy besitzen - also nicht dasselbe wie Pfand) ließe sich vermeiden, wenn man dem Trend folgt, Eigentum in großen Konzernen zu kumulieren. Meine Wohnung gehört mir nicht, der PKW ist geleast, das E-Bike habe ich abonniert, die Musik, die ich höre, ist nicht meine. Warum nicht auch das Smartphone mieten. Das bindet nicht mein Kapital. Wenn ich des Gerätes überdrüssig bin, gebe ich es zurück und miete ein neues, oder mache mit dem frei gewordenen Geld etwas ganz anderes. Eigentum belastet doch nur ;-)


    • René H. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Eine "richtige Handymiete" ist aber am Ende vielleicht sogar teurer als ein Kauf. Oder glaubst Du Du könntest ein Smartphone 1 Jahr lang für 20,- Euro im Monat mieten?


      • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        In der Regel ist sie das, denn das Mietmodell ist ein Geschäftsmodell, bei dem der Geräteeigentümer durch die Zurverfügungstellung des Mietobjektes einen Gewinn erzielen will, d.h. er muss die Gerätekosten durch die Miete während der erwarteten minimalen Nutzungsdauer des Gerätes vereinnahmen, während der Käufer während dieser Zeit ebenfalls den Gerätepreis bezahlt.
        Danach macht er Vermieter Gewinn, während für den Käufer das Gerät abgeschrieben ist, er nutzt es ab da kostenfrei.
        Durch den Einkauf hoher Stückzahlen kann der Vermieter aber einen Vorteil beim Gerätepreis haben. Geht ein Gerät vor der erwarteten minimalen Nutzungsdauer kaputt, kann sich die Miete aber lohnen, und man hat einen Servicevorteil. Defekte Geräte werden i.d.R. zeitnah ersetzt, man muss nur den Vermieter benachrichtigen.
        Die minimale erwartete Nutzungsdauer in Monaten, oder der "Break-Even", ab dem sich der Kauf lohnt, ist der Gerätepreis geteilt durch die monatliche Miete. Nach dieser Zeit ist der Käufer im Vorteil, denn ab dieser Zeit macht der Vermieter Gewinn, sofern er den regulären Gerätepreis bezahlt hat.


      • René H. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Ich sehe darin aber keinen Vorteil für die Umwelt.


      • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Ich kann aber auch keinen Nachteil sehen. Sowohl der Vermieter, als auch der Käufer haben, aus rein wirtschaftlicher Sicht kein Interesse, das Gerät vorzeitig ausser Betrieb zu nehmen, da der Vermieter ab dann keinen Gewinn mehr damit macht, der Käufer aber Kosten für ein Neugerät hat.


    • Reginald Barclay vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Wenn man alles mieten würde, verliert man schnell den Überblick über das, was noch zu bezahlen ist. Und alles, was man mietet, ist dann ja auch meist schon gebraucht - nein danke.


  • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Ich halte die Idee eines Handy-Pfandes für ausgesprochen "hirnrissig" , und es ist klar, dass so eine Idee daher kommt, wo man auch sonst gerne "vorschreibt und verbietet" .
    Ich halte diese Idee auch für rechtlich problematisch und zudem teuer.
    Bei einer Flasche Bier bezahlt man den konsumierten Inhalt, die Flasche leiht man nur gegen Pfand. Wo soll diese Trennung bei einem Handy stattfinden? Man erwirbt Eigentum an dem kompletten Gerät, soll aber durch Zurückhaltung einer Zwangsgebühr zur Aufgabe an diesem Eigentum gezwungen werden?
    Und für welchen Effekt? Nur mal am Beispiel Gold.
    Ganze fünf Tonnen lagern also in mehreren Gerätegenerationen, nehmen wir mal an, es sind im Durchnitt zwei. In Deutschland werden im Jahr 60 Tonnen Gold verarbeitet. Da die Pfandpflicht natürlich nicht für schon in den Schubladen lagernde Geräte nachträglich erhoben werden kann, würde man nur die Wahrscheinlichkeit für die jährliche Rückführung einer Gerätegeneration erhöhen, wobei vermutlich die Hälfte trotz Pfand nicht zurückgeführt würde.
    Dafür, dass also gerade mal 1,25 Tonnen des verarbeiteten Goldes, oder 2% nicht gefördern werden muss, diesen Terz, diesen Eingriff in das Eigentumsrecht?
    Ob die Metalle nun in den Schubladen lagern, von wo aus sie früher oder später ohnehin den Weg ins Recyling finden werden, oder im Boden der Erzlagerstätten ist langfristig ökologisch völlig egal. Das Metall lagert hier oder da, und es ist nur eine Frage des Zeitpunktes, wann es wieder in den Verkehr gebracht wird.
    Lagern auch viele alte Fernseher, Waschmaschinen oder Laptops in den deutschen Haushalten? Es ist nicht der Fall, denn diese Geräte werden häufig erst dann getauscht, wenn sie defekt sind. Aber auch wenn sie vorher ausgetauscht werden, sind sie zu sperrig und störend, um die länger zu lagern. Das Beispiel zeigt auch, dass die Deutschen sehr wohl wissen, wie sie Geräte sachgerecht loswerden, die sie nicht mehr brauchen.
    Bei Handys ist die Situation eine andere. Sie sind klein und unauffällig und lassen sich gut lagern. Aber ist das deshalb nachteilig oder unökologisch?
    Auch wenn es eigenartig wirken mag, aber Geräte, die nicht entsorgt werden, verringern zunächst mal den Berg an Elektroschrott. Und da die Edelmetalle in den Geräten nur feinst verteilt vorliegen, ist deren Rückgewinnung in jeder Beziehung aufwändig und energieintensiv. Es ist fraglich, ob es weniger umweltschädlich ist, die Metalle rückzugewinnen, als sie neu zu fördern.
    Und Altgeräte, die als Ersatzgerät, in Hinblick auf ein "Smarthome-Projekt" oder als Geschenk an Jemanden mit wenig Geld eine zweite Verwendung finden könnten, nur deshalb dem Recycling zuzuführen, damit man das Pfand zurückbekommt, ist ökologischer Schwachsinn.
    Letztlich müsste das Pfandsystem aufgebaut und organisiert werden, was ebenfalls Kosten verursacht und ggf. ständig Energie verbraucht. Zwar könnte man einen Pfandvermerk auf dem Kassenbon oder der Rechnung anbringen, und nur das Gerät in Verbindung mit Bon oder Rechnung würden eine Pfandrückzahlung auslösen, aber dann könnte man das Geld nur vom Händler, bei dem das Gerät gekauft wurde zurückbekommen. Was wenn der pleite ist? Und online gekaufte Geräte müsste eingeschickt werden.
    Ausserdem müsste man auf den Beleg gut aufpassen, denn der wäre 25 € wert.
    Will man das Pfand von jedem Händler zurück, müsste man die Geräte registrieren, denn auf Altgeräte, für die kein Pfand bezahlt wurde, oder Geräte, die im Ausland gekauft wurden, kann es natürlich auch kein Rückpfand geben. Dazu müssten Server laufen und eine Verwaltungsstruktur aufgebaut werden, was Kosten verursacht, die zusätzlich zum Pfand anfallen, und die ständig Energie verbrauchen.
    Dann sollte der Staat lieber eine "Abwrackprämie" von wenigen Euro für die Altgeräte zahlen, in Verbindung mit einem Neukauf oder auch unabhängig davon. Das würde auch das Problem für einen Teil des Altbestandes, für den noch kein Pfand bezahlt wurde, lösen. Wenn das bei Autos geht, wieso nicht auch bei Handys?
    Ich weiß noch nicht, wem ich im Herbst meine Stimme geben werden, aber dass es die Produzenten solchen geistigen Dünnschisses sein werden, der unausgegoren, verwaltungsintensiv und bürgerfeindlich ist, halte ich für sehr unwahrscheinlich.


    • René H. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Stellt sich auch die Frage ob tatsächlich wiederverwertet wird. Man sieht doch immer wieder wieviel Müll in die dritte Welt verschifft wird wo dann die Menschen daran ersticken. Erst wenn 100% wiederverwertet wird wäre ein Obolus für die Rückführung sinnvoll. Oder besser gleich die Abschaffung der Sollbruchstellen und ökologische Nutzung aller Geräte (für mehr als nur 2 Jahre) und nicht jedes Jahr zahlreiche neue Geräte.


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Führt man diese "mein Eigentum"-Debatte denn auch, wenn man einen alten, defekten Fernseher entsorgt oder einen Kühlschrank? Wir können gerne diskutieren, ob ein wie auch immer geartetes Pfand auf Hardware sinnvoll ist oder nicht. Aber so eine künstliche Empörung, weil man sein "Eigentum aufgeben muss", finde ich echt schräg. Zum Grünen-Bashing an sich sage ich mal lieber nichts.
      Der Punkt ist doch, dass wir da hinkommen müssen, dass wir anders mit Rohstoffen umgehen. Da ist jede Idee willkommen und alles sollte zumindest mal durchdacht werden. Und alles, was hilft, Menschen für mehr Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, sollte auch ergebnisoffen besprochen werden. Ob das dann "Pfand" genannt wird oder "Abwrackprämie", sollte da zunächst einmal egal sein.


      • Knurrhahn vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Wie man es nennt ist in der Tat egal. Es muss nur sichergestellt werden, nicht schon wieder den Steuerzahler zu belasten, wie beispielsweise mit dieser schwachsinnigen E-Auto Prämie, sondern den Verursacher, also den Handynutzer.


      • Tenten vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        @Carsten
        Ich finde die Meinungen, die hier in großen Teilen vertreten werden auch ziemlich schräg. Es ist halt mal wieder so, jeder weiß im Grunde, dass wir vor großen Problemen stehen, die unbedingt sofort in Angriff genommen werden müssen. Und jeder weiß auch, dass das teuer ist, an den eigenen Geldbeutel geht und Verzicht auf bisherigen Komfort bedeuten wird. Das will natürlich niemand, also versucht man in Erbsenzählermanier möglichst viele "Gründe" zu finden, warum man selbst nichts tun kann und es doch bitte andere machen sollen. Oder man versucht, es auszusitzen, vielleicht geht es ja von selbst weg. Oder findet alle möglichen Argumente, warum es doch eh nichts bringt.
        Nur wird diese Haltung nicht ein einziges Problem lösen und uns nicht einen einzigen Schritt vorwärts bringen. Von nichts kommt nichts.


      • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        @Knurrhahn:
        Was verursacht der Handy-Besitzer denn, oder was hat der Auto-Besitzer im Fall er Abwrackprämie verursacht? Nichts! Bei der Auto-Abwrackprämie ging es in erster Linie um die Belebung der Wirtschaft. Dass die am Boden lag h atten die Besitzer der Fahrzeuge nicht zu verantworten. Also hat man zugunsten der Allgemeinheit, nämlich der Belebung der Wirtschaft, Mittel der Allgemeinheit, Steuern, in die Hand genommen und ausgegeben. Das macht man gerade wegen Corona übrigens gerade auch wieder, und nicht zu knapp.
        Dass die Neufahrzeuge emmissionsärmer sind, hat man als angenehmen Nebeneffekt mitgenommen.
        Aber man kann niemanden vorwerfen, dass er sein Auto nicht vorzeitig verschrottet, weil neue emmisionsärmer sind, und es ist sehr fraglich, ob es ökologisch überhaupt sinnvoll ist, deshalb Bestandsfahrzeuge vorzeitig durch neue zu ersetzen.
        Dass die Besitzer der Altfahrzeuge den Vorteil der Ihnen angeboten wurde, nutzen kann man ihnen auch nicht vorwerfen.
        Und was verursachen die Besitzer der alten Handys?
        Dass der Berg an Elektroschrott kleiner bleibt? Dass die Rohstoffe, die ja aus der Welt nicht deshalb verschwinden, sondern statt im Boden der Erzlagerstätten in ihren Schubladen lagern, etwas später recycelt werden?
        Dass die den Zeitpunkt, zu dem sie ihre Geräte der Entsorgung zuführen, selber bestimmen, ist ihr gutes Recht, und das Problem von niemanden. Es rechtfertigt nicht, ihnen einen Teil ihres Eigentums vorzuenthalten, bis sie das machen.


      • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Die "mein Eigentum" -Debatte führt man deshalb nicht bei alten Fernsehern, Waschmaschinen usw., weil bei dieser Gerätegruppe, noch niemand auf die Idee gekommen, ein Pfand zu erheben, dass nur dann zurückbezahlt wird, wenn man sie der Entsorgung zuführt.
        Das Eigentumsrecht hat in Deutschland traditionell eine hohe Stellung, und Rechte und Pflichten des Eigentümers sind gesetzlich geregelt. Solange die Geräte nicht zum Schaden anderer eingesetzt werden, kann der Eigentümer frei darüber verfügen. Die Entsorgungskosten sind eingepreist, und die Besitzer auch solcher Geräte, so steht es ja auch im Artikel, können sie bei Händlern und Recyclinghöfen kostenlos dem Recycling zuführen. Natürlich verpflichtet Eigentum auch, deshalb ist es bei Strafe verboten, solche Geräte über den Müll zu entsorgen. Find ich auch völlig in Ordnung.
        Und selbstverständlich halte ich einen vernünftigen Umgang mit Rohstoffen für ganz entscheidend für den Wohlstand zukünftiger Generationen und deshalb für geboten.
        Aber die Rohstoffe in den alten Handys verschwinden ja nicht aus der Welt, sie lagern in den Schubladen ihrer Besitzer statt im Boden des Kongo, Chinas oder Russlands, was, falls wirklich mal unvermeidbar, einen viel leichteren Zugriff darauf erlaubt, z.B. durch Ankauf. Ausserdem sollen sie ja dem Recycling zugeführt werden, nur, da es weder an Elektrischrott mangelt, noch an den Rohstoffen, die darin enthalten sind, ist der Zeitpunkt dieser Rückführung unerheblich. Liegt dieser erst in der Zukunft, kann man nicht nur auf eine höhere Recyclingquote hoffen, diese liegt derzeit nur bei etwa 45%, sondern auch auf effektivere und kostengünstiger Rückgewinnungsverfahren. Es gibt also nicht nur keinen Grund, durch Pfanderhebung Druck auf zukünftige Handykäufer auszuüben, für den gegenwärtigen Bestand hätte eine Pfandregelung ohnehin keine Bedeutung, es wäre in Sinn der Rohstoffrückgewinnung vermutlich sogar kontraproduktiv. Und an diesem Problem arbeiten auch namhafte Institute, wie manche Fraunhofer-Institute.
        Es ist also keineswegs so, dass hier oder nur in einer bestimmten Partei die intellektuelle Elite der Nation sitzt, und sich Gedanken über die Zukunft macht, während alles andere dumme Ignoranten sind, denen die scheissegal ist.
        Allein der Umstand, dass sich Müllsortierung weitgehend durchgesetzt hat, dass viele Hausbesitzer Solaranlagen auf ihren Dächern montieren usw. zeigt, dass dieses Problembewusstsein in der Bevölkerung weit verbreitet ist, und auch die Politik ist ja nicht untätig, sondern vergibt Gelder für Forschungsprogramme zur Rohstoff-Rückgewinnung, -Einsparung und -Substitution. Nur das geschieht eben leise, ohne grosses Tantam, weil die Thematik komplex ist.
        Mit der Pfandfrage wird also völlig unnötig ein Fass aufgemacht, also ist es auch legitim, harsche Kritik daran zu äußern.
        Übrigens wird etwa die Hälfte der weltweiten Goldförderung in der Schmuckindustrie eingesetzt. Ist die Verwendung dieses wertvollen Rohstoffes für Schmuck sinnvoll?
        Vermutlich nicht. Sollte man die Schmuckherstellung deshalb verbieten? Natürlich nicht, denn nicht alles was schön ist, muss sinnvoll sein. Vor allem schadet diese Goldverwendung niemanden. Das Gold verschwindet ja nicht aus der Welt, und wer Goldschmuck besitzt wird mit Argusaugen darauf achten. Aber Schmuckgold in hohem Reinheitsgrad ist kurzfristig in den Markt einführbar, wenn ein erhöhter Goldbedarf entsteht. Und steigt der Goldpreis, das kann man nachweisen, wird auch mehr Schmuck verkauft und eingeschmolzen.
        Auch die Metalle in den Handys verschwinden nicht, oder werden zukünftigen Generationen entzogen, sie befinden sich nur in den Schubladen ihrer Käufer, statt in einem Berg von Elektroschrott, den sich niemand eigentlich noch größer wünschen kann.
        Und natürlich ist nicht egal, ob man etwas Pfand oder Abwrackprämie nennt, es handelt sich um grundlegend andere Dinge, die sollte man nicht gleich benennen, das ist Unfug. Pfand ist eine hinterlegte Sicherheit für einen Leihgegenstand. Da bei einem Handykauf nichts geliehen wird, wäre Pfand nichts anderes als beschlagnahmtes Eigentum zur Erzwingung einer bestimmten Verhaltensweise. Pfand ist für mich daher nicht diskutabel, da nach meinem Empfinden widerrechtlich.
        Über eine Abwrackprämie kann man sehr wohl diskutieren. Wenn der Gesetzgeber die Ansicht vertritt, es ist im allgemeinen Interesse, Steuergelder für die Rückführung der Altgeräte in den Wertstoffkreislauf aufzuwenden, ich vertrete diese Meinung allerdings nicht, dann kann er das beschließen. Wie die Prämie bei Autos gezeigt hat, werden die Eigentumsrechte der Besitzer davon nicht tangiert.


      • Michael K. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        @Tenten:
        Seine Position mit Argumenten zu hinterlegen, nenne es "Gründe finden", gehört zur Wesensart einer Diskussion und hat nichts mit "Erbsenzählerei" zu tun. Eine Diskussion ohne Argumente ist nur Schwafelei.
        Natürlich kommt von nichts nichts, aber sinnloser Aktionismus bringt auch nichts und bewirkt nur das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung.
        Durch Vorschläge solcher Gängeleien wie "Handypfand" wird auch niemand sensibilisiert, sondern im Gegenteil, die Leute die diese Vorschläge als Gängelei empfinden werden aufgebracht und damit der eigentlich gut gemeinten Absicht ein Bärendienst erwiesen, ganz im Sinn von "das Gegenteil von gut ist gut gemeint".


      • Tenten vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Nun ja, es gibt gewichtige Gründe oder einleuchtende Argumente. Es gibt aber auch Argumente, die an den Haaren herbeigezogen wirken. Diese sortiere ich unter Erbsenzählerei ein. Diese Argumente müssen nicht falsch sein, aber sind in meinen Augen halt nicht wirklich stichhaltig und wirken vorgeschoben, um es nicht wenigstens mal versuchen zu müssen. Ich will da auch nicht gegenargumentieren, es ist halt meine Meinung dazu, so wie deine Meinung eben ist, dass es sich dabei nur um "sinnlosen Aktionismus" handele, der "nur das Gegenteil bewirke". Das ist deine Meinung, wissen kann man es nicht. Es gibt ja auch Beispiele dafür, dass Maßnahmen, die anfangs von vielen als "Gängelei" empfunden wurden, sich dann doch zu etwas insgesamt Positivem entwickelt haben, ich denke da zum Beispiel an die Anschnallpflicht oder das Rauchverbot in Gaststätten. Man muss es halt einfach mal machen.


  • Supertramp vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Vielleicht einfach mal nicht den Markt mit so vielen Handys überfluten :-)


    • dieCrisa vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      ...erinnert doch arg an eine Milchmädchen-Rechnung. Ob 100 verschiedene Modelle jedes Jahr neu raus kommen oder nur 10 - wer (z.B. alle 2 Jahre) ein neues Handy will, der kauft sich eines. In der Schublade landen auch dann immer noch genauso viele wie vorher.

      Da niemand gezwungen wird, ein neues Handy zu kaufen, liegt es allein in der Hand der User, ob und wann ein neues gekauft wird - das hat mit der Anzahl an Modellen auch nix zu tun. Da hilft nur: Hirn einschalten. Bei Milchmädchen-Rechnungen auch. ;)


  • Tim vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Also ein richtiges Smartphone würde ich für 25€ ziemlich sicher nicht abgeben 😅 Wenn man sich mal bei eBay umschaut, kriegt man selbst für ein 9 Jahre altes Galaxy S3 schon so viel oder gar etwas mehr (25 - 35€). Von neueren Geräten ganz zu schweigen.

    Aber die Idee finde ich prinzipiell sehr gut und viele würden das sicherlich in Anspruch nehmen, vorausgesetzt die deutsche Bürokratie macht es nicht wie sonst so oft zehn mal komplizierter, als nötig. Kein Mensch würde sein Gerät für 25€ weggeben, wenn er dafür bspw. wochenlang Papieraustausch mit irgendwelchen Behörden auf sich nehmen müsste.

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