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iPad Magic Keyboard im Test: Schwebt über den Dingen

iPad Magic Keyboard im Test: Schwebt über den Dingen

Eine iPad-Hülle für 350 bis 400 Euro! Dreht Apple jetzt durch? Mein Test des Magic Keyboard an einem iPad Pro 12.9 (2020) zeigt, ob und für wen sich die Investition in die „schwebende“ Tablet-Halterung mit Trackpad und Tastatur lohnt. 

Bewertung

Pro

  • Hält stabil, leicht zu entkoppeln
  • Tolles Schreibgefühl
  • Hochwertiges Trackpad
  • Ladebuchse hält USB-C des iPad frei

Contra

  • Funktionstasten fehlen
  • Begrenzter Blickwinkel
  • Hoher Preis für ein Zubehör-Artikel
  • Mit iPad Gewicht eines kleinen MacBooks

Für wen sich das iPad Magic Keyboard eignet

Zu Apples Tastatur-Hülle namens Magic Keyboard greifen Nutzer des iPad Pro mit 11 und 12,9 Zoll Diagonale. Die Aussparung für die rückseitige Kamera ist so geformt, dass das Zubehör neben der aktuellen auch die vorherige Generation von Apples Pro-Tablets umschließt. Die kleine Variante kostet 340 Euro, die große 400 Euro. Das ist jeweils etwas weniger als ein Drittel des günstigsten aktuellen iPad Pros, das dazu passt. 

Für diese hohe Investition entscheidet Ihr Euch, wenn Ihr nicht jeden Euro zweimal umdrehen braucht und mit dem Apple-Tablet häufig Aufgaben erledigt, für die sonst ein MacBook zum Einsatz kommt. Arbeitet Ihr nur gelegentlich am iPad Pro oder ist Euch das Original-Zubehör zu kostspielig, könnt Ihr auch eine erschwingliche Alternative etwa von Logitech oder Brydge in Betracht ziehen. Aber dabei müsst Ihr auf bestimmte Vorteile von Apples Magic Keyboard verzichten. 

Was mir am iPad Magic Keyboard im Test gefällt

Tablet-Halterung 

Ein Schlüsselmerkmal des iPad Magic Keyboard ist der Deckel der Hülle. Er fixiert drei Viertel der Tablet-Rückseite magnetisch und lässt den unteren Rest im aufgeklappten Zustand unbedeckt. Dadurch wirkt es, als ob das iPad Pro im Einsatz schwebt.  

Mittels eines zweiten Scharniers im Deckel lässt sich der Blickwinkel auf das iPad-Display stufenlos zwischen 90 und 130 Grad verstellen. Wegen der Schwebeaufhängung braucht die Hülle in der Basis keine Führungsschiene, aus der man das Tablet lösen und darin wieder einrasten lassen müsste. 

magic keyboard halterung neu
Hält gut: Die Magnethalterung des Magic Keyboard. / © NextPit

In meinem Praxistest halten die Magnete je ein iPad Pro 12.9 aus 2018 und 2020 stabil in der gewählten Position. Weder der Deckel noch das ganze Konstrukt kippelt oder wackelt dabei. Das passiert selbst dann nicht, wenn ich mit dem Apple Pencil 2 auf das Display tippe oder ihn zum Laden an der magnetischen Stirnseite des iPad Pros befestige. 

Um das Apple-Tablet zu entfernen, ziehe ich es einfach mit minimalem Kraftaufwand in meine Richtung. Das ist viel bequemer als es bei der Hüllen-Alternative von Logitech an allen vier Seiten aus einer gummierten Führung zu fummeln. Drücke ich das iPad zum Wiedergebrauch ans gepolsterte Deckelinnere, begibt es sich automatisch wieder auf seinen Posten und trifft dadurch präzise den Smart Connector. Über den dreipoligen Kontakt tauscht das Tablet Signale mit dem Trackpad und der Tastatur aus. Deswegen braucht das iPad Magic Keyboard keinen separaten Akku und Bluetooth-Empfang. 

Trackpad 

Als Computer-Anwender bin ich es seit den 90ern gewohnt, Geräte mit einem Cursor zu bedienen. Seit iPadOS 13.4 ist das auf Apple-Tablets ebenfalls möglich, was mit dem Trackpad des Magic Keyboards prima gelingt. Die zehn Zentimeter breite und 4,5 Zentimeter hohe Eingabefläche reagiert auf Klicks und Fingerbewegungen direkt aus dem Karton so, wie ich es erwarte. Wer das Trackpad stattdessen abweichenden Arbeitsvorlieben anpassen möchte, ändert in den iPadOS-Einstellungen die Zeigerschnelligkeit oder Scrollrichtung. Außerdem könnt Ihr Euch für oder gegen einen Klick durch Tippen und den Zweifinger-Sekundärklick entscheiden. 

Multi-Touch-Gesten akzeptiert das Trackpad ebenfalls, sodass ich dafür nicht mehr die Hand zum Display ausstrecken muss. Wische ich mit drei Fingern nach oben, gelange ich zum Home-Screen. Wische ich nach links und rechts, wechsele ich durch geöffnete Apps.  

Tastatur 

Die Tastatur des iPad Magic Keyboard bietet mir im Praxistest ein angenehmes Schreibgefühl, mit dem es Spaß macht, längere Texte zu verfassen. Statt der kritisierten Butterfly-Tasten kommen mit einem Scherenmechanismus ausgestattete Tasten zum Einsatz. Ihr Druckpunkt lässt sich auf Anhieb gut erfühlen, der Hub ist mit einem Millimeter angenehm gewählt. Die Hintergrundbeleuchtung der Tasten sorgt dafür, dass Ihr auch im Schummerlicht nicht blind tippen müsst. Allerdings folgt die Helligkeit nur den strikten Vorgaben eines Sensors und lässt sich nicht von Hand ändern. 

magic keyboard tastatur neu
Die Tastatur ist beleuchtet. Das könnt Ihr aber nicht steuern. / © NextPit

Separater USB-C-Anschluss 

Das Magic Keyboard erhält seine Energie vom gekoppelten iPad und braucht daher keinen Ladeanschluss. Trotzdem verfügt es über einen zum Laden geeigneten USB-C-Steckplatz im Hauptscharnier. Dieser reicht die Energie über den Smart Connector an das gekoppelte Tablet durch, sodass die Schnittstelle des Tablets für anderes freibleibt. Dadurch lässt sich das iPad Pro über den eigenen USB-C-Anschluss mit einer Kamera oder einem Monitor verbinden, während es gleichzeitig über das Magic Keyboard neue Energie tankt. Praktisch! 

Was mir am iPad Magic Keyboard im Test weniger gut gefällt

Steiler Blickwinkel 

Obwohl sich der Blickwinkel um 40 Grad ändern lässt, bietet die Halterung nicht genug Spielraum für alle Einsatzzwecke. Die Hülle bringt ein iPad Pro zwar ideal in Position, wenn ich mit Augenabstand von mindestens 40 Zentimetern davor arbeite. Möchte ich näher heranzurücken, um kleinere Schrift zu erkennen, ist der Blickwinkel dafür aber zu steil. Darüber hinaus bietet die Halterung keine Möglichkeit, das Tablet in leicht angewinkelter Leseposition auf dem Tisch zu platzieren. Dazu muss ich es herausnehmen und selbst in der Hand halten. Den Deckel weiter nach hinten kippen zu können, wäre auch deshalb wünschenswert, weil ich unter Umständen mit den Fingern gegen die untere Displaykante stoße, wenn ich nach der Zahlenreihe taste.  

apple magic keboard vergleich neu
Die Kamera-Aussparung am iPad Pro 2018. / © NextPit

Keine Funktionstasten 

Ihr sucht die Escape-Taste oder möchtet am Keyboard die Helligkeit ändern und Medien steuern? Fehlanzeige! Apple verzichtet auf die von Mac-Schreibbrettern gewohnte Funktionstastenleiste. Daher lassen sich nur die in iPadOS hinterlegten Shortcuts verwenden oder anpassen. Will Apple damit Platz und Gewicht sparen? Alternativen von Logitech und Brydge geben Euch Funktionstastenleisten an die Hand und sind trotzdem nicht nennenswert schwerer oder größer.  

Apple iPad Magic Keyboard im Test 2
Das Magic Keyboard macht als Hülle optisch eine gute Figur. / © NextPit

Hohes Gewicht 

Auch ohne die eingesparte Funktionstastenleiste ist das iPad Magic Keyboard ein gewaltiger Brocken. Die große Version wiegt angesichts 700 Gramm Eigengewicht zusammen mit einem iPad Pro 12.9 (640 Gram) so viel wie ein Macbook Air mit 13-Zoll-Display (1,3 Kilogramm). Die kleinere Version (600 Gramm) reißt in Kombination mit dem 11-zölligen iPad Pro (470 Gramm) ebenfalls die Kilogramm-Marke. Das schmälert den mobilen Vorteil des Tablets, sofern Ihr die Keyboard-Hülle immer dran lasst.

Abschließendes Urteil

Das iPad Magic Keyboard macht Apples Profi-Tablets erheblich vielseitiger. Tippen, Klicken und freihändig drauf zu gucken ohne den Nacken zu strapazieren, wird mit dem Magic Keyboard am iPad Pro deutlich angenehmer. Klar, bei dem Gewicht könntet Ihr auch gleich zu einem MacBook greifen, aber dort lässt sich nicht einfach mal eben auf die Tastatur verzichten. Trackpad und Tastatur des Magic Keyboard bieten ein Laptop-vergleichbares Tipp- und Schreibgefühl und sind gut auf iPadOS abgestimmt – wenn man von der fehlenden Funktionstastenleiste absieht. 

Nichts ist perfekt, aber es nervt, dass Apple trotz des Preises mit einem trivialen Feature wie Sondertasten geizt. Zudem würde ich mir mehr Spielraum bei den auswählbaren Blickwinkeln wünschen. Die geniale Magnethalterung macht das aber wieder wett. So easy lässt sich das iPad zwar auch bei Brydge Pro+ befestigen und entfernen, aber die Alternative muss extra geladen werden und bezieht die Energie nicht automatisch vom iPad. Das Original-Zubehör harmoniert mit seiner magnetischen Halterung und dem Smart Connector einfach am besten mit Apples Tablet und bietet das bequemste Gesamtpaket. Das ist es zumindest vertretbar, dass nicht nur die iPad-Halterung, sondern auch der Preis über den Dingen schwebt. 

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15 Kommentare

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  • Der Preis schreckt mich enorm ab. Es würde mich schon reizen, aber da bleibe ich lieber beim "normalen" Magic Keyboard. Das verbindet sich sehr schnell über Bluetooth und ist zum Tippen von längeren Texten wahrscheinlich sogar angenehmer, als die klappbare Version. Schmale, magnetische Hüllen gibt es auch genügend auf dem Markt. Klar sieht es cool aus, aber das rechtfertigt den Preis kein bisschen.


  • Das Magic Keyboard war für mit ein Grund auf das neue IPad 2020 zu wechseln. Das Keyboard hat endlich wieder das Gefühl „nice to have“ geweckt. Und wenn ich schon 1.600€ für iPad ausgebe, dann darf die Hülle (Schutz) mit Keyboard auch gerne 400€ kosten.


    • Ich finde, dass sogar der Preis fuer's Tablet uebertrieben ist, aber dort ist zumindest Technik und was noch mehr wiegt Software verbaut. Aber 400€ fuer ne Tastatur, die nun wirklich kein Hexenwerk ist, ist einfach frech.


    • Dein Geschmack in allen Ehren. Bitte ist ja auch Dein Geld. Für die Kohle würde ich mir ein Laptop kaufen mit einem i9 Chip und einer RTX 2080 und hätte weitaus mehr davon.


  • Kabel für 140€, schnelllader für 99€, Tastaturen für 400€

    Man was bin ich froh mich von dieser Marke fern zu halten.

    m7934


  • Für den Preis bekomme ich keine angemessene Leistung. Es handelt sich um ein Keyboard mit Stand. Mehr ist es nicht und als mehr werde ich es nicht sehen. Solche Produkte sind nur für die die es sich leisten wollen. Ich finde die Idee welche hinter dem Produkt steckt gut. Ich sehe hier aber nichts was einen solchen Preis rechtfertigt. Wird wohl ein Versuch sein die Kosten für die bevorstehende Klimaneutralität vorab reinzuholen (Sarkasmus off).


  • Allein schon wegen den fehlenden Funktionstasten würde ich das Ding nie kaufen (auch wenn der Preis nicht wäre) ^^
    Ich hab ein 46€ Keyboard-Case für mein iPad Pro (zugegeben, ohne Trackpad) und ich nutze die Funktionstasten ständig. Die eingebauten Tastenkombinationen dafür sind bei weitem nicht so angenehm und keine Alternative für mich...

    Das mit dem Gewicht geht aber nicht wirklich anders. Wenn das Case bspw. nur halb so viel wiegen würde, würde es ständig überkippen, dank des Eigengewichts des iPads. Ähnlich wie beim Surface Book.


  • Die Funktionstasten wären unter dem iPad zu liegen gekommen, was sehr unbequem ist. Alternativ hätte Apple alle Tasten kleiner machen müssen, aber dazu sind die Funktionstasten unter iPadOS viel zu unwichtig. Das hat hier alles seine Richtigkeit.

    Was mich viel mehr stört: Die Hülle ist wahnsinnig steif – viel steifer und sperriger, als sie m.M.n. sein muss.


  • In dem Fall würde ich Apple-Zubehör empfehlen.


  • Da zahlt man halt das Design. Ich kenne die Vergleichspreise von anderen Tastaturen nicht, aber für mich würde keines der "Features" einen solchen Preis rechtfertigen.
    Aber hey, im Gegensatz zu dem Display-Standfuß oder den Mac Pro Rollen ist das hier ja mal ein krasser Schnapper.


    • @Tobias
      Naja es kommt auch keine andere Tastatur an die dünne ran. Ich habe den Vorgänger der Tastatur und alle anderen Marken sehen einfach nicht gut aus und sind auch dicker. Mir war die Haptik einfach wichtig und bin sehr zufrieden. Aber klar der Preis hat es in sich aber wie hat einer mal gesagt „den Preis vergisst man die Qualität bleibt aber“.


      • Qualität mit einem Jahr Garantie 😅


      • @Olaf
        Selbst die reicht aus. Hatte bisher noch nie Probleme mit einem Apple Gerät das ich es einschicken musste. Das einzige Mal war das ich eins „defekt“ gekauft hatte und mir Apple es dann direkt umgetauscht hat.

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