Das sind die App-Trends des Jahres 2020

Das sind die App-Trends des Jahres 2020

Die weltweiten Downloads von Apps erreichten im zweiten Quartal 2020 ein Allzeithoch von 37,8 Milliarden, ein Anstieg von 31,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber was laden die Menschen herunter? Ein neuer Bericht von Sensor Tower zeigt die App-Trends im Jahr 2020 auf. Wir haben die Daten gesichtet.

Die Auswirkungen von COVID-19 auf das Herunterladen von Apps

Wie Ihr vielleicht schon vermutet habt, hatte der weltweite Ausbruch des Coronavirus einen großen Einfluss auf die App-Landschaft. Während die Städte abgeriegelt wurden und immer mehr von uns zu Hause blieben, suchten wir in den App-Stores nach Lösungen für Probleme und Möglichkeiten, die Pandemie einigermaßen unterhaltsam oder produktiv zu überstehen.

Apps für die Bereiche Wirtschaft, Gesundheit und Fitness sowie Bildung gediehen im zweiten Quartal 2020, da viele Menschen die Ausgangsperre nutzen wollten, um fit zu werden oder etwas Neues zu lernen. 13 Wochen nach dem Höhepunkt der Pandemie waren die Downloads für Gesundheits- und Fitness-Apps immer noch 20 bis 35 Prozent höher als die Werte vor dem Coronavirus. Als die Bevölkerung auf der ganzen Welt begann, mehr und mehr von zu Hause aus zu arbeiten, boomten zudem Produktivität und Videokonferenz-Tools.

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Apps für die Bereiche Wirtschaft, Bildung sowie Gesundheit und Fitness waren die größten Wachstumsbereiche. / © Sensorturm
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Die Geschichte ist auf Android die gleiche wie auf iOS. / © Sensorturm

In der Zwischenzeit litten Reise-, Navigations- und Sportapplikationen natürlich unter einer längeren Periode niedriger Installationszahlen. Insbesondere Reise-Apps wurden im zweiten Quartal überflüssig, als die Grenzen geschlossen und Ausgangssperren und Quarantänen eingeführt wurden. Reise-Apps lagen in den zehn Wochen nach dem 200. bestätigten Corona-Fall mehr als 60 Prozent unter dem Niveau vor COVID. Die weltweiten Downloads von Reise- und Navigationsanwendungen liegen nach wie vor etwa 30 Prozent unter dem Niveau vor dem Coronavirus, doch in einigen Ländern kehren die Downloads allmählich wieder zurück. In den skandinavischen Ländern gibt es erste Anzeichen für eine Rückkehr zu den Marktnormen. Insbesondere Norwegen verzeichnete im zweiten Quartal ein enormes Wachstum.

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In Skandinavien beginnen sich die Reise-Apps in Bezug auf Downloads zu erholen. / © Sensorturm

Car-sharing-Apps erholten sich im zweiten Quartal, verständlicherweise. Die Daten für Uber als auch für Lyft stimmen nahezu perfekt mit den COVID-Sperrzeiten überein. Nachdem sie jedoch Anfang April einen Tiefpunkt erreicht hatten, sind die Downloads seitdem für beide Apps stetig gestiegen.

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Uber und Lyft erholen sich langsam in Bezug auf die Downloads in den USA. / © Sensorturm

Zoom ist der Gewinner der Krise

Der größte Gewinner in diesem Zeitraum war zweifellos Zoom. Die App für virtuelle Besprechungen, die von vielen Unternehmen, Regierungen und Schulen bevorzugt wird, war in den USA und in Europa in diesem Quartal die App mit den meisten Downloads. Es war erst die dritte App, die in einem einzigen Quartal 300 Millionen Installationen erreichte, und schloss sich damit TikTok und Pokémon GO bei der Erreichung dieses Meilensteins an. Auch Google Meet und Microsoft-Teams erfreuten sich der höchsten Download-Höchstwerte aller Zeiten.

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Zoom war der große Gewinner in Bezug auf das Wachstum der Anwendungen im zweiten Quartal 2020. / © Sensorturm

Social Apps wie Houseparty und Skype verzeichneten ebenfalls ein gutes Wachstum, während die Downloads in der Kategorie Social von Google Play nach COVID-19 um neun Prozent zunahmen, verglichen mit 42 Prozent Wachstum in der Kategorie Social Networking im App Store.

Spiele dominieren nach wie vor sowohl auf Android als auch auf iOS

Handyspiele machen nach wie vor einen großen Anteil der sowohl auf Android als auch auf iOS heruntergeladenen Apps aus. Im Google Play Store wuchsen die Spiele-Downloads im Jahresvergleich um mehr als 50 Prozent und im Quartalsvergleich um fast 20 Prozent gegenüber ihrem bisherigen Höchststand von 10,4 Milliarden im ersten Quartal 2020. Hyper-Casual- und Puzzlespiele waren die beliebtesten Spiele, während andere Genres wie Arcade, Simulation und Lifestyle im zweiten Quartal 2020 ebenfalls einen Aufschwung erlebten.

Spieleentwickler und App-Store-Betreiber sahen auch im zweiten Quartal 2020 steigende Einnahmen. In den Vereinigten Staaten beliefen sich die Ausgaben der Nutzer für die 200 besten Spiele im Mai zusammen auf fast 1,5 Milliarden Dollar. Besonders gut lief das Geschäft im Bereich Simulations- und Shooter-Games, die im zweiten Quartal 2020 jeweils ein vierteljährliches Wachstum von fast 50 Prozent verzeichneten. Spiele wie Fortnite und PUBG Mobile spielen hier eine große Rolle, ebenso wie Call of Duty Mobile.

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Die Einnahmen aus Handy-Spielen erreichten im Mai 2020 ihren Höhepunkt. / © Sensorturm

Herunterladbare Apps sind noch nicht tot

Seit einiger Zeit hören wir vom Aussterben der herunterladbaren Apps. Mit dem Reifeprozess neuer technischer Lösungen, wie z.B. progressiven Web-Apps (PWA), ging man lange davon aus, dass die Tage der herunterladbaren Apps und damit des Apple App Store und Google Play Store gezählt sind. Wenn man dazu noch die aktuelle Auseinandersetzung über die App-Store-Praktiken von Google als auch Apple sowie die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China berücksichtigt, könnte man meinen, dass wir kurz vor einer neuen Ära für Apps stehen. 

Ich bin zwar nach wie vor der Meinung, dass progressive Web-Apps in Zukunft herunterladbare Apps ersetzen werden, aber die Trenddaten von Sensor Tower deuten darauf hin, dass Apps noch nicht tot sind. Cloud Computing und 5G gibt es bereits, aber sie sind noch weit davon entfernt, weit verbreitete Technologien zu sein, und es scheint, dass die Leute immer noch in die Apps-Store gehen, wenn sie im Jahr 2020 eine Softwarelösung auf ihrem Mobiltelefon benötigen.

Ein kurzes Wort zur Methodik

Die Daten in diesem Bericht stammen aus dem Q2 2020 Store Intelligence Data Digest von Sensor Tower. Die in diesem Bericht zitierten Zahlen spiegeln die Download-Schätzungen von App Store und Google Play für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis zum 30. Juni 2020 wieder. Dargestellte Download-Schätzungen sind auf einer Pro-Nutzer-Basis, d.h. es wird nur ein Download pro Apple- oder Google-Konto zur Gesamtzahl gezählt. Neuinstallationen derselben App durch denselben Nutzer werden nicht zur Gesamtzahl gezählt, ebenso wenig wie Updates oder Downloads desselben Nutzers auf mehreren Geräten.

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1 Kommentar

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  • Bzgl. Progressive Web Apps: Der zögerliche Start liegt sicherlich zum einen daran, dass viele User eben schon die Apps haben die sie brauchen - warum wechseln? Zum anderen könnte ich mir vorstellen, dass die User sich inzwischen so sehr an die zentrale Verfügbarkeit von Apps via Store gewöhnt haben und schätzen, dass ein neuerlicher Paradigmenwechsel (Verfügbarkeit von dezentral zu zentral nun wieder zu dezentral) eher als negativ, weil unübersichtlich, empfunden würde - ähnlich wie "wenn ich was google und nicht finde, dann gibt es das auch nicht".
    Klar, auch heute gibt es Apps die man nicht im Apple/Play Store findet (Sideload), doch die Masse der 08/15 User kennt und kann das nicht und bleibt immer schön im Store.
    Mit PWAs zersplittern die Bezugsquellen aber sicherlich stärker weil man sie einfacher selbst anbieten kann als Apps - und Apple & Google haben sicherlich überhaupt kein Interesse daran, das zu unterstützen, im Gegenteil.