iPhone-Drosselung: Apple muss Betroffene entschädigen

iPhone-Drosselung: Apple muss Betroffene entschädigen

Tech-Konzern Apple fiel vor rund zwei Jahren negativ auf, als ein Reddit-Nutzer die mittlerweile berühmt berüchtigte iPhone-Drosselung auf seinem Gerät entdeckt hatte. Zahlreiche Nutzer älterer iPhones reichten daraufhin in den USA Klage ein – mit Erfolg. Apple wird nun zur Kasse gebeten. 

Um weiteren Gerichtskosten aus dem Weg zu gehen, habe Apple sich am vergangenen Freitag mit dem US-Bezirksrichter Edward Davila in San Jose auf einen Vergleich geeinigt, wie “The Guardian” berichtet. Demnach sei der Konzern bereit, rund 500 Millionen US-Dollar als Entschädigung an betroffene iPhone-Besitzer zu zahlen. Das sind US-amerikanische Besitzer des iPhone 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus, iPhone 7, 7 Plus und iPhone SE. Die iPhones müssen alle mit iOS 10.21 beziehungsweise iOS 11.2 bespielt worden sein, um in den Zahlungstopf zu gelangen. Mit den Updates hatte Apple die Leistungsbremse eingeführt. Je nach Anzahl der berechtigten Geräte könnte sich die Zahlung von 25 Dollar also noch nach oben unter unten entwickeln. 

Der Fall ist so einmalig. Noch nie mussten Hersteller für etwaige Software-Updates älterer Geräte Nutzer entschädigen. Mit dem Ausbremsen der iPhones hatte Apple damals Leistungsprobleme wie eingefrorene Displays oder sich abschaltende iPhones bei Kälte in den Griff bekommen wollen. Um die enormen Nutzerprobleme zu vermeiden, hatte Apple bei einigen Geräten per Software-Update eine Leistungsdrossel eingeführt. Sie griff bei iPhones mit einem Akku, der einer Spitzenstrombelastung nicht mehr standhielt, etwa bei Kälte, wenig Restladung oder bei alten Akkus, und fuhr die Höchstleistung des Geräts runter – So konnte das Gerät wenigsten weiter genutzt werden und ging nicht mehr aus, auch ein Akku-Tausch war nicht mehr notwendig. 

Das hatte der Reddit-User "TeckFire" festgestellt, da die Benchmarkergebnisse seines Geräts (iPhone 6s) und dem eines Bekannten gänzlich unterschiedliche Leistungsdaten zeigten. Erst ein Akku-Wechsel trieb sein gedrosseltes iPhone wieder zu Höchstleistungen an. Der Skandal war perfekt. Apple erklärte erst daraufhin sehr transparent, was es mit der Leistungsdrossel auf sich hat. Es folgten kostenlose oder reduzierte Angebote, entsprechende Akku-Wechsel im Apple Store vorzunehmen und das Unternehmen führte per iOS-Update im Bereich “Einstellungen” den “Batteriezustand” ein, der die "Gesundheit" eines Akkus zeigt. 

Nur amerikanische Nutzer erhalten die Entschädigung

Apples Vorgehen ist umstritten. Trotzdem hört man seit der Einführung der Leistungsdrossel keine Berichte mehr von sich ausschaltenden Geräten im Winter oder bei niedriger Restladung des Akkus. Nahezu jeder Besitzer eines iPhone 6 oder 6s hatte damals mit dem Problem zu kämpfen, das Apple von vornherein hätte lösen müssen. Ganz sicher hätte Apple aber im Nachhinein mit einer transparenten Kommunikation viel Ärger vermeiden und Geld sparen können. Hierzulande können Besitzer der betroffenen iPhones sich übrigens nicht auf die Sammelklage in den USA berufen und Geld von Apple einfordern. Nach Ablauf von Garantie und Gewährleistung müssen deutsche Verbraucher mit nachträglichen OTA-Machenschaften von Herstellern leben oder zivil klagen – erfolgsversprechende Sammelklagen, bei denen Gelder auch direkt an Betroffene fließen, sind hierzulande noch nicht möglich. In Frankreich wurde Apple ebenfalls zur Kasse gebeten: 25 Millionen Euro Strafe musste der Konzern Anfang Februar an die französische Aufsichtsbehörde "Direction générale de la concurrence, de la consommation et de la répression des fraudes" (DGCCRF) zahlen.

Nicht nur alte iPhone-Modelle sind von der iPhoneDrossel betroffen. Mit dem neuen Feature "Batteriezustand" führte Apple die Drossel steuerbar für jedes iPhone ein. Betroffen sind momentan die folgenden Geräte: 

  • iPhone 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus
  • iPhone SE
  • iPhone 7, 7 Plus
  • iPhone 8, 8 Plus mit iOS 12.1 oder höher
  • iPhone X mit iOS 12.1 oder höher
  • iPhone Xs, Xs Max und XR mit iOS 13.1 oder höher

Der Unterschied zum verschleierten Vorgehen: Ihr könnt die Drossel aktiv ein- und ausschalten und so selbst entscheiden, ob ihr zugunsten des Akkus die Leistung runterfahrt oder eine Belastung des Akkus bei voller Prozessorleistung in Kauf nehmt. Die entsprechende Möglichkeit findet Ihr erst innerhalb der "Einstellungen" -> "Batteriezustand", wenn Euer iPhone sich erstmals aufgrund von Akku-Problemen ausgeschaltet hat. Dann erscheint im entsprechenden Menü der Button zum Ausschalten der Leistungsbremse. So müsst Ihr unter Umständen damit leben, dass das Gerät bei Kälte oder niedrigem Akkuzustand aus geht. 

Quelle: The Guardian

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Top-Kommentare der Community

  • Aboubakr Tazi vor 6 Monaten

    Einfach lachhaft das so teure Geräte wie die iPhones die teilweise wirklich unverschämt teuer sind mit vergleichsweise geringen internen Speicher und mit all den Nachteilen die sie haben, sich ernsthaft erlauben nach ca einem Jahr die Geräte langsamer zu machen per Update! :) finde es armselig was anderes fällt mir dazu nicht ein.

  • Tim vor 6 Monaten

    Armselig ist eher, dass du dich offensichtlich kein bisschen mit dem Thema beschäftigt hast und nur Apple-Bashing betreibst, sonst gar nichts.

48 Kommentare

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  • Mein Samsung S10e schaltet sich auch einfach aus, verliert die Konnektivität oder schiesst selbstständig Apps ab. Von dem her.. Jeder hat so seine Tricks und Unzulänglichkeiten.


  •   75
    Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Also ganz ehrlich, wenn so eine Leistungsbremse aktiv ist, ich aber dann trotzdem wählen kann ob ein oder aus und dann damit rechnen muss das das Smartphone mal früher als gewollt ausgeht, dann ist es höchste Zeit für einen neuen Akku und nicht wenn und aber bei den Nachteilen.


  •   77
    Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Nur Amis mal wieder....🙄


  • "erfolgsversprechende Sammelklagen, bei denen Gelder auch direkt an Betroffene fließen, sind hierzulande noch nicht möglich."

    "Noch nicht"?? Hast du Informationen, die mir fehlen? Wer versucht denn, eine Gruppenbetroffenheit einzuführen?


    • Blurryface
      • Blogger
      vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Die Leite die eine Sammelklage gegen VW eingereicht haben und VW nun direkt die betroffenen Kunden entschädigen muss.
      Jedoch nur der, der an der Sammelklage teilgenommen hat.


  • Die Geräteleistung wurde eingeschränkt, ohne das den Nutzern mitzuteilen. Wurde mit guten Intentionen gemacht aber dann muss man das auch von Anfang an so kommunizieren. Von daher finde ich die Strafe gerechtfertigt.

    Gelöschter AccountTim


  •   31
    Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Also ich kann die ganze Aufregung über dieses Thema nicht verstehen. Apple hat aus meiner Sicht bei der Einführung dieses Features zu wenig Transparenz gezeigt. Allerdings ist eine solche Herangehensweise durch Apple nicht neu.
    Ich finde, dass die fehlende Kommunikation in dieser Causa Apples einziges "Missgeschickt" war.


  • Ich verstehe dieses Schöngerede auch nicht...
    Fakt ist das es ein Problem mit den Akkus gab und das Apple Software erstellen konnte, die das feststellt.
    Wie löst man das Problem also?
    Entweder "gar nicht" (wie alle anderen Hersteller), der Kunde wird schon merken das sein Akku alt geworden ist und dann eine Entscheidung selber treffen (neuer Akku oder neues Phone).
    Oder: das System weist den User auf die Problematik hin, nach jedem Neustart, nach jedem Update, alle 4 Wochen oder in einer wie auch immer gearteten Regelmäßigkeit; so bekommt der Kunde das Problem mit, bevor er es selber bemerken würde (kurz Laufzeit) und kann wiederum selber eine Entscheidung treffen.
    Stattdessen sieht der Hersteller hier eine Gelegenheit zum Geld scheffeln und verwandelt gute Phones in schlechte, damit neue gekauft werden (statt evtl. neuer Akkus, an denen natürlich weit weniger verdient wird).
    Zudem hat der Hersteller all die Jahre stets behauptet, die Phones nicht zu drosseln, seine Kunden also dreist belogen.
    Durch diese Aktion hat er dann so viel Geld verdient, das er über die angebotene Vergleichszahlung nur müde Lächeln kann.


    • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Es gab NIE ein Problem mit den Akkus.
      Die Akkus sind völlig normal gealtert und Apple gibt schon seit Anfang an an, dass es ca. 500 volle Zyklen braucht, bis ein iPhone-Akku bei 80% Restkapazität angekommen ist. Und danach wird mittels Software der Prozessor gedrosselt, da der Akku die bei diesem Alter unter Umständen die nötigen Peaks nicht mehr bereitstellen kann und sich das Gerät deswegen plötzlich neu startet. Das hat Apple damit schlicht verhindern wollen.
      Nichts anderes hat Apple gemacht und zudem unmittelbar danach in die Einstellungen - für jeden ersichtlich - eingebaut, um zu sehen, ob das Gerät gedrosselt ist oder nicht und wenn ja, kann es auf Wunsch sofort mit einem Touch wieder deaktiviert werden.
      Apple war noch nie daran interessiert, Kunden zu verarschen und ihnen schnell das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das merkt man schnell, wenn man sich mal WIRKLICH mit Apple auseinandersetzt... Apple baut auf Kundenbindung und das erreicht man unter anderem damit, dass man langlebige Geräte anbietet, die sich nicht ab einem gewissen Alter einfach spontan neu starten.
      Und wann hat Apple denn behauptet, die iPhones würden nicht gedrosselt? Oder ist das auch nur eine wilde Behauptung? Meines Wissens nach hat Apple in der Regel zu dieser Behauptung einfach gar nichts gesagt und das ist juristisch betrachtet nicht gelogen 🤷🏻‍♂️


      • Na ja und da das juristisch nicht gelogen ist zahlen sie jetzt auch den Vergleich
        Ja ne is klar.....


      • > Es gab NIE ein Problem mit den Akkus.
        > Die Akkus sind völlig normal gealtert
        Genau das wurde offenbar von Apple als Problem gesehen, sonst hätte es ja keinen Handlungsbedarf gegeben.
        Andere Hersteller tun da nichts, und deren Geräte starten dann anscheinend nicht spontan neu, das wäre ja sonst sicher mal nen Blogeintrag bei APit wert gewesen.
        Nachdem also selbst der "Billig-Chinese" das "Problem" offenbar ohne Neustarts gelöst bekommt, ist dieses Argument wohl eher als Ausrede zu bewerten - aber das nur am Rande.

        > unmittelbar danach
        Nach jahrelangem Drosseln und erst nachdem es ihnen nachgewiesen wurde; da wäre "unmittelbar" irgendwie nicht der erste Begriff, der mir dazu einfallen würde :)

        Aber im richtigen Kontext passt der Begriff natürlich, also "unmittelbar nachdem der Nachweis der unlauteren Geschäftspraktik hinreichend publik war, das man keine andere Wahl mehr hatte, wurde eine kundenfreundlichere Lösung erstellt, damit die Wellen nicht noch höher schlagen" :)


      • Das die iPhones dann einfach neustarten ergibt für mich absolut Sinn! Was macht den Windows wenn etwas eintritt, dass nicht kompensiert werden kann? Bluescreen! Es folgt ein Neustart. Mein altes Galaxy S4 hat sich jedoch einfach "normal" ausgeschaltet, als der Akku schon einiges runter hatte. Ich halte es deshalb für absolut logisch, dass sich die iPhones neustarten.


  • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Man kann die Drosselung übrigens nicht selbst einschalten. Das passiert automatisch, wie oben beschrieben (ab einer Akkukapazität von rund 80%, also erst nach mehreren Jahren). Man kann sie dann auf Wunsch wieder ausschalten, aber einschalten geht nicht.


  • 22,50 Euro. Dafür bekommt man nicht einmal Ersatzspitzen für den Apple Pencil.
    Apple wird mir immer symphatischer. Hust.


    • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Und? Apple hat das Problem, zugegeben erst nachdem es bekannt wurde, innerhalb von gerade einmal zwei Wochen beseitigt und bietet seit dem jedem Nutzer die Möglichkeit, die Drosselung selbst zu deaktivieren, sollte sie nach JAHREN irgendwann automatisch aktiviert worden sein.
      Apple hat in erster Linie versucht dass die Gerät trotz alter Akkus weiterhin nutzbar blieben. Es wurde hier niemandes Leben gefährdet oder sonst was. Nur weil Apple ein Multimilliarden-Unternehmen ist, muss nicht jede Klage in Millionen Dollar pro Kläger resultieren...


  • Steve Jobs wäre nicht wirklich stolz auf seine Ingenieure! 🤔

    Ist ein gutes Zeichen in den USA und ein schlechtes für Europa...

    Bei uns müssen mal die Rechte der Verbraucher wieder mehr in den Vordergrund rücken!


    • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Bei Apple hat die Langlebigkeit eine höhere Priorität, als "der Moment" wie bei vielen anderen Herstellern. Das war damals unter Jobs so und ist es heute immer noch und diese Funktion hatte genau das im Sinn. Ich denke Jobs wäre darüber ziemlich stolz... ^^


      •   26
        Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

        Gerne auch hier nochmal die Frage: Wie definierst du Langlebigkeit? Ein Handy, dessen Akku getauscht wird und danach wie neu ist. Oder ein Handy, dass so langsam wird, dass der Nutzer es genervt wegwirft und ein neues kauft?


      • Also bei Macbooks gings seit 3+ Jahren nur bergab mit Reparierbarkeit/Qualität!

        Bei den iPhones, iPad stimmt bisher lediglich der lange OS Support 📱


      • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

        @Florian
        Der Punkt ist genau der: Du tauschst den Akku und dann ist das gesamte Gerät quasi wie neu.
        Und es muss eben auch niemand das Gerät genervt wegschmeißen und neu kaufen, da wie gesagt ein einfacher Akkutausch komplett ausreicht.

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