EU: Neue Pläne für Ladekabel und Netzteile mit einheitlichen Steckern

EU: Neue Pläne für Ladekabel und Netzteile mit einheitlichen Steckern

Mit einer neuen Gesetzesinitiative will die EU wieder einmal Unternehmen zu einheitlichen Ladekabeln und Netzteilen für Smartphones und viele andere Geräte zwingen. Im Sommer soll ein entsprechender Gesetzesvorschlag vorliegen.

Die neue Initiative hat es sich laut Netzpolitik.org zum Ziel gesetzt, "einheitliche Ladegeräte und Anschlüsse für Handys, Tablets, Laptops und andere elektronische Geräte" zu schaffen. Was also vor mehr als einem Jahrzehnt mit einem Universal-Stecker für alle Smartphones begann, könnte in Zukunft deutlich größere Kreise ziehen.

Einheitliche Stecker zum Schutz der Umwelt

Als einer der wichtigsten Gründe für diese Pläne nennt man erneut das Potenzial, hierdurch das Aufkommen von Elektromüll zu reduzieren. Sollte sich ein Stecker durchsetzen, könnten Hersteller in Zukunft ohne größere Bedenken auf die Auslieferung von Netzteilen und Kabeln im Lieferumfang ihrer Geräte verzichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer bereits das kompatible Zubehör besitzen, wäre deutlich größer. Ein Trend, der sich bereits seit der Vorstellung von Apples iPhone 12 oder auch Samsungs S21-Reihe zeigt.

NextPit Samsung galaxy S21 Ultra usb
Auch beim neuen Galaxy S21 von Samsung ist kein Ladegerät mehr im Lieferumfang enthalten / © NextPit

Eine Studie der EU schätzt, dass alte Smartphone-Ladegeräte von 2020 bis 2028 bis zu 13.300 Tonnen Elektroschrott im Jahr verursachen. Durch eine Kompatibilität zwischen den Geräten verschiedener Hersteller könne man dies deutlich reduzieren. Durch einheitliche Standards für unterschiedliche Geräte ließen sich gar 29.000 Tonnen Elektromüll im Jahr einsparen.

Die große Unbekannte: Was macht Apple?

Schon seit Jahren setzt Apple auf eigene Standards beim iPhone. Was mit dem 30-Pin-Stecker begann, verwandelte sich im Jahr 2012 zu dem weiterhin genutzten Lightning-Stecker. Das US-Unternehmens begründet seine Position gegen einen einheitlichen Stecker durch fehlende Innovationsmöglichkeiten. Was passiert also, wenn neue Kabel, Stecker oder Netzteile ein besseres Laden ermöglichen würden, dies aber beispielsweise nicht mit USB-C möglich ist?

NextPit iPhone 12 Pro magsafe magnet
Möglicherweise verzichtet Apple in Zukunft gänzlich auf einen regulären Ladeanschluss und setzt stattdessen gänzlich auf kabelloses Laden via MagSafe / © NextPit

Die Diskussion um einheitliche Stecker befeuert gleichzeitig aktuelle Gerüchte, laut denen Apple sich in Zukunft gänzlich von einem Stecker im iPhone verabschieden könnte. Stattdessen könnte man auf das mit Qi kompatible MagSafe setzen und den Lightning-Anschluss gänzlich entfernen.

Da in der neuen Initiative auch die Rede von Geräten abseits des Smartphones die Rede ist, würde ein einheitlicher Standard auch viele andere Hersteller betreffen, die weiterhin beispielsweise auf Micro-USB setzen. Dieser Anschluss ist insbesondere bei günstigerem Zubehör auch heute noch oft zu finden.

EU: Mögliche Regelungen für kabelloses Laden

Zum Punkt kabelloses Laden überlegt die EU laut dem Bericht von Netzpolitik.org ebenfalls einen einheitlichen Standard. Während viele Smartphones mit Qi kompatibel sind, könnte es in Zukunft weitere Standards geben. Aktuell gibt es in diesem Bereich zum Beispiel auch Powermat.

wireless fast charging
Auch für kabelloses Laden könnte es in Zukunft einheitliche Regeln geben / © NextPit

Umweltschützer kritisieren jedoch die aktuellen Standards, da sie effizient genug seien. Einige Tests ergaben etwa, dass kabelloses Laden 47 Prozent mehr Strom verbrauche als das Laden mit einem Kabel. Umweltschützer wünschen sich daher, dass "kabellose Ladegeräte mindestens so energieeffizient seien wie herkömmliche". Dies erfordere einen einheitlichen Standard.

Nur noch Netzteil: Ein Traum für viele Nutzer

Bei den Nutzern dürfte ein einheitlicher Standard, insbesondere bei Kabeln und Netzteilen, viele Freunde finden. Statt unterschiedliches Ladezubehör für Smartphone, Smartwatch, Tablet und Notebook herumzutragen, könnte man so auf ein einzelnes Kabel und Netzteil zurückgreifen.

Der neue Plan der EU-Kommission für ein einheitliches Laden ist Bestandteil der Kreislaufwirtschaft für Elektrogeräte. Diese umfasst auch ein Recht auf Reparatur sowie Verpflichtungen für Hersteller, für eine gewisse Zeit Softwareupdates für ihre Geräte zu liefern.

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Top-Kommentare der Community

  • Aries vor 1 Monat

    Apple hat den Schalter vor Jahren umgestellt. Und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als sie Lightning eingeführt haben. Schau Dir mal die Historie von USB-C an. Da war Apple eine treibende Kraft, aber es ging ihnen nicht schnell genug und es gab zuviel Abweichler. Das Ergebnis haben wir Bei Android spüren dürfen.

    Mir wird zu wenig konkret kritisiert und zu viel pauschal auf jemanden eingedroschen. Die Realität ist komplexer!

38 Kommentare

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  • Der Stecker ist IMO nur das halbe Problem. Die verschiedenen Fast Charge Standards gibt es ja auch noch..


  • >>"... Stattdessen könnte man auf das mit Qi kompatible MagSafe setzen und den Lightning-Anschluss gänzlich entfernen. ..."<<

    Und das ist umweltfreundlich weil das MagSafe sowie alle anderen induktiven Ladeklötze ja schließlich selbst keinen Netzadapter brauchen ??!


  • Mittlerweile stört mich das mit den Steckern eher weniger, da es eigentlich gesehen nur noch zwei gibt. Was mich mehr stört ist das ich mittlerweile bei jedem Hersteller mit Android und USB C auch ein anderes Netzteil benötige da es unterschriedliche Stelllademodifikationen gibt.


  • Absoluter Schwachsinn der sich nicht durchsetzen wird. Die sollten lieber mal beschließen das Handys weiterhin ordentlich Updates erhalten bis zum "klinischen Tod" und das Ackus wieder leicht auszutauschen sind. Dann könnte Elektroschrott eingespart werden. Statt dessen gehören die Teile schon nach 2 Jahren größtenteils zum "alten Eisen". Ist das etwa umweltschonend, wenn die "Greta-Generation" alle 2 Jahre ein neues Handy braucht nur weil der Acku tot ist oder die Software veraltet. . . 😥


    • Schon immer wurden Mobiltelefone alle zwei Jahre ausgetauscht. Weil man ja mit der Vertragsverlängerung billig ein neues Gerät gekommen hat. Meine Akkus waren nie nach zwei Jahren platt. Die haben alle vier Jahre und länger gehalten. Einen austauschbaren Akku würde ich auch vorziehen, aber ich sehe die Artikel und Kommentare schon vor mir, wenn die Gehäuse deshalb dicker werden.


  • Und Apple wird es einfach nicht machen. Wie immer.


    • Auch Apple wird sich nicht über gesetzliche Vorschriften in Zielmärkten, die sie weiter beliefern wollen, hinwegsetzen können.
      Es gibt verbindliche Anforderungen, wie z.B. das CE-Zeichen und vor allem die Einhaltung der damit verbundenen Vorschriften und Grenzwerte, die für eine "Inverkehrbringung" der Ware, also dem Handel damit, auf dem Gebiet der Union zwingend erforderlich sind.
      Sollte eine USB-C-Ladebuchse zu solch einer Anforderung werden, wird ein einzelner Konzern daran nichts ändern können.
      Mit wäre auch nicht bekannt, wo sich Apple schon jemals über solche gesetzlichen Vorschriften hinweggesetzt hätte.


    • Tja, ich vermute dass sie dem zuvor kommen mit dem kompletten Wegfall der Ladebuchse. Aber ich verstehe Apple hier sowieso nicht. Man hätte vor Jahren den Hebel bei iPhone und iPad konsequent umlegen sollen - das wäre 'courage' gewesen und nicht diese Sache mit dem Kopfhöreranschluss. Stattdessen muss der Kunde erstmal mit dem Durcheinander leben.


      • Apple hat den Schalter vor Jahren umgestellt. Und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als sie Lightning eingeführt haben. Schau Dir mal die Historie von USB-C an. Da war Apple eine treibende Kraft, aber es ging ihnen nicht schnell genug und es gab zuviel Abweichler. Das Ergebnis haben wir Bei Android spüren dürfen.

        Mir wird zu wenig konkret kritisiert und zu viel pauschal auf jemanden eingedroschen. Die Realität ist komplexer!


      • Die Geschichte ist immer vielschichtiger. Aber es wäre für einen Konzern mit Apples Einfluss ein leichtes gewesen vor einigen Jahren, als klar war dass sich usb-c durchsetzen würde, komplett umzusteuern. Aber sie haben es nur halbherzig getan bzw. tun es immer noch nicht und im Ergebnis habe ich heute nur ein Handy, das ich nicht mit den Kabeln der anderen laden kann - mein iPhone!


      • Gerade mit Apples Einfluss und Reichweite können sie aber eben NICHT einfach so von jetzt auf gleich umstellen.
        Als Apple von 30-pin auf Lightning umgestellt hat, musste Apple sogar versprechen, dass sie Lightning "mindestens 10 Jahre lang" als Standard nutzen werden, einfach um dem gigantischen Shitstorm entgegenzuwirken, der losgegangen wäre und teilweise dennoch ist, als plötzlich das ganze 30-pin Zubehör nutzlos wurde.
        Wenn Apple da einfach so das Versprechen bricht und nach 4-5 Jahren direkt wieder den Port wechselt, hätte das durchaus nach hinten los gehen können. Zumal zum damaligen Zeitpunkt auch niemand wusste, ob USB-C wirklich die Zukunft wird, oder ob vielleicht schon 2-3 Jahre später USB-D oder so mit wieder anderem Design kommt. Da war es von Apple deutlich intelligenter und auch einfach, auf den eigenen Port zu setzen.
        Und Apple ist was Lightning angeht auch deutlich näher an einem "Standard" dran, als eben USB-C. Es gibt zig USB-C-Versionen, die nur teilweise kompatibel sind, einfach weil jeder seinen eigenen Mist macht. Es gibt sogar Laptops, bei denen zwar ein USB-C-Port verbaut wird, dieser aber ausschließlich zum Laden genutzt werden kann, nicht zur Datenübertragung. Kein toller Standard.

        Wie Aries schon sagt: Die Realität ist komplexer.


      • Du überschätzt Apples Einfluss in einer globalen Arbeitsgruppe!


      • Als ob es Apple interessiert, wenn die Nutzer aufheulen - Stichwort Kopfhöreranschluss. Die Leute kaufen trotzdem wieder ein iPhone. Es war für Apple einfach nicht interessant genug zu wechseln, zumal man mit Lightning weiter Geld für Lizenzierung bzw. Zubehör verdienen konnte.

        Im Gegensatz zu Lightning dient usb-c nicht nur dem Laden und der Datenübertragung bei Handys, sondern ist sehr universell einsetzbar - von der Videoübertragung bis zum Laden eines Notebooks. Da verwundert es nicht, dass für bestimmte Features dann auch spezielle Kabel nötig sind.


      • "Da verwundert es nicht, dass für bestimmte Features dann auch spezielle Kabel nötig sind."

        Und wozu brauche ich dann einen einheitlichen Stecker, wenn ich mir dafür verschiedene Kabel kaufen muss, um alle Features zu nutzen? Das ist doch Unsinn. Da wäre es ja sinnvoller, USB C abzuschaffen und einheitlich Lightning einzuführen.


      • @Olele
        apple hat den Punkt mit der Klinke - anders als so ziemlich alle anderen - aktiv auf der Keynote angesprochen und wieso sie genau das machen. Und sie haben - ebenfalls anders als die meisten anderen - eine Zeit lang zur Übergangsphase einen Adapter mitgeliefert.
        Apple kümmert sich weit mehr um seine Kunden, als die meisten anderen.

        Und offensichtlich hast du meinen Kommentar nicht richtig gelesen:
        Es gibt Laptops, die haben USB-C Ports verbaut, die KEINE Datenübertragung unterstützen! USB-C ist nicht gleich USB-C. Der Port ist gleich, aber was damit möglich ist, ist bei gefühlt jedem Laptop, Smartphone etc. anders.


      • "Da wäre es ja sinnvoller, USB C abzuschaffen und einheitlich Lightning einzuführen."

        Am dieser Stelle verlassen wir eine seriöse Diskussion. Den Vorschlag würde noch nicht mal Tim Cook machen.


      • @Tim

        Ich bin bei dem Klinkenanschluss etwas kritischer gegenüber Apple und denke ein wichtiger Grund war auch, den Verkauf der Airpods zu befördern. Aber diese Diskussion ist schon so alt wie ermüdend.

        Tatsächlich kann nicht jeder usb-c Port alles. Ich habe Kopfhörer mit denen kann ich über usb-c Musik hören und es gibt Kopfhörer, die man über diesen Port nur laden kann. Darüber muss man sich halt vor dem Kauf informieren. Aber ich hatte zum Beispiel noch nie ein Problem, unterschiedliche Smartphones an ein und demselben usb-c-Kabel zu laden oder Daten zu übertragen.


      • "Darüber muss man sich halt vor dem Kauf informieren"

        Äh nein. Die Ports sollten dann auch einheitlich alle das gleiche können. Denn sonst braucht man keine Vereinheitlichung. Das meinte ich damit, man sollte dann besser Lightning zum Standard machen als etwas, das nur oberflächlich ein Standard ist.


      • @Olele
        Genau dieses "da muss man sich eben informieren" ist genau DAS, was mit einem Standard aber nun mal nicht der Fall sein sollte. Bei Lightning kaufst du einfach irgendein Kabel und es funktioniert. Dort gibt es nicht 30 (und das ist nicht mal eine Übertreibung) verschiedene Versionen, die untereinander zwar identisch aussehen, aber nicht das gleiche können.
        Und wie wenig die Leute davon verstehen, merkt man in Online-Diskussionen immer wieder, wenn gesagt wird, dass USB-C ja so viel besser als bspw. Lightning sei, weil damit schnellere Datenübertragung und Laden möglich sind. Nur ist das faktisch so einfach nicht richtig. Es gibt gerade in der Mittelklasse viele Smartphones, die USB-C haben, aber nur USB2.0 Geschwindigkeiten und <18W Laden unterstützen.

        Und zur Klinke:
        Das haben ausnahmslos alle deswegen gemacht. Auch Samsung hat die Klinke weggelassen, als sie ihre Wireless Earbuds aggressiver beworben haben. Nur hat Apple wie gesagt als einziger aktiv darüber gesprochen. Da wurde nichts verheimlicht oder totgeschwiegen. Man hat sich direkt an die Kunden gewandt - die Apple ja angeblich so egal sind - und hat versucht die Gründe zu erklären.


      • Das ist bei Lightning genau das gleiche. Es gibt Kopfhörer, die ich darüber nur laden kann und es gibt welche, die darüber auch Musik abspielen. Das hat nichts mit dem Standard zu tun, sondern ist die Entscheidung des Herstellers und als Kunde informiere ich mich davor über den Funktionsumfang.

        Zur Klinke: Die anderen Hersteller waren bis auf wenige Ausnahmen kein bisschen besser als Apple, aber deshalb darf ich das trotzdem kritisieren?!

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