Casa Casi, Folge 17: Wann ist ein Foto ein Foto?

Casa Casi, Folge 17: Wann ist ein Foto ein Foto?

Der NextPit-Podcast – heute mit Ben, Stefan und Casi – befasst sich mit dem Thema Smartphone-Fotografie und Fotografie generell. Wie echt sind unsere Fotos noch in einer Welt aus Filtern und Algorithmen?

Wie heißt es so schön? Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch! Damit meine ich, dass Fabi im verdienten Urlaub ist und ich mir kurzerhand einfach noch einen neuen Talk-Partner ins "Casa Casi"-Boot geholt habe mit meinem lieben Kollegen Ben. Auch Stefan ist wie in den letzten Folgen bereits wieder mit am Start, so dass wir heute in gemütlicher Dreier-Runde quatschen. 

Realität im Foto: Hach, schön – der Eiffelturm 

Für diese Folge war es auch absolut sinnig, dass mir diese beiden unter die Arme greifen. Denn wir reden über Fotografie und in dem Bereich sind beide Experten, während ich auf diesem Gebiet allenfalls mit gefährlichem Halbwissen punkten kann. 

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Die Ausgangsstellung war ein Gespräch, welches ich mit Stefan kürzlich führte. Wir setzen uns ja stets mit Smartphone-Kameras auseinander und bewerten auch die Software, die Jahr für Jahr mächtiger wird. Wir haben uns daher einfach überlegt, wie lange unser geknipstes Bild tatsächlich noch "unser" Foto ist und Stefan machte das an einem Beispiel fest: 

Geht mal davon aus, dass Ihr in Paris abends vorm Eiffelturm steht und bei miserablem Licht ein Foto macht. Eine Software, die clever genug ist, würde jetzt natürlich so ein berühmtes Wahrzeichen erkennen und könnte dieses Foto mit einem vielleicht nur verschwommenen Eiffelturm aufpeppen. Die Software macht nun aber nicht nur die Farben knalliger und schärft das Motiv nach, sondern bedient sich in einer Datenbank mit vielen tollen Eiffelturm-Fotos.

NextPit Samsung galaxy S21 Ultra back
Das Galaxy S21 Ultra – aktuell so ziemlich das beste, was Smartphone-Kameras hergeben / © NextPit

Lichtstimmung, Jahreszeit, Position des Fotografen usw. wären alles Parameter, die berücksichtigt werden – und so puzzelt sich die Software dann ein Foto zusammen, auf dem möglicherweise nicht mehr wirklich viel von dem übrig bleibt, was man da selbst geknipst hat. Aber wäre das tatsächlich noch unser Bild?

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Wie viel Realität darf es denn sein? 

Schon mal als Drohung vorab: Ich bin sicher, dass wir nicht das letzte Mal über dieses Thema gesprochen haben. Die Fotografie ist eh schon umfangreich genug mit all ihren Facetten, aber speziell dieser Blickwinkel auf die Fotografie lässt uns auch im Podcast ständig zwischen zwei verschiedenen Polen pendeln: Da sind nämlich auf der einen Seite die technischen Möglichkeiten, über die wir reden – aber wir landen auch immer wieder sehr schnell auch in einer ethischen, moralischen Betrachtungsweise. 

Ich erinnere nochmal an unseren Foto-Blindtest von neulich. Uns ist da nämlich ein Widerspruch aufgefallen zwischen Eurem Wunsch, möglichst natürliche, realistische Fotoresultate zu erhalten – und dem unbestrittenen Sieger des Blindtests: dem iPhone 12 Pro Max, bei dem die Fotos durch die Software deutlich aufgehellt werden. 

Anscheinend wollen wir gleichzeitig natürliche, realistische Fotos, mögen dann aber auch die oft knalligeren, übersättigten und aufgehellten Bilder. Darauf wiederum stellen sich Algorithmen auf Plattformen wie Instagram ein und bieten uns diese Motive dementsprechend öfter im Feed an. 

Die Welt der anderen ist irgendwie bunter, oder? 

An diesem Punkt verlassen wir dann auch im Podcast immer wieder den eher technischen Pfad und reden darüber, was da in unserer Birne passiert, wenn wir uns Fotos anschauen. Da geht es nicht nur um die Qualität eines Fotos und um Farben, Auflösungen oder Kontraste, sondern immer auch um die Auswahl dessen, was wir da sehen. Wir scrollen und scrollen und in uns verfestigt sich manches Mal der Eindruck, dass die Leben unserer Freunde anscheinend spannender sind als unsere. 

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Der eine Freund ist schon wieder an so einem tollen Strand, ein anderer hat gerade einen 20-Kilometer-Lauf absolviert, der Arbeitskollege feiert in geselliger Runde oder sitzt im Restaurant – ich sitze stattdessen zuhause, bin eins mit meiner Couch geworden und blicke neidisch auf die Leben der anderen. Das ist natürlich eine komplett selektive und subjektive Nummer.

Ich selbst mache auch kein Foto, wenn ich gerade in der Küche einen Teller zerschmissen habe oder wenn ich in der Postfiliale in einer ewig langen Schlange stehe. Wenn ich in Las Vegas bin und von der CES berichte, seht Ihr auf meinen Fotos eher die wundervoll illuminierten Hotels bei Nacht und nicht den schwitzenden Drees im Pressezentrum, der wieder einmal mit zu langsamen Internet kämpft. Wir selektieren also alle und suchen ganz bewusst, was wir von uns preisgeben. Nicht, weil wir ein tolleres Leben vorgaukeln wollen, sondern weil wir unsere Kontakte im Netz bei den tollen Augenblicken mitnehmen wollen. 

Das war jedenfalls auch im Talk unser Dilemma: Die Technik ermöglicht uns, dass der eigentlich graue Himmel schön blau ist und dass ich auf meinem Selfie viel glattere Haut habe. Als Nerds feiern wir die Möglichkeiten und wünschen uns, dass wir von solchen Verbesserungen profitieren. 

Auf der anderen Seite wird dadurch die online präsentierte Welt immer noch bunter und perfekter und wer sich damit heute schon unwohl fühlt, wird es auch künftig sicher nicht leichter haben. 

Es ist angerichtet: Casa Casi, Folge 17

Ich plaudere nochmal aus dem Nähkästchen und verrate Euch, dass wir in dieser Woche ein technisches Problem hatten. Das führte dazu, dass wir unsere komplette Aufnahme in die Tonne treten konnten und die Folge nochmal komplett neu aufgenommen haben. 

Das sage ich Euch deswegen, weil wir dadurch zwei Mal über das selbe Thema gesprochen haben, die Gespräche aber komplett unterschiedlich gelaufen sind. Davon bekommt Ihr natürlich nichts mit, aber uns wurde dadurch besonders bewusst, wie komplex dieses Thema ist. Wir sprachen in der nun nicht mehr existenten Version viel mehr über den psychischen Druck, den sich vielleicht vor allem junge Mädchen gegenüberstehen. Über Schönheitsideale, über Filter und über Selbstliebe. 

Es gibt tatsächlich ein Krankheitsbild, welches sich Snapchat- oder Instagram-Dysmorphie nennt. Bei dieser psychischen Erkrankung sind die Betroffenen nicht mehr glücklich mit dem eigenen Aussehen, weil man eben nicht so aussieht, wie mit den Filtern. Ihr seht also: Es gibt noch wirklich vieles, was man ansprechen kann, wenn wir die Frage stellen, wann ein Foto noch ein Foto ist bzw. wie realistisch Bilder sein sollen. Ich glaube dennoch, dass uns wieder eine sehr unterhaltsame Folge unseres Podcasts gelungen ist. 

Sagt uns also gerne in den Kommentaren, ob wir den technischen oder auch den psychischen und ethischen Aspekt nochmal ausführlicher besprechen sollen. Generell freuen wir uns natürlich auf die Diskussion mit Euch und auf Eure Ansichten zum Thema. Ben hat sich in seinem "geek together"-Podcast ebenfalls schon mit Fotografie auseinandergesetzt. Diesen Podcast möchte ich Euch ebenfalls ans Herz legen und schon mal ankündigen, dass es auch da bald weitergehen wird mit einer neuen Folge. 

Wenn Ihr unseren Podcast mögt, dann teilt ihn bitte, bewertet ihn und erzählt Euren Leuten von uns – das hilft uns sehr. Und jetzt viel Spaß mit der neuen Folge!

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9 Kommentare

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  • rolli.k vor 1 Monat Link zum Kommentar

    "wysiwyg" what you see is what you get. 👈🏻 Punkt.
    Da bin ich ganz Purist; die Kamera soll für mich so wahrheitsgetreu wie nur möglich die Realität abbilden, alles andere ist für mich Selbstbetrug. Was meine Augen sehen will ich auf meinen Bildern genauso wiederfinden. Und wenn die Urlaubsfotos wettermäßig mal nichts geworden sind, Pech gehabt, das muss man aushalten können, alles andere ist nur Fake.

    Dann ist diese verregnete Urlaubswoche eben ein Teil meiner Vita, na sowas.

    @Reginald Barclay
    Die Einstellungen an der Cam sollten stimmen, das ist kein Eingriff in den Bildinhalt, da hast Du vollkommen Recht.


    • C. F.
      • Admin
      vor 1 Monat Link zum Kommentar

      Dann darfst Du alles aber nur im RAW-Format aufnehmen.


      • Werner Altmuller vor 1 Monat Link zum Kommentar

        Nein, ganz so puristisch muss man als Nicht-Profi-Fotograf doch wohl nicht sein ?!


  • Olaf vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Über dieses Thema lässt sich endlos diskutieren, und doch wird man vermutlich nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

    Ich fotografiere nun seit über 30 Jahren, von analog über digital bis hin zu den heutigen Smartphones. Und doch hat sich dabei über all diese verschiedenen Gerätschaften eines nie geändert: der Blick für ein in den eigenen Augen geeignetes Motiv und das bildliche Festhalten desselben.

    Ob nun jemand Bonbonfarben bevorzugt, s/w, das Selfie bis zur Unkenntlichkeit glattzieht oder ausschließlich mit dem RAW-Format arbeitet, weil er eben selbst die Nachbearbeitung vornehmen möchte und nicht den Softwarealgorithmen ab Haus vertraut, das alles ist vom persönlichen Geschmack abhängig. Und doch bleibt es immer ein Foto. Man mag sich selbst im einen oder anderen Stil nicht wiederfinden, aber wenn es "das Foto" tatsächlich gäbe, wäre die Welt um unzählige Blickfänge ärmer.

    "Ist das Kunst oder kann das weg?" greift hier schlicht nicht. Jeder, der etwas durch den Sucher, das Display oder schlicht aus der Hüfte heraus bildlich festhält, hat in der Regel seinen ganz persönlichen Grund dafür. So darf es auch künftig gerne bleiben. Man muss als Außenstehender das Ergebnis nicht mögen. Hauptsache derjenige, der seinen ganz persönlichen Moment festhalten wollte, warum auch immer, ist damit zufrieden.


  • Michael W. vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Mir reicht es meist mit einem Klick das Foto zu optimieren. Sonst belasse ich es wie es ist.


    • Werner Altmuller vor 1 Monat Link zum Kommentar

      nun, ja am Anfang ist das oft so...aber mit der Zeit wachsen dann die Ansprueche und man ist bereiter bei der Nachbearbeitung Zeit zu "opfern" !


  • René H. vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Eine Foto soll Erinnerungen festhalten. Daher würde ich ein Foto nie nachbearbeiten, sonst würde ich ihm "die Seele rauben".


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 1 Monat Link zum Kommentar

      Vermutlich wieder was, was man diskutieren kann und bei dem Dir auch bestimmt viele widersprechen. Dafür ist das Spektrum auch meiner Meinung nach einfach zu groß bei den Bearbeitungsmöglichkeiten. Auch Fotografen bearbeiten ihre Bilder ja und das geht schon damit los, dass ein bestimmter Ausschnitt des Bildes gewählt wird, der nicht mehr dem Originalfoto entspricht.
      Und wenn ich jetzt einfach über ganz normale, private Party- oder Konzert-Fotos rede: Verliert ein Bild tatsächlich seine Seele, wenn ich bei einem Foto ein wenig den Kontrast erhöhe? Ich sehe doch dann fünf Jahre später doch trotzdem meine lieben Freunde mit mir auf dem Bild und erinnere mich an diese Party. Wie gesagt, darüber lässt sich sicher vortrefflich diskutieren.


    • Reginald Barclay vor 1 Monat Link zum Kommentar

      Wenn Kontrast, Belichtung oder Weißabgleich nicht stimmen, sollte man das korrigieren, das ist kein Eingriff in den Bildinhalt. Im Gegenteil: Bei falschen Lichtwerten hat die Kamera bereits das Bild 'verfälscht'.
      Einen Ausschnitt zu wählen, den die Kamera nicht geben konnte, ist auch keine Verfälschung, sonst währe jedes Foto eine Fälschung, weil man ja immer mit dem Sucher einen Auschnitt wählt und Kameras bieten sowieso je nach Bauart verschiedene Seitenverhältnisse.

      Und dann kommt es nicht bei jedem Bild auf Originalität an. Eine Störung im Bild wegzuretuschieren ist manchmal ganz Sinnvoll.
      Eine richtige Fotomontage, auch wenn ein Kunstwerk, sollte als solche gekennzeichnet werden und vor allem Fotowettbewerbe strotzen oft nur von Fälschungen.

      Profifotografie ist teuer und verlangt Geduld. Doch ich glaube wenn man das Reh im Walde bei Morgendunst und Sonnenaufgang auch billiger produzieren kann, wird diese Berufssparte bald ausgedient haben.

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