Achtung, Fake-Rabatte: Warum Black Friday noch nie so gewinnträchtig war wie 2020

Achtung, Fake-Rabatte: Warum Black Friday noch nie so gewinnträchtig war wie 2020

"Black Friday, Cybermonday, die besten Angebote, Deals, Schnäppchen, echte Rabatte, iPhone-Angebote, kaufen, kaufen, kaufen!" Mehr als je zuvor wird der Black Friday 2020 in diesem Jahr etwas Besonderes sein und hohe Umsätze in die Kassen des Online-Handels spülen. Angesichts des wachsenden Bedürfnisses oder Wunsches, sich während des Lockdowns mit technischen Gütern auszurüsten, sind die Folgen dieser kommerziellen Schlacht umso nachteiliger.

Noch schamloser als die ironische Auflistung aggressiver Buzzwords, die ich oben exemplarisch aufgeschrieben habe, sind die dubiosen Geschäftspraktiken der E-Händler während des Black Fridays in diesem Jahr. Dabei sind sie umso gravierender, da die Käufe von Tech-Gütern und das Online-Shopping insgesamt seit Beginn der Pandemie sprunghaft angestiegen sind.

Black Friday 2020 will auf dem Online-Shopping-Boom surfen

Laut den vierteljährlichen Ergebnissen des französischen E-Commerce-Verbandes Fevad, die am 15. September vorgestellt wurden, seien die Internet-Verkäufe im zweiten Quartal 2020 um 5,3 Prozent gestiegen (gegenüber 12,1 Prozent im zweiten Quartal 2019), was einem Umsatz von 25,9 Milliarden Euro entspricht. Wenn aber der Verkauf von Dienstleistungen stark rückläufig ist, explodiert der Verkauf von Produkten (+45 Produkte).

Demselben Bericht zufolge haben sich die Online-Käufe auf den Websites von Amazon und anderen in diesem Quartal mit einem Anstieg von +83 Prozent und einer Verdoppelung der Online-Verkäufe am stärksten beschleunigt.

Ein Trend, der offensichtlich nicht nur für Frankreich gilt. Laut OECD erlebt der elektronische Handel in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich seit Anfang 2020 einen regelrechten Boom und seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit Covid-19.

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Nach einer Durststrecke im April 2020 zieht der E-Handel wieder an. / © OECD

Diesem Boom gingen jedoch schwere Verluste in März-April 2020 voraus, zu Beginn der ersten globalen Eindämmungsmaßnahmen und der Schließung nicht-systemrelevanter Betriebe in mehreren Ländern. Seitdem ist das Interesse der Nutzer, Waren und Dienstleistungen aus der Ferne zu kaufen, stetig gestiegen, wie die Daten der Google-Suche zeigen, die von der OECD in der unten stehenden Grafik dargestellt werden.

oecd ecommerce google search
Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Eindämmungsmaßnahmen und einer erhöhten Nachfrage nach dem Online-Kauf von Waren und Dienstleistungen. / © OECD

Diese Zahlen mögen überraschend erscheinen, insbesondere für technische Produkte, wenn man bedenkt, dass 2020 ein schwarzes Jahr für Smartphone-Hersteller war. Der Markt, der bereits vor der Pandemie Jahr für Jahr rückläufig war, hat laut Counterpoint Research mit einem Gesamtrückgang der weltweiten Smartphone-Verkäufe um 17 Prozent stark gelitten.

Dieser Rückgang lässt sich jedoch hauptsächlich durch die Stilllegung von Produktionslinien in China, den Rückgang der von den einzelnen Herstellern produzierten Einheiten und die Schließung von physischen Lagern erklären. Allerdings haben die Online-Käufe von Technologieprodukten seit der ersten Eindämmung zugenommen.

In Deutschland stellte dasselbe Institut Counterpoint Research im zweiten Quartal 2020 einen Rückgang der Smartphone-Verkäufe um 27 Prozent fest. Aber gleichzeitig sind die Verkäufe von Xiaomi im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2019 um 250 Prozent explodiert.

Das Bedürfnis, für den Lockdown gerüstet zu sein

Die Verbraucher müssen oder wollen ihre Ausrüstung und technischen Güter während der Eindämmung zunehmend erneuern. Dies ist ein Befund, auf den mich auch viele NextPit-Leser in Kommentaren der vergangenen Monate hingewiesen haben.

Während des ersten Lockdowns war es kein Zufall, dass die Abonnements von Streamingdiensten wie Netflix oder Disney+ und der Konsum von Videospielen explodierten. Es ist auch kein Zufall, dass der PC-Verkauf, ein historisch krisengeschüttelter Markt, einen exponentiellen Aufschwung erlebt hat, da immer mehr Arbeitnehmer zu Home Office übergegangen sind.

pc sales covid
Prognostizierte weltweite PC-Verkäufe im Jahr 2020; Quelle: Gartner über Forbes / © Gartner

Wir verwenden unsere Güter immer mehr. Im vergangenen April befürchtete die Welt sogar, dass die Netzwerkinfrastrukturen des Internets zusammenbrechen könnten, da die Downloadraten und die Anzahl der Verbindungen während des ersten Lockdowns zunahm.

YouTube, Netflix und Co hatten daraufhin ihre Dienste eingeschränkt, um die globale Bandbreite zu erhalten. Es ist lächerlich, wenn man darüber nachdenkt, aber es zeigt, wie wichtig der Black Friday 2020 für die Nutzer inmitten des technologischen Wettrüstens ist, um von zu Hause aus zu unterhalten und zu arbeiten.

Daher ist die Durchführung des Black Friday in diesem Jahr besonders entscheidend. Die E-Händler sind sich dieses Trends sehr wohl bewusst, und es wäre dumm von ihnen, ihn nicht auszunutzen.

Falsche Promos waren noch nie so unverzeihlich

Jeder erfahrene Verbraucher weiß jedoch, dass der Black Friday auch eine echte Messe für Fake-Werbeaktionen ist, insbesondere im Internet. Wenn ein Händler am Black Friday nicht mit Verlust verkaufen will, muss er logischerweise Tricks anwenden, um spektakuläre Rabatte von bis zu -50 Prozent auf ein Produkt anzubieten. Häufig bläht er daher den durchgestrichenen Referenzpreis auf, ein Preis, der im Allgemeinen z.B. beim Launch eines Smartphones angesetzt wird, der aber den natürlichen Preisrückgängen und damit der Realität des Marktes nicht Rechnung trägt. Hierbei handelt es sich nur um die Unverbindliche Preisempfehlung (UVP).

Diese Praktiken sind gut bekannt. Jedes Jahr werden sie von Verbraucherverbänden angeprangert, wie z.B. von der Deutschen Verbraucherzentrale, die hier hilfreiche Tipps für den nahenden Black Friday aufgeschrieben hat. Der beste Tipp von unserer Seite: Kauft nicht blind ein am Black Friday, sondern macht den Preisvergleich über idealo oder einem Portal Eurer Wahl.

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Top-Kommentare der Community

  • paganini vor 6 Monaten

    @Tenten
    Quatsch in den Möbelhäusern spare ich immer soviel ☝🏻 UVP 49999€ und dann kostet das Sofa doch nur 199€ 😝
    Und von dem Geld kaufe ich mir dann ein Auto, brauch ich zwar nicht aber da ich das Geld gespart habe ist es ja umsonst 🤪

  • Tobias G. vor 6 Monaten

    Hm, ich hab von dem Artikel bei der gewaltigen Überschrift jetzt erwartet, dass da irgendwelche Beispiele, Vergleiche (z.B. Preisanstieg von dem Rabatt) oder sonstwas auftauchen. Ist leider nur ein hinreichend bekanntes Lockdown-Fazit.

    Der letzte Absatz hätte gereicht: Schaut bei Idealo (oder anderen Preisvergleichen).

28 Kommentare

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  • Jeder Tag kann ein "Black day" sein, wenn man wirklich will.


  • Der Black friday ist nicht mehr das was es mal war. Es ist mittlerweile verarsche am Endverbraucher. Bestes Beispiel. Kenwood küchenmaschine Chef xl. Vor zwei Jahren im Black friday angepriesen für 5% weniger als paar Tage zuvor. Habe dann bei Amazon zum cyber monday zugeschlagen für Sage und schreibe 21% weniger.
    Viele lassen sich zu schnell blenden und vergleichen nicht, auch ist es schlauer manchmal zu warten oder bei idealo den preisverlauf anzuschauen. Habe so schon manchmal mehr gespart als bei dem ach so tollen Black friday.
    Kleiner Tipp noch auch wenn es vielleicht nextpit nicht gefällt. Es gibt eine App, bzw Website namens dealgott, die vergleicht sehr viele Angebote und da kann man wirklich sparen, vorausgesetzt man benötigt das was dort im moment verglichen wird.


    • Der Black Friday wird auch nur in den USA richtig zelebriert da gibt es dann wirklich Schnäppchen


    • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Ist der Cyber Monday nicht im Grunde das gleiche wie der Black Friday, nur eben mit anderem Namen? Genauso wie die Black Week bei anderen Händlern. Es wird halt nicht immer Black Friday genannt, ist aber alles das gleiche.

      Die von dir erwähnte App gibt's aber auch in anderer Ausführung ^^ nennt sich bspw. idealo oder Geizhals.


      • Im grossen und ganzen ja. Wollt ja damit nur sagen das man nicht gleich unbedingt das erste gutaussehende Angebot annehmen soll. Mein Beispiel war dann halt der cybermonday bei Amazon, aber hätte ja auch im Januar sein können, wo der Bestpreis erzielt wird. Auf jedenfalls sollte man immer vergleichen, das a und o beim geldausgeben...

        ... M. E. Ist idealo eine grundausstattungsapp die wirklich jeder besitzen sollte...


  • Viele lassen sich leider vorschnell von Prozentzeichen blenden und verzichten auf den Preisvergleich. Die besonders beliebte "Ersparnis" zur wenig aussagekräftigen UVP zieht auch immer. Dennoch lässt sich mal ein Schnäppchen finden. Ich habe vor einigen Tagen bei Amazon ein Samsung A51 für 219,-- Euro gekauft. Da ich selber eins habe und damit zufrieden bin, kann ich es guten Gewissens für meine Frau unter den Tannenbaum legen.


  • Die Gier der Menschen öffnen schon immer dem Teufel Tür und Tor.
    Warum sollten an einem Tag im Jahr der Händler Lust haben Dinge zu verschenken?
    Außerdem sollte der UVP endlich Mal abgeschafft werden.


    • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      wieso genau sollte die UVP abgeschafft werden?


      • Weil mich der Wunschpreis des Herstellers nicht wirklich interessiert.
        Der Straßenpreis entscheidet doch, oder?


      • Die UVP wirst Du nicht abschaffen können. Der Hersteller bestimmt das was er als Preis empfiehlt, und nicht der Gesetzgeber. Und viele Händler nehmen zumindest am Anfang den vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis. Mit einer UVP zu werben die es nicht oder nicht mehr gibt ist schon jetzt wettbewerbsrechtlich nicht erlaubt.


  •   16
    Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Was man empfehlen kann bei Amazon ist das Galaxy M11 für 99€ statt 169€.


  • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Die vor einem riesigen Rabatt aufgeblähten Preise sind zwar bekannt, trotzdem wird diese "Taktik" durchgezogen, weil die Leute drauf reinfallen... bei Mediamarkt gibt es zu deren Black Friday-Aktion Dinge wie Kameras, die mit einer UVP von 1199€ gelistet werden, dann aber über 50% Rabatt haben. In der Praxis ist das aber der längst gängige Preis auf dem Markt. Es ist also alles wie immer - immer schön vorher die Preise gegenchecken.
    Die Apple Watch Series 3 wird auch ständig noch mit 299€ UVP angegeben, obwohl das seit fast 3 Jahren nicht mehr zutrifft.


  • Ich kaufe bei diesen ganzen Rabattaktionen auch gerne mal ganz spontan etwas. Was ich allerdings niemals mache, ist, hinterher zu gucken, wie hoch der Normalpreis ist. So kann ich mich immer über mein Schnäppchen freuen, hab Spaß daran und muss mich nicht groß ärgern. Ich kenne Fälle aus meinem Bekanntenkreis, da dachte man, man hätte 100 € gespart und stellte hinterher fest, dass es nur 30 waren. Und obwohl man ja gespart hatte, hatte man sich über den Kauf nur noch geärgert. Sowas finde ich absurd, höre ich aber immer wieder mal. Deswegen bin ich zufrieden mit meinem Kauf und interessiere mich einfach nicht mehr für die spätere Preisentwicklung. Man sollte sich an seinen Sachen erfreuen, das ist schließlich der Sinn eines Kaufs.


    •   16
      Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Geht mir auch so. Ich freu mich lieber statt hinterher zu ärgern. Man sollte auch bedenken, das diese Rabattschlachten auch genutzten werden um Lager frei zu bekommen.


    • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Grundsätzlich ist das generell eine gute Idee, wenn man irgendwas gekauft hat... ^^ Und vor allem vorher die Preise vergleichen, nicht danach... :D

      TentenGelöschter Account


    • schlechte Idee - so lernt man nie aus Fehlern !


      • Ist es denn ein Fehler, wenn es einem damit gut geht?


      • @Daffy Duck Fehler ist es ja nur für dich einer, nicht für mich. Also gibt's auch nichts zu lernen ;)


      • hmmm...seltsame Einstellung, man lässt sich potentiell bescheissen, aber nur um sich selber auf die Schulter klopfen zu können, unterlässt man es zu überprüfen ob der angebliche Rabatt wirklich so toll war ? Überprüft man den Preis innerhalb 14 Tage, kann man den angeblich rabattierten Artikel, der dann nur einen Fake-Rabatt hatte, doch problemlos wieder zurückgeben und sich erstatten lassen ?
        Idealerweise checkt man ja eigentlich auch vorher, ob es den so toll rabattierten Artikel nicht auch woanders zu besseren Konditionen gibt ?
        Verstehe nicht, warum man als mündiger und hoffentlich intelligenter Kunde alle Macht freiwillig aus der Hand geben sollte, nur um sich ein gutes Gefühl auf Grund von möglichen falschen Tatsachen zu verschaffen ?


      • Nö, ich kann einfach mal froh und zufrieden sein und muss nicht ständig versuchen, alles und jeden zu übertrumpfen, um immer der Beste zu sein und noch mehr Vorteile auf Kosten anderer für mich rauszuschlagen. Aber wie du schon bemerkt hast, es ist Sache der Einstellung. Für den einen ist das Glas halb voll, für den anderen halb leer.


  • Hm, ich hab von dem Artikel bei der gewaltigen Überschrift jetzt erwartet, dass da irgendwelche Beispiele, Vergleiche (z.B. Preisanstieg von dem Rabatt) oder sonstwas auftauchen. Ist leider nur ein hinreichend bekanntes Lockdown-Fazit.

    Der letzte Absatz hätte gereicht: Schaut bei Idealo (oder anderen Preisvergleichen).


    • @Tobias
      Naja die können ja schlecht ihren eigenen Sponsor (Saugroboter) nennen ;-)


    • Der Vergleich zur UVP ist natürlich hinlänglich bekannt und wird ja nicht nur bei Rabattaktionen im Onlinehandel so gezogen. Jedes Schulkind dürfte wissen, dass Nachlässe von 60 bis 90 % illusorisch sind.


    • Antoine Engels
      • Admin
      • Staff
      vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Es ist für mich als französischer Journalist auch nicht so leicht, deutsche Beispiele zu finden, weil der Black Friday bei euch anders verläuft.
      Im Originalartikel, der auf der französischen NextPit-Website veröffentlicht wurde, erwähne ich zum Beispiel Jahresberichte, die vom Hauptverbraucherverband verfasst werden.

      Laut dem letzten Bericht, der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, betrug der Anteil der Produkte, die am Black Friday 2018 tatsächlich beworben werden, nur 8,3% der 31.603 vom Verband verfolgten Produkte. Weniger als 10% der Produkte in dieser Stichprobe hatten eine reale Preissenkung.

      Leider habe ich keine derartigen Studien gefunden, die in Deutschland durchgeführt wurden. Und ich weiß nicht, warum dieses Beispiel aus der deutschen Version meines Artikels entfernt wurde.

      Die Besonderheit besteht auch darin, dass der Black Friday in Frankreich rechtlich stärker als in Deutschland eingerahmt ist.Händlern ist es nicht gestattet, mit Verlust zu verkaufen, um ihre Bestände zu leeren. Dies ist nur während den Schlussverkaufe legal. Der Black Friday ist in Frankreich rechtlich kein Schlussverkauf.

      Es ist daher per Definition fast unmöglich, einen wirklichen Rabatt von -50% auf ein neues Produkt zu finden.


      • deckt sich aber mit meiner Beobachtung - die Produkte die mich interessieren würden, sind komischerweise nie mit Black Friday Rabatten versehen. Sei es aus dem Bereich AV/HiFi, Foto, Drohne, Computer - nix dabei. Wahrscheinlich schaue einfach nach qualitativ zu guten und zu teuren Produkten, die nicht verramscht werden ;-)

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