Smartphones und der Datenschutz – warum Apple eine Vorreiterrolle einnimmt

Smartphones und der Datenschutz – warum Apple eine Vorreiterrolle einnimmt

Es ist eigentlich kaum zu glauben: Der Markt rund um das Sammeln und Vermarkten personenbezogener Daten ist mittlerweile weltweit auf die Umsatzgröße von 227 Milliarden US-Dollar angeschwollen. Pro Jahr! Gerade Smartphones haben dabei geholfen diesen Markt schier explodieren zu lassen und ohne jede Menge Daten, auch oft ohne unser Wissen und vor allem nicht mit unserer Zustimmung, in nahezu allen unserer Lebensbereiche zusammenzutragen. Gerade Apple will dem Entgegenwirken und hat in iOS 14 und iPadOS 14 eine Reihe von (verbesserten) Datenschutzfunktionen eingeführt, die Nutzern dabei helfen sollen, klare Entscheidungen über ihre Daten und deren Weitergabe treffen zu können.

Die große Herausforderung über etwas zu schreiben, was man nicht sehen, hören, spüren oder riechen kann

Bevor ich mit diesem Artikel begonnen habe, fragte ich mich länger selber, in welcher Art ich mich dem Thema nähern solle. Sollte es eine News über Apple und ihre verstärkten Bemühungen in Sachen Datenschutz beziehungsweise Privacy werden, die in Kürze mit der Aktualisierung von iOS 14.5 und iPadOS 14.5 kommen? Oder erzähle ich die Geschichte von John und seiner Tochter Emma, zwei fiktiven Personen, die Apple in der Geschichte „Ein Tag im Leben Deiner Daten“ nutzt, um zu zeigen, wieviele Daten bei unserer täglichen Smartphone-Nutzung anfallen? Übrigens: Wer sich noch nicht gut mit dem Thema Datentracking auskennt, wird in dieser Apple-Geschichte schnell, einfach und dennoch informativ abgeholt und mit Basics versorgt.

ein tag im leben deiner daten apple beispiel
Apple beschreibt bei " Im Leben Deiner Daten" sehr anschaulich und dennoch kurz, wie Daten gesammelt werden und was sich damit anstellen lässt. / © Apple

Ich habe mich am Ende für eine Art Kommentar mit News-Elementen entschieden. Ich selbst bin kein Spezialist für den Datenschutz und habe auch noch nie ein vollständiges Datenprofil eines Datenbrokers gesehen. Allerdings bin ich seit nunmehr über zwei Jahrzehnten beruflich tief mit dem Internet und seinen Möglichkeiten verbunden. Ich habe selber schon Marketing-Kampagnen geplant, bei denen mir beim Bewusstsein der Möglichkeiten, Menschen gezielt anzusprechen fast schwindelig wurde. Und ich weiß als Geschäftsführer eines Online-Publishers wie herausfordernd Datenschutz mitunter sein kann.

Datenschutz ist die Radioaktivität des Internets. Nur völlig unterschätzt.

Es mag martialisch klingen. Aber für mich hat das Datensammeln im Netz vieles mit der Radioaktivität gemein. Es ist geräusch- und geruchlos und man merkt auch sonst nichts davon. Aber es ist existent, man hat davon gehört und man weiß irgendwie, dass es nicht so gut ist. Wer aber würde sich freiwillig in ein radioaktiv verstrahltes Gebiet ohne ausreichende Schutzausrüstung begeben?

Im Netz tun wir das tagtäglich. Laut Apple hat jede iOS- und Android-App durchschnittlich sechs Tracker integriert, die unsere Daten sammelt und dann an Datenbroker weiterverkauft. Die Datenbroker können diese dann zusammenführen und so ein umfassendes Bild über quasi jeden von uns zeichnen.

Das Problem dabei ist, dass uns dieses Vorgehen eigentlich nicht bewusst ist. Wir geben über lange, teils schwer verständliche Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen unser Einverständnis für dieses Tun, ohne echte Transparenz. Ich glaube, nein, ich bin mir sicher: Wüssten wir, wieviele Daten wir genau an Unbekannte abgeben und was sich mit diesen anstellen lässt – wir wären ähnlich alarmiert, wie wenn wir direkt neben einem Atomkraftwerk leben und arbeiten müssten.

Apple will Transparenz für Nutzer schaffen

Genau hier, nämlich bei der Unwissenheit von uns Nutzern, setzt Apple an und verlautbarte bereits im vergangenen Jahr, App-Entwickler verpflichten zu wollen, das Einverständnis von NutzerInnen für das Sammeln von Daten einzuholen. Auf der einen Seite kann man direkt bei der Installation einer App sehen, auf welche persönlichen Informationen das Programm zugreift und außerdem mit welchen Daten das Profil verknüpft wird.

NextPit ios tracking nutrition app
Apple führt mit iOS 14.5 neue Möglichkeiten für den Datenschutz ein. / © Screenshot: Apple; Montage: NextPit

So kann man sich im Vorfeld in Ruhe überlegen, welche persönlichen Informationen ein App-Entwickler von einem bekommt und welche Notwendigkeit beziehungsweise Konsequenzen dies unter Umständen hätte.

Ähnliche Informationen, wenn auch nicht so detailliert, bekommen die Nutzer von Android vor der Installation neuer Apps ebenso. Allerdings setzt Apple jetzt noch deutlich eins drauf und gibt dem Nutzer die Möglichkeit zu verhindern, dass der App-Entwickler selbst nach der Installation der Software Daten trackt. Über ein Menü kann man seine Zustimmung für das Datensammeln gegebenenfalls wieder entziehen, ohne dabei die Grundfunktionalität der App an sich zu verändern. 

Apple hat hierfür ein ganzes Ecosystem gebaut, um App-Entwicklern die Möglichkeiten zu bieten, wichtige Statistiken über Installation und Nutzung zu erhalten, ohne aber Rückschlüsse auf den Einzelnen zuzulassen. 

4 pillars of data privacy at apple
Die vier Säulen der Datenschutzrichtlinien von Apple / © Apple

Es könnte der Umbruch für eine ganze Branche sein

Was sich eigentlich so selbstverständlich liest, ist im Grunde aber so etwas wie eine Revolution, die eine ganze Branche erschüttern könnte. Wie eingangs schon geschrieben: Mit dem Sammeln von Daten, der Aufbereitung dieser und der daraus resultierenden kommerziellen Nutzung lässt sich ein unvorstellbarer Haufen Geld verdienen.

Gerade Google und Facebook verdienen mit personalisierter Werbung Milliarden. Facebook ist dafür bekannt über seine Apps, wie Instagram und WhatsApp, auf eine Menge persönlicher Daten zuzugreifen und daraus außergewöhnlich akkurate Profile für seine Kunden zur Verfügung zu stellen. Und Google hat sich schon früh den Spitznamen „Datenkrake“ erarbeitet, lange schon bevor das Unternehmen mit Android auf Milliarden von Smartphones mit ihren Nutzern Zugriff hatte.

Mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO / GDPR) der EU blies den Datensammlern und -verwertern das erste Mal kalte Luft ins Gesicht. Auch uns als Online-Publisher natürlich. Auch wenn man über die Art und Umsetzung der EU-Datenschutzrichtlinie diskutieren kann – sie war und ist richtig. Es kann und darf nicht sein, dass Werbenetzwerke und Datenbroker Profile ungefragt von uns anlegen und dies für Erwachsene und Kinder gleichermaßen tun.

Dass Apple den Entwicklern und großen Ad-Netzwerken die Stirn bietet und diese zu einem transparenten Handeln gegenüber uns – den Nutzern – zwingt, ist beachtlich und mutig. Und es ist im Grunde überfällig.

Der Datenschutz ist nicht nur aus ethischen Gründen wichtig. Wir brauchen ihn im Grunde auch zum Schutz unserer Demokratien.

Es ist eine recht steile These, die ich hier aufstelle: Soziale Netzwerke, Filterblasen und am Ende auch das Targeting und die Ansprache von Menschen, die für gewisse Themen affin sind, haben in den vergangenen Jahren auch unseren politischen Systeme angreifbar gemacht. Mit Geld und den richtigen Daten lassen sich Desinformationskampagnen und das Streuen populistischer Propaganda perfekt steuern.

Als News getarnte Banner sind mittlerweile zuhauf unter vielen Artikeln im Netz zu finden. Das Fatale ist, dass die Menschen, die man gerade durch genaueste zielgerichtete Werbung anspricht, dies meist gar nicht merken. Sie wundern sich vielleicht, warum gerade überall Kreta-Urlaub-Banner zu sehen sind, da man sich doch gerade noch am Reisebüro die neuesten Prospekte angesehen hat. Aber sie können nicht die Brücke dazu schlagen, dass eine App genau das registriert hat: Den Besuch des Reisebüros und die Dauer darin, der sich über die GPS-Daten auslesen lässt.

Hat man dann erstmal eine Art Autokratie beziehungsweise ein Regime, das bereit ist seine Macht auszunutzen, können Kritiker selbst bei riesigen Menschenansammlungen sehr schnell über ihre Smartphones identifiziert und verfolgt werden. Die New York Times hat aufgezeigt, wie unentbehrlich das Thema Datenschutz für funktionierende Demokratien sind und dass das Zeitfenster für Änderungen klein ist.

Nein, Du hast nichts zu verbergen. Aber Du willst trotzdem nicht, dass man all das über Dich weiß.

„Ich habe doch nichts zu verbergen“, ist seit Jahren das Totschlagargument, das einem diejenigen entgegnen, die man mit einem leichtfertigen Umgang ihrer Daten konfrontiert.

Es ist menschlich verständlich so zu argumentieren. Schließlich hört, riecht, spürt man nichts von den Auswirkungen. Ja, man bekommt diese ja im Endeffekt nicht mal zu spüren. Personalisierte Werbung empfinden manche sogar als eine Art Service.

Ich konnte und kann dieser Argumentation sogar teilweise folgen. Mir kommt es auch sinniger vor, ich bekomme Banner angezeigt, die ein neues Bike anpreisen, als Damenunterwäsche. Der technische Fortschritt schreitet aber schnellen Schrittes voran und wir Menschen können diesem kognitiv nicht mehr folgen. Ich glaube nicht, dass sich die allermeisten Menschen Gedanken darüber machen, ob es Konsequenzen haben könnte, wenn man zufällig im Hintergrund auf einem Bild einer Demonstration erscheint. Die Software, um alle frei zugänglichen Bilder im Netz nach einem Gesicht der eigenen Wahl zu durchsuchen, gibt es.

Stell Dir vor, Du willst in die USA einreisen, aber am Computer blinkt beim Scannen Deines Reisepasses eine rote Warnlampe auf, und der Border Customs Agent weist Dich ab. Warum? Weiß der Beamte hinter der Plastikscheibe selbst nicht. Ähnlich ahnungslos sitzt womöglich ein Bankangestellter vor seinem Computer, der Dir gerade den Kredit verweigert. Klangst Du vielleicht bei der Bedienung Deines Sprachassistenten jüngst zu depressiv? Bewegst Du Dich zu wenig? Hast Du die falschen Facebook-Freunde? Warst Du zur falschen Zeit am falschen Ort, vielleicht einfach zufällig?

Selbst (ehemalige) US-Präsidenten sind vor Datentracking nicht sicher

Dass Datenschutz auch – oder vielleicht sogar gerade für die exponiertesten Menschen unseres Planeten besonders wichtig ist, zeigt sich am Beispiel Donald Trump und der New York Times, die sich in einer umfassenden Reportage zum Thema Datenschutz (das ist ein echter Must-Read für alle Interessierten) am Beispiel des Ex-US-Präsidenten angesehen hat, wie leicht man mit freien Daten trackbar ist. Der Zeitung gelang es aussagekräftige Bewegungsprofile vom Präsidenten und wichtigen Beratern zu erstellen.

way tracking donald trump new york times
Die New York Times hat in einer Reportage Bewegungsprofile von Donald Trump und Mitarbeitern mit frei erhältlichen Daten erstellen können. / © New York Times

Wenn es einem Medienhaus mit begrenzten Mitteln schon gelingt, den ehemaligen US-Präsidenten so auszuspähen – was können dann Menschen mit unbegrenzten Mitteln tun?

Apples Engagement muss auch auf von anderen Unternehmen aufgegriffen werden

Dass Apple den Weg der Datensicherheit geht, ist nicht neu. Schon vorher war das Unternehmen aus Cupertino der Konkurrenz bei diesem Thema voraus. Der Schritt, den man aber mit iOS / iPadOS 14.5 geht, zwingt offenbar auch die ganz Großen zu reagieren.

Während sich Zuckerberg angeblich unternehmensintern mit martialischen Worten („Wir müssen Apple Schmerzen zufügen“) äußerte, scheint Google die Zeichen der Zeit und den Willen der Leute zu verstehen. In einem Blogpost veröffentlichte Google Anfang März 2021, dass man vom kommenden Jahr an auf personalisierte Werbung verzichten wolle.

Ob dies bei Google nun auch als eine Reaktion auf den Apple-Vorstoß in Sachen Datenschutz verstanden werden kann, bleibt unklar. Für uns Nutzer ist es aber eine gute Nachricht: Es gibt Schritte in die richtige Richtung.

Aber es ist noch ein langer Weg, der zu gehen bleibt.

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Top-Kommentare der Community

  • C. F.
    • Blogger
    vor 3 Monaten

    In China ist egal, welches System Du benutzt: der Staat will mitlesen, und wer seine Apps nicht entsprechend öffnet wird gesperrt. Und für Apple ist China ein sehr großer Markt. Aber wer in China die üblichen dort gängigen Messenger, Apps etc nutzt, braucht sich um Datenschutz keine Gedanken machen. Den gibts dort nicht.

  • Tim vor 3 Monaten

    Tolles Argument hast du da... nicht ^^
    So eine Bastelei ist weder was für die Masse, noch ist es wirklich alltagstauglich. Dass es auf vielen Android-Smartphones dank gesperrtem Bootloader auch nicht geht, kommt noch dazu.
    Es sollte also eher heißen:
    Diese Möglichkeit bieten allerdings auch nur einige Android-Phones.

    Da ist Apples Ansatz schon tausend mal besser, einfach weil er innerhalb kürzester Zeit auf 70%+ aller iPhones und iPads vorhanden ist. Und es ist eben alltagstauglich.

  • Aries vor 3 Monaten

    Ich kann Apples Ansatz noch nicht bewerten, aber so wie Zuckerberg wettert, muss es wohl sehr wirksam sein.

    Als es im Internet seinerzeit mit Werbung losging, wurde viel Effekthascherei betrieben und mit Bling-Bling und Getöse Aufmerksam erzeugt. Das war nervig, aber es gab kein Tracking. Heute ist Werbung dezenter geworben, aber das Tracking ist wichtiger als die Einblendung zu sein.

    Ich kann durchaus nachvollziehen, dass sowohl Ihr wissen wollt, was Euer Werbeplatz einbringt. Auch der Werber hat ein berechtigtes Interesse zu erfahren, wieviel Geld zur Tür hereinkommt, was er zuvor aus dem Fenster geworfen hat. Dass die Sichtbarkeit und Conversion gezählt wird, ist mir deshalb grundsätzlich verständlich und dagegen habe ich auch nichts. Aber niemand muss erkennen, was ich gesehen habe, bevor ich NextPit besucht habe und wohin ich anschließend surfe. Man muss nicht wissen, dass ich die gleiche Person bin, die gerade in der Wetter-App die Vorhersage für morgen lese. Zumal nicht Ihr das erkennt, sondern Eure Werbeplattformen. Wenn ich Apps analysiere und über 20 Tracking-Module entdecke, frage ich mich zudem, wer das noch sinnvoll auswerten will und welchem Modul er vertraut, wenn abweichende Ergebnisse geliefert werden.

    Es gibt zudem einen Unterschied, Verhalten zu Werbezwecken oder zur Systemsicherheit bzw. zur Verbesserung einzusetzen. A-B-Tests haben durchaus ihre Berechtigung. Die Masse, der Umfang der gelesenen Daten und die Querverbindungen sind das Problem.

    In Apples Ansatz sehe ich eine Möglichkeit, in diesem Sinne das Tracking hinter der Werbung auf ein vernünftiges Maß zu bringen.

  • Aries vor 3 Monaten

    Hut ab, Fabien!

    Als Geschäftsführer eines Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf Werbung basiert, ist das ein bemerkenswerter Artikel von Dir. Er fasst zudem vieles von dem zusammen, was ich hier in zahlreichen Beiträgen und Kommentaren seit Jahren versuche zu kommunizieren.

  • Tim vor 3 Monaten

    Apple hat die Vorreiterrolle in diesem Punkt schon vor vielen Jahren eingenommen nur wurde das immer wieder gern unter den Tisch gekehrt, als man bspw. lieber von Googles tollen Diensten berichtet hat, ohne zu hinterfragen, wie es überhaupt sein kann, dass Googles Bilderkennung SO extrem gut ist oder warum Alexa und der Google Assistent (nach wie vor schrecklichster Name überhaupt) so viel intelligenter sind, als eben Siri.

    Aber gut, dass da (auch wieder dank Apple) mehr drauf geachtet wird. Hat für den Nutzer (um den sich Apple doch angeblich so wenig schert, wie kein anderer Hersteller - laut Aussage von Android-Fans) nur Vorteile.

87 Kommentare

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  • C. F.
    • Blogger
    vor 2 Monaten Link zum Kommentar

  •   28
    Gelöschter Account vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Datenschutz endet nicht beim Smartphone und fängt auch da nicht an. Ein Smartphone ist nur die Schnittstelle für Dinge die den Datenschutz nicht so genau nehmen. Von daher kann Apple oder sonst ein Hersteller im Grunde genommen gar nichts machen. Außer alles verbieten, was das Smartphone dann nutzlos machen würde.


    • Fabien Roehlinger
      • Admin
      • Staff
      vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Es geht nicht zwingend um Verbote, sondern um eine Art Business Ethik, die Apple den App-Entwicklern aufzwingt. Offenbar hat die Gier die Entwickler die Ethik über Bord werfen lassen. Mal sehen, wie gut es ihnen gelingen wird.


    • Carsten Drees
      • Staff
      vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Das ist für mich ein Argument, dass denen ähnelt, die das Thema Klimaschutz nicht ernst nehmen: "Solange Land XY noch neue Kohlekraftwerke baut, bringt es gar nichts, wenn im kleinen Deutschland erneuerbare Energien gefördert werden".
      Aber doch, es bringt was. Je wichtiger und größer die Stimme ist, die eine Veränderung vorantreibt, desto größer kann auch der Impact sein, der dann folgt. Wenn Apple eine Notch erfindet oder die Ecken am Smartphone abrundet, dann ziehen die Konkurrenten nach, noch bevor man "Copycat" rufen kann. Es braucht diese Großen, die vorangehen und es bestenfalls auch ernst meinen damit.
      Wenn Google mitzieht mit Android, dann glaub mal, dass sich viele Programmierer, Unternehmen etc. überlegen werden, wie sie künftig agieren. Das Smartphone ist nur eine Schnittstelle, da hast Du Recht - aber es ist unsere wichtigste und unser täglicher Begleiter, wohin wir auch gehen. Ich bin sicher, dass auch andere Industriezweige ins Grübeln kommen, was die ethischen Aspekte angeht, wenn sie sonst keinen Weg mehr aufs Smartphone finden.


  • Michael S. vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Ein schönes Ansinnen von Apple, allein an der Umsetzung wird es etwas hapern.
    Wenn ich daran denke, dass z.B. der schlimmste von allen...Facebook (Inklusive WhatsApp und Insta), auch Daten von Leuten hat und verwendet die noch nie dort registriert waren oder sich schon längst gelöscht haben, dann weiß man wo das Problem sitzt.
    Es wird also eine Frage in wie weit Apple so ein Unternehmen wie Facebook bei ihren Machenschaften beschneiden kann ohne mit denen in einen Clinch zu kommen.
    Denn wenn sie dann als Konsequenz die Apps nicht zulassen, fragen schon die ganzen Abhängigen beim nächsten Kauf, was z.B. ein Samsung kann und sind weg von Apple.
    Nicht falsch verstehen und das trifft natürlich nicht auf alle zu aber es gibt genügend Leute, die ohne WhatsApp oder Insta eine echte Lebenskrise haben.
    Eigentlich müsste vieles davon in Gesetzten geregelt bzw. untersagt sein aber da verlangt man quasi unmögliches, einfach weil die gesamte Politik (damit meine ich alle) unfähig und auch zu langsam ist.
    Von autoritären Staaten, dann solchen die gerade am weg dorthin sind und Diktaturen will ich da gar nicht erst anfangen.
    Da hat sich Apple keine leichte Aufgabe gestellt, ich wünsche viel Erfolg dabei.


    • Tim vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Apple ist dahingehend aber deutlich konsequenter. Siehe Fortnite. Die Marke ist auch gigantisch und trotzdem wurde es, als sie gegen die Richtlinien verstoßen haben, rigoros gesperrt.
      Natürlich würde der ein oder andere vielleicht zu Android wechseln, wenn es plötzlich Facebook nicht mehr gäbe. Aber mindestens genauso viele würden wahrscheinlich erstmals dann darüber nachdenken, ob sie Facebook eigentlich wirklich brauchen.


      • Michael S. vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Das kann man nicht vergleichen, Epic Games mit 700 Millionen und Facebook mit über 100 Milliarden Umsatz sind wohl zwei komplett verschiedene Größenordnungen und Epic Games ist nicht mal annähernd gigantisch im Vergleich...
        Da kommt noch die soziale Komponente dazu, Facebook, WhatsApp und Insta sind für viele ein Hafen, den sie nicht so leicht verlassen werden.
        Facebook zu denen ja WhatsApp und Insta gehören sind für sehr viele Menschen unverzichtbar und das wissen die auch.
        Es geht also nicht nur um Facebook, sondern auch um WhatsApp und Insta, da geht es nicht nur um den einen oder anderen, sondern um sehr sehr viele Leute. Ich bin überzeugt, dass Apple ein ernsthaftes Problem hat wenn sie dann Konsequent sind und die drei Apps sperren.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Vielleicht kommen dann die Nutzer mal auf die Idee, eine der vielen Alternativen zu nutzen? Anstatt Facebook zum Beispiel Diaspora? Oder Vero? Anstatt Instagram denn Tumblr, Flickr oder Eyeem? Anstatt WhatsApp dann Threema, Signal oder wire?


      • Michael S. vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Das wäre ja wünschenswert, die Hoffnung habe ich aber aufgegeben. Ein paar wenige ziehen zumindest mit wenn man Vorschläge macht, bleiben aber auch bei den dreien dabei, wollen dabei bleiben, weil sie dort mit vielen Leuten vernetzt sind. Ein kompletter Verzicht wird nicht mal annähernd in Erwägung gezogen. Die meisten interessieren Alternativen nicht mal im Ansatz. Es ist leider so, ich sag mal wir, also die Leute die sich Gedanken machen, sind eine absolute Minderheit...leider.
        Ich habe mich vor ca. 3 Jahren von allen dreien gelöscht und bereue es nicht.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Veränderungen sind am Anfang immer schwer...


      • Fabien Roehlinger
        • Admin
        • Staff
        vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Es ist richtig, dass Facebook und vor allem Instagram eine große Strahlkraft hat. Allerdings konnte Facebook überhaupt erst durch den Erfolg der Smartphones groß werden. Wenn Apple wirklich hart bleibt und beispielsweise Insta wegen Verstößen gegen die Datenschutzrichtlinien aus dem Store kippt, sehe ich den Schaden eher für Facebook als für Apple. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele nur für Instagram von Apple auf Android umsteigen würden.


      • dieCrisa vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Facebook und Co wird einknicken. Apple-Kunden sind auch deren "Kunden". Ein Verzicht würde pi mal Auge 20% "Kundschaft" kosten. Fügt man sich den Datenschutzrichtlinien, so kann man von diesen 20% wenigsten einen Teil abfangen (mit oder ohne Zustimmung zum Tracking) und entgeht zugleich dem Vorwurf, ungefragt Daten zu saugen.

        Für Apple allerdings wäre es ratsam, die eigenen Datenschutzrichtlinien nicht nur für externe Anbieter einzufordern; für eigene Apps muss es genauso gelten. Sollte Apple sich selbst eine solche Ausnahme gönnen, könnte das ein Schuss ins eigene Knie werden.

        Auch Android wird diesen Weg früher oder später gehen - mehr oder weniger freiwillig. Spätestens dann tut der Wegfall von "Kundschaft" sehr weh.


  • C. F.
    • Blogger
    vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Danke, Fabien. Super geschrieben. Bitte mehr davon 😀


  • C++ vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Wie man hier an den zahlreichen Reaktionen ablesen kann, trifft dieses Thema voll einen Nerv unserer Zeit (Globalisierungsfalle).

    Ich persönlich mag es nicht, wenn ich nicht weiß, was im Hintergrund mit meinen Daten passiert und wer da aller gefragt (weil sonst das Service nicht in Anspruch genommen werden kann) oder ungefragt meine Daten abgreift und gar verkauft, die ihm gar nicht gehören. Ich mag auch nicht, dass beim Verwenden einer App oder auch beim Öffnen einer Webseite grundsätzlich alle Dienste für diese Piraterie freigeschaltet sind und ich sie teilweise mühsam und einzeln abwählen muss, wenn ich das nicht mag. Auch weiß ich ja nicht, was passiert, wenn ich die Abwahl schließlich mit "Zustimmen" bestätige. Fast immer (eigentlich immer) sind die Dinge unscharf oder zweideutig formuliert.

    Das ist alles großes Unrecht und kann nur mit überregionaler Politik geregelt werden. Vielleicht werden unsere Nachkommen in elichen Jahren unsere Epoche als "Zeit der Datenpiraterie und Intransparenz" in die Geschichtsbücher schreiben.


    • C. F.
      • Blogger
      vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Der Schritt von Apple ist der richtige in die Richtung "ich bestimme wieder über meine Daten". Was die DSGVO (noch) nicht schafft, setzt jetzt eben anfänglich ein Tech-Unternehmen um.


      • dieCrisa vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Apple verliert damit nichts - und kann nur gewinnen: 1) damit kommt man drohenden Zwangsmaßnahmen zuvor und 2) gewinnt man Kunden, die um ihre Daten bangen.

        Die richtige Richtung ist vor allem die eigene Richtung - nämlich pro Apple. Aus Nächstenliebe macht das Apple nicht (hätte man ja schon vor Jahren machen können). Dieser Schritt ist ein geschickter Marketingzug. An anderen Stellen ist Apple nicht so spendabel: PRISM, Datenschutzbeschwerde wegen Werbe-ID, Backups in iCloud unverschlüsselt, ... macOS ist da noch hungriger. Das aber wird unter den Teppich gekehrt.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        "...Backups in iCloud unverschlüsselt..."

        Da lese ich aber was anderes:

        https://support.apple.com/de-de/HT202303

        Außerdem muss man nicht die iCloud verwenden. Andere Anbieter bieten selbige Dienste zu günstigeren Preisen. Ich z.B. verwende pCloud. Oder man verschlüsselt mit Boxcryptor. Oder man erstellt lokale Backups z.B. mittels iMazing.

        "...macOS ist da noch hungriger"

        Inwiefern? Kannst Du das bitte konkreter ausführen?

        Tim


      • dieCrisa vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Ich lese da etwas anderes:

        dr-datenschutz.de/apple-das-datenschutz-unternehmen-oder-doch-nicht/

        ... dass die vollmundigen Versprechen des Unternehmens in Datenschutzthemen durchaus mit Vorsicht zu genießen sind.
        ... werden permanent detaillierte Nutzungsdaten an Apple gesendet.
        ... nichts Geringeres als ein handfester Skandal.
        Besonders prekär an dieser Sache ist zudem, dass die Übermittlung dieser Daten offenbar unverschlüsselt erfolgte – ein Paradies für Sicherheitsbehörden oder schlicht böswillige Angreifer.
        Ein Szenario wie aus einem dystopischen Roman.
        ... userkontrollierte Firewalls und VPN-Programme schlicht zu umgehen.
        Das potenzielle Sicherheitsrisiko einer Ausnutzung dieser Lücken durch Angreifer ist jedoch enorm.
        ...faktisch bedeutet dies jedoch auch, dass sowohl Apple als auch andere (ggf. staatliche) Akteure ohne Probleme die einstmals verschlüsselte Kommunikation einsehen können.
        ... führt dies die Sicherheit von iMessage (oder auch gespeicherten Fotos) endgültig ad absurdum.


        Bei Apple sind solche Worte natürlich so nicht zu finden. ;)

        Das Versprechen "Was sich auf Deinem iPhone befindet, bleibt auch auf Deinem iPhone" mag zwar weiter und konsequent von Apple geäußert werden - ist aber wohl doch nur ein Werbespruch?!? Kann ja jeder glauben (womit wir mal wieder beim Glaubenskrieg wären) - die Realität ist offenbar anders. Werbung und Wahrheit sind eher selten deckungsgleich. Weiter und konsequent wird geblendet, sonst nichts.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Alles klar. Du glaubst also den Aussagen einer Consulting Firma, deren Autoren lediglich Juristen sind, welche die Inhalte ihrer Blog-Beiträge selbst nur zusammengelesen haben dürften. Die Quellen dazu möchte ich erst gar nicht wissen. Reisserisch geschrieben sind die Artikel ja. Logisch, denn damit möchten die ja auch ihr Geld verdienen. Da gehen solche Fakten ganz gerne mal unter:

        "Seit iOS 10 sammelt Apple bestimmte Daten ohne Zustimmung von Nutzer*innen: etwa, welche Emojis sie verwenden, welche neuen Wörter sie im Tastatur-Wörterbuch speichern und Informationen über Notizen und die Spotlight-Suche. Seit iOS 11 werden auch Informationen über besuchte Webseiten vom iPhone übertragen.

        Um das Recht auf Informationellen Selbstbestimmung zu wahren, wendet Apple hier das Prinzip der „Differential Privacy“ an.

        Dabei werden gesammelte Daten nach einem Zufallsprinzip so verändert, dass sie insgesamt noch sinnvoll statistisch ausgewertet können. Sie lassen sich aber nicht mehr im Einzelnen auswerten, da man nicht rekonstruieren kann, wie genau ein Datensatz verändert wurde. Das Konzept ist wissenschaftlich untermauert – die Anonymisierung lässt sich dabei mathematisch nachweisen."

        Quelle: https://mobilsicher.de/ratgeber/icloud-datenschutz-funktionen-hacks

        ".. userkontrollierte Firewalls und VPN-Programme schlicht zu umgehen."

        Das war kurzfristig unter Big Sur, wurde jedoch wieder von Apple zurückgenommen. Nutzerkontrollierte Firewalls wie Little Snitch oder LuLu funktionieren wieder. Haben die Volljuristen wohl lediglich vergessen, in ihren Artikeln zu korrigieren. Warum wohl...🙄


      • dieCrisa vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        "Du glaubst also den Aussagen einer Consulting Firma, deren Autoren lediglich Juristen sind"
        Ja. Das sind Fachleute auf dem Gebiet Datenschutz, IT‑Sicherheit und IT‑Forensik. Denen glaube ich mehr als irgendeinem Blogger. Aber es gibt auch andere Quellen - wer suchet, der findet.

        Selbst Deine genannte Quelle sieht da nicht alles im grünen Bereich - um es mal freundlich auszudrücken.

        Du selbst bestätigst, dass Apple nicht immer den eigenen Ansprüchen gerecht wurde. Vergessen zu erwähnen hast Du aber, dass Apple erst auf Druck von außen - und nicht durch eigenen Antrieb - Big Sur in die rechte Bahn gebracht hat. ;)

        macwelt.de/news/Sicherheitsluecke-in-MacOS-Big-Sur-Apps-umgehen-Firewall-und-VPN-10923144.html
        Da haben die macWeltler wohl lediglich vergessen, ihren Artikeln zu korrigieren. Warum wohl...🙄
        Die stecken wohl mit diesen Volljuristen unter einer Decke? ;)

        "Was die DSGVO (noch) nicht schafft, setzt jetzt eben anfänglich ein Tech-Unternehmen um."
        Auch diese Aussage ist schlicht falsch: haufe.de/compliance/recht-politik/noyb-beschwerde-gegen-apple-wegen-trackingverfahren-idfa_230132_531070.html
        Hier ist Apple ebenso erst auf Druck von außen aktiv geworden.

        Es gibt mehr als genug Beispiele dieser Art. Apple ist immer wieder ertappt worden, seinen Werbesprüchen nicht gerecht zu werden. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit: derstandard.de/story/2000124791360/neue-klage-wirft-apple-vor-eigene-datenschutzregeln-beim-iphone-zu

        Mitnichten also ist der Eindruck richtig, dass Apple sich um den Datenschutz vorbildlich kümmere!

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