Die Huawei-TomTom-Partnerschaft sägt weiter am Google-Monopol

Die Huawei-TomTom-Partnerschaft sägt weiter am Google-Monopol

Huawei macht einen entscheidenden Schritt nach vorne bei seinem Prozess, sich von Google abzunabeln. Der niederländische Hersteller digitaler Karten TomTom gab am Freitag bekannt, einen Vertrag mit dem chinesischen Tech-Konzern geschlossen zu haben. Auch wenn keine Details bekannt sind, lässt sich Huaweis Motivation aus dem aktuellen Kontext ableiten – und daraus glänzende Aussichten für die digitale Zukunft.

Erst Harmony OS, dann das Begrüßungsgeld für die AppGallery und nun der vermutlich fette Deal mit TomTom: Huawei hat allmählich alle Schachfiguren in Position gebracht. Wenn Google keine Software mehr für die chinesischen Smartphones liefern darf, ist man keineswegs unvorbereitet.

Reuters beruft sich direkt auf den niederländischen Kartenhersteller TomTom, der am vergangenen Freitag offiziell den Huawei-Deal bestätigt haben soll. Der Pionier der Navigationsgeräte ist mit letzteren nicht mehr so erfolgreich wie dereinst; immerhin datiert die Gründung inzwischen fast 30 Jahre zurück. Doch mit dem Geschäft mit digitalen Kartendaten hielt man sich über Wasser.

Dieses Wasser dürfte jetzt wieder deutlich weiter unter den Kiel ragen, da der Tech-Gigant Huawei Teile seines "Machen wir uns unabhängig von Google"-Budgets für die Holländer reserviert. Und das sind mächtig gute Nachrichten für uns.

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Google Maps sind leider geil, aber wir brauchen stärkere Alternativen! / © Google

Die Prämisse ist ähnlich wie beim Aufstreben der Play-Store-Alternative Huawei AppGallery: Jeder Schritt weg von Googles Quasi-Monopol ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn bislang wird die Bedienung von Android-Smartphones in einem beachtlichen Umfang von Google-Diensten bestimmt. Selbst Apple-Nutzer wichen entweder aus sozialem Zugzwang heraus oder aus Resignation über Apple Maps auf Google-Produkte aus. Dies erlaubt einem einzigen Unternehmen, sich ein nahezu lückenloses Bild von den jeweiligen Benutzern zu machen.

Wird Huawei zum Anti-Google?

Was nun auf kommenden Huawei-Smartphones geschieht, kann eine Rückkehr zu einem vielfältigeren, freieren digitalen Leben einleiten. Anstelle eines einzigen Konzerns, der alles kann, haben wir ein Geflecht aus starken Partnerschaften des Hardware-Herstellers mit zahlreichen unabhängigen Software-Lieferanten.

Doch Huawei muss eine wichtige Regel einhalten, wenn es sich auch moralisch von Google abgrenzen will. Es muss uns versprechen, die Daten seiner Software-Partner nicht auf eine ähnliche Weise zu nutzen. Und dann wäre die Ironie perfekt.

Der ganze Ärger zwischen Huawei und Google entstand doch erst, weil die US-Regierung (im Wesentlichen nur ein lauter Mann) den Chinesen im Allgemeinen und dem Tech-Konzern im Besonderen Spionage unterstellt hatte. Die Beweise dafür fehlen noch immer, während welche für US-Spionage schon seit 2013 vorliegen. Auch Google war und ist involviert; wenngleich der Konzern dazu gezwungen wird.

China kann diesen Kampf moralisch gegen die USA nutzen

Spätestens seit jenen Enthüllungen sollten wir also deutlich mehr Misstrauen an den Tag legen, wenn wir unser komplettes Leben mit Online-Diensten aus den USA planen oder gar dokumentieren – tun wir aber nicht. Eher ist das Gegenteil passiert. Eher zeichnet sich eine Stimmung der Resignation ab.

Online-Dienste und -Spiele aus dem vermeintlich ominösen China feiern Mega-Erfolge: Mit Playerunknown's Battlegrounds (Mobile) und Fortnite hat der chinesische Tech-Konzern (und WeChat-Mutter) Tencent Millionen Spieler-Herzen erobert. Er hält auch Anteile an Activision Blizzard (World of Warcraft) sowie an Supercell (Clash of Clans).

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Kommende Tech-Entwicklungen wird China mitgestalten. / © Mavas_Bd / Shutterstock.com

Auch in den Privatsphäre-kritischen sozialen Medien kann sich ein Chinese durchsetzen. TikTok hat eine komplette Generation aus YouTube abgeworben; oder zumindest einige Instagram-Minuten täglich gestohlen. Deren junge Nutzerschaft ist offenbar deutlich aufgeschlossener gegenüber China, als manch wütend auf Twitter schnaubendes Staatsoberhaupt es gerne hätte.

Kritik muss bleiben

Das soll nicht heißen, dass Huawei automatisch besser als Google ist. Auf die von den Chinesen verwalteten Software-Produkte müssen dieselben kritischen Augen ruhen wir auf den bereits erwischten Amerikanern. Es ist jedoch positiv zu bewerten, dass auf dem wirklich kritischen Smartphone-Markt ein großes Gegengewicht zu Google etabliert wird.

Dies weckt zweierlei Hoffnungen. Zum einen können die Konzerne sich nun in ihrer Rücksicht auf unsere Privatsphäre gegenseitig überbieten. Zum anderen können sie endlich wieder um die innovativsten Lösungen für aktuelle Probleme konkurrieren. In beiden Fällen wären wir die Gewinner.

Quelle: Reuters

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Top-Kommentare der Community

  • Valentin Kitanov vor 8 Monaten

    @Black Mac Deine Aussage hätte ich 2009 unterschrieben... Mittlerweile gibt es andere Anbieter wie Here... Ob ich Google Maps, Apple Karten, Here oder TomTom verwende ist im Grunde egal alle erfüllen ihren Zweck. Und wenn du im Ausland unterwegs bist und keine MBs mehr übrig hast dann kommst du an Here als Offline Navi eh nicht vorbei...

  • Hansjürg Wüthrich vor 8 Monaten

    Jeder Schritt weg von Google ist zu begrüssen.... Und das sage ich als jahrelanger Google Fanboy! Aber wenn man analysiert, hinter die Kulissen schaut und begreift, was Google eigentlich für ein Verein ist, dann rennt man glücklich in die offenen Arme von Huawei.. Ich hoffe sie packen es !!

72 Kommentare

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  • Je mehr alternativen desto besser. Vor ca. 15 Jahren waren Google Maps auch unvollständig heute durch Monopol besser geworden. Das Gleiche wird mit Huawei wird auch mit Tonton usw. jeden tag besser es seiden Qualität von Geräten bleibt gleich.


  • Kann jemand Google in Sachen Abbildung der Verkehrslage das Wasser reichen? Für Google ist doch jeder, der mit einem Android Handy unterwegs ist und GPS an hat Grundlage für deren Berechnungen. (weiß nicht ob GPS wirklich an sein muß, wohl eher nicht)
    Ich meine, daß Google in diesem Punkt regelmäßig als Testsieger abschneidet und ich selbst möchte wegen dieser Eigenschaften eigentlich nichts anderes nutzen auch wenn es (noch) nicht perfekt ist.


  • Man mag über Google denken, was man möchte, aber Google Maps ist in allen Belangen einfach großartig, keine Ahnung, wie TomTom das Toppen will.


  •   54
    Gelöschter Account vor 8 Monaten Link zum Kommentar

    Wieder mal ein spitzen Artikel, gut geschrieben und dann trifft er auch noch meine Meinung weitestgehend. Was will ich mehr? Ach ja, mehr Artikel dieser Art. Und das Huawei alles richig hinbekommt. Mein Vertrauen in TomTom ist irgendwie nicht 100 %, weiß nicht warum, aber ich glaube ich war sehr unzufrieden mit denen früher..... hab aber vergessen warum.

    Gelöschter Account


    •   77
      Gelöschter Account vor 8 Monaten Link zum Kommentar

      Ja, TomTom ist nicht perfekt aber ich habe leider mit Google Maps miese Erfahrungen gemacht. Hatte als Autofahrer immer ein TomTom im Auto und aus Neugier parallel auf dem Handy Googlemaps laufen. Wollte gucken, wer besser navigiert. Da hat mich TomTom besser überzeugt in der Routenplanung. Auch TomTom war nicht unbedingt besser aber jeden seine.... Für mich ist mein Atlas aus den 80er immer noch Favorit.

      Gelöschter Account


  • Ich vermisse bei den ganzen Kommentaren (und im Artikel) die Differenzierung zwischen reiner Karte und Navigation. In Sachen Navigation ist TomTom, wie auch Sygic, HERE WeGo und dergleichen sehr gut. Wenn ich aber bestimmte Dinge auf einer Karte suche, ist Google das Maß der Dinge - weil die Suchmöglichkeiten beim Onlinezugriff sehr viel größer sind. Wollen Huawei resp. TomTom da auch angreifen oder geht es um die Navigation oder beides?


    • Ich glaube nicht, dass man das wirklich auseinanderdividieren kann.... Vielleicht läuft ja auch unter der Softwarehaube TomTom oder Here oder WhatEver die Lizenzkarte von Google?!
      Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört, dass solche Anbieter ihre Kamera-Autos durch das Land hetzen


      • So (Kamera-Autos) meinte ich das nicht...
        Wenn ich bspw. Wilhelm-Dopatka-Halle (Leverkusen, auch bekannt als Rundsporthalle) in Google Maps eingebe, erkennt Google dies richtigerweise als Ostermann-Arena, während HERE WeGo mit besagter Halle als Suchbegriff nichts anzufangen weiß. Gleichermaßen würden mich beide Navi-Systeme ans Ziel bringen, wenn ich direkt Ostermann-Arena eingeben würde.
        Nun war/ist meine Frage, wo TomTom resp. Huawei da Google das Wasser abgraben wollen: nur Navi (das können Google und andere auch sehr gut) oder allgemeine Verwendung der Kartenfunktion.


      • Aries vor 8 Monaten Link zum Kommentar

        Dann gib das mal in Magic Earth und OpenMultiMap ein.


      • HEB vor 8 Monaten Link zum Kommentar

        Darum geht es in diesem Fall doch nicht. Es ist ein Vergleich zwischen Google Maps und Tom Tom und nicht um irgend welche anderen Kartendienste welche Huawei nicht nutzen wird.

        Gelöschter Account


      • @Aries: das war, wie ich schrieb, nur ein *Beispiel*.
        Google Maps greift, wie der Name schon sagt, auf Google Suchergebnisse zurück. Worauf greift TomTom zurück? Auf seine eigene Datenbank(en), ggf. auf Huaweis Datenbank(en)? Kann man damit also nur Ziele finden, bei denen man die genaue Adresse kennt oder auch umgangssprachliche Beschreibungen für Ziele?
        @HEB
        TomTom weiß übrigens auch nicht, wo die Wilhelm-Dopatka-Halle ist, zumindest nicht in der Offline-Version. Online kann ich gerade nicht testen.
        .
        Sobald ich die Adresse kenne, führt mich jedes Navi-System ans Ziel, wenn auch dort die Straße drin gespeichert ist. Aber gerade wenn man in fremden Gegenden ist und einfach mal sehen will, wie weit ein bestimmtes Objekt entfernt ist, weiß ich ja nicht zwangläufig auch die exakte Adresse. Und hier hat m. E. Google Maps die Nase vorn, wenn es online genutzt wird. Wie schon beschrieben: gut Navigieren können eigentlich alle Navi-Systeme. Als ich mal CoPilot in Andalusien einsetzte und dort das Hotel Fuerte Conil eingab, führte mich CoPilot nur ins Zentrum von Conil de la Frontera, wo das Hotel aber nicht war. Ich musste die Reiseunterlagen raussuchen und die Adresse eingeben, dann klappte es. Ergo: CoPilot war fürs Navigieren gut, für die Hotelsuche mangelhaft.


      • Aries vor 8 Monaten Link zum Kommentar

        > Darum geht es in diesem Fall doch nicht.

        Die Aussage von König Frank I lautet, HERE WeGo erfüllt seine Anforderung nicht, während Google Maps sie erfüllt. Das ist auch kein Vergleich zwischen TomTom und Google Maps. Daraufhin habe ich seinen Suchbegriff in meine Apps eingegeben und das gleiche Ergebnis gefunden, wie Google Maps. Also habe ich ihm diese Apps zum Test empfohlen.

        Im übrigen halte ich TomTom für die datenschutztechnisch schlechtere Lösung. Denn Google Maps füttert Google. TomTom füttert neben Google mindestens noch Adjust.


      • @Aries:
        "Die Aussage von König Frank I lautet, HERE WeGo erfüllt seine Anforderung nicht, während Google Maps sie erfüllt." Nein, die Aussage ist nicht allgemeingültig, sondern nur für den speziellen Fall richtig. Ich wählte ein Beispiel, um meine Frage zu verdeutlichen, wo denn nun TomTom resp. Huawei denn nun Google (Maps) das Wasser abgraben will: bei der Navigation znd/oder auch in allgemeinen Funktionen, wie z. B. die Suche nach Gebäuden, von Karten-Apps. Und genau hier gilt es zu differenzieren. Denn ich betrachte das Navigieren als zusätzliches Feature von Karten-Apps. Beleg: Google Maps startete erst ohne Navi-Funktion, die kam erst später dazu, als ich schon bspw. Nokia- bzw. Ovi-Maps zum Navigieren nutzte.
        .
        Lange Rede, kurzer Unsinn: die Kernaussage des Artikels ist, dass Huawei im Bereich Karten/Navigation zusammen mit TomTom an Googles Thron sägen will. Geht es also dabei um die reine Karten-App mit Funktionen wie der Suche oder rums reine Navigieren?


  • Google Maps ist unterm Strich schon eine geringe Sache, aber auch andere Mütter haben schöne Töchter. Jeder kann sich nach seinem Geschmack und Bedürfnissen, das wählen, was ihm gefällt. Google Maps hat allerdings schon eine beeindruckende Vielfalt... Besonders die Anzeige der Verkehrsdichte / Stau gefällt mir sehr gut.


  • Da ich nur mit dem Fahrrad unterwegs bin, auch im Urlaub, bin ich ich mit Google Maps unterwegs. Da kann ich bei der Routenberechnung auf "Fahrrad" umstellen und kann mittels Satelitenansicht einigermaßen gut kontrollieren ob ich z. B. auf unbefestigte Wege durch den Wald geschickt werde.

    Auch habe ich jeden Tag viele Touristen die mich nach dem Weg fragen. Da kann ich denen zeigen mit welchem Bus oder welcher U-Bahn die fahren müssen.
    Die Touristen sind zufrieden mit dem Service und ich habe nen entspannten Job.

    Bisher hatte ich keine großen Probleme mit Maps, wünsche mir aber ein Navi welches mich von Kopfsteinpflaster und unbefestigten Wegen fernhält.
    Leider wird für Berlin die App "Bb-Bike" nicht mehr aktualisiert. Dort konnte man für Radfahrer relevante Dinge einstellen (wenig Ampeln, Asphalt oder offroad, kein Kopfsteinpflaster, durchs grüne oder Hauptstraße etc.). Schade, diese Funktionen hätte ich gerne in einem einfachen Navi wie Google Maps.

    Gelöschter Account


    • Speziell was Biken und Cyclen angeht, gibt es tatsächlich DEUTLICH besseres als Google Maps. Aber ja, brauchbar ist es dennoch.


  •   77
    Gelöschter Account vor 8 Monaten Link zum Kommentar

    Ich hab noch einen Atlas von 1982. Der ist erstaunlich aktuell. 😎👍


    • Naja, solange Du nur zwischen Ländern und nicht zwischen Straßen navigieren willst, wird es gehen^^

      Gelöschter Account


      •   77
        Gelöschter Account vor 8 Monaten Link zum Kommentar

        Innerhalb Deutschland funzt der gut 👍

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