Twitter testet Audio-Tweets: Sind Sprach-Tweets eine gute Idee?

Twitter testet Audio-Tweets: Sind Sprach-Tweets eine gute Idee?

In "Chirping" (zu deutsch: zwitschern) liegt der Ursprung des Namens "Twitter". Und der Name hat noch nie so gut gepasst wie jetzt. Twitter hat nämlich angekündigt, Sprach-Tweets zu testen. Pech für Android-Nutzer: Die Funktion soll es nur unter iOS geben.

Seit Jahren ist der Ruf nach einer Möglichkeit groß, einen Tweet nach dem Posten verändern zu können. Stattdessen wendet sich der Gigant Twitter einer anderen – irgendwie auch wichtigen (vielleicht?) – Aufgabe zu: Sprach-Tweets.

Erzähle deine Lebensgeschichte in 140 Sekunden

Bisher ist diese Funktion nur für eine Handvoll iOS-Nutzer zugänglich. Im Allgemeinen ermöglicht sie es Euch aber, anstelle eines Tweets eine Audionachricht zu verschicken. Statt 280 Zeichen gibt es nun 140-Sekunden Audio. Bisher ist es noch nicht bekannt, wann diese Funktion ihren Weg auch auf Android-Geräte findet.

Im "Tweet erstellen"-Dialog gibt es nun ein neues "Klangwellen"-Symbol, das die Sprachaufnahme startet. Anschließend könnt Ihr diese dann teilen. Eure Follower müssen zum Abspielen nur auf den Play-Button tippen. Dieser blendet während der Wiedergabe Euer Twitter-Profilbild im Hintergrund ein. Im Sprach-Tweet übrigens wird Euer Twitter-Profil nicht verändert, wenn Ihr es nach der Veröffentlichung des Tweets beispielsweise aktualisiert.

Wie schon erwähnt: Die Sprach-Tweets haben eine zeitliche Begrenzung von 140 Sekunden. Natürlich will Twitter niemanden davon abhalten, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Habt Ihr also eine faszinierende Story auf Lager, dann quasselt einfach munter weiter. Es ist kein Problem, wenn Ihr die 140-Sekunden-Marke durchbrecht. Der Sprachüberschuss wird einfach aus der Aufnahme herausgeschnitten und als Rattenschwanz unter dem Original-Tweet angehängt – genau so, wie wir das von den klassischen Antworten kennen.

Was aber wirklich schade ist: Sprach-Tweets bieten (zumindest noch) keine Untertitel an. Daneben kann der Audio-Tweet nur als Original-Tweet genutzt werden – soll heißen, ihr könnt nicht per Audio-Tweet auf andere Tweets antworten oder sie retweeten.

Ganz Druckfrisch: So sieht ein Audio-Tweet aus:

Worte können Messer sein. Besonders wenn man ihnen eine Stimme gibt

Sprachnachrichten sind bei Messenger-Diensten wie WhatsApp bereits sehr beliebt. Man kann eben nicht immer schreiben – und manchmal ist man einfach zu faul. Für mich persönlich sind die Sprachnachrichten eher ein "Zoomer-Trend", den ich nur schwer verstehen kann. Auf der anderen Seite muss ich aber zugeben, dass er für Sehbeeinträchtigte oder Analphabeten natürlich seine Vorteile hat.

Für die Wiedergabe von Audio-Tweets bekommt die iOS-App eine neue Leiste am unteren Rand der Benutzeroberfläche. Nutzer haben so gerade laufende Sprachnachrichten im Blick, während sie gleichzeitig weiter durch den Feed scrollen – doppelte Berieselung sozusagen.

Und da taucht bereits das nächste Problem auf: Wie gut kann man diese Nachrichten im Zaum halten? Twitter hat schon genügend Probleme im Umgang mit illegalen oder verletzenden Inhalten in seinen schriftlichen Tweets. Ist es also eine gute Idee, dem ganzen auch noch eine Stimme zu geben? Oder steigt so womöglich die Hemmschwelle?

Auch das Missbrauchspotenzial ist groß: Angefangen von sogenannten Audio-Deepfakes, die durch das Zusammenstellen verschiedener Sprachnachrichten eines Nutzers erstellt werden, über die notorischen Tiraden von Donald Trump bis hin zu Hassbotschaften extremistischer Gruppen.

Vielleicht wäre es eine Idee gewesen, die Funktion zunächst auf private Nachrichten zu beschränken. Daneben hat CNN-Reporter Donnie O'Sullivan angedeutet, dass Twitter Sprach-Tweets nicht proaktiv auf Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen überwachen wird. Stattdessen sollen vorerst nur gemeldete Sprach-Tweets überprüft werden.

Auf Anfragen von TheVerge gab Twitter an, dass dies bisher "nur eine Testphase" sei. Weiterhin arbeitet die Firma ebenfalls an "dem besten Weg", um diese Funktion auch hörbeeinträchtigten Menschen zugänglich zu machen.

Es besteht kein Zweifel, dass die Funktion und das neue Format die Leute wortwörtlich zum Reden bringt. Und natürlich werden auch einige Anpassungen erforderlich sein. Ich weiß nicht, ob Twitters Wunsch "der Art und Weise, wie wir die Plattform nutzen, eine menschlichere Note zu verleihen", allen Nutzern gemein ist – und ob das Ergebnis wirklich eine menschlichere Kommunikation sein wird.

Quelle: The Verge

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7 Kommentare

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  • Ich habe schon bei WhatsApp Sprachnachrichten nie gemocht. Entweder man schreibt mir oder ruft mich an, aber bitte kein Mischmasch.


  • Ich höre schon meine ganzen Sprachnachrichten nicht alle ab, weil mich das unterwegs nervt. Und meistens hört man sich fünf Minuten was an oder guckt ein Video und ärgert sich hinterher nur, weil man den gleichen Inhalt in ein paar Sätzen aufgeschrieben in wenigen Sekunden gelesen hätte.


  • Nein! Also die Idee ist mehr als beschissen!


  • Tim vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Ich bin ganz ehrlich, ich finde das schrecklich.
    Ich habe echt keine Lust irgendwann durch meine Timeline zu scrollen und bei jedem zweiten Tweet keine Ahnung zu haben, was dort gebrabbelt wird, weil ich gerade bspw. keine dieser dummen Sprachnachrichten anhören kann oder will.
    Sprachnachrichten in den ganzen Messengern sind schon oft genug die Krätze, jetzt auch noch bei Twitter...

    Einen Edit-Button bringen sie auch nach Jahren nicht, weil das laut Twitter die Idee der Tweets kaputt macht. Und jetzt kommt so ein Quatsch, der WIRKLICH die Idee von Tweets kaputt macht.

    Ganz davon abgesehen, dass es fast unmöglich wird, eben illegale Inhalte so zu filtern. Das ist mit Text deutlich einfacher und dort ist es schon ziemlich schwer es in Context zu setzen. Als Sprache? Ohne echte Mitarbeiter quasi unmöglich.


    • Micro-Podcasts werden der nächste heiße Shit ;-)

      Nachdem die geschriebenen Nachrichten immer kürzer werden, ist es ja fast der nächste logische Schritt, oder?


      • Tim vor 4 Monaten Link zum Kommentar

        Finde ich nicht. Und schon Podcast sind etwas, was man nicht immer hören kann oder eben will ^^


  • Donald Trump wird sich freuen 😜

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