Gewalt auf dem Capitol Hill führt Twitter und Facebook ihre Hilflosigkeit vor Augen

Gewalt auf dem Capitol Hill führt Twitter und Facebook ihre Hilflosigkeit vor Augen

Die Zensur und Sperrung von Donald Trump durch Twitter, Facebook, Instagram und andere sind sicherlich beispiellose Handlungen, aber sie unterstreichen nur die Verantwortungslosigkeit und Ohnmacht der Tech-Giganten angesichts einer tiefen politischen und gesellschaftlichen Krise in den Vereinigten Staaten, der sie alles andere als fremd sind.

Ihr habt es natürlich alle mitbekommen: Die Vereinigten Staaten erlebten am Mittwoch, dem 6. Januar, ein schockierendes Ereignis. Eine Welle von Pro-Trump-Anhängern stürmte auf den Capitol Hill in Washington, D.C., wo der US-Kongress tagte, um das Ergebnis der Präsidentschaftswahl mit dem Demokraten Joe Biden als Sieger zu bestätigen.

Vom designierten Präsidenten Joe Biden dazu aufgerufen, dieses Spiel zu beruhigen, veröffentlichte Donald Trump am Mittwoch ein Video, in dem er die Demonstranten über seine sozialen Kanäle auffordert, nach Hause zu gehen. Dummerweise begann dieses Video mit einer Erinnerung, dass die Wahl von Joe Biden gestohlen wurde und endete mit einer Liebeserklärung an die Demonstranten. In den darauffolgenden Minuten zensierten die sozialen Netzwerke angesichts der fast bürgerkriegsähnlichen Situation das Video sofort. 

Es waren Szenen seltener und symbolträchtiger Gewalt, die mindestens vier Tote zur Folge hatten, aber es ist nicht an NextPit als auf Technik spezialisierte Seite, diese Vorgänge zu dechiffrieren. Ich bin kein Politikwissenschaftler und meine Tage als allgemeiner Journalist sind lange vorbei.

Ich bin daher ebenso wenig wie ihr dazu legitimiert, über das zu schreiben, was der Guardian als einen versuchten Staatsstreich bezeichnet. Wenn sich aber große Tech-Player in diese Angelegenheit einmischen, betrifft mich das durchaus. Daher werde ich mich in meiner Analyse ausschließlich auf diesen Aspekt konzentrieren.

Dass erst vier Menschen bei diesem übertrieben absurden Ereignis sterben mussten, damit Twitter und andere reagieren ist schon schlimm genug – das Ausmaß der Reaktionen der angeblich so mächtigen und einflussreichen Tech-Giganten ist im Vergleich dazu dermaßen lächerlich, dass es einen ärgern muss. 

Mehr als der Zeitpunkt der Reaktionen ärgert mich also vor allem das geringe Ausmaß der Maßnahmen jener Plattformen, die sich so lange ihrer Verantwortung als Verleger entzogen haben, indem sie sich hinter ihrem Hosting-Status versteckten.

Donald Trump auf Twitter gesperrt – große Sache

Bis heute haben sich die sozialen Netzwerke stets geweigert, Donald Trumps Veröffentlichungen zu entfernen, mit der Begründung, dass der Milliardär ein amtierendes Staatsoberhaupt sei. Seine Tweets, so umstritten sie auch waren, erhielten eine Sonderbehandlung "wegen ihres öffentlichen Interesses".

So hatte Twitter bereits im Sommer dieses Jahres damit begonnen, auf dem Höhepunkt der Black-Lives-Matter-Bewegung kurz nach der Ermordung von George Floyd durch einen amerikanischen Polizisten, Tweets zu löschen, die als Verbreitung von Desinformation galten.

Doch nach den Ereignissen auf dem Capitol Hill am Mittwoch entfernte Twitter erstmals drei Posts des US-Präsidenten und sperrte seinen Account für 12 Stunden. Wenn Trumps Teams sein Profil nicht von den beanstandeten Tweets befreit, könnte die Suspendierung dauerhaft sein, warnt das soziale Netzwerk. Zur Erinnerung: Twitter hat bereits davor gewarnt, dass Trump wegen seines schlechten Verhaltens ausgeschlossen werden könnte, sobald er nicht mehr Präsident ist.

Aber dies ist nicht das erste Mal, dass Trump zu weit gegangen ist. Es ist nicht das erste Mal, dass der Präsident, implizit oder nicht, zu Gewalt aufruft. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Demonstrationen für oder gegen Trump, angeheizt durch die Resonanzkammer der sozialen Netzwerke, zu einem oder mehreren Todesfällen geführt haben.

Die gestrigen Ereignisse auf dem Capitol Hill sind kein Einzelereignis, das aus dem Nichts kommt. Sie sind das Produkt eines toxischen Klimas, das seit mindestens vier Jahren aufrechterhalten wird. "Vier Jahre lang haben Sie diesen Terror rationalisiert. Die Aufstachelung zum gewaltsamen Verrat ist keine Ausübung der Meinungsfreiheit. Wenn Sie in diesen Unternehmen arbeiten, ist es auch Ihre Schuld. Hören Sie auf", wetterte Chris Sacca, einer der langjährigen Investoren von Twitter und Instagram.

Ellen Pao, ein Tech-Investor und ehemaliger CEO von Reddit, sagte gestern, dass das aktuelle Chaos direkt mit der Untätigkeit von Jack Dorsey, dem Chef von Twitter, zusammenhängt. Im vergangenen November forderten Ellen Pao und Laura Gómez, eine ehemalige Technologie-Gründerin und CEO, Dorsey auf, Trumps Einfluss auf Twitter zu begrenzen und beschuldigten den POTUS ausdrücklich, Twitter zu benutzen, um einen "Putsch" anzuzetteln. "Wir haben ihnen gesagt, dass sie das Richtige tun sollen. Das haben sie nicht. Und hier sind wir nun", schrieb Pao auf Twitter.

Aber was bringt es, Trump jetzt von Twitter zu verbannen? Klar, die Sperre ist in dem Kontext gerechtfertigt. Doch welche konkreten Auswirkungen hat diese Sperre auf den Ablauf und die Beschwichtigung der Ereignisse? Diese beispiellose Entscheidung kommt nicht nur viel zu spät, sie ist auch lächerlich unbedeutend.

Facebook, Instagram und Youtube wachen nach einem doppelten Spiel auf

Auf Facebook und Instagram erhielt Donald Trump für dasselbe Verhalten eine 24-stündige Sperre. Auch dies ist beispiellos. Die sozialen Netzwerke, die Mark Zuckerberg gehören, waren schon immer nachsichtiger gegenüber Präsident Trump als Twitter.

Zuckerberg hatte sich auch mit Twitter über die Kennzeichnung einiger von Trumps Tweets gestritten und sich dabei auf die Meinungsfreiheit berufen (die in den USA viel absoluter ist als in Europa), während viele seiner Mitarbeiter die Untätigkeit von Facebook intern anzweifelten.

Wie bei Twitter sind die langsame Reaktionszeit von Facebook und der mehr als relative Umfang einer einfachen 24-Stunden-Sperre keine Leistungen, bei denen man vor Freude Luftsprünge machen möchte. Weit gefehlt!

Zumal, wie die New York Times heute berichtete, Pro-Trump-Demonstranten schon seit Wochen auf einer Facebook-Seite namens Red-State Sezession offen über das diskutierten, was sie in Washington planen.

Die Seite hatte ihre rund 8.000 Anhänger aufgefordert, die Adressen von vermeintlichen "Feinden" in der Hauptstadt des Landes zu teilen, darunter die Wohnadressen von Bundesrichtern, Mitgliedern des Kongresses und prominenten Oppositionspolitikern.

Die New York Times berichtet, dass ein bereits am Dienstag in der Gruppe veröffentlichter Beitrag dazu aufforderte, dass die Menschen "bereit sein sollten, Gewalt anzuwenden, um die Zivilisation zu verteidigen. Mehrere Kommentare unter dem Beitrag zeigten Bilder von Sturmgewehren, Munition und anderen Waffen. In den Kommentaren wurde davon gesprochen, die Hauptstadt zu "besetzen" und den Kongress zu zwingen, das Wahlergebnis zu kippen.

donald trump capitol red state secession
Eine Reihe von Screenshots der Red-State-Secession-Accounts, bevor sie von Twitter und Facebook entfernt wurden / © Screenshots @Ryan Mac via Twitter

Facebook sagte, dass man die Red-State Secession Seite bereits am Mittwochmorgen gelöscht habe. Vor ihrer Entfernung leitete die Seite ihre Anhänger aber noch zu anderen sozialen Netzwerken wie Gab und Parler, die seit 2016 in rechten Kreisen wegen ihrer gegenüber den anderen Mainstream-Plattformen laxeren Moderationspolitik an Popularität gewonnen haben.

Es ist also schön und gut, Trump für 12 oder 24 magere Stunden zu blockieren. Aber wo war dieser Initiativgeist, als gewöhnliche Nutzer oder sogar Politiker von geringerem Rang als der US-Präsident das ohnehin angespannte politische Klima verschärften?

Der Angriff auf den Capitol Hill wird live auf Twitch übertragen

Die Tech-Site Gizmodo berichtet zum Beispiel, dass Derrick Evans, ein neu gewähltes Mitglied des Abgeordnetenhauses von West Virginia, ein Video von sich inmitten des Aufruhrs live auf Facebook gepostet hat.

Die bekannte Streaming-Plattform Twitch, die ursprünglich für Spiele entwickelt wurde, sich aber zunehmend auch für politische Streamer öffnet, hostete während der Erstürmung des Kapitols auch Streams von Pro-Trump-Demonstranten, wie Vice anmerkt.

Der zertifizierte Twitch-Kanal "WOKE" zum Beispiel streamt ein Mosaik aus mehreren Streams gleichzeitig. Einige von Journalisten in der Mitte der Menge, einige von Passanten am Rande des Kapitols, aber auch einige von Figuren vom rechten Rand, die aktiv an der Randale teilnehmen.

Twitch hat noch nicht auf die Behandlung der Ereignisse vom Mittwoch durch die auf seiner Plattform gehosteten Nutzer reagiert, von denn ja auch längst nicht alle gefährlich sind. Einige politische Streamer, ob von links oder rechts, machen einen durchaus quasi-journalistischen Job, bei dem sie für ein großes Publikum Live-Berichte der großen Nachrichtenkanälen einordnen. Nicht alles ist nur schwarz oder weiß, das gebe ich gerne zu.

Aber es ist dennoch extrem lächerlich, dass die erste "Vorzeigemaßnahme" von Twitch an diesem Donnerstag nicht darin bestand, dieses Thema anzusprechen, sondern ein einfaches Emote wegen seiner angeblichen Konnotation mit "alt-right" zu verbannen. Kurze Erklärung dazu, da nicht jeder mit der Twitch-Kultur vertraut ist: Twitch-Emotes werden in Live-Chats verwendet, um auf eine bestimmte Situation zu reagieren und haben die Besonderheit, dass sie oft aus einem Insider-Witz der Community stammen. Sie sind Verweise auf Memes, die von der Community, Streamern oder Twitch direkt erstellt wurden.

In diesem Fall ist es das PogChamp-Emote, (das verwendet wird, um etwas als positiv einzuordnen) oder Pog/Poggers, das verboten wurde. Dieses Emote ist in der Tat von dem Gesicht des professionellen Street Fighters Ryan "Gootecks" Gutierrez inspiriert. Letzterer hat eine Reihe von Tweets über den Angriff auf dem Capitol Hill veröffentlicht, nachdem ein Pro-Trump-Protestler von der Polizei erschossen wurde. Tweets, die laut Twitch implizit zu weiterer Gewalt aufriefen, damit, wie Gutierrez erklärte, "der Tod dieses MAGA-Märtyrers nicht umsonst gewesen wäre."

Das ist schon ein ziemliches Kunststück, gerade für Twitch, das dafür bekannt ist, sehr strenge Nutzungsbedingungen zu haben und hart durchzugreifen, wenn es darum geht, Verhalten zu bestrafen, das gegen diese verstößt.

Das ist also die Allmacht von Twitter und Facebook und Co, diesen Giganten, die Wahlen entscheiden und angeblich unsere politischen Geschicke wie ein Schattenministerium manipulieren? Dass ich nicht lache! 

 

Neueste Artikel bei NextPit

Empfohlene Artikel bei NextPit

21 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  • @icke halt

    Du hast bei Deinem Kommentar "vergessen", Ironiezeichen zu setzen!

    lolo


  • Trump hat in deiner amtszeit keine Kriege angezettelt und damit hat er sich natürlich die Hochfinanz, die Waffenlobby und viele weitere Unternehmen zum fein gemacht. Joe Biden hatte in den vergangenen Jahren als Außenminister schon bei Busch dafür gesorgt dass Kriege gefühlt oder angezettelt werden. Biden bekommt von so vielen Unternehmen und Lobbie Verbänden Geld.
    die Manipulationen an den Bürgern von Facebook, Twitter und so weiter hat ein nie da gewesenes Ausmaß. Facebook hat Millionen Dollar dazu genutzt um in die Wahl einzugreifen, Twitter löscht bzw zensiert Beiträge von Donald Trump und danach sagen die Medien er hat zu hass aufgerufen! auf Facebook und Twitter wurden in den letzten Jahren sehr viele Beiträge von den Usern entfernt, ganz besonders wenn sie nicht der Meinung des Deep-State zur Errichtung der neuen Weltordnung entsprechen.

    Trump ist meiner Meinung nach ein großartiger Präsident, so wie es schon John f Kennedy gewesen ist. Trump hatte John f Kennedy Junior damals versprochen dass er den Tod seines Vaters rächen wird, wann starb JFK Junior 1999 bei einem Flugzeugabsturz und konnte leider nicht zur Wahl antreten.


    •   38
      Gelöschter Account vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Trump hat die Beziehungen der USA zu fast allen demokratischen Staaten verschlechtert, weil er seine Beziehungen zu Despoten (auch innerhalb der EU) verbessern wollte. So waren ihm Polen und Ungarn lieber als z.B. Schweden und Deutschland, weil dort ähnlich orientierte Männer an der Macht sind. Kim Jong Un wäre ein Liebling gewesen, er hat sich aber nicht in die Manipulation so einbinden lassen, wie Trump es sich wünschte. Dazu manipuliert Kim selbst zu geschickt, um die plumpen Versuche Trumps nicht frühzeitig zu erkennen und damit seine eigene Position zu stärken und sein Weltbild beizubehalten.

      Facebook, Twitter & Co. sehe ich ebenso kritisch, auch hier in Deutschland, weil sie lange am Präsidenten gut verdienten und deshalb zusahen, wie er immer mehr Menschen anzog, die ein krudes Weltbild und Verschwörungstheorien verteidigten, aber die Murdoch-Presse und -Medien incl. Fox News haben viel gravierender in den Wahlkampf eingegriffen, indem sie die Trump´sche "Berichterstattung" ungefiltert zuließen. Das bedeutet, unwahre oder unbewiesene Behauptungen als Fakten zu deklarieren, den Präsidenten als unfehlbar erscheinen zu lassen und seine Behauptungen mit ebenso unlauteren "Beweisen" zu untermauern.

      Mit Trump zog der Begriff von Fake News ein, in Deutschland wurde daraus Lügenpresse gemacht, unterstützt von einer Partei, die sich nach dem Vorbild Trumps die Lautheit und Schrille der Minderheit zunutze macht. So denkt mittlerweile eine Mehrheit im Westen, dass im Osten die Mehrheit so eingestellt ist wie die Demagogen, Hetzer und Verschwörungstheorien verbreitenden Protestler, die sich gerne im TV und in sozialen Medien als Unterdrückte und Stimme des Volkes präsentieren. Es ist eine große Menge, die dort (leider) mitmarschiert, aber die Mehrheit ist es nicht, sonst sähen die Machtverhältnisse noch deutlich anders aus.

      Wir sollten die Ereignisse in den USA als Warnung ansehen, was Menschen, die andere zu Hass aufstacheln, ihre politischen Gegner als Feinde übelst beleidigen, selbst keinerlei moralischen Anstand besitzen und sich und ihre Familie und Freunde am Staat und ihrem Amt massiv bereichern, anrichten können und wollen.


    • " Joe Biden hatte in den vergangenen Jahren als Außenminister schon bei Busch dafür gesorgt dass Kriege gefühlt oder angezettelt werden."
      ???
      Welche Quelle sagt Dir, dass Joe Biden (Demokratische Partei) unter Bush (ohne "c" - Republikanische Partei) Außenminister war?

      Alternative Fakten, oder was? Nee, sorry, glatt gelogen!

      Der Rest Deiner Ausführungen ist auch nicht so besonders. Machst Du (einen sehr schlechten) Spaß - oder ist das tatsächlich Dein ernst?


    • Ich will jetzt gar nicht auf den Inhalt eingehen, den haben andere schon hervorragend auseinander genommen.

      Nur ein kleiner Tipp: Schau noch einmal über den Text drüber, bevor du ihn absetzt, mit weniger Tippfehlern wirkt man gleich schon ein wenig seriöser und gebildeter...


  • "Das ist also die Allmacht von Twitter und Facebook und Co, diesen Giganten, die Wahlen entscheiden und angeblich unsere politischen Geschicke wie ein Schattenministerium manipulieren?"
    Gewagte These - wo stammt die denn her?

    Da stolpere ich gleich über mehrere Dinge...

    Ein Schattenministerium hat keinerlei Macht oder Möglichkeiten, politisch Geschicke zu manipulieren - denn es existiert real nicht, es ist nicht mehr als eine Vorstellung, wie es sein könnte. Allenfalls kann die Aussicht auf einen Ministerposten manipulativ sein. Aber ein Minister, den es nicht gibt, der hat keinerlei Möglichkeit zum Handeln. Ein Schattenministerium kann Hoffnungen, Erwartungen entfachen oder befeuern; mehr nicht.

    Twitter, Facebook und Co entscheiden keine Wahlen. Der Wähler entscheidet Wahlen. Die Giganten können allenfalls manipulieren. Aber selbst das ist schon weit her geholt. Für die Inhalte ist ja nicht Twitter oder Facebook verantwortlich; der Urheber, sprich der Schreiber, Fotograf oder Videograf ist Urheber. Twitter oder Facebook ist nur Werkzeug - wie Bleistift und Papier. Niemand käme auf die Idee, Bleistift und Papier als Wahlentscheidend zu verurteilen (obwohl wir damit unser Kreuzchen machen) oder Manipulation zu unterstellen.

    Erst wenn diese Giganten - wie jetzt geschehen - eingreifen, dann wird dadurch etwas verändert und eventuell dadurch manipuliert. Es ist 2 Monate her, da standen US-TV-Sender vor ähnlicher Situation und haben die TV-Übertragung abgebrochen. ABC, CBS, CNBC oder Twitter und Facebook - dürfen die das? Müssen die das?

    Wie oft lügen Politiker im deutschen TV? Ab welchem "Härtegrad" soll eine Sendung abgebrochen werden? Wer entscheidet (extrem zeitnah), was gelogen oder wahr ist?

    Hat ein Präsident Sonderrechte? Wenn ja - hat sie ein Minister (wohlgemerkt KEIN Schattenminister)? Ein Staatssekretär? Ein Ministerpräsident? Ein Regierungspräsident? Ein Bürgermeister?
    Wo ist eine Grenze zu ziehen? Oder sollte es grenzenlos sein?
    Oder sind alle gleich? Ist niemand zu sperren - oder jeder, der nicht in den (eigenen) Kram passt?

    Der Überbringer der schlechten Botschaft wird bestraft. Twitter und Facebook sind nur Überbringer - und sollen deshalb bestraft (kritisiert) werden?

    Wo ist das Verursacherprinzip nur geblieben? Der Bleistift kann nichts dafür. Der Schreiber macht den Mist! DAS ist anzuprangern!

    Das alles passiert ja öffentlich, nicht im geheimen. Sind wir da nicht auch alle in der Pflicht, Stirn zu zeigen? Auch hier in Deutschland wird zu oft weggeschaut. Man überlässt das Feld zu sehr den Vollidioten, den Selbstdarstellern, den Lügnern, den Quertreibern...

    Ein sehr heißes Eisen - da kann sich jeder die Hand dran verbrennen. Jeder. Die Schuld auf wenige Andere (die Giganten) zu schieben, ist schon etwas arg einfach.


    • Du verkennst die Zusammenhänge! Trump hat am 06.02.2021 zuvor auf Twitter und Facebook aufgerufen, vor dem Kapitol während der formalen Anerkennung des Wahlergebnisses durch den Kongress und den Senat zu demonstrieren! Zu Gewaltverzicht hat er erst aufgerufen, nachdem seine Accounts gesperrt wurden. Dazu hat er andere Accounts in seinem Namen sprechen lassen.

      Seit der Wahl im November hat Trump laufend wiederholt, um den Wahlsieg betrogen worden zu sein, obwohl alle Rechtswege das anders gesehen haben. Er hat sogar den Gouverneur telefonisch unter Druck gesetzt "11700 Stimmen zu finden". Das Telefonat hat der Gouverneur selbst veröffentlicht. Der ist übrigens Republikaner wie Trump!

      Während seiner Amtszeit hat Trump mehrfach den Mob geschützt, der für Krawalle verantwortlich war und hatte keine Worte für die Geschädigten. Von den ganzen ganz offensichtlichen Lügen, die er laufend über die sozialen Netzwerke verbreitet hat, ganz zu schweigen. Nie haben Twitter oder Facebook seinen Account gesperrt.

      Das hatte einen guten Grund, denn ja, als Präsident geniest er Sonderrechte! Das ist keine Besonderheit der USA, das gibt es in den meisten Staaten. Es haben sogar noch mehr Menschen Sonderrechte, nämlich alle amtierenden Politiker in der Regierung und der Opposition. Das nennt sich politische Immunität. Öffentliche Medien können Politiker kritisieren, aber es wird schwierig, wenn sie sie von dem Recht der freien Meinungsäußerung ausschliessen. Besonders nachdem das Impeachment Trump auch nicht aus dem Amt entfernen konnte. Er ist eben demokratisch in seinen Amt legitimiert.

      Dennoch war offenbar mit seinem Aufruf am 06.01.2021 und den damit verbundenen Ausschreitungen für die sozialen Netzwerke ein Rubikon überschritten.


      • Ist mir alles bekannt. Was ändert das? Die Giganten haben Hausrecht und nutzen es. Da gibt es keine Sonderrechte.


      • Ich habe geschrieben, was die Ausübung des Hausrechts bei Politikern schwierig macht.


      • Was macht es denn schwierig? Politische Immunität schützt vor Strafverfolgung. Das hat mit Ausübung des Hausrechts nichts zu tun. Schließlich ist aus der temporären eine dauerhafte Sperrung geworden.

        Die politische Immunität bleibt davon vollkommen unberührt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.


      • Kein Recht ist grenzenlos. Auch nicht das Hausrecht. Schon gar nicht bei öffentlichen Institutionen. Während Du Trump ohne weiteres verbieten kannst, Deine Wohnung zu betreten oder von Deinem Balkon zu reden, ist das bei einem weltweiten sozialen Netzwerk etwas anderes. Die Ausübung des Hausrechts würde mit der Meinungsfreiheit kollidieren und die wird in den USA sehr hoch gehalten.

        Wenn es dann noch um den höchsten Amtsträger handelt, zieht man in den USA ganz schnell den kürzeren. Ich bin überzeugt, wäre seine Amtszeit nicht in ein paar Tagen abgelaufen, hätten die sozialen Netzwerke anders gehandelt.

        Ein anderer Punkt:
        Trumps privater Account wurde gesperrt. Der Account des US-Präsidenten heißt POTUS (President of the United States). Den hat Trump aber kaum wenn genutzt, wenn überhaupt.


      • Twitter hat auch Tweets auf dem offiziellen Präsidentschaftskonto @POTUS gelöscht. Das Hausrecht wird also auch dort angewendet. In ein paar Tagen kann er dies ohnehin nicht mehr nutzen.

        Die Meinungsfreiheit in den USA wird schon anders als bei uns z.B. gesehen - da ist manches mehr möglich als hier. Aber - und da stimme ich Dir zu:
        "Kein Recht ist grenzenlos."

        Eben.

        Öffentliche Institutionen sind auf der Grundlage öffentlicher Trägerschaft oder öffentlichen Eigentums entscheidende und handelnde Wirtschaftssubjekte. Das dürfte bei diesen Giganten nicht der Fall sein. ;)


      • Verwechsle den Begriff "öffentlich" nicht mit "öffentlich-rechtlich"!

        Facebook, Twitter, RTL, sat1 usw. sind öffentlich. Sie sind nicht öffentlich-rechtlich.
        ARD und ZDF sind öffentlich und öffentlich-rechtlich.


      • "Verwechsle den Begriff "öffentlich" nicht mit "öffentlich-rechtlich"!"
        Ich hatte mich schon über Deinen Begriff "Öffentliche Institutionen" gewundert. Was willst Du jetzt mit öffentlich-rechtlich???

        "Kein Recht ist grenzenlos. Auch nicht das Hausrecht. Schon gar nicht bei öffentlichen Institutionen."
        www.helles-koepfchen.de/artikel/3189.html
        Twitter, Facebook und Co haben NICHTS mit öffentlichen Institutionen zu tun! Da hast Du ganz offensichtlich etwas verwechselt.

        Warum Du jetzt öffentlich-rechtliche ins Gespräch bringst, ist mir ein Rätsel.


      • Facebook ist genauso öffentlich wie die ARD. Beides ist für alle, also öffentlich, zugänglich Aber die Facebook ist ein privat-rechtliches Unternehmen, die ARD ist ein öffentlich-rechtliches Unternehmen.

        In Deinem Link steht "Oft meint man mit Institution eine öffentliche oder staatliche Einrichtung oder eine Organisation," Oft ist etwas anderes wie "immer".

        Das Wort "Institution" kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt "Einrichtung"


      • Ok, dann nehmen wir die etwas genauere Variante:
        www.wirtschaftslexikon24.com/e/%C3%B6ffentliche-institutionen/%C3%B6ffentliche-institutionen.htm

        Von mir aus können wir öffentlich Einrichtung sagen:
        de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentliche_Einrichtung

        Falls Du den Text (inhaltlich) verstehst - sage bitte, ob die Giganten, von denen hier (durch Dich) die Rede ist (Twitter, Facebook, ...), tatsächlich "öffentliche Institutionen" sind oder nicht. Dann reden wir weiter. Vielleicht.

        Die Frage ist NICHT, ob die Giganten öffentlich sind. Auch ist nicht die Frage, ob sie öffentlich-rechtlich sind. Die Frage ist, ob sie eine "öffentliche Institution" sind, wie von Dir behauptet, oder eben nicht.

        Ich hoffe, der Groschen fällt bald.


      • Der Groschen fällt wohl nicht mehr - öffentlich. Keine Antwort ist in dem Fall auch eine Antwort.


  • Die Sperrung von Trumps Accounts halte ich für problematisch.

    Die USA erlauben öffentliche Äußerungen, die in Deutschland (aufgrund unserer Geschichte) strafbar sind. Viel schwerer wiegt jedoch, Donald Trump ist ein demokratisch gewählter Präsident und noch im Amt. Selbst ein Impeachment war erfolglos. Er ist also demokratisch legitimiert. Damit wird eine Sperrung seines Accounts problematisch.

    Als Präsident genießt er Immunität (also Straffreiheit im Amt), wie amtierende Politiker in vielen Staaten. Die Immunität hat einen Sinn. Ohne Immunität wären viele notwendige Gesetzesanpassungen oft nicht möglich und politische Gegner könnte man schwächen.

    Nun kann man mit den Hausrecht kommen, wonach soziale Netzwerke sehr wohl Accounts sperren können. Als weltweites, öffentliches Netzwerk mit Milliarden Nutzern ist das jedoch auc heine politische Aussage. Sie Netzwerke machen sich angreifbar. Genau das, was Trump bereits bei TV-Sendern gemacht hat. Neutralität halte ich für asolut notwendig, selbst wenn sie noch so schwer fällt.

    Ich verurteile Donald Trump für alle seiner Tweets und für sein Handeln. Er mehrfach Tatsachen verdreht, rechten Mob gerechtfertigt und tatsachenbasierte Berichte als Fake-News bezeichnet hat, während er selbst Fake-News verbreitet. Aber er ist Präsident! Er konnte mit demokratischen Mitteln nicht vor Ablauf seiner Amtszeit aus dem Amt entfernt werden. Je nach den rechtlichen Möglichkeiten, soll er für all sein Handeln zur Verantwortung gezogen werden. Aber soziale Netzwerke sollten keine Vorverurteilung durch Sperren vornehmen.

    Trump zeigt aber, dass die sozialen Netzwerke grundsätzlich über ihre Funktion nachdenken müssen. Möglicherweise wäre es sinnvoll, grundsätzlich bestimmte Amtsträger während ihrer Kandidatur oder Amtszeit für solche Plattformen zu sperren. Egal, ob Regierung oder Opposition. Vielleicht sollten sich soziale Netzwerke auf rein private Kommunikation beschränken.


  • Sie könnten schon was tun, wenn sie denn wollten. Bei Twitter ist es ziemlich schwer, was zu melden. Bei Facebook kann man nach einer endlosen Klickerei was melden, aber allzu oft kommt dann "Nee danke, alles ok".


  • Facebook, Twitter und co. sind eben nur auf schriftliche und kontaklose Kommunikation eine Macht. Aber was sich draußen auf der Straße abspielt ist das reale Leben und entzieht sich jeder noch so großen Plattformmacht. Das Problem ist aber der Mensch selber, der solche Plattformen ausnutzt das es zu so Krawallen überhaupt kommt. Trump hat sowieso seinen Prominentenbonus zu weit überspannt. Aber solange nichts passiert war er ja auch ein mehr oder weniger guter Unterhalter.

Zeige alle Kommentare
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!