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ColorOS 11 im Test: Wie steht's um den Datenschutz beim China-Android?

ColorOS 11 im Test: Wie steht's um den Datenschutz beim China-Android?

Oppo-Smartphones schneiden in Testberichten immer besser ab und zu Recht prescht der zu BBK gehörende Hersteller auf den noch immer leeren Thron Huaweis vor. Aber wie gut ist das Betriebssystem ColorOS, das auf Find X3 Pro, Reno 4 und Co. vorinstalliert ist? Wir haben ColorOS 11 für Euch im ausführlichen Test.

Was Oppo im Jahr 2021 an Smartphones herausgebracht hat, ist längst nicht mehr nur ein weiterer Versuch eines chinesischen Herstellers, sich auf den deutschen Markt zu schummeln. Die Kamera des Find X3 Pro kann sich mit der des S21 Ultra messen und das Oppo Find X3 Neo bietet ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Immer mit dabei: die Android-Variante ColorOS.

Da das neuste ColorOS auf Android 11 basiert, bekommt es den passenden Namen ColorOS 11 und glänzt mit einer Vielzahl an Anpassungen, die für Oppo in ein Betriebssystem gehören. In unseren Augen ist ein Test zu ColorOS 11 daher längst überflüssig und dieser sollte sich am besten in folgende Unterkategorien gliedern:

Inhalt

  1. Design & Animationen
  2. Anpassbarkeit
  3. Funktionsumfang
  4. Ökosystem
  5. Updates & Sicherheit
  6. Fazit

Wie Ihr vielleicht gemerkt habt, seid Ihr schon mitten im Test! Für diesen habe ich ColorOS in der Version 11.2 auf dem Find X3 Pro für mehrere Wochen in Betrieb gehabt. Wollt Ihr direkt zum Fazit gelangen, klickt Ihr am besten hier! Eine kurze Anmerkung: Auch Realme UI basiert im Grunde genommen auf ColorOS. Dieser Test ist damit auch für viele Handys des Herstellers Realme gültig. Jetzt aber ab die Post.

Design & Animationen: Aufgeräumt und auf Wunsch wirklich farbenfroh

Besonders die mutigen Designentscheidungen gefielen mir bei den Geräten der Find X3-Serie. Sei es die farbenfrohe Rückseite im Find X3 Neo oder das gebogene Glas der Pro-Version – Oppo lässt sich am Zeichenbrett echt was einfallen. Wie der Name bereits verrät, tunkt Oppo sein ColorOS dabei in ein Spektrum an Farben.

Oppo Color OS11 Screenshot 1 NextPit
Mit ein bisschen Anpassung kann ColorOS 11 richtig gut aussehen. / © Oppo / Screenshot: NextPit

Sowohl im Dark-Mode als auch in heller Optik deckt das Standard-Farbschema alle möglichen Farben ab. Anders als die Pastelltöne bei Googles Pixel-Smartphones sind die Farben gerne mal knallig und bunt. Am besten lässt sich das natürlich in Bildern ausdrücken, daher gibt's hier einige Eindrücke aus dem Dark- und dem Light-Mode.

Gefallen Euch die knallbunten Farben nicht, könnt Ihr aus den Farbschemata Kühl, Warm, Rosa und Morandi oder aus zehn Einzelfarben wählen. Ohnehin ist Oppos ColorOS in seinem Aussehen ziemlich konfigurierbar, doch dazu später mehr. Denn kurz will ich noch auf die Animationen eingehen.

Oppo holt die schnellen Animationen aus den Entwicklereinstellungen

Denn endlich hat es ein Hersteller mal geschafft, die Animationsdauer aus den Entwickleroptionen zu holen. Das ist aus dem Grund eine Offenbarung, da Ihr anwachsende Fenster nach dem Öffnen oder zur Seite fliegende Apps beim Schließen in den Hintern treten könnt. Leider könnt Ihr dabei aber nur zwischen Schnell, Mittel und Langsam wählen, die Animationen aber nicht ganz ausschalten.

Ich empfehle Euch, die schnelle Einstellung zu nehmen. Denn die Animationen sind nix besonderes. Fenster minimieren sich in Ihr eigenes App-Icon, kommen beim Multitasking von der Seite ins Bild und machen eben das, was man von mobilen Betriebssystemen erwartet. Lediglich die acht unterschiedlichen Animationen bei Aktivierung des Fingerabdrucksensors stachen mir im Test besonders ins Auge.

Insgesamt verteilt Oppo mit ColorOS eine der schöneren Android-Varianten, die Ihr mit ein bisschen Mühe gut anpassen könnt. Je nach Vorliebe wird aus der etwas "flashigen" Grundeinstellung ein ruhiges Android oder ein knallbuntes Etwas. Immer sieht ColorOS aber sauber und gut aus.

Anpassbarkeit

Ein wenig habe ich schon über die Anpassbarkeit von ColorOS 11 gesprochen, aber damit geht es meiner Meinung nach nicht nur um das Aussehen des Betriebssystems. Positiv anrechnen muss ich Oppo, dass der Hersteller Anwendungen für seine eigenen Wearables (beispielsweise HeyTap Health, das ich für meine NextFit-Challenge mit der Oppo Watch nachinstallieren musste) nicht vorinstalliert. 

Somit gibt es bis auf den "Game Space" oder einen stylischen Kompass keine wirkliche Bloatware bei Oppo. Da Ihr so also jederzeit Eure Lieblings-Apps nutzen könnt, ist ColorOS mit Hinblick auf die Programmwahl sehr anpassbar. Dieser Eindruck zieht sich in unzähligen Einstellungsmöglichkeiten im Betriebssystem weiter fort.

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Ein Betriebssystem, unzählige verschiedene Lucks ... Lucks – versteht Ihr? Wegen meines Nachnamens? Hehe.  / © Oppo / Screenshot: NextPit

Bei Android 11 handelt es sich ohnehin schon um ein umfangreiches und höchst konfigurierbares Betriebssystem und Oppos Einstellungen ordnen alles sinnvoll und schön an. Mit zusätzlichen Menüs für Datenschutz und Sicherheit schlägt Oppo Euch beispielsweise vor, das Ad-Tracking beim Surfen und in Apps einzugrenzen und ColorOS erzeugt Euch per Fingertipp sogar eine neue Geräte-ID, falls Ihr störende Werbeeinblendungen bekommt.

Solche kleinen Details, die man sonst in Android 11 recht umständlich in verschachtelten Menüs suchen muss, gibt's bei ColorOS 11 nach nur drei bis vier Fingertipps vom Home-Screen aus.

Einer der Gründe, warum ich seit zig Jahren Android-Nutzer bin, ist die Anpassbarkeit des Betriebssystems. Und diese macht Oppo mit ColorOS aufgeräumt und mit niedriger Einstiegsschwelle greifbar. Viele Details im Umgang mit einem Oppo-Handy könnt Ihr anpassen und braucht dadurch meist nur wenige und sehr logische Fingertipps.

Funktionsumfang

Womit wir auch schon zum Funktionsumfang kommen, der natürlich ein wenig vom genutzten Gerät abhängig ist. Mit dem Oppo Find X3 Pro habe ich das aktuelle Flaggschiff Oppos in der Hand, das dank AMOLED-Display beispielsweise ein Always-On-Display bietet und auch Features wie Reverse-Wireless-Charging in das Betriebssystem bringt. Ein paar coole Software-Features gibt's aber doch noch:

Game Space

Mit dem "Game Space" installiert Oppo ein Spiele-Center vor, das sowohl die Leistung Eures Handys optimiert, als ein Overlay in Mobile Games wie CoD: Mobile oder Pubg bringt. Wischt Ihr dann an der linken Bildschirmseite zur Mitte, öffnet Ihr ein Menü, in dem Ihr sogar auf WhatsApp oder andere Messenger zugreifen könnt.

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Der "Game Space" genannte Spiele-Modus bringt viele praktische Features in ein Menü. / © Oppo / Screenshot: NextPit

Game Space ermöglicht es Euch auch, die Berührungsempfindlichkeit Eures Bildschirms einzustellen oder einen Fokusmodus einzuschalten. Bei diesem werden Alarme, Anrufe und viele weitere Features unterdrückt.

Schnellstartleiste bei Geräten mit Curved-Screens

ColorOS folgt der Tradition Samsungs, die seit dem S9 Edge ein Schnellstartmenü bei Handys mit Curved-Displays führen. Auf dem Find X3 Pro kann ich hier vier Systemfunktionen (Screenshot, Bildschirmaufnahme, Bildschirmübersetzer & Audio-Recorder) aktivieren oder alle möglichen Apps ansteuern.

Zieht Ihr das kleine Symbol in die Mitte, könnt Ihr es frei auf dem Bildschirm verteilen, wenn es beispielsweise beim Schreiben von Nachrichten stört. Insgesamt ist das Feature recht praktisch, auf dem Find X3 Neo aber beispielsweise schon wieder nicht verfügbar.

Multi-Tasking mit Bubbles und Mini-Fenstern

Ein weiteres Lob gibt's für Oppos Multi-Tasking, das in der Praxis ziemlich eingängig und praktisch ist. Ich wollte zum Beispiel einmal Informationen von einem Foto in einen WhatsApp-Chat tippen und konnte das Bild einfach als Mini-Fenster öffnen. Beim Öffnen von WhatsApp wurde es zu einer kleinen "Bubble", die sich mit einem Tipp wieder öffnen ließ.

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Die Mini-Fenster sind wirklich praktisch. / © Oppo / Screenshot: NextPit

Die Mini-Fenster lassen sich zudem aus dem Grund einfach bedienen, da sie den Bildschirminhalt herunterskalieren und nicht einfach ein kleineres Fenster darstellen. So ist der Informationsgehalt im kleinen Fenster noch immer hoch genug, als dass die Mini-Apps nutzbar bleiben.

Always-On-Display mit Randbeleuchtung

Allzu sehr möchte ich diesen Testbericht zwar nicht mit bekannten Funktionen aufblähen, aber Oppos Always-On-Display ist noch eine Erwähnung wert – vor allem, wenn Ihr zu der Riege an Menschen gehört, die den Benachrichtigungs-LEDs in Handys nachtrauern. Denn die Randbeleuchtung zeigt Euch eingehende Nachrichten oder Kalendereinträge kurzerhand über einen leuchtenden Rahmen an, der mal wieder anpassbar ist.

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Das Always-On-Display bringt viele Anpassungsmöglichkeiten mit. / © Oppo / Screenshot: NextPit

Das eigentlich Always-On-Display war bei mir die meiste Zeit eine neonfarbene Digitaluhr. Alternativ könnt Ihr unfassbar motivierende Sprüche wie "Passion Makes Me Who I Am" oder auch Bilder anzeigen lassen. Um den Stromverbrauch einzuschränken, gibt's dann die drei Optionen "Energiesparmodus, Geplant und Ganztägig", die das AoD immer oder zu bestimmten Zeiten anzeigen.

Bei den Zusatz-Features geht Oppos ColorOS nun doch ein bisschen in Richtung "bloaty". Es gibt schon ziemlich viel, was meine Mutti nach dem Kauf womöglich vollkommen überfordern würde. Taucht man aber ein bisschen ins OS ein, gibt's eben auch viel Cooles zu entdecken.

Ökosystem

Dieser Absatz wird bei Oppo recht kurz sein, da ColorOS nur auf den Handys des Herstellers zum Einsatz kommt. Die Oppo Watch wird mit Googles WearOS ausgestattet und das Oppo Band kommt mit einer ganz eigenen Lösung. Eine nahtlose Anbindung an Computer oder an Tablets wie bei Apple oder Samsung gibt's daher nicht.

NextPit Oppo Enco X open case
Wearables wie die Oppo Enco X werden von ColorOS ein wenig bevorzugt. / © NextPit

Cool ist dennoch, dass sich In-Ear-Kopfhörer wie die Oppo Enco X direkt mit dem Gerät verbinden wollen, wenn Ihr das Ladecase öffnet. Darüber hinaus sehe ich einen Vorteil darin, dass Euch Oppo nicht mit irgendwelchen Cloud-Diensten nervt, wie es bei Xiaomi oder Samsung der Fall ist. Das soll's aber auch schon zum Ökosystem gewesen sein.

Updates & Sicherheit

Denn viel spannender für Euch sind doch sicher die Updates und die Sicherheit. In derselben Woche, in der dieses Review online geht, werten wir unsere Umfrage zum Vertrauen zu Smartphone-Herstellern aus. Dabei wird Oppo als chinesischer Hersteller womöglich in Puncto Datenschutz eher auf den letzteren Rängen liegen.

Dabei bemüht sich Oppo durchaus, Euch als Nutzern die Kontrolle über Eure eigenen Daten zu geben. Direkt im Menü findet Ihr die Untermenüs "Datenschutz" und "Sicherheit", auf die ich einmal kurz separat eingehen will.

Datenschutz

Im Menü Datenschutz findet Ihr zuallererst einmal den Berechtigungsmanager, den Google in Android 11 eingeführt hat. Habt Ihr Euch also bei der Installation einer neuen App verklickt, könnt Ihr die Zugriffe hier übersichtlich und einfach verwalten. Darüber hinaus bietet Oppo hier auch Einstellungen an, die physische Zugriffe auf Euer Handy verhindern oder den Informationsgehalt beim Blick auf das Display einschränken.

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Die Sicherheitseinstellungen sind umfangreich und übersichtlich. / © Oppo / Screenshot: NextPit

Spannender finde ich aber, dass Ihr selbst Googles Diensten in ColorOS einen Riegel vorschieben könnt. Neben dem Zurücksetzen der Geräte-ID könnt Ihr Ad-Tracking begrenzen, direkt zum automatischen Ausfüllen von Google gelangen oder die personalisierte Werbung bei Google komplett ausschalten.

Sicherheit

Die Sicherheits-Features von Android ordnet Oppo im Menü "Sicherheit" neu an und fängt dabei mit Google Play Protect an und zählt unter anderem das letzte Sicherheitsupdate auf. Hinzu kommt ein Schutz für Zahlungsmittel, bei dem bei mir Google Pay, PayPal und die Banking-App der Volksbank angezeigt und für sicher befunden wurden, und ein Menü für den Anmeldedatenspeicher. Letzteres sammelt alle gespeicherten Anmeldedaten und lässt Euch diese auf Wunsch löschen.

Löblich ist auch, dass Oppo direkt ein Notfallsystem ins Betriebssystem integriert. Zwar unterscheidet ColorOS in "Extreme Gefahren", "Erhebliche Gefahren" und die nicht ganz umstrittenen AMBER-Alerts, gibt aber nicht weiter an, welche Systeme dafür genutzt werden. In Deutschland hätte ich hier gerne den Begriff "NINA" gelesen.

Updates

Kauft Ihr teures Handy wie das Find X3 Pro, plant Ihr womöglich, es die nächsten drei bis vier Jahre zu nutzen – auch, wenn Hersteller immer von einer Lebensdauer von zwei Jahren sprechen. Dieser Plan geht mit Oppos Update-Gewährleistung aber nicht ganz so gut auf.

Im April 2021 lief das Find X3 Pro mit dem Sicherheitsupdate vom 5. Februar 2021 und im eigenen Security Response Center schreibt Oppo nur für sieben Flaggschiff-Modelle monatliche Sicherheits-Updates aus. Detaillierte Infos zu Eurem Gerät findet Ihr auf der verlinkten Oppo-Seite.

Der Kauf eines China-Smartphones ist für viele Nutzer ein Datenschutz-Risiko. Zumindest auf Ebene des Betriebssystems kann ich das für ColorOS nicht bestätigen. Der Hersteller fügt Android 11 viele Security-Features hinzu und ordnet die vorhandenen übersichtlich an. Die Update-Verteilung könnte aber sicher sein und ob Oppo Daten mit der chinesischen Regierung teilt, lässt sich weder belegen noch eindeutig widerlegen.

Fazit

Mit ColorOS schnüffelt Ihr ein wenig von dem Android-Spirit, den es damals bei der Installation von Custom-ROMs zu schnüffeln gab. Es gibt Konfigurationsmöglichkeiten in Hülle und Fülle, einige richtig praktische Zusatz-Features und es gibt kaum Grenzen, die Euch die Software bei der Installation von Apps oder beim Umschalten von Einstellungen setzt.

Das Ganze geht mit einer Nutzererfahrung einher, die insgesamt ebenfalls überzeugt. Menüs sind aufgeräumt, sinnvoll angeordnet und sehen nach objektiven Kriterien gut aus. Auch wenn ich ein Fan von Stock-Android bin, konnte ich mich mit der Optik des Betriebssystems sehr gut anfreunden.

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Kritikpunkte gibt es aus technischer Sicht dabei kaum. Lediglich die eher mittelmäßige Update-Politik des Herstellers und die Herkunft der Marke könnte einigen von Euch ein Dorn im Auge sein. Dabei verschließt Ihr Euch aber einer der vielversprechendsten Smartphone-Marken, die es sich gerade auf dem deutschen Handymarkt gemütlich macht.

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2 Kommentare

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  • Antiappler vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Die Leute, die den Datenschutz hinterfragen, haben dann auch ganz sicher kein WhatsApp, Facebook, Instagram und was es sonst noch alles gibt auf ihren Geräten, und posten wo sie sich gerne und oft aufhalten. Und Fotos und Videos werden dort ganz sicher auch nicht eingestellt. Oder? 🙄


  • hansGuenther vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Das ist wieder einmal typisch deutsch. Sobald chinesen etwas machen, hinterfragt man direkt das Datenschutz. Aber bei den Amis ist es egal. Google und Apple wissen alles über euch. Überall Datenschutz hier und da. Sowas wie Datenschutz gibt es gar nicht. Jeder protokolliert mit oder ohne Zustimmung, auch wenn es nur eine IP-Adresse oder sonstwas ist. Ich kann das mit der Datenschutz nicht mehr hören.