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Android und KI: Bitte, Google – mach diese Fehler nicht schon wieder

nextpit Circle to Search
© Samsung / nextpit

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Mit "Circle to Search" will Google die Internetsuche revolutionieren. Das spannende KI-Feature ist derzeit auf wenigen ausgewählten Geräten wie dem Galaxy S24 Ultra (Test) oder dem Pixel 8 Pro (Test) verfügbar. Aber schießt sich Google mit dieser Strategie möglicherweise selbst in den Fuß und wiederholt alte Android-Fehler? Lest meine Meinung dazu. 

KI ist überall! Ob nur als Buzzword und Marketing, oder als wirklich starke Funktion mit echtem Mehrwert, wir können "künstlicher Intelligenz" derzeit nicht entkommen. Kein Wunder, dass auch Smartphone-Hersteller immer prominenter auf KI-Funktionen hinweisen und mehr und mehr dieser smarten Tricks in ihre Geräte implementieren. Samsung treibt das Spiel sogar so weit, mit eigener Galaxy AI eine ganz neue Plattform zu lancieren.

Allerdings handelt es sich dabei um eine Plattform, die zu großen Teilen auf KI-Funktionen von Google setzt, wobei "Circle to Search" wohl das prominenteste Beispiel ist. In diesem Beitrag erkläre ich diese neue Suchfunktion noch einmal ganz kurz, spreche über die Exklusivität, die die Funktion derzeit besitzt, berichte von einem Déjà-vu und einer Befürchtung bezüglich eines Android-Fehlers, der sich wiederholen könnte. 

Das ist Circle to Search

Lasst uns alle noch einmal ganz kurz klären, was dieses "Circle to Search" ist, das Google selbst so beschreibt: "Circle to Search ist eine neue Möglichkeit, mit einer einfachen Geste auf Eurem Smartphone nach Informationen zu suchen, ohne die App wechseln zu müssen." Und tatsächlich ist das Tool damit schon recht genau umrissen. 

Egal wo auf dem Handy: Seht Ihr ein Kleidungsstück, eine Sehenswürdigkeit, eine Speise oder sonst was, zu dem Ihr weiterführende Informationen sucht, aktiviert Ihr mit einem langen Druck auf den Home-Button die KI-Suche. Alternativ aktiviert Ihr die Gestennavigation durch das lange Drücken des Touch-Balkens am unteren Bildschirmrand. Jetzt kreist Ihr das Objekt Eurer Begierde ein (oder tippt einfach drauf) und schon rauschen die Suchergebnisse rein, ganz unabhängig davon, ob Ihr im Browser seid, irgendeine App nutzt, oder auf dem Homescreen unterwegs seid. 

Somit ist Circle to Search knapp zusammengefasst so etwas Ähnliches wie Google Lens, nur deutlich unkomplizierter.

Circle to Search: Vorerst exklusiv für Samsung und Google

Circle to Search ist ein von Google entwickeltes KI-Tool, aber die ersten Geräte, auf denen wir es vorfanden, waren die der Samsung-Galaxy-S24-Familie. Dass Google auch seine aktuellen Pixel-Phones bedenkt, erklärten die Kalifornier direkt selbst in der Pressemitteilung zu "Circle to Search" im Januar: "Circle to Search kommt am 31. Januar auf ausgewählte Premium Android-Smartphones – dem Pixel 8, Pixel 8 Pro und der neuen Galaxy S24-Serie – in allen Sprachen und überall dort, wo sie erhältlich sind."

Damit steckte Google bereits einen sehr engen Claim ab, was die Verfügbarkeit angeht. Relativ überraschend folgte dann die Ankündigung für die Pixel-7-Smartphones im Rahmen des Android-Feature-Drops im März. Wenn Ende März Android 14 mit One UI 6.1 (Test) auf weitere Samsung-Galaxy-Devices eintrudelt, wird dann auch Galaxy AI dort am Start sein. Das bestätigte Samsung bereits offiziell. Das bedeutet, dass diese Funktion auf absehbare Zeit nur auf sehr ausgewählten Galaxy- und Pixel-Devices zu finden sein wird. Nicht einmal das Pixel Fold (Test) hab bislang eine Ankündigung für Circle to Search erhalten. 

Aber wann werden weitere Hersteller folgen? Marken wie Honor arbeiten eifrig an eigenen KI-Features, aber dennoch wäre Circle to Search ja für jedes Android-Smartphone eine spannende Ergänzung, oder? 

Möglich ist es, dass die Funktion sogar bis zum 05. Oktober 2024 exklusiv Samsung und Google vorbehalten bleibt. Darauf weist zumindest eine Pressemitteilung von Samsung in den Niederlanden hin. Die besagte Stelle ist mittlerweile wie von Zauberhand verschwunden, aber im Internet kommt ja zum Glück nichts weg. Ursprünglich schrieb Samsung Nederland in der Pressemitteilung, in der es um die Verkaufsrekorde der S24-Reihe ging, Folgendes:

Circle to Search: exklusiv auf Samsung- und Google-Geräten

Das Galaxy S24 öffnet nicht nur die Tür zur Zukunft der Kommunikation, sondern ist auch eines der ersten Handys, das Circle to Search mit Google bietet. Und das macht das S24 einzigartig, denn diese Funktion wird bis September dieses Jahres nur auf Samsung- und Google-Geräten verfügbar sein.

Und in einer Fußnote ging es weiter mit:

Circle to Search wird ab Januar 2024 für die Google-Pixel-8-Serie und die Samsung-Galaxy-S24-Serie verfügbar sein. Circle to Search könnte ab dem 5. Oktober 2024 auch auf Android-Geräten anderer Marken verfügbar sein, aber dafür sind keine aktiven Entwicklungen im Gange.

Mein Eindruck ist daher, dass wir es hier mit einem vorerst exklusiven Feature zu tun haben, bei dem Google uns aber nicht so explizit erzählen möchte, dass es zumindest auf Zeit exklusiv ist. Immerhin heißt es auch in der entschärften Pressemitteilung von Samsung Nederland noch, dass Circle to Search exklusiv für beide Unternehmen ist und verweist auf die enge Beziehung. Gerben van Walt Meijer, Marketing Manager Mobile bei Samsung Nederland, sagt:

Die Tatsache, dass Google diese innovative Technologie nur für seine eigenen Geräte und die von Samsung zur Verfügung stellt, spricht für die gute Beziehung und das Vertrauen zwischen beiden Unternehmen.

Da war doch mal was: Ein Android-Déjà-vu

Vor etwa 700 Wörtern versprach ich Euch, dass ich auf potenzielle Fehler Googles zu sprechen kommen werde. Geduldet Euch dafür noch einen kleinen Moment, denn davor gibt es noch eine kleine Zeitreise. Es geht zurück ins Jahr 2012, als Google mit Android 4.1 Google Now vorstellte. Es gab diese kontextbasierten Karten und Ihr konntet damals bereits per Sprache mit Eurem Smartphone interagieren. Google Now wurde dann 2017 eingestampft zugunsten des Google Assistant. 

Ein Nexus 5 mit der Now on Tap Anwendung im Einsatz
Ein Urahn von "Circle to Search": Now on Tap auf dem Nexus 5 / © nextpit

Aber ziemlich genau dazwischen, nämlich 2015, brachte uns Google ein Feature namens "Google Now on Tap". Okay, nach Deutschland kam Google Now on Tap erst 2016 mit dem Marshmallow-Update.Aber wir wollen jetzt nicht um ein Jahr früher oder später streiten. Wichtiger ist, was diese Funktion machte. Wieder lasse ich es Google in eigenen Worten erklären:

Mit Now on Tap könnt ihr einfach den Home-Button gedrückt halten und so Hilfe anfragen, ohne mit dem, was ihr in einer App oder auf einer Website gerade tut, unterbrechen zu müssen. Wenn euch ein Freund zum Beispiel eine WhatsApp-Nachricht wegen eines Besuchs des neuen Star Wars Films schickt, könnt ihr Now on Tap aufrufen, ohne WhatsApp zu verlassen.

Klingt bekannt? Ja, finde ich auch. Im Grunde war das schon genau der Circle-to-Search-Trick, nur dass wir die Suche damals noch nicht mit dem simplen Einkreisen auslösen konnten. Aber der Ansatz, an jedem Ort auf dem Handy unkompliziert Suchanfragen abzusenden, ist nahezu identisch. Ihr konntet damals bereits im Chat über ein Restaurant sprechen und daraufhin danke Now on Tap direkt einen Tisch reservieren, Rezensionen lesen, oder Euch den Weg zum Restaurant erklären lassen. 

Falls Ihr Euch fragt, was ich für ein verdammtes Superbrain habe, dass sich daran noch erinnert: Nope, so ist es nicht leider. Vielmehr bin ich bei der Recherche über den interessanten Beitrag von JR Raphael für Computerworld gestolpert. Er schreibt auch über das Schicksal dieser hochinteressanten Funktion, aber dazu komme ich jetzt im letzten Abschnitt. 

Mach diese Fehler nicht noch einmal, Google

Fehler 1: Mangelndes Durchhaltevermögen

Wie erwähnt, hat der Google Assistant 2017 Google Now abgelöst. Daran ist grundsätzlich nichts Verwerfliches, denn wenn ein Dienst von einem fortschrittlicherem abgelöst wird, profitieren wir als Smartphone-Nutzende ja alle. Okay, das stimmt nur, wenn ein geliebtes Feature nicht plötzlcih ins App-Nirwana befördert wird. Und ja, genau das geschah seinerzeit mit Now on Tap: Es verschwand spurlos und reihte sich ein in eine endlose Liste von Google-Diensten, die das Unternehmen mehr oder wenig überraschend einstampfte (Ach, 'Google Reader, ich vermisse Dich immer noch!!).

Ich finde, es war ein schwerer Fehler, da nicht am Ball zu bleiben. Was Google offensichtlich ähnlich sieht, wenn heute mit Circle to Search der moderne, jüngere Bruder dieser Idee für Furore sorgt. Vielleicht schafft es Google ja, diesen Fehler nicht zu wiederholen.

Aber sei es drum: Dieser ominöse Drang, beliebte Features zu kicken, ist nicht das Einzige, was mir Sorgen macht, liebes Google. 

Fehler 2: Unsinnige Exklusivität

Es ist auch diese zumindest zeitweise Exklusivität von Circle to Search, die mich beunruhigt. Auch da fällt mir ein Beispiel ein, das sich für Google nicht ausgezahlt hat, und erst recht nicht für andere Smartphone-Hersteller aus dem Android-Lager. Mit den Pixel-Smartphones hat Google ja echte Kamera-Wunder am Start. Dabei ging es dem Unternehmen von Anfang an nicht nur um die notwendige Hardware, sondern gerade auch darum, softwareseitig so viel wie nur möglich aus den Sensoren herauszukratzen. 

Google Pixel 8 Pro
Das Google Pixel 8 Pro ist das bis dato beste Kamera-Handy des Unternehmens. / © nextpit

Das Problem dabei: So innig wie sich Googles Programmierer:innen jetzt auf die Pixel-Kamera stürzten, so wenig interessiert war man plötzlich an der eigentlichen in Android integrierten Kamera-App. Die Entwicklung stagnierte und traf so manchen Hersteller ins Mark. Diejenigen, die für herausragende Kamera-Smartphones bekannt waren – beispielsweise Samsung und Huawei – konnten das aus eigener Kraft kompensieren. Aber viele andere Marken schauten in die Röhre und brauchten eine, wenn nicht sogar zwei Generationen, um den Rückstand bei der Bildqualität halbwegs wieder aufzuholen. 

Es wäre also schön, wenn Google jetzt nicht wieder den Fehler beginge, die eigenen Smartphones – und die vom treuen Partner Samsung – mit starken Entwicklungen zu pushen, und dabei den Rest der Android-Welt zu vernachlässigen. Das bringt mich zum dritten Fehler:

Fehler 3: Schlechtes Timing

Nur mal angenommen, Das Ende des Monats September bzw. der 05. Oktober markiert tatsächlich das Ende der Exklusivität: Wäre das vielleicht der Zeitpunkt, an dem Google das Pixel 9 inklusive Android 15 vorstellt? Möglich, dass Google die neue OS-Iteration für das passende Ereignis hält, Circle to Search für weitere Smartphones und Hersteller auszurollen. Aber irgendwie erwarten wir vorher auch noch ein neues iPhone und mit ihm iOS 18

Menschen, die bei Apple nah dran sind, erwarten aus Cupertino ein massives Software-Update mit irrsinnig vielen KI-Funktionen, die tief ins System integriert werden. Anfang September steht uns also ein Launch-Event ins Haus, bei dem Apple vermutlich ein KI-Feuerwerk abbrennen wird. Wenn Google tatsächlich so lange abwartet, bis es seine eigenen KI-Features breiter verfügbar macht, öffnet man Apple die KI-Tür sperrangelweit und bereitet dem Konkurrenten so quasi die Bühne. Apple wird das sicher nutzen und uns mit magischem KI-Zauber die Marketing-Geschosse reihenweise um die Ohren hauen. Seid Euch übrigens auch sicher, dass Apple uns schon im Sommer bei der WWDC entsprechende Einblicke gewähren wird.

Fehler 4: Marketing

Ich hab einen Moment überlegt, ob ich das Google wirklich als Fehler ankreiden möchte. Denn immerhin ist Circle to Search das prominenteste neue KI-Feature im Samsung-Flaggschiff, es gab eine eigene Pressemitteilung nur für die Verfügbarkeit dieser Funktion und augenscheinlich erfreut sie sich auch bereits großer Beliebtheit, wo sie verfügbar ist. 

Circle to search wird beim MWC von Google demonstriert
Beim MWC 2024 machte Google auf der "Circle to Search"-Wand darauf aufmerksam, wie nützlich die Funktion ist. / © nextpit

Aber da wir gerade über Apple sprachen: Überlegt Euch, was Apple aus "Circle to Search" gemacht hätte, wäre das ein Feature, dass man uns mit einem neuen iPhone präsentiert! Es hätte ein Feuerwerk an Superlativen gegeben, den ein oder anderen Diss Richtung der Konkurrenz und vermutlich hätte man sich auch einen sehr smarten Namen für die Funktion ausgedacht, die weniger sperrig daherkommt wie ein "Circle to Search". iFind vielleicht oder iSearch, was weiß ich ... 

In der Folge hätte uns Apple medial damit überrollt, sodass wir gar nicht anders können würden, als diese neue Funktion kennenzulernen. Aber wie gesagt: Ich glaube, dass Apple das einfach besser beherrscht als der Rest des Marktes, weshalb ich das Google allenfalls als "Fehlerchen" ankreiden möchte. 

Fazit

Damit sind wir am Ende meines viel zu langen Textes und an dem Punkt, an dem ich konsterniert konstatieren muss: Google hat ein bärenstarkes neues Feature am Start, enthält das aber viel zu lange viel zu vielen Unternehmen vor und erzählt der Welt nicht laut und oft genug davon. Wenn alle Anbieter wie selbstverständlich Circle to Search auf ihren Handys implementieren könnten, wäre das flächendeckend schneller als Begriff und als Funktion etabliert, noch bevor Tim Cook auch nur ein einziges Mal "AI" ins Mikro hauchen kann bei seiner iPhone-Keynote. Über allem baumelt auch noch dieses "Wir killen coole Features oft viel zu früh"-Damoklesschwert. 

Deswegen schicke ich jetzt abwechselnd Appelle, Stoßgebete und Durchhalteparolen Richtung Mountain View: Haltet durch, haut mehr auf den Putz, was Eure Features angeht und bringt sie verdammt nochmal schneller auf viel mehr Geräte! Danke!

So, während ich mich wieder ein bisschen beruhige, frage ich mal in die Runde: Übertreibe ich es, sehe ich es zu schwarz – oder bewerte ich dieses KI-Feature schlicht zu hoch, um hier so viel Wirbel zu veranstalten? Schreibt es mir gern in die Kommentare.

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Zu den Kommentaren (5)
Carsten Drees

Carsten Drees
Senior Editor

Fing 2008 an zu bloggen und ist irgendwie im Tech-Zirkus hängengeblieben. Schrieb schon für Mobilegeeks, Stadt Bremerhaven, Basic Thinking und Dr. Windows. Liebt Depeche Mode und leidet mit Schalke 04.

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5 Kommentare
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  • 27
    BuddyHoli vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Ok, gehen wir die Fehler, von denen es hier im Artikel mehr gibt als im tatsächlichen KI-Konzept, mal durch.

    Fehler 1: Das "Einstampfen von Google Diensten"
    Was erwartest Du? Die Welt entwickelt sich weiter. Ältere Hardware wird zu neuerer Software inkompatibel. Neuen Anforderungen führen dazu, dass neue Lösungen entwickelt werden müssen. Das ein Dienst von einem anderen ersetzt wird, ist weder ein "just Google" Ding, noch irgendwie ungewöhnlich. Der Google Reader, wenn Du ihn hier schon als unpassendes Beispiel erwähnst, wurde aber nicht entfernt, weil er durch einen anderen ersetzt wurde, sondern weil die Akzeptanz des Readers nach 10 Jahren einfach nicht mehr da war... wahrscheinlich, weil Really Simple Syndication inzwischen einfach aus der Mode ist.

    Fehler 2: Exklusivität
    Ich verstehe die Konzentration auf eine Watsche gegen Google nicht, besonders weil besonders Samsung, aber damals auch Huawei und Xiaomi schon lange bevor es Google Pixels gab genau das getan haben. Man lizensiert das Betriebssystem Android für seine Geräte und baut ein irrsinniges Feature-Paket, bezogen aus Hard- und Software, on top, um dem Benutzer das beste Erlebnis zu bieten, was letztlich auch extreme Auswirkungen auf die Attraktivität des Produkts und damit auf das Kaufinteresse hat. Warum sollte Google darauf verzichten, exklusive Hard- und Software anzubieten und sich damit selbst benachteiligen? Die einzige sinnvolle Lösung für dieses Problem wäre, wenn die großen Hersteller zusammenarbeiten würden und solche und andere Key-Features flächendeckend entwickeln und ausliefern würden. Dass es hierfür keine Chance gibt, zeigen Embargos gegen chinesische Produkte oder die einfache Tatsache, dass es überhaupt Android UND iOS gibt. Es gibt keinen einzigen Grund, warum Größen des Smartphone-Sektors nicht daran arbeiten sollten, Entwicklungen zu tätigen, die ihren Geräten einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen.

    Witzig an der Stelle: Besonders die Pixel-Geräte haben unzählige Bugs, mehr Bugs, als ich je bei einem anderen Smartphone gesehen habe und darunter auch Kleinigkeiten, die andere Hersteller bereits seit Jahren besser machen. Die ellenlange Softwareaktualisierung beispielsweise oder die erst kürzlich vollzogene Trennung von Klingelton- und Benachrichtigungston.

    Fehler 3: Schlechtes Timing
    "Menschen, die bei Apple nah dran sind, erwarten aus Cupertino ein massives Software-Update mit irrsinnig vielen KI-Funktionen, die tief ins System integriert werden." Offenbar kennst du dich in der Apple-Welt nicht mehr wirklich aus. Das war früher mal so, aber ich kann mich in den letzten 6-7 Jahren an kein einziges Update mit Stand-Alone-Features erinnern, mal ganz abgesehen von der KI, die Apple meiner Meinung nach komplett verpennt hat. Nicht so sehr wie OnePlus, aber deutlich hinter Samsung und Google.
    "Wenn Google tatsächlich so lange abwartet, bis es seine eigenen KI-Features breiter verfügbar macht, öffnet man Apple die KI-Tür sperrangelweit und bereitet dem Konkurrenten so quasi die Bühne." Wieder falsch. Selbst wenn Apple die KI-Features für seine iOS-Welt ausbreitet (was hardwaretechnisch für die meisten älteren i-Geräte gar nicht funktionieren wird), werde ich als Android-User davon nicht überzeugt. Die Marktanteile an iOS-Smartphones haben sich in den letzten 10 Jahren nicht wirklich verbessert (2014 48%, 2024 34%), während Android von 2014 (49%) auf heute (66%) deutlich gestiegen ist. Im November 2018 gab es Android tiefsten Einschnitt und Apples höchstes hoch. Warum? Keine Ahnung. Witzigerweise war das der Zeitraum, zu dem Tim Cook seine Aussage über den angeblich starken iPhone-Markt in China tätigte, die zu einer Sammelklage der Aktionäre wegen Falschprognose führte und Apple 490 Millionen Dollar kostete.
    Apple wird ganz sicher KI-Funktionen präsentieren. Aber es ist doch eher anzunehmen, dass sie damit zur Android-Welt aufschließen und sich nicht über sie hinwegsetzen, was in der Vergangenheit ohnehin nicht klappte.

    Fehler 4: Marketing
    Ich habe das nun drei mal gelesen und denke immer noch: Was für ein Blödsinn. Apples Fernsehwerbung der letzten Jahre ist doch nicht gut, sondern eher irreführend und täuschend. Man präsentiert Funktionen, die vielleicht was her machen, bezeichnet die als exklusiv (nur auf dem iPhone), aber die Android-Welt nutzt genau das schon seit einem halben Jahrzehnt. Und zu allem Überdruss steht dann am Ende im Kleingedruckten, dass die Funktion nur auf ganz wenigen Modellen verfügbar ist. Das nenne ich arglistige Täuschung und genau das sollte in diesem Land verboten sein. Dass Google nicht mit shared Features wirbt, macht schon deswegen Sinn, weil diese Features eben genau deshalb nicht exklusiv sind. Ich finde auch die Google Werbung nicht wirklich ansprechend. Viel zu moderne Farbschock-Therapien, die schon meine Generation und auch die meiner Eltern nicht mehr ansprechen. Aber dennoch haben wir alle ein Pixel, weil das Handling einfach geiler ist als auf dem iPhone. Und weil wir mit Samsung bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht haben, besonders was die Verarbeitungsqualität angeht. Aber hierzu sei gesagt, dass eine Displayreparatur beim Pixel auch sündhaft teuer ist.


  • 27
    Oleole vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Ich finde es eher positiv, dass Google beim Marketing nicht derart überzieht wie Apple.
    Meine Lieblingssituation ist nach wie vor (aus dem Jahr 2019) als Phil Schiller von Apple eine neue Kammerfunktion des iPhone mit "computational photography mad science" beschreibt und dann einen Monat später Marc Levoy von Google bei der Pixel Präsentation das Ganze nüchtern mit "This isn’t mad science - it’s just simple physics" kontert. Das zeigt, wie unterschiedlich die beiden Unternehmen kommunizieren. Und Googles Art ist mir da wesentlich sympathischer!


  • 69
    Michael K. vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Ich finde schon, dass Du es zu schwarz siehst oder übertreibst und was die Fehler 2 und 4 betrifft auch nicht widerspruchsfrei bleibst.
    Google ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das zusehen muss, dass es für sich selber Einnahmen generiert. Auch wenn die Verbreitung und der Erfolg von Android Google nicht gleichgültig sein kann, ist es nicht in erster Linie der wirtschaftliche Erfog der Android-Wettbewerber, an dem Google interessiert sein muss.

    Was den ersten Fehler betrifft, wurde auch schon hier in Foren häufig kritisiert, dass Google zu schnell aussichtsreiche Projekte aufgibt. Doch das ist eben die Anwendersicht. Ob diese Projekte tatsächlich erfolgversprechend waren kann aber niemand besser beurteilen, als Google selber, das Metriken für Verbreitung und Nutzung sowie deren Veränderung bei diesen Projekte hat. Und so manches Unternehmen, das zu lange auf ein totes Pferd gesetzt hat, ist mit ihm in den Tod geritten.

    Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann ist, warum Exklusivität ein Fehler sein soll, und insbesondere nichr, warum Marketing für ein Feature, über das man nicht exklusiv verfügt überhaupt sinnvoll sein soll. Darin sehe ich sogar einen Widerspruch: fehlendes Marketing für ein Feature als Fehler zu bezeichnen, dessen Exklusivität gleichzeitig ein Fehler sein soll.
    Aber Schritt für Schritt: im Hardwarebereich ist Exklusivität ein hervorragendes Verkaufsargument, das zeigen Geräte mit Pro- oder Ultrazusatz, die sich deshalb gut und nicht selten zu einem exorbitantem Aufpreis verkaufen lassen, eben weil sie exklusive Features wie eine besonders hochwertige Kamera haben. Und wie richtig dieser Denkansatz verallgemeinert auf Software oder "Funktionalität" funktioniert zeigen Funktionen wie " Dynamic Island" bei Apple, die man natürlich auch in den kostengünstigen Modellen hätte verbauen können, den teureren aber ein Stück ihrer Exklusivität damit genommen hätten.
    Und so kann ich nicht nur gut verstehen, dass Google und Partner Samsung erstmal eine Weile alleine an "Circle to Search" verdienen wollen, sondern ich gehe davon aus, dass genau das sich auch rechnet.
    Und was das Marketing betrifft: warum sollte Google ein Feature mit eigenem teuren Werbebudget bewerben, an dem dann in erster Linie ein Partner (Samsung) oder sogar der ganze Android-Wettbewerb (in Fall einer schnellen Freigabe für alle) dann verdienen? Wäre es nicht im Fall von "Circle go Search" in erster Linie Sache von Samsung mit wesentlich höherem Marktanteil als Google selber, auch Werbung dafür zu machen? Und Samsung selber mit seinem riesigen Marktanteil in der Mittelklase und im Einsteigerbereich könnte das Feature auch sehr viel stärker verbreiten. Das macht es aber zumindest kurzfristig nicht, was auch darauf hindeutet, dass sich Differenzierung und Exklusivität halt doch rechnen.

    Übrigens gibt auch Apple gelegentlich Projekte auf oder verschiebt sie in die Zukunft, ohne dass jemand auf die Idee käme, dem Unternehmen Sprunghaftigkeit oder mangelndes Durchhaltevermögen vorzuwerfen. Glaubt man den Medien, dürfte sich ein eigenes "iAuto" bis auf Weiteres erledigt haben, und auch die vielversprechenden Pläne für Mikro-LED-Displays dürften sich zumindest weiter in die Zukunft verschieben. So hat Partner AMS-Osram ein eigens dafür gebautes Werk wieder aufgegeben.
    Dazu passt ein Artikel in der Zeitschrift "c't", wonach autonomes Fahren in den Stufen 4 und 5 wohl doch zumindest bei privat genutzten PKW noch einige Jahre länger auf sich warten lassen wird, als man das ursprünglich annahm.
    Und so kann man auch an diesen Beispielen sehen, dass was aus Sicht von Konsumenten "Fehler" sind, aus Sicht der betroffenen Unternehmen u.U. nichts weiter als wirtschaftliche Vernunft ist.


    • Carsten Drees 28
      Carsten Drees
      • Staff
      vor 1 Monat Link zum Kommentar

      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich glaube, unsere Ansichten laufen deswegen relativ weit auseinander, weil Du Google (in meinen Augen, korrigier mich gerne) einfach nur als einen weiteren Hersteller siehst. Ich sehe ihn hier aber nicht in erster Linie als Hardware-Hersteller, sondern als das Unternehmen hinter Android, das vor allem in den USA zu kämpfen hat gegen iOS und Apple. Das geht dort ja so weit, dass man als sozial schlechter gestellt eingeschätzt wird, wenn man dort "nur" ein Android-Phone statt eines iPhones nutzt.
      Deswegen geht es für mich bei Android und Google auch immer noch darum, die Plattform beliebter zu machen und iOS Kunden abzugraben. Deswegen ergibt es meines Erachtens auch Sinn, wenn Google Features für alle Android-Hersteller anbietet und Quasi-Standards mitdefinieren könnte, statt sie nur exklusiv für die Spitzenmodelle zweier Hersteller auszurollen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube, dass Google mehr auf den Erfolg von Android schielt als auf die Verkäufe bei den Pixel-Phones.


      • 69
        Michael K. vor 1 Monat Link zum Kommentar

        Dass Google bei Android einen "Eiertanz" vollführen muss, bei dem es einerseits darauf achten muss, seinen Einfluss bei Android und dem von Android am Gesamtmarkt nicht zu vernachlässigen, anderseits aber auch zusehen muss, seine Aufwendungen für die Fortentwicklung von Android zu refinanzieren, erkenne ich durchaus an. So zeigt das Beispiel Huawei, dass ein Hersteller, der zu viele Vorteile von Android nicht nutzen darf, wie die Google-Dienste und den Playstore, auch seine ganz eigenen Wege gehen kann, und mit einem auf die eigene Hardware optimiertem Betriebssystem sogar damit neue Wertschöpfung generieren kann.
        Dass Android-Nutzer als "sozial schlechter" (gestellt) angesehen werden, im nicht unüblichen Sinn von "weniger verdienen" (eine übliche aber m.M. nach unsinnige Definition, da hoher Verdienst nicht mit sozialem Verhalten oder auch nur sozialer Integration verknüpft ist) halte ich für gut möglich, weil der Schnitt der iPhone-Nutzer aufgrund der Preisstruktur beider Gerätekategorien besser verdienen dürfte.
        Solches Prestigedenken ist eigentlich "aus der Zeit gefallen" und berücksichtigt nicht, dass es einerseits "Vernunftkäufer" gibt, die Geräte aus pragmatischen Gründen kaufen, und damit solche, die nur das können, was auch benötigt wird, führt anderseits aber auch dazu, dass Leute Geräte kaufen, die sie sich eigentlich nicht leisten können.
        Gerade mit Hinsicht auf solches Prestigedenken hielt ich es aber nicht für klug, pfiffige Features wie "Circle to Search" auf jedes 100 € Handy zu bringen, und ihnen dann innerhalb kurzer Zeit das besondere zu nehmen, denn was jeder hat, ist halt nichts besonderes mehr.
        Verbindet man solche Features dagegen mit teuren High-End Geräten wie dem S24 oder dem Pixel 8 zeigt das dem "Prestigedenker" gleich, dass ein Android-Nutzer kein Geringverdiener sein muss, und dass teure Androide auch Features aufweisen können, die ebenfalls teure Wettbewerber (noch) nicht haben.

        Was ich mir aber nur schwer vorstellen kann ist, dass solche Überlegungen, wo der optimale Kompromiss zwischen Einfluss auf Android und direktem Nutzen für das eigene Unternehmen liegt, nicht auch von Google-Managern angestellt worden sind, und dass diese mit den Entscheidungen die diesbezüglich getroffen worden sind so falsch liegen, dass man diese Entscheidungen im beschriebenen Sinn als Fehler titulieren kann.

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